Diese World-Grand-Prix-Statistik könnte einen Überraschungssieger vorhersagen – das sind die fünf besten Doppelspieler

PDC
durch Nic Gayer
Sonntag, 27 September 2026 um 18:30
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Bei keinem Major spielen die Doppel eine größere Rolle als beim World Grand Prix. Da jedes Leg mit einem Doppel begonnen und auch auf einem Doppel beendet werden muss, haben die Doppelquoten in der Vergangenheit schon häufig über Erfolg oder Misserfolg bei diesem Turnier entschieden. Im bisherigen Verlauf des Jahres 2026 liegen die fünf besten Spieler in dieser Statistik gerade einmal 1,29 Prozentpunkte auseinander. Der Spitzenreiter dieser Liste trifft 44,09 Prozent seiner Würfe auf die Doppel.
Überraschenderweise spiegeln die Wettquoten diese Rangliste im Hinblick auf den Turniersieg nicht wider. Titelsponsor BoyleSports bewertet das Teilnehmerfeld vielmehr anhand der allgemeinen Form als ausschließlich nach der Stärke auf den Doppelfeldern. Doch führt eine herausragende Doppelquote tatsächlich zum Erfolg in Leicester, oder kommt es letztlich stärker darauf an, in welcher Form die Spieler in das Turnier gehen? Unser englischer Kollege Ben James ist dieser Frage in seiner Analyse nachgegangen und hat dafür die fünf besten Doppelspieler des Teilnehmerfeldes genauer unter die Lupe genommen.

Platz fünf – Jonny Clayton: 42,80 Prozent

Der World-Grand-Prix-Champion von 2021, Jonny Clayton, erlebt bislang ein starkes Jahr 2026. In der vergangenen Woche besiegte er Luke Littler erstmals bei einem TV-Major, und sein zweiter Platz in der Premier League unterstrich endgültig die Rückkehr des „Ferret“ zu alter Stärke. Krönen könnte er diesen Aufschwung nun mit einem Major-Titel – und Clayton weiß, wie man dieses Turnier gewinnt.
Auf dem äußeren Ring präsentiert sich der Waliser traditionell äußerst effizient. 2026 kommt Clayton auf eine Doppelquote von 42,80 Prozent. Bei einem First-Nine-Average von 101,42 Punkten im selben Zeitraum wird er sich beim World Grand Prix umso mehr auf seine Stärke auf den Doppelfeldern verlassen müssen.
Jonny Clayton beim Walk-on.
Jonny Clayton trifft 2026 bislang 42,80 Prozent seiner Versuche auf die Doppel. Der World-Grand-Prix-Champion von 2021 könnte damit auch in Leicester wieder gefährlich werden.
In der Vergangenheit verlief der World Grand Prix für Clayton mit wechselhaftem Erfolg. Lediglich bei seinem Titelgewinn 2021 und auf dem Weg ins Halbfinale im vergangenen Jahr übertraf er bei diesem Turnier seine aktuelle Doppelquote. Das zeigt: Wenn Clayton beim World Grand Prix seine Doppel ähnlich zuverlässig trifft wie im übrigen Saisonverlauf, kommt er weit. Im vergangenen Jahr unterlag er dem späteren Champion Littler mit einer Doppelquote von 43,5 Prozent. Im jüngsten Quartal kommt Clayton sogar auf 44,13 Prozent und reist damit mit einer noch stärkeren Quote in die Mattioli Arena.
Mit seinem Turniersieg in Auckland zu Beginn des Jahres hat der Waliser bereits gezeigt, dass er sich auch gegen hochklassig besetzte Teilnehmerfelder durchsetzen kann. Hinzu kommt eine beeindruckende Premier-League-Saison, die erst mit einer bitteren Halbfinalniederlage in der O2 endete. Nun will Clayton seine Leistungen mit einem Major-Titel krönen. In dieser Rangliste liegt er zwar nur auf Platz fünf, aufgrund seiner Erfahrung dürfte er jedoch einer der gefährlichsten Spieler sein. Bei seinen vergangenen fünf Teilnahmen am World Grand Prix ist seine Doppelquote kontinuierlich gestiegen. Nach seinem Halbfinaleinzug in der vergangenen Woche bietet sich Clayton nun die Gelegenheit, die jüngsten Enttäuschungen vergessen zu machen.
Sein Scoring könnte allerdings zum entscheidenden Hindernis auf dem Weg zum Titel werden. Während seine Doppelquote gestiegen ist, hat sein Scoring nachgelassen. Um den World Grand Prix zu gewinnen, müssen jedoch beide Komponenten zusammenspielen. Seine Quote auf den Turniersieg liegt bei 25/1.
Laut BoyleSports spiegeln die Wettquoten Claytons schwächeres Scoring als möglichen Nachteil wider. Gegen Spieler wie Luke Littler, der einen First-Nine-Average von 111,63 Punkten aufweist, dürfte eine Doppelquote von 42,8 Prozent allein nicht ausreichen. 2025 lag Claytons Double-In-Quote bei 47,5 Prozent. Damit eröffnete er seine Legs im Schnitt bereits sehr früh – ein Wert, der durchaus das Niveau eines Titelanwärters widerspiegelt.
In der ersten Runde trifft Clayton auf Krzysztof Ratajski. Gegen den „Polish Eagle“ könnte sein schwächeres Scoring weniger stark ins Gewicht fallen. Stattdessen könnte der Waliser Ratajski mit dessen eigenen Waffen schlagen: den Doppeln. Seine Form, seine Doppelstärke und seine Erfahrung bringen grundsätzlich alles für einen weiteren tiefen Lauf mit. Sein Scoring könnte jedoch dafür sorgen, dass dieser eher im Viertel- oder Halbfinale endet, anstatt mit dem Gewinn des World Grand Prix.

Platz vier – Gerwyn Price: 43,11 Prozent

Dass Gerwyn Price auf dieser Liste auftaucht, kommt durchaus überraschend. Der Waliser ist vor allem für sein kraftvolles Scoring bekannt, während er auf den Doppeln – darunter auch die Doppel-20 – zuletzt immer wieder Probleme hat. Erst in der vergangenen Woche kostete ihn seine schwache Doppelquote im Finale der World Series of Darts den Titel. Dennoch belegt Price mit einer Checkoutquote von 43,11 Prozent den vierten Platz dieser Rangliste.
Was Price einen Vorteil verschafft, ist sein First-Nine-Average von 107,85 Punkten. Genau diese Kombination aus starkem Scoring und zuverlässigen Doppeln bildete auch die Grundlage für die Erfolge von Phil Taylor und Michael van Gerwen, die zusammen 17 der bislang 27 Austragungen gewannen. Seit fünf Jahren wartet Price inzwischen auf einen Major-Titel. Können ihn ausgerechnet seine Doppel zurück auf die Siegerstraße führen?
In den vergangenen beiden Jahren lag Gerwyn Price mit seiner Doppelquote jeweils über 42 Prozent. In den vergangenen drei Monaten kommt er sogar auf 43,25 Prozent. Damit bringt er gute Voraussetzungen mit, um seine Legs erfolgreich zu eröffnen und seine Gegner anschließend mit seinem starken Scoring unter Druck zu setzen. Während seines Viertelfinallaufs 2025 setzte Price über weite Strecken auf die Doppel-13 als Einstiegsdoppel. Dabei zeigt sich bei ihm häufig ein bekanntes Muster: In manchen Phasen trifft er die Doppel reihenweise, ehe anschließend wieder Phasen mit mehreren Fehlwürfen folgen.
Gerwyn Price jubelt.
Gerwyn Price überzeugt 2026 nicht nur mit seinem gewohnt starken Scoring, sondern auch mit einer Doppelquote von 43,11 Prozent – eine Kombination, die beim World Grand Prix besonders wertvoll sein könnte.
Diese psychologische Hürde muss Price geschickt überwinden. Zwar beträgt die Differenz zwischen der Doppel-20 und der Doppel-13 insgesamt 14 Punkte, doch zwischen einer verfehlten Doppel-20 und einer getroffenen Doppel-13 liegen 26 Punkte – und damit ist Letzteres eindeutig die bessere Variante. Deshalb kann es für Price sinnvoll sein, sich nicht auf ein bestimmtes Doppelfeld zu versteifen, sondern auf die Doppel auszuweichen, die gerade funktionieren. Eine solche Strategie als Plan B könnte ihm beim World Grand Prix zum Erfolg verhelfen.
2020 gewann Price dieses Turnier, als er Dirk van Duijvenbode im Finale bezwang. Bemerkenswert ist, dass er beim World Grand Prix noch nie eine höhere Doppelquote erzielt hat als seine aktuellen 43,11 Prozent im Jahr 2026. Seinen bisherigen Bestwert stellte er ausgerechnet in seinem Titeljahr auf, als er 42,4 Prozent seiner Doppel traf. Im vergangenen Jahr lag seine Quote beim Turnier dagegen lediglich bei 37,4 Prozent, obwohl er mit einer ähnlich starken Doppelquote wie in diesem Jahr angereist war. Dennoch gibt es gute Argumente dafür, dass der „Iceman“ den Titel erneut gewinnen kann.
Seine Ergebnisse beim World Grand Prix in den vergangenen fünf Jahren haben zudem einen erheblichen Anteil an seiner Weltranglistenposition. Nach seinem Titelgewinn 2020 erreichte Price 2021 und 2022 jeweils das Finale, 2023 das Halbfinale und 2025 das Viertelfinale. Aktuell präsentiert sich Gerwyn Price in seiner besten Form seit jener Phase rund um seinen Triumph 2020, auf den 2021 sein Weltmeistertitel folgte. Eine erneute erfolgreiche Turnierwoche scheint daher durchaus möglich.
Für Gerwyn Price ist der World Grand Prix allerdings nicht nur die Chance auf einen weiteren Titel. Das Turnier könnte gleichzeitig der Auftakt zu einem starken Schlussspurt in den letzten drei Monaten des Jahres 2026 sein, der ihn bis auf Platz zwei der Weltrangliste führen könnte. Da er lediglich 7.500 Pfund Preisgeld aus dem Jahr 2024 verteidigt, könnte ein tiefer Lauf eine große Gelegenheit für ihn darstellen. Garantiert ist dieser allerdings keineswegs. Deshalb stellt sich die Frage: Was könnte zu einem frühen Ausscheiden führen?
Bei seinen drei Erstrundenniederlagen sowie seinem Aus in der zweiten Runde kam Price im Durchschnitt lediglich auf eine Doppelquote von 25,67 Prozent. Das zeigt, dass er wohl mindestens eine Quote von etwa 35 Prozent benötigt, wenn er ein frühes Ausscheiden verhindern will.
Sein starkes Scoring und sein Average von 98,42 Punkten liegen über den Werten der meisten Konkurrenten, sodass er sich durchaus einige Fehlwürfe auf die Doppel erlauben kann. Was er sich jedoch nicht leisten darf, ist, seine Legs nicht bereits bei der ersten Aufnahme zu eröffnen. Dass Price beim World Grand Prix dreimal das Finale erreicht hat, ist weder Zufall noch Glück. Angesichts seiner aktuellen Form erscheint ein weiterer tiefer Lauf deutlich realistischer als eines jener frühen Aus der Vergangenheit. Für Gerwyn Price geht es beim World Grand Prix darum, eine noch offene Rechnung zu begleichen: nach vier Jahren endlich wieder einen Major-Titel zu gewinnen.

Gerwyn Prices Checkout-Bilanz beim World Grand Prix

JahrErgebnisCheckoutquoteGetroffene Doppel / Versuche
2015Erste Runde16.70%1/6
2016Erste Runde28.60%2/7
2017Erste Runde25.00%2/8
2018Viertelfinale36.50%19/52
2019Erste Runde33.30%3/9
2020Titelgewinner42.40%53/125
2021Finalist41.30%57/138
2022Halbfinale38.80%31/80
2023Finalist37.30%38/102
2024Zweite Runde32.40%12/37
2025Viertelfinale37.40%31/83

Platz drei – James Wade: 43,42 Prozent

James Wades Aufschwung setzt sich auch 2026 fort, und seine Rückkehr an die Spitze des Dartsports scheint sich zunehmend zu festigen. Nach den von Unsicherheit geprägten Jahren 2023 und 2024 leitete sein Halbfinaleinzug beim World Matchplay 2024 einen langsamen Wiederaufbau ein, der mittlerweile seit zwei Jahren anhält. Bei der Flanders Darts Trophy gewann Wade schließlich seinen ersten European-Tour-Titel seit mehr als einem Jahrzehnt. Ein weiterer Major-Titel blieb ihm bislang jedoch verwehrt. Nach drei Finalniederlagen gegen Luke Littler könnte ihm nun ausgerechnet ein Major entgegenkommen, das wie geschaffen für Wades starkes Finishing ist – insbesondere für seine bevorzugten Doppel-20 und Doppel-10.
Wade gilt traditionell als hervorragender Finisher und spielte in den vergangenen drei Monaten einen Average von 96,58 Punkten. Nach seinem Triumph beim Australian Darts Masters dürften die kommenden drei Monate entscheidend sein, wenn er erstmals seit 2022 wieder in die Premier League zurückkehren möchte.
Leicester bietet Wade somit eine große Chance. Mit seiner Doppelquote von 43,42 Prozent besitzt der Champion von 2010 durchaus die Voraussetzungen, seinen damaligen Erfolg zu wiederholen. Dabei kommt ihm auch seine Beharrlichkeit bei der Auswahl der Doppelfelder zugute. Wade bevorzugt die Doppel-20 und bleibt dieser konsequent treu, wodurch er gerade beim World Grand Prix einen Rhythmus entwickeln kann – ein Ansatz, der ihm bei diesem Turnier bereits große Erfolge eingebracht hat. In den vergangenen sechs Monaten traf er die Doppel-20 zu 45,45 Prozent, während seine Quote auf der dazugehörigen Doppel-10 sogar bei über 50 Prozent liegt. Damit befindet er sich in einer besseren Ausgangslage als die meisten seiner Konkurrenten, um Legs sowohl erfolgreich zu eröffnen als auch zu beenden.
Auch wenn Wades Leistungsspitze möglicherweise nicht so hoch liegt wie die der beiden Lukes, macht ihn gerade sein konstant hohes Grundniveau so gefährlich. Bei seinem Lauf bei European Tour 13 spielte er in keiner Partie einen Average unter 95 Punkten. Auch in sämtlichen Matches, die er auf dem Weg zu seinen Turniersiegen gewann, fiel sein Average nicht unter 93,5 Punkte. Diese Konstanz kann ihm gegen viele Gegner einen entscheidenden Vorteil verschaffen. Gerade im Double-In-Format, das auf der Bühne für besonders großen psychologischen Druck sorgt, könnte dieses stabile Niveau „The Machine“ tatsächlich zum Titel führen.
Die beiden Lukes wiederum verloren in der vergangenen Woche jeweils mit einem Average von weniger als 100 Punkten. Zwar besteht weiterhin ein deutlicher Unterschied zu Wades Niveau, doch mit seinem konstanten Average von 96,48 Punkten könnte sich der Engländer durchaus Chancen ausrechnen. Humphries präsentiert sich derzeit wechselhaft und wirkt nach seinen Würfen immer wieder frustriert, während Littler in Amsterdam in der vergangenen Woche ebenfalls nicht das Niveau erreichte, zu dem er fähig ist. Unter diesen Umständen könnte Wade durchaus vom Titel träumen.

James Wades Bilanz beim World Grand Prix

JahrErgebnisDouble-In-QuoteCheckoutquote
2005Erste Runde~40.5%~41.0%
2006Erste Runde~42.0%~42.5%
2007Titelgewinner48.20%52.10%
2008Viertelfinale44.10%46.80%
2009Erste Runde39.50%38.00%
2010Titelgewinner47.60%51.40%
2011Halbfinale45.00%47.30%
2012Achtelfinale41.20%43.00%
2013Halbfinale44.80%46.50%
2014Viertelfinale46.10%49.00%
2015Erste Runde38.20%40.00%
2016Achtelfinale41.50%42.80%
2017Erste Runde39.00%37.50%
2018Achtelfinale42.30%44.10%
2019Achtelfinale43.00%45.20%
2020Achtelfinale42.80%43.90%
2021Zweite Runde43.50%44.00%
2022Erste Runde38.80%39.50%
2023Erste Runde40.10%41.20%
2024Viertelfinale45.20%48.60%
2025Erste Runde41.00%42.10%
Wades Form erreicht derzeit ihren Höhepunkt, doch angesichts seiner Erfahrung ist er möglicherweise gar nicht darauf angewiesen. 21 Teilnahmen und zwei Titel zeugen von einer langen Geschichte beim World Grand Prix. Allerdings liegt der letzte dieser Erfolge mittlerweile 16 Jahre zurück: 2010 gewann Wade das Turnier zum bislang letzten Mal. Sein bestes Ergebnis der jüngeren Vergangenheit erzielte er 2024 mit dem Einzug ins Viertelfinale.
Dem gegenüber stehen sieben Erstrundenniederlagen in den vergangenen zehn Jahren. Das spricht weniger dafür, dass seine Erfahrung bei diesem Turnier automatisch ein Vorteil ist, sondern könnte vielmehr darauf hindeuten, dass seine beiden Titelgewinne Ausnahmeerscheinungen waren. Fest steht: Wade und der Dartsport sahen 2010 noch anders aus, und der Engländer gehörte damals zu den besten Spielern seiner Ära.
Heute geht Wade dagegen als Außenseiter ins Turnier. Bei einer Siegquote von 25/1 muss er nicht nur den Buchmachern das Gegenteil beweisen, sondern auch Matthew Porter. Die vielleicht wichtigste Kennzahl ist dabei sein Average von 107,36 Punkten in Entscheidungslegs während der vergangenen drei Monate. Aktuell beendet niemand in diesem Teilnehmerfeld Legs unter Druck besser als Wade. Seine beiden Titel bei diesem Turnier basierten genau auf dieser Qualität. Die Buchmacher haben seine Vergangenheit in ihre Quoten einfließen lassen – möglicherweise unterschätzen sie jedoch, was Wade 2026 derzeit leistet.

Platz zwei – Wessel Nijman: 43,89 Prozent

Im vergangenen Jahr stand Wessel Nijman auf Platz 29 der Weltrangliste und schied beim World Grand Prix bereits in der ersten Runde mit 1:2 gegen einen damals formschwachen Rob Cross aus. In der kommenden Woche betritt Nijman die Mattioli Arena dagegen als Nummer zwölf der Setzliste und will nun endlich auch bei einem Major für Aufsehen sorgen.
Abseits der großen TV-Bühnen waren seine Leistungen bereits erstklassig. Sechs PDC-Titel, Averages von mehr als 110 Punkten und regelmäßige Siege gegen die Topspieler sprechen eine deutliche Sprache. Aktuell führt Nijman die Rangliste auf der ProTour mit einem Vorsprung von 46.000 Pfund an. Doch die entscheidende Frage begleitet den Niederländer bereits seit zwei Jahren: Kann er seine herausragende Form auch auf die TV-Bühne übertragen?
Schritt für Schritt ist Nijman diesem Ziel nähergekommen. Mittlerweile gewann er auch Turniere auf der European Tour und überzeugte damit auf Bühnen, die von ihrer Dimension mit dem World Grand Prix vergleichbar sind. Beim World Matchplay erreichte er zudem das Achtelfinale, wo er Gian van Veen in einem hochklassigen Duell über 26 Legs unterlag. Erst ein herausragendes 148er-Finish seines niederländischen Landsmanns und möglichen World-Cup-Partners im kommenden Jahr gab letztlich den Ausschlag.
Doch Nijman wird selbst wissen, dass ihn seine bisherigen Leistungen vor den TV-Kameras noch nicht in jene Diskussionen gebracht haben, in die er aufgrund seiner sonstigen Ergebnisse eigentlich gehört. Angesichts seiner Form und seiner Dominanz bei den Floor-Turnieren müsste er eigentlich zu den aussichtsreichen Kandidaten auf einen Premier-League-Platz im kommenden Jahr zählen. Der World Grand Prix bietet ihm nun die nächste Gelegenheit, seinen Namen auch auf der größten Bühne nachhaltig ins Rampenlicht zu rücken.

Wessel Nijmans Entwicklung der Doppelquote nach Quartalen

ZeitraumAverageCheckoutquoteFirst-Nine-Average180er pro Leg
Mär 25 - Sep 2595.740.62%104.410.31
Sep 25 - Mär 2697.0444.10%106.230.34
Mär 26 - Jun 2697.644.16%107.090.33
Jun 26 - Sep 2696.8643.50%105.490.34
Eine Doppelquote von 43,50 Prozent ist für einen Spieler, der vor allem für sein starkes Scoring bekannt ist, ausgesprochen beeindruckend. Vor 18 Monaten lag Nijman noch bei 40,62 Prozent, inzwischen sind es starke 43,50 Prozent. Diese Entwicklung zeigt, dass es sich nicht lediglich um eine kurze Hochphase handelt. Vielmehr befindet sich Nijman seit mittlerweile zwei Jahren in der bislang besten Phase seiner Karriere.
In Kombination mit einem First-Nine-Average von 105,49 Punkten verfügt Nijman ähnlich wie Price über mehrere Möglichkeiten, seine Gegner zu bezwingen. Clayton und Wade müssen sich stärker auf ihre Doppel verlassen, da ihr Scoring im Vergleich zu Nijman weniger Druck auf die Gegner ausübt.
Im vergangenen Jahr unterlag Nijman Rob Cross nach einer enttäuschenden Vorstellung. Der Niederländer verwandelte lediglich sieben seiner 23 Versuche auf die Doppel und blieb damit mehr als 13 Prozentpunkte unter seiner damaligen Saisonquote. Hinzu kamen ein Average von nur 84,60 Punkten und entscheidende Fehlwürfe auf die Doppel – insgesamt ein äußerst enttäuschendes Ergebnis. Eine solche Leistung darf er sich diesmal nicht erlauben.
Trotz seines zwölften Platzes in der Weltrangliste bleibt Nijman auf der großen Bühne noch immer eine gewisse Unbekannte. Da er einen Großteil seiner Erfolge bei Turnieren mit weniger stark besetzten Teilnehmerfeldern gefeiert hat, konnte er bislang noch nicht konstant unter Beweis stellen, dass er auch gegen die absolute Elite sein bestes Darts abrufen kann. Der World Grand Prix bietet ihm nun die Gelegenheit, genau das vor großem Publikum zu zeigen und sich gleichzeitig nachdrücklich für einen Platz in der Premier League zu empfehlen.

Platz eins – Sebastian Bialecki: 44,09 Prozent

Sebastian Bialecki sicherte sich seine erstmalige Teilnahme auf denkbar knappem Weg. Mit 84.000 Pfund Preisgeld belegte er Rang 15 der 16 verfügbaren Startplätze – nur einen Platz und 2.750 Pfund über der Qualifikationsgrenze. Dave Chisnall landete mit 87.500 Pfund auf Rang 14 und wäre selbst beinahe noch aus dem Teilnehmerfeld gerutscht. Der Unterschied zwischen Bialeckis Teilnahme in Leicester und dem Zuschauen von zu Hause aus war damit hauchdünn. Dennoch ist der Pole dabei und trifft in der ersten Runde ausgerechnet auf Gerwyn Price.
Dieses Duell wird für Bialecki zum entscheidenden Gradmesser. Price spielt einen Average von 98,42 Punkten und bewegt sich damit auf einem Scoring-Niveau, an das Bialecki derzeit nicht herankommt. Dessen Average von 93,42 Punkten im jüngsten Quartal liegt fünf Punkte unter dem des „Iceman“. Doch beim World Grand Prix setzt sich nicht zwangsläufig der bessere Scorer durch. Das besondere Format belohnt auch den stärkeren Finisher – und Bialeckis Doppelquote von 44,09 Prozent gegenüber Prices 43,11 Prozent liefert zumindest statistisch die Grundlage für eine Überraschung.
Mit 22 Jahren steht Bialecki vor seinem ersten Auftritt bei einem PDC-Major. Einen Titel bei Players Championship 26 hat er bereits auf seinem Konto, während sich seine Doppelquote innerhalb von zwölf Monaten um 8,55 Prozentpunkte verbessert hat. Damit ist Bialecki trotz seiner Siegquote von 200/1 keineswegs chancenlos. Er ist ein Debütant mit der besten Doppelquote im gesamten Teilnehmerfeld, der sich denkbar knapp qualifiziert hat und in der ersten Runde eines der schwierigsten Lose überhaupt erwischte. Wenn ihn bei seinem Debüt die Nerven nicht im Stich lassen und die Doppel fallen, ist eine der größten Überraschungen der ersten Runde durchaus möglich.
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