Jonny Clayton hat sich mit einiger Mühe für die zweite Runde des
World Grand Prix 2026 qualifiziert. Der Waliser setzte sich am Montagabend in Leicester mit 2:1 in Sätzen gegen Krzysztof Ratajski durch, musste dafür allerdings hart kämpfen. Anschließend war das bekannte Lächeln bei „The Ferret“ schnell wieder zurück – und auch sein jüngster Sieg über Luke Littler wurde zum Thema. Nach Claytons Eindruck hat die Nummer eins der Welt die Niederlage von Amsterdam jedenfalls noch nicht vergessen.
Bei den World Series of Darts Finals hatte Clayton im Viertelfinale mit einem deutlichen 10:4-Erfolg für Littlers Ausscheiden gesorgt. Auf die Frage, wie viel Selbstvertrauen ihm dieser Sieg gegeben habe, erzählte der Waliser eine bemerkenswerte Anekdote. „Er hat mich neulich angesehen, und ich konnte in seinen Augen sehen, dass er dachte: ‚Beim nächsten Mal fege ich dich vom Board.‘ Das konnte ich einfach sehen!“,
scherzte Clayton auf seiner Pressekonferenz unter anderem gegenüber Dartsnews.de. Anschließend betonte er jedoch seinen großen Respekt vor Littler. „Spaß beiseite: Er ist ein großartiger Junge und enorm wertvoll für den Dartsport.“
Clayton über Littler: „Ich wollte seine Serie stoppen“
Die Voraussetzungen beim
World Grand Prix unterscheiden sich allerdings grundlegend von denen bei den World Series of Darts Finals. In Leicester muss jedes Leg nicht nur auf einem Doppel beendet, sondern auch auf einem Doppel eröffnet werden. „Es ist ein anderes Match, oder? Du musst mit einem Doppel beginnen und mit einem Doppel enden. Es ist ein komplett anderes Spiel, also denke ich vor allem daran, dass ich das erste Doppel treffen muss“, erklärt Clayton. Dennoch tat ihm der deutliche Erfolg gegen Littler gut. „Wie auch immer, ich wollte seine Serie stoppen.“
Nach seinem eigenen Auftaktmatch äußerte Clayton sogar die Hoffnung, später im Turnier erneut auf Littler zu treffen – dieses Mal im Finale. Diese Möglichkeit zerschlug sich jedoch noch am selben Abend,
als der Titelverteidiger überraschend gegen Luke Woodhouse ausschied.
Verpasste Chance in Amsterdam tat weh
Für Clayton selbst war das Turnier in Amsterdam eine Runde nach seinem Triumph über Littler beendet. Im Halbfinale erwies sich Gerwyn Price als zu stark. Besonders bitter: Mit dem Einzug ins Finale hätte sich Clayton zugleich einen Startplatz beim Grand Slam of Darts gesichert.
„Wir fahren alle zu jedem Turnier, um zu gewinnen. Ich mache das, aber jeder andere Spieler auch“, sagte Clayton. „Ich hatte die Chance, das Finale zu erreichen und damit meinen Platz beim Grand Slam zu sichern. Es sind diese kleinen Dinge, die wehtun, weißt du?“
Ausreden für die Niederlage gegen seinen walisischen Landsmann suchte Clayton dennoch nicht. „Am Ende hat Gez besser gespielt als ich und das Match gewonnen. Er hat seinen Job gemacht und ich nicht. So funktioniert dieses Spiel. Das ist Darts.“
Lange an dieser Enttäuschung festzuhalten, ergibt für Clayton ohnehin wenig Sinn. „Diese Woche ist komplett anders. Double-in, Double-out. Wie gesagt: Wir stehen alle dort, um zu versuchen, auch dieses Turnier zu gewinnen.“
Clayton entkommt gegen Ratajski
Dass Clayton beim World Grand Prix weiterhin vom Titel träumen darf, verdankte er vor allem seiner eigenen Widerstandsfähigkeit in einem äußerst zähen Auftaktmatch. Ratajski erwischte den deutlich besseren Start und entschied die ersten beiden Legs für sich. Anschließend erhielt der Pole mehrere Gelegenheiten, auch den ersten Satz zu gewinnen, ließ diese jedoch ungenutzt.
Clayton bestrafte die vergebenen Chancen konsequent und gewann drei Legs in Folge, um sich den Auftaktsatz doch noch zu sichern. „Ich wusste, dass ich gegen Krzysztof spielen würde, und Krzysztof verschwindet nie aus einem Match. So ein Spieler ist er. Er ist ein großartiger Spieler“, so Clayton. „Er begann gut, konnte es für mich zum Glück aber nicht zumachen.“
Vor allem seine Starts hielten den Waliser nach eigener Einschätzung in der Partie. „Ich denke, meine Starts haben mich auch im Spiel gehalten. Er hat mir Chancen gegeben und ich habe sie genutzt.“
Im zweiten Satz bot sich Clayton schließlich die Möglichkeit, das Match endgültig zu entscheiden. Doch „The Ferret“ vergab einen Matchdart auf Tops, woraufhin Ratajski einen entscheidenden Satz erzwang. Auch dort bekam der Pole seine Möglichkeiten, ließ am Ende jedoch fünf Darts aus, um in der Partie zu bleiben.
Clayton entkam und sicherte sich das Ticket für die zweite Runde. „Ich liebe dieses Turnier, aber ich hatte es dort wirklich schwer“, räumte der Champion von 2021 ein. Auch die Bedingungen auf der Bühne machten ihm zu schaffen. „Es ist dort warm, mein Gott. Vor allem, wenn es nicht für dich läuft. Wenn du versuchst zu entspannen, fängst du noch mehr an zu schwitzen und es wird nur noch wärmer. Aber am Ende bin ich irgendwie über die Ziellinie gekommen.“
„Mein Alter wurde sichtbar“
Clayton gewann den World Grand Prix 2021 und erreichte im vergangenen Jahr erneut das Halbfinale. Entsprechend stellte sich die Frage, ob ihm das Überstehen einer derart kniffligen ersten Runde dabei helfen könne, im weiteren Turnierverlauf zu seinem Topniveau zu finden. „Ich weiß es nicht. Ich hoffe es, sonst fahre ich nach Hause!“, witzelte der Waliser.
Mit seiner eigenen Leistung war Clayton keineswegs rundum zufrieden. Besonders nach gelungenen Starts in die Legs fehlten ihm häufig die hohen Scores. „Ich bekam Chancen und habe sie genutzt. Aber wenn ich selbst anfangen durfte, kam ich gut über das Doppel rein und konnte das anschließend nicht mit guten Scores untermauern“, analysierte er.
Gerade die Tatsache, auch ohne seine beste Leistung gewinnen zu können, gibt Clayton allerdings zusätzliches Vertrauen. „Ich sage immer: Wenn du dich durch ein schlechtes Spiel durchbeißen kannst, sagt das etwas über dich aus. Es war nicht mein bestes Match. Es war auch kein schlechtes, aber sicher nicht mein bestes. Ich bin froh, dass ich da durchgekommen bin.“
Im Presseraum war das für Clayton typische Lächeln längst zurück, obwohl er zugab, auf der Bühne reichlich Nervosität verspürt zu haben. „Ich habe Vertrauen. Ein Lächeln steht mir ins Gesicht geschrieben. Da oben bin ich ein wenig in Panik geraten, aber gut. Am Mittwoch bin ich wieder da.“
Nervosität ist selbst für den erfahrenen Waliser nichts Ungewöhnliches. „Dasselbe passiert, wenn du zum Walk-on ansetzt. Dann bin ich ein bisschen nervös, aber sobald ich auf der Bühne stehe, beruhige ich mich normalerweise. Doch diesmal, mein Gott, da wurde mein Alter sichtbar. Ich war da oben doch ein wenig nervös.“
Jonny Clayton kämpfte sich beim World Grand Prix gegen Krzysztof Ratajski in die zweite Runde und trifft dort auf Wessel Nijman.
Vergleich mit Nathan Aspinall
Auch Nathan Aspinall musste in seinem Auftaktmatch bis an seine Grenzen gehen. „The Asp“ benötigte einen entscheidenden Satz, um Kevin Doets aus dem Turnier zu nehmen. Als Clayton darauf angesprochen wurde, dass auch er sich zunehmend zu einem Spieler entwickle, der sich selbst durch äußerst zähe Partien kämpfen könne, stellte er eines klar: Diesen Titel möchte er seinem guten Freund Aspinall nicht streitig machen.
„Das ist eine gute Eigenschaft, aber ich werde Nathan das nicht wegnehmen. Ehrlich gesagt ist Nathan wahrscheinlich der beste Kämpfer im Darts“, sagt Clayton. „Er ist ein großartiger Kerl. Wir sind gute Freunde und ich glaube, in der Hinsicht bin ich ihm ein bisschen ähnlich, weil wir niemals aufgeben.“
Gerade in Matches, in denen spielerisch nicht alles von selbst läuft, kommt es aus Claytons Sicht darauf an, geduldig auf den entscheidenden Moment zu warten. „Du wartest auf ein bisschen Glück. Wenn jemand zum Beispiel drei Darts auf eine niedrige Doppelchance verpasst und du danach 92 oder 72 checkst, was auch immer – das tut dem anderen weh.“
Dabei kann Erfahrung einen entscheidenden Unterschied machen. Clayton kennt Ratajski mittlerweile bestens und wusste bereits vor dem Match, dass der Pole ihm nichts schenken würde. „Erfahrung ist immer gut, oder? Egal bei welchem Turnier oder in welcher Sportart“, stellt Clayton fest. „Ich habe oft genug gegen Krzysztof gespielt. Ich weiß, was er kann. Er ist ein großartiger, ein brillanter Spieler und jemand, der jedes Mal, wenn er einen Dart in der Hand hat, eine Million Prozent gibt.“
Natürlich hätte Clayton das Match gerne früher entschieden. Gleichzeitig weiß er, dass Ratajski angesichts seiner zahlreichen vergebenen Möglichkeiten ähnlich empfinden dürfte. „Ich hätte es gern etwas früher beendet, aber Krzysztof denkt wahrscheinlich dasselbe, denn er hatte sehr viele Chancen. Dieses Match ist jedenfalls in meiner Tasche, Gott sei Dank.“
Die ersten vier Duelle am Montag gingen über die volle Distanz und wurden erst im entscheidenden Satz entschieden. Umso größer war bei Clayton die Erleichterung darüber, diese tückische erste Runde überstanden zu haben. „Best of three kann jeder gewinnen“, sagt er. „Ich bin froh, dass ich diese Runde hinter mir habe und vor allem froh, dass ich gewonnen habe.“
Vom Stuckateur zum Profi
Während der Pressekonferenz kam auch Claytons ungewöhnlicher Weg in den professionellen Dartsport zur Sprache. Über Jahre hinweg verband der Waliser seine Karriere am Oche mit seinem Beruf als Stuckateur. Erst als seine Laufbahn auf der Tour immer mehr Fahrt aufnahm, gab er seinen ursprünglichen Job auf.
„Als ich Stuckateur war, war Darts immer noch mein Hobby“, blickt Clayton zurück. „Es war völlig anders, denn ich ging zur Arbeit und danach zum Darts. Jetzt bin ich Vollzeit-Profi, und das ist eine Chance, die nicht viele bekommen. Es gibt Tausende, die versuchen, dorthin zu kommen, wo wir jetzt sind. Es fühlt sich gut an, wenn das gelingt.“
Dass er selbst eines Tages mit den größten Namen der Dartswelt auf einer Bühne stehen würde, hätte Clayton früher nicht für möglich gehalten. „Ich hätte keinen Moment gedacht, dass ich hier landen würde. Ich habe an jedem Weihnachten im Fernsehen Phil Taylor, Barney und Michael van Gerwen gesehen. Ich hätte nie gedacht, dass ich mit diesen Jungs auf derselben Bühne stehen würde.“
Je weiter Clayton in den Ranglisten nach oben kletterte, desto schwieriger wurde es allerdings, Beruf und Profisport miteinander zu vereinbaren. „Als ich angefangen habe, hatte ich Zeit zu arbeiten, weil ich noch nicht so weit oben stand und nicht überall gesetzt war. Jetzt bin ich diese Leiter hochgestiegen und spiele überall. Ich hätte gar keine Zeit mehr zu arbeiten.“
Die Entscheidung, sich vollständig auf den Dartsport zu konzentrieren, ergab sich deshalb irgendwann von selbst. „Du musst irgendwo anfangen. Ich begann als Stuckateur und Darts war mein Hobby. Danach musste ich mit dem Stuckateur-Job aufhören, um Vollzeit zu darten.“
Für Clayton ist dieser Schritt vor allem ein Zeichen dafür, auf seinem Weg vieles richtig gemacht zu haben. „Das ist etwas Positives, denn wenn du deinen Tagesjob aufgeben musst, machst du es offenbar gut und kannst davon leben. Ich glaube nicht, dass ich zum Stuckateur-Handwerk zurückkehren könnte.“
Seine eigene Geschichte macht Clayton zugleich zu einem interessanten Beispiel für Spieler, die aktuell versuchen, einen Beruf mit ihren Ambitionen im professionellen Dartsport zu verbinden. „Ich kann nur für mich sprechen. Ich habe die Chance ergriffen. Ich habe gearbeitet, um mein Geld zu verdienen, und daneben mein Hobby betrieben.“
Eine entscheidende Voraussetzung ist aus Claytons Sicht das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. „Wenn du dir etwas vornimmst und den Mut hast, die Chance zu ergreifen, kannst du erreichen, was ich erreicht habe. Darts ist jetzt mein Job und mein Einkommen. Wenn du daran glauben kannst, trainiere einfach weiter und gib dein Bestes.“
Nijman als nächstes Hindernis
Viel Zeit, um seinen hart erkämpften Erfolg gegen Ratajski zu genießen, bleibt Clayton nicht. Bereits am Mittwoch wartet in der zweiten Runde das Duell mit Wessel Nijman. Der Niederländer setzte sich zum Auftakt in zwei Sätzen gegen Rob Cross durch.
An sein bislang letztes Aufeinandertreffen mit Nijman bei einem großen TV-Turnier hat Clayton gute Erinnerungen. Beim World Masters im Januar gewann der Waliser das Erstrundenmatch der beiden mit 3:1.
Ob ihm auch seine früheren Erfolge beim World Grand Prix zusätzliches Selbstvertrauen für den weiteren Verlauf dieser Woche verleihen? Nach dem kräftezehrenden Abend gegen Ratajski wollte Clayton diesem Gedanken nicht mehr allzu viel Bedeutung beimessen.
„Das dachte ich wohl, bevor ich gegen Krzysztof gespielt habe, aber dieses Gefühl kann jetzt wohl aus dem Fenster!“, lachte er. „Es war ein Kampf. Es war echt knochenhart.“ Für Clayton steht deshalb fest, dass gegen Nijman eine Steigerung notwendig sein wird. „Hoffentlich finde ich in meinem nächsten Match wieder in meinen Rhythmus.“