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„Das war einfach seine Art, damit umzugehen“ – Polly James verrät, wie Gerwyn Price wirklich über die Buhrufe der Darts-Fans dachte

PDC
durch Nic Gayer
Gerwyn Price (2)
Gerwyn Price hat in den vergangenen anderthalb Jahren einen bemerkenswerten Wandel in seiner Beziehung zum Darts-Publikum erlebt. Während der Waliser über Jahre hinweg regelmäßig mit Pfiffen und Buhrufen empfangen wurde, erntet er für seine mittlerweile legendären Urschreie immer häufiger begeisterten Jubel. Für Darts-Moderatorin Polly James ist diese Entwicklung kein Zufall. Ihrer Ansicht nach haben die Fans inzwischen ein ganz anderes Bild vom ehemaligen Weltmeister gewonnen.
Lange Zeit galt Price als einer der unbeliebtesten Spieler der Darts-Szene. Kaum ein anderer Profi sah sich derart regelmäßig mit feindseligen Reaktionen von den Zuschauerrängen konfrontiert. Der frühere Rugbyspieler beteuerte zwar immer wieder, dass ihn die Buhrufe zusätzlich anspornten, doch James hat daran ihre Zweifel. Die Journalistin, die den Waliser durch zahlreiche persönliche Begegnungen bestens kennt, glaubt nicht, dass Price die Ablehnung tatsächlich genossen hat.

Polly James über Gerwyn Price: „Das war einfach seine Art, damit umzugehen“

Im Gespräch mit LeasingOptions schildert James, wie grundlegend sich das Verhältnis zwischen Price und den Darts-Fans verändert hat. „Gerwyn ist ein sehr interessanter Fall, weil sich seine Beziehung zu den Fans auf bemerkenswerte Weise entwickelt hat. Wie du schon sagst, war er lange eine der umstrittensten Figuren im Darts. Inzwischen ist er vielerorts zu einem echten Publikumsliebling geworden“, erklärt die Waliserin.
Gerwyn Price jubelt.
Vom einstigen Buhmann zum gefeierten Publikumsliebling: Gerwyn Price begeistert die Darts-Fans inzwischen mit genau jener Emotionalität, die ihm früher häufig Buhrufe einbrachte.
Dass Price die Anfeindungen früher öffentlich als zusätzliche Motivation bezeichnete, war nach James' Einschätzung vor allem eine Art Selbstschutz. „Früher sagte er oft zu mir, wenn er auf der Bühne stand: ‚Ja, weißt du, die Buhrufe und Pfiffe geben mir Energie.‘ Ich glaube wirklich, dass das einfach seine Art war, damit umzugehen und das Ausbuhen auszuhalten, wenn du verstehst, was ich meine.“
Wie sehr sich die Unterstützung der Zuschauer auf Prices Leistungen auswirken kann, ist für James deutlich zu erkennen. „Er spielt so viel besser, wenn das Publikum hinter ihm steht. Inzwischen hat er mit den Fans ein großartiges Gleichgewicht gefunden. Er kommt auf die Bühne und lässt seinen markanten Urschrei hören. Die Leute genießen das, und man muss ihn einfach mögen.“
Nach Ansicht der Moderatorin haben die Darts-Fans mittlerweile gelernt, Prices temperamentvolle Persönlichkeit zu schätzen. Seine emotionalen Ausbrüche, die einst regelmäßig für Unmut sorgten, werden zunehmend als authentischer Ausdruck seines Charakters wahrgenommen.
„Er ist schon lange genug in diesem Sport, um den Leuten zu zeigen, wie er wirklich ist. Ich glaube, sie respektieren seine Aufrichtigkeit. Bei Gerwyn ist das, was man sieht, auch das, was man bekommt. Er ist leidenschaftlich, emotional und enorm ehrgeizig. Das ist das walisische Feuer in ihm, das ich so liebe. Er verbirgt seine Gefühle nicht, und man weiß genau, wie viel ihm das bedeutet.“
Zugleich ist James überzeugt, dass die Zuschauer inzwischen auch die weniger offensichtlichen Seiten von „The Iceman“ entdeckt haben. Hinter der bisweilen einschüchternden Erscheinung auf der Bühne stecke schließlich ein Mensch mit deutlich mehr Facetten. „Ich glaube, die Leute wissen inzwischen zu schätzen, dass viel mehr in ihm steckt als nur die Intensität, die man auf der Bühne sieht. Er hat eine weichere Seite, wobei ich sie nicht unbedingt weich nennen würde. Auf jeden Fall hat er Humor und zeigt auch echte Verletzlichkeit.“
Für James sind solche Charaktere ein wichtiger Bestandteil des Darts-Sports. Price gehöre zu jenen Spielern, die das Publikum unabhängig vom sportlichen Ausgang ihrer Partien emotional mitreißen und stets für Gesprächsstoff sorgen.
„Letztlich glaube ich, dass Fans starke Persönlichkeiten mögen, und Gerwyn ist eine echte Darts-Figur. Er hat keine Angst davor, er selbst zu sein oder Gefühle zu zeigen. Ob er gewinnt oder verliert, er löst immer eine starke Reaktion aus.“
Diese Unverfälschtheit zeigt sich laut James besonders nach schmerzhaften Niederlagen. Auch wenn Price ein Finale verliert, versucht er nicht, seine Enttäuschung hinter diplomatischen Floskeln zu verstecken. Stattdessen spricht er offen darüber, wie sehr ihn das Ergebnis beschäftigt und wie er seine eigene Leistung einschätzt.
„Wenn ich Gerwyn interviewe, ist er zuletzt außerdem oft Zweiter geworden. Auch wenn er auf seine eigene Art würdevoll verlieren kann, ist er immer ehrlich. Niemand verliert gern. Das ist Spitzensport. Es steht viel auf dem Spiel, und es geht um hohe Preisgelder. Er bleibt sich treu und sagt dann: ‚Das ärgert mich. Ich hasse es zu verlieren. Ich will nicht Zweiter werden. Ich fand, ich war der bessere Spieler.‘“

Gerwyn Price im Interview während der Darts-EM in Dortmund.

Gerwyn Price hinter den Kulissen: „Welche Interviews habe ich? Wie lange dauert das?“

Neben seiner veränderten Wahrnehmung beim Publikum gewährte James auch interessante Einblicke in Prices Verhalten abseits des Rampenlichts. Auf der Bühne ist der ehemalige Rugbyspieler für seine explosiven Jubelgesten, seine Emotionalität und seinen unbedingten Siegeswillen bekannt. Hinter den Kulissen präsentiert er sich dagegen vor allem als äußerst strukturierter Profi, der bei seiner Vorbereitung möglichst wenig dem Zufall überlassen möchte.
Price selbst hat bereits verraten, dass er normalerweise rund drei Stunden vor Beginn eines Turniers am Veranstaltungsort eintrifft. Anschließend erkundigt er sich bei der Medienabteilung nach seinen anstehenden Interviews, um seine Verpflichtungen genau einplanen zu können. Feste Abläufe und eingespielte Routinen haben für ihn einen hohen Stellenwert. Abseits des Darts-Sports widmet sich der Waliser unter anderem seinem Bauernhof und verschiedenen geschäftlichen Unternehmungen.
„Ehrlich gesagt sehen die Leute seine Intensität und seine Jubelgesten. Auf der Bühne zeigt er dieses Feuer, deshalb glauben sie, dass er rund um die Uhr so ist“, berichtet James. „Aber er ist sehr interessant zu interviewen, weil er so leidenschaftlich ist. Aus meiner Sicht ist er in den vergangenen Jahren zu einem dieser Sportler geworden, von denen man erwartet, dass sie mit großer Energie einen Veranstaltungsort betreten.“
Dabei unterscheidet sich Price nach ihren Beobachtungen deutlich von einigen seiner prominenten Kollegen, die ihre Medientermine wesentlich ungezwungener angehen. „Da gibt es Leute wie Nathan Aspinall und Rob Cross und viele andere fröhliche Persönlichkeiten. Sie kommen entspannt und gelassen herein, machen Witze und necken einander ein wenig.“
Bei „The Iceman“ herrscht dagegen von Beginn an höchste Konzentration. „Gerwyn kommt herein und fragt sofort: ‚Welche Interviews habe ich? Wie lange dauert das?‘ Er schaut nach unten und macht sich dann an die Arbeit. Er ist völlig konzentriert, weiß genau, was er tun muss, und hält sich an seine Routine. Das war in den vergangenen Jahren immer häufiger so. Vor seinem Spiel bekommt man Gerwyn also kaum zu fassen.“

„Er ist eine der aufrichtigsten Persönlichkeiten im Sport“

Nach seinen Auftritten am Oche zeigt sich Price laut James gewöhnlich deutlich zugänglicher. An seiner schonungslosen Ehrlichkeit ändert das allerdings nichts. Selbst nach einem überzeugenden Erfolg neigt der ehemalige Weltmeister nicht dazu, seine Leistung übermäßig zu loben. Stattdessen beschäftigt er sich häufig noch mit den Chancen, die er während der Partie ungenutzt ließ.
„Wenn man ihn danach hinter den Kulissen interviewt, ist er natürlich sehr aufrichtig. Man kann sagen: ‚Das war ein gutes Spiel‘ oder: ‚Dein Average war wirklich stark‘, und dann sagt er: ‚Nein, weißt du, ich habe ein paar Doppel verpasst.‘“
Gerade dieser kompromisslose Anspruch an sich selbst macht Price in den Augen von James zu einer außergewöhnlichen Figur im professionellen Darts. Die Moderatorin ist überzeugt, dass die Zuschauer mittlerweile besser nachvollziehen können, was hinter seinem kämpferischen Auftreten steckt und wie sehr ihn sein sportlicher Ehrgeiz antreibt.
„Er ist eine der aufrichtigsten Persönlichkeiten im Sport. Er ist sehr ernsthaft, aber auf der Bühne ist er nicht viel anders als abseits davon. Natürlich blüht er mehr auf, wenn er sich bewegt und im Einsatz ist. Aber ich glaube, er ist mehr Spitzensportler, als den Leuten bewusst ist.“
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