„Es ist nur eine Frage der Zeit“ – Wessel Nijman wartet trotz acht Titeln auf seinen Major-Durchbruch

PDC
durch Nic Gayer
Dienstag, 29 September 2026 um 13:00
Wessel Nijman
Wessel Nijman gehört 2026 zu den erfolgreichsten Spielern auf der PDC Tour. Während der Niederländer mittlerweile acht Ranglistentitel gesammelt hat, wartet er auf den großen TV-Bühnen allerdings weiterhin auf seinen endgültigen Durchbruch. Noch nie erreichte Nijman das Viertelfinale eines Majors. Nach seinem Auftaktsieg gegen Rob Cross beim World Grand Prix hofft er, diese Marke in dieser Woche in Leicester endlich zu knacken.
Die Nummer zwölf der Welt setzte sich gegen Cross mit 2:0 in Sätzen durch und zog damit in die zweite Runde ein, wo am Mittwoch der ehemalige Champion Jonny Clayton wartet. Nijman führt sowohl die Pro Tour Order of Merit als auch die Players Championship Order of Merit an, verspürte nach seinem Erfolg gegen Cross aber vor allem eines: Erleichterung.

Nijman hofft auf die entscheidende Portion Glück

„Ohne zu sehr auf das Match selbst einzugehen, bin ich einfach sehr froh, dass ich das gewonnen habe“, sagte Nijman anschließend gegenüber Dartsnews.de. „Vielleicht ist das genau die Portion Glück, die ich brauche, um die späteren Runden bei solchen Turnieren zu erreichen.“
Das spielerische Niveau der Partie ordnete der Niederländer dabei durchaus realistisch ein. „Rob war natürlich nicht in Bestform. Ich selbst auch nicht. Es war wahrscheinlich nicht das beste Match des Abends, aber ich bin einfach enorm froh, dass ich es gewonnen habe.“

Acht Titel, aber noch kein Viertelfinale bei einem Major

Dass Nijman ein Match auch ohne seine beste Leistung erfolgreich über die Ziellinie bringen kann, könnte im weiteren Verlauf des World Grand Prix noch von großem Wert sein. Denn an seinen Ergebnissen bei den regulären Ranglistenturnieren mangelt es in dieser Saison keineswegs.
Allein 2026 gewann Nijman bereits sechs Players Championship-Turniere. Hinzu kommen zwei Titel auf der European Tour, auf der er in Göttingen und Bratislava jeweils den Pokal in die Höhe stemmen durfte. Acht Ranglistentitel unterstreichen, wie erfolgreich seine Saison bislang verlaufen ist.
Der nächste große Schritt lässt allerdings noch auf sich warten. Bei den bedeutenden TV-Turnieren kam Nijman bislang nie über das Achtelfinale hinaus. Auch bei den World Series of Darts Finals in Amsterdam war Anfang dieses Monats in dieser Runde Schluss, als sich James Wade mit 10:7 als zu stark erwies.
Nijman ist sich bewusst, dass gerade Siege in den ersten Runden der großen Turniere für seine weitere Entwicklung von Bedeutung sind. An seinen eigenen Fähigkeiten hat er allerdings zu keinem Zeitpunkt gezweifelt.
„Ich denke, das ist wichtig. Da hast du recht. Aber ich weiß auch, dass ich es in mir habe“, sagt Nijman. „Ehrlich gesagt habe ich nie an mir gezweifelt, weil ich weiß, dass ich so spielen kann und auf dieser Bühne mit jedem mithalten kann. Aber vielleicht braucht man manchmal ein bisschen Glück.“
Aus Sicht des Niederländers fehlt nur noch ein kleiner Schritt, um auch bei einem Major tief ins Turnier vorzudringen. „Es muss nur ein kleiner Schritt weiter sein, dann bin ich da. Darauf warte ich wahrscheinlich das ganze Jahr schon, und ich hoffe, dass es diese Woche passiert.“

Entwicklung ging viel schneller als erwartet

Nijmans Aufstieg verlief in den vergangenen Jahren in beeindruckendem Tempo. Seine Tour Card erspielte er sich über die Development Tour, ehe er anschließend auch auf höchstem Niveau erste Titel sammelte. Dass seine Entwicklung derart schnell voranschreiten würde, hatte er zu Beginn dieses Weges selbst nicht erwartet. „Ehrlich gesagt stand das nicht auf meiner Liste der Entwicklungen, als ich damals anfing. Das geht weit darüber hinaus“, räumt er ein.
Mittlerweile weiß Nijman, dass er spielerisch das Niveau besitzt, um jeden Gegner zu bezwingen. Wann ihm der große Durchbruch auf der TV-Bühne tatsächlich gelingt, lässt sich aus seiner Sicht jedoch kaum vorhersagen.
„Ich weiß, dass es in mir steckt, aber es ist schwer, dafür eine Timeline festzulegen. Ich weiß, dass ich es kann, und ich weiß, dass ich jeden schlagen kann. Ich weiß, dass ich dasselbe Niveau erreichen kann wie jeder andere, aber ich warte einfach auf diesen Moment. Hoffentlich kommt er ziemlich bald.“

„Sie machten mich schon zum fünften Favoriten“

Angesichts seiner zahlreichen Turniersiege wird Nijman inzwischen immer häufiger als Kandidat für einen großen TV-Titel gehandelt. Einen zusätzlichen Druck verspürt der Niederländer dadurch kaum. Schließlich hat er bereits erlebt, wie hoch die Erwartungen an ihn ausfallen können.
„Nicht wirklich“, antwortet er auf die Frage, ob seine Rolle als Außenseiter auf einen großen Titel für zusätzlichen Druck sorge. „Als ich meine zweite WM spielte, hatten sie mich schon als fünften Favoriten eingestuft. Viel mehr Druck als das wird es wahrscheinlich nicht geben.“
Entsprechend versucht Nijman, die Erwartungen von außen weitgehend auszublenden. „Ich setze mich selbst nicht allzu sehr unter Druck, aber ich möchte der Welt zeigen, dass ich es auch auf diesen großen Bühnen kann. Ich weiß, dass ich es kann. Es ist nur eine Frage der Zeit.“
Der erhoffte Durchbruch gelang ihm bei jener Weltmeisterschaft allerdings nicht. Als die Vermutung aufkam, dass ihn diese Erfahrung womöglich gelehrt habe, mit nahezu jeder Form von Druck umzugehen, erinnerte Nijman selbst an sein frühes Ausscheiden.
„Ich weiß nicht, ob ich da wirklich gut herausgekommen bin. Ich habe mein Erstrundenmatch gewonnen, aber dann in der zweiten Runde gegen Joe verloren“, blickt er zurück. „Ich weiß, dass ich alles aushalten kann, aber vielleicht ist es einfach ein Warten auf den richtigen Moment.“

Neue Chance gegen Clayton

Dieser Moment könnte bereits am Mittwoch gekommen sein. Dann trifft Nijman auf Clayton und würde mit einem Sieg erstmals in seiner Karriere das Viertelfinale eines Majors erreichen.
Der Waliser weiß allerdings bereits, wie es sich anfühlt, Nijman auf einer großen Bühne zu bezwingen. Bei den World Masters im Januar trafen die beiden ebenfalls aufeinander. Clayton entschied das damalige Erstrundenduell mit 3:1 für sich.
Entsprechend erwartet Nijman eine größere Herausforderung als noch gegen Cross. „Ich weiß, dass es ein schwierigeres Match wird als heute gegen Rob“, prognostiziert er.
An seinem Selbstvertrauen ändert das jedoch nichts. „Wie ich schon sagte: Wenn ich mein eigenes Spiel durchziehe und mein A-Game zeige, kann ich jeden schlagen. Ich hoffe, dass ich am Mittwoch mein A-Game zeigen kann.“
Clayton selbst musste bei seinem ersten Auftritt in Leicester hart um das Weiterkommen kämpfen. Der World-Grand-Prix-Champion von 2021 benötigte einen entscheidenden Satz, um Krzysztof Ratajski mit 2:1 zu bezwingen.

Ausscheiden von Littler lässt Nijman kalt

Der Eröffnungsabend des World Grand Prix hatte derweil gleich mehrere Überraschungen zu bieten. Michael van Gerwen schied bereits aus, und auch Titelverteidiger Luke Littler musste nach seinem ersten Match die Koffer packen. Littler unterlag Luke Woodhouse – unmittelbar vor Nijmans eigenem Auftritt gegen Cross.
Von der Partie bekam Nijman allerdings kaum etwas mit. „Ehrlich gesagt schaut man nicht wirklich auf das Match auf der Bühne, wenn man selbst als Nächster dran ist“, erklärt er. „Ich weiß eigentlich nicht genau, wie diese Partie gelaufen ist.“
Auch die frühen Niederlagen einiger prominenter Namen haben daher keinen Einfluss auf seine Herangehensweise an das Turnier. Nijman verschwendet noch keinen Gedanken daran, wem er möglicherweise in einem Halbfinale oder Finale begegnen könnte. Zunächst richtet sich sein kompletter Fokus auf Clayton. „Ich beschäftige mich nicht wirklich damit, wen ich eventuell in einem Halbfinale oder Finale treffen könnte. Ich sehe es einfach als das nächste Match, und das nächste Match ist gegen Jonny. Das reicht mir im Moment.“
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