Das
World Matchplay zählt zu den wichtigsten Terminen der PDC-Saison – nicht nur wegen der Preisgelder von bis zu 225.000 Pfund für den Sieger, sondern auch wegen seiner enormen Wirkung auf die
Weltrangliste. Kaum ein anderes Turnier sorgt für so viele Verschiebungen im Order of Merit wie das Event in Blackpool.
Ex-Profi
Matthew Edgar analysierte auf seinem
YouTube-Kanal Edgar TV sämtliche Bewegungen im Ranking. Er blickte dabei nicht nur auf Gewinner und Verlierer der vergangenen Woche, sondern auch auf den weiteren Saisonverlauf und den Kampf um wichtige Positionen wie die Top 16 der Welt oder einen Startplatz in der Premier League.
Bewegung auch abseits der Spitzengruppe
Bereits außerhalb der Top 32 zeigen sich deutliche Verschiebungen. Brendan Dolan verliert zwei Plätze, weil er beim World Matchplay nicht antrat. Mensur Suljovic und Kim Huybrechts machen dagegen jeweils einen Rang gut.
Edgar sieht darin ein typisches Muster für ein Turnier dieser Größenordnung: „Das World Matchplay ist das zweitgrößte Ranglistenturnier im Kalender, daher weißt du im Vorfeld, dass sich auf der Weltrangliste viel tun wird."
Zu den größten Verlierern zählt Dimitri Van den Bergh. Der Belgier rutscht gleich sieben Plätze ab und gerät laut Edgar zunehmend unter Druck: „Er befindet sich derzeit in der Gefahrenzone und muss in den Top 64 der Welt bleiben, um seine Tour Card zu behalten. Mit nur noch zehn Players Championship-Turnieren wird er ständig über die Schulter blicken müssen."
Auch Raymond van Barneveld gibt eine Position ab. Der Niederländer fehlte in Blackpool, nachdem er in früheren Jahren noch am Start war.
Ganz anders verläuft die Entwicklung von Niko Springer. Der Deutsche klettert auf Platz 39 der Weltrangliste und erreicht damit seine bislang beste Platzierung. „Das ist die höchste Platzierung auf der Rangliste, die Niko Springer je hatte", stellt Edgar fest. „Er verteidigt derzeit so gut wie kein Preisgeld. Alles, was er verdient, kommt einfach oben drauf. Sobald er künftig Preisgeld verteidigen muss, wird sich das ändern, aber vorerst ist alles reiner Gewinn." Edgar rechnet fest mit weiterem Aufwind: „Behalte ihn gut im Auge. Er wird vorerst nur weiter nach oben gehen."
Van Duijvenbode meldet sich eindrucksvoll zurück
Auch innerhalb der Top 32 bringt das World Matchplay einige Verschiebungen mit sich. Daryl Gurney fällt um drei Ränge zurück, weil er das Turnier verpasste. Dave Chisnall gewinnt trotz seiner Erstrundenniederlage gegen Wessel Nijman einen Platz, da er sich erst spät für das Feld qualifizierte. Andrew Gilding verliert zwei Positionen, nachdem er seinen Viertelfinaleinzug aus früheren Jahren nicht wiederholen konnte.
Lobende Worte findet Edgar für Cameron Menzies. Der Schotte bezwang Luke Humphries, zog ins Achtelfinale ein und musste seine Partie gegen Ross Smith schließlich abbrechen. „Man spürt irgendwo, dass das ein bisschen bitter ist. Cameron besiegte Luke Humphries und hätte gegen Ross Smith vielleicht auch gewinnen können. Dann stünde er noch höher."
Den größten Sprung in diesem Bereich der Rangliste schafft jedoch Dirk van Duijvenbode. Dank seines Halbfinaleinzugs klettert der Niederländer von Platz 28 auf Rang 23. Edgar bewertet diesen Erfolg als potenziell wegweisend: „Dieses Halbfinale kann kurzfristig karriereprägend sein." Er verweist dabei auf die schwierige Zeit, die Van Duijvenbode nach mehreren Verletzungen durchlebte: „Vor ein paar Jahren wussten wir nicht, wohin es mit Dirk geht. Durch seine Verletzungen wurde er bei großen Turnieren plötzlich zu einer günstigen Auslosung. Das ist jetzt definitiv nicht mehr der Fall."
Besonders sein Sieg gegen Gary Anderson hinterließ bei Edgar Eindruck: „Er spielte wirklich fantastisch, vor allem dieses Match gegen Gary Anderson. Ist dies der Beginn seiner Rückkehr in die Top 16 der Welt? Das ist eine interessante Frage."
Der Kampf um die Top 16 spitzt sich zu
Nathan Aspinall verteidigt seinen 16. Platz, weil seine direkten Konkurrenten kaum Boden gutmachen können. Jermaine Wattimena, Luke Woodhouse, Martin Schindler, Krzysztof Ratajski und Damon Heta kommen allesamt nicht über Preisgeld aus der ersten Runde hinaus. Dadurch bleibt der Abstand zu Aspinall nahezu unverändert: „Aspinall hält einen Vorsprung von etwa £21.000."
Ross Smith festigt seine Position durch den Einzug ins Viertelfinale. Bei Chris Dobey erkennt Edgar dagegen erste Warnsignale: „Bei Chris Dobey werden bald Fragen aufkommen, denn er rückt immer näher an das untere Ende der Top 16."
Ein Platz in den Top 16 bringt laut Edgar weit mehr als nur Prestige: „Du bist für die großen TV-Turniere gesetzt, wie das World Matchplay und den World Grand Prix. Wahrscheinlich gilt das auch für den Grand Slam of Darts. Außerdem bekommst du einen gesetzten Status auf der European Tour. Sobald du solide in den Top 16 stehst, ist es auch viel schwerer, wieder herauszufallen."
Wessel Nijman untermauert seinen Aufwärtstrend und erreicht mit Platz 13 ein neues persönliches Hoch. Edgar sieht darin nur eine Zwischenstation: „Er steht jetzt auf Rang dreizehn, aber ich denke ehrlich gesagt, dass er nur weiter steigen wird." Er traut dem Niederländer sogar den Sprung in die Premier League zu: „Ich bin wirklich der Meinung, dass das die Richtung ist, in die er sich entwickelt."
Gary Anderson profitiert ebenfalls von seinem Viertelfinaleinzug und überholt Ryan Searle. Sein starker Average von 109 im Auftaktmatch stimmt Edgar zuversichtlich: „Das zeigt, dass da möglicherweise noch deutlich mehr drinsteckt." Auch Josh Rock erhält nach seinem Viertelfinaleinzug Anerkennung: „Nach allem, was in der Premier League passiert ist, ist das eine hervorragende Art, zurückzuschlagen."
Sehen wir Wessel Nijman nächstes Jahr in der Premier League Darts?
Van Gerwen auf historischem Tiefpunkt
Die auffälligste Entwicklung an der Ranglistenspitze betrifft Michael van Gerwen. Nach seiner Zweitrundenniederlage rutscht der dreifache Weltmeister auf Platz sieben zurück. Edgar ordnet diesen Rückschlag historisch ein: „Michael van Gerwen steht jetzt auf seinem niedrigsten Ranking seit ungefähr dreizehn Jahren."
Die Konsequenzen könnten weitreichend sein: „Nach den aktuellen Regeln ist er nicht länger automatisch für die Premier League qualifiziert. Nur die Top Vier ist direkt gesetzt." Zudem muss Van Gerwen in den kommenden Monaten viel Preisgeld verteidigen: „Schaut man auf die vorläufige Jahresendrangliste, steht er sogar außerhalb der Top 16. Ein Aus in der zweiten Runde hilft natürlich nicht."
Besonders die WM am Jahresende gilt als entscheidend: „Am Jahresende muss er seinen Finaleinzug bei der WM verteidigen." Einen kompletten Absturz aus den Top 16 hält Edgar dennoch für unwahrscheinlich: „Ich halte es für unrealistisch, dass er aus den Top 16 rutscht. Aber dass er sich Richtung unteres Ende dieser Top 16 bewegt, ist im Moment durchaus realistisch."
Gerwyn Price kehrt dagegen in die Top Vier zurück. Sein Finaleinzug bringt dem Waliser drei Plätze und damit auch die automatische Qualifikation für die Premier League. „Was für ein großartiges Turnier er gespielt hat", sagt Edgar. „Er erreichte zum ersten Mal seit drei Jahren wieder ein Finale bei einem großen Rankingturnier."
Auch Gian van Veen war einem großen Sprung nahe. Ein Halbfinalsieg hätte ihm sogar Platz zwei von Luke Humphries eingebracht. Edgar bewertet die Ausgangslage für beide dennoch als komfortabel. Humphries verteidigte beim World Matchplay kaum Preisgeld: „Der Vorteil ist, dass er bei diesem Turnier in den kommenden Jahren kaum etwas zu verteidigen hat." Auch Van Veen profitiert von einer entspannten Ausgangslage: „Er muss vorerst ebenfalls kaum hohes Preisgeld verteidigen. Erst im nächsten Jahr kommen die Ergebnisse der European Championship hinzu."
Kurzfristig scheint einzig Platz vier von Price wirklich in Gefahr zu geraten: „Dafür muss jemand sehr weit bei einem Turnier kommen oder einen Titel gewinnen. Und das ist im Moment alles andere als einfach mit Luke Littler im Teilnehmerfeld."
Littler dominiert wie einst Phil Taylor
Den Abschluss seiner Analyse widmet Edgar ganz Luke Littler. Der amtierende Weltmeister sicherte sich einen weiteren Major-Titel und vergrößerte seinen Vorsprung auf die Konkurrenz noch einmal deutlich. „Was für ein Turnier er gespielt hat. Er hat erneut allerlei Rekorde gebrochen."
Littler hat mittlerweile mehr als drei Millionen Pfund an Ranglistenpreisgeld gesammelt. Edgar verdeutlicht die schier unfassbaren Dimensionen: „Wenn man £2 Millionen von Luke Littlers Preisgeld abziehen würde, wäre er immer noch die Nummer eins der Welt." Selbst gemeinsam kommen die Verfolger nicht heran: „Addiert man die Nummern zwei und drei der Welt, kommen sie immer noch nicht an Luke Littler vorbei." Sogar zu dritt reicht es nicht: „Selbst die Nummern zwei, drei und vier zusammen holen ihn nicht ein. Es ist eigentlich absurd."
Edgar zieht dabei klare Parallelen zur großen Ära von Phil Taylor: „Wir sprechen über eine Dominanz wie in der Phil-Taylor-Ära. Ehrlich gesagt hätte ich nicht gedacht, dass wir so etwas jemals wieder erleben würden." Zum Abschluss richtet er den Blick dennoch optimistisch nach vorne und verweist auf die Konkurrenz aus Littlers Generation: „Das Schöne ist, dass Luke Littler nicht der einzige Spieler ist, der aus diesem Jahrgang kommt. Da steht noch viel mehr Talent bereit."