Die Players Championship-Serie machte in den vergangenen zwei Tagen (4.–5. Mai) Station in Hildesheim. Mit Kevin Doets und
Wessel Nijman gab es dabei zwei niederländische Sieger – doch vor allem aus deutscher Sicht sorgten die beiden Turniere für reichlich Gesprächsstoff.
Im Fokus standen die starke Entwicklung von
Max Hopp, die enttäuschenden Auftritte vieler deutscher Spieler sowie die Frage, ob Hildesheim langfristig noch der richtige Austragungsort für die Pro Tour ist. Gleichzeitig untermauerten Nijman und Doets eindrucksvoll, dass eine neue niederländische Generation bereitsteht, um die Zukunft des Sports mitzugestalten.
Die beiden Turniere warfen jedoch noch weitere Fragen auf. Ist Nijman tatsächlich der nächste große niederländische Superstar, der perspektivisch in die Fußstapfen von Michael van Gerwen treten kann? Ist Max Hopp aktuell wirklich Deutschlands bester Spieler? Und wie lange kann die PDC die Diskussionen um den Standort Hildesheim noch ignorieren?
Viele Topspieler entschieden sich erneut gegen die Reise nach Deutschland. Einige spielten lieber Exhibitions, andere nutzten das lange Wochenende im Vereinigten Königreich für eine Pause. Selbst Premier-League-Spieler fehlten nahezu komplett. Während Nijman weiter dominiert, wächst deshalb gleichzeitig die Diskussion darüber, welchen Schaden diese ständigen Absagen langfristig für die PDC und die Players Championship-Serie bedeuten könnten.
Nicolas Gayer (DartsNews.DE)
Was ich vergangene Woche noch als Frage formuliert habe, lässt sich nur eine Woche später im Grunde mit einem klaren „Ja“ beantworten: Max Hopp ist aktuell der beste deutsche Dartspieler — und das ziemlich deutlich.
Das liegt auch an dem, was am Montag passiert ist. Ein Heimturnier in Hildesheim, 15 deutsche Tour-Card-Inhaber plus zwei Nachrücker und dazu ein Großteil der Weltelite abwesend — und dennoch erreichte kein einziger Deutscher das Achtelfinale. Lediglich zwei Spieler schafften es überhaupt in ein Boardfinale, während 15 Deutsche bereits in Runde eins oder zwei ausschieden. Ein Spiegelbild der bisherigen Saison — wäre da nicht Max Hopp.
Hopp, der nach Jahren sportlicher Schwierigkeiten 2025 überraschend — und durchaus etwas glücklich — auf die Pro Tour zurückkehrte, spielt seitdem wieder auf einem Niveau, das wir von „The Maximiser“ lange nicht mehr gesehen haben. Mit seinem Finaleinzug bei Players Championship 14 in Hildesheim krönte er eine ohnehin bereits starke Saison zusätzlich.
Er befindet sich nun klar auf Kurs Richtung Tour-Card-Verteidigung und Alexandra Palace. Aktuell belegt er sogar einen provisorischen Qualifikationsplatz für den World Grand Prix. Was sich nach dem Jahr 2019 anhört, ist tatsächlich die Realität im Jahr 2026. Und nach Jahren sportlicher Probleme, Jahren ohne Tour Card und Jahren unangenehmer Berichterstattung kann ich kaum ausdrücken, wie sehr mich diese Entwicklung für Max Hopp freut.
Max Hopp wird zum 10. Mal auf der Ally Pally Bühne stehen
Nimmt man die deutsche Brille einmal ab, bleibt vor allem großer Respekt für das niederländische Darts. Zwei Turniersiege in dieser Woche sind ein weiterer Beweis dafür, dass wir aktuell eine goldene niederländische Generation erleben — auch wenn Legenden wie Michael van Gerwen oder Raymond van Barneveld ihren sportlichen Zenit mittlerweile überschritten haben.
Wessel Nijman nähert sich bereits Anfang Mai der Marke von 100.000 Pfund in der Players Championship Order of Merit. Bemerkenswert. Noch beeindruckender ist jedoch, dass er nur einer von mehreren Niederländern in absoluter Topform ist. Dazu gehört auch Kevin Doets, der sich am Montag nach wochenlangen Weltklasseleistungen endlich mit seinem ersten PDC-Titel belohnte. Für mich ist er ein weiterer niederländischer Spieler, der in den kommenden Jahren die Zukunft des Sports auf höchstem Niveau mitprägen könnte.
Oliver Ried (Dartsnews.de)
Viele Absagen und am Ende erneut ein Titel für Wessel Nijman — auf den ersten Blick könnte man denken, dass alles wie erwartet verlaufen ist. Doch auch diese beiden Tage hatten wieder deutlich mehr zu bieten.
Zu den größten Geschichten gehörte sicherlich der erste PDC-Titel von Kevin Doets. Diesen Erfolg hatte er sich mehr als verdient. Seine starke Form wurde endlich belohnt. Sollte er dieses Niveau halten, könnte er sich langfristig sogar in den Top 16 der Welt etablieren.
Gleichzeitig muss einem Luke Woodhouse langsam leidtun. Der Engländer spielt seit Jahren konstant stark und entwickelt sich immer weiter, wartet aber weiterhin auf seinen ersten PDC-Titel. Ein solcher Erfolg wäre aktuell enorm wichtig für sein Selbstvertrauen.
Eine weitere sehr positive Entwicklung ist Mensur Suljovic. Viele hatten ihn bereits abgeschrieben, doch ein Halbfinale und ein Viertelfinale diese Woche zeigten, wie gut er weiterhin spielen kann. Auch wenn ihm gegen Ende des Tages sichtbar die Kraft ausging, war diese Woche enorm wichtig für sein Selbstvertrauen. Auch Tourcard und WM Qualifikation werden dadurch sicher sein.
Und natürlich bleibt Max Hopp das große deutsche Thema. Der aktuell beste deutsche Spieler erreichte das Finale von Players Championship 14 und zeigte erneut seine Konstanz. Für seine Entwicklung in den vergangenen Monaten kann man ihn derzeit einfach nur loben.
Sorgen bereitet dagegen weiterhin Ricardo Pietreczko. Der Deutsche spielte bei einem Turnier nur einen Average um die 80 Punkte und
gab sein Match beim anderen Event sogar auf. Wenn er beim World Cup of Darts in fünf Wochen konkurrenzfähig sein will, muss er sich deutlich steigern. Der Druck wird dabei sicherlich nicht kleiner.
Insgesamt fielen die deutschen Leistungen abgesehen von Hopp und dem Achtelfinale von Lukas Wenig erneut sehr enttäuschend aus.
Samuel Gill (DartsNews.com)
Wessel Nijman sprengt weiterhin seine vermeintliche Leistungsgrenze. Der Niederländer galt lange als ein Spieler mit enormem Talent, aber bewegter Vergangenheit. Auf dem Papier war das Potenzial immer sichtbar, doch die Frage blieb, ob er dieses auch konstant abrufen kann.
Mittlerweile hat Nijman jedoch bewiesen, dass er seine Qualität auf dem Floor nutzen kann, um seine Ambitionen voranzutreiben. Nach seinem Titelgewinn erklärte er sogar, dass ihn Rekorde oder ein möglicher Auftritt in Blackpool in zwei Monaten aktuell kaum interessieren. Stattdessen konzentriere er sich ausschließlich auf das Hier und Jetzt und darauf, die beste Version von Wessel Nijman zu werden, die er sein kann. Genau diese Einstellung dürfte bei vielen gut ankommen.
Er wirkt zudem nicht wie jemand, der zu schnell zu viel will. Nijman scheint genau zu wissen, welcher Druck mit einem rasanten Aufstieg und wachsender medialer Aufmerksamkeit verbunden ist. Er möchte offenbar nicht der nächste Spieler sein, der zwar die TV-Bühnen erreicht, dort aber unter den steigenden Erwartungen einbricht.
Auch Kevin Doets zeigte erneut, warum er inzwischen zu den Spielern gehört, die es auf der Tour zu schlagen gilt. Mit seinem ersten PDC-Ranglistentitel belohnte er sich endlich für seine konstant starken Leistungen. Gemeinsam mit Nijman gehört er zu einer neuen niederländischen Generation, die bereitsteht, um die Zukunft des Sports mitzugestalten. Gerade mit Blick auf den langsam abrutschenden Michael van Gerwen wird deutlich, dass die Niederlande bereits die nächsten Topspieler in der Hinterhand haben.
Aus deutscher Sicht rückte erneut Max Hopp in den Mittelpunkt. Während Martin Schindler in diesem Jahr noch kein Viertelfinale erreicht hat, stand der „Maximiser“ plötzlich wieder in einem Endspiel. Einerseits ist es großartig, Hopp wieder auf diesem Niveau zu sehen. Andererseits zeigt es laut dieser Einschätzung aber auch den aktuell schwierigen Zustand des deutschen Darts. Eigentlich galten Schindler, Niko Springer oder sogar Lukas Wenig als die nächsten dominierenden deutschen Spieler – stattdessen liefert nun wieder der erfahrene Hopp die stärksten Ergebnisse.
Der Doppelblock brachte außerdem erneut die Diskussion um den Standort Hildesheim auf. Wieder entschieden sich zahlreiche Spieler gegen die Reise nach Deutschland. Für die PDC ist das zunehmend problematisch, denn die Turniere können kaum als Wettbewerb der besten 128 Spieler verkauft werden, wenn regelmäßig fast 20 Profis fehlen.
Hinzu kommt ein weiteres Problem: Selbst bei der European Tour verzichten viele Topspieler trotz des Schutzes für die großen Namen auf Starts. Die PDC hat sich mit den großzügigen Freistellungen für die Top 16 letztlich selbst geschadet. Spieler können dadurch sowohl Players Championships als auch European-Tour-Events problemlos auslassen.
Hildesheim gilt zudem seit Jahren als schwierig zu erreichender Standort. Deshalb erscheint es durchaus möglich, dass die PDC mittelfristig über einen Umzug der Turniere nachdenken könnte.
Pieter Verbeek (DartsNieuws.com)
Erneut erwies sich Wessel Nijman als nahezu unaufhaltsam. Am Dienstag stürmte der Niederländer zu seinem fünften Players-Championship-Titel und insgesamt sechsten Ranglistentitel der Saison. Nur eine kleine Gruppe von Spielern in der Geschichte des Darts hat es geschafft, fünf oder mehr Players-Championship-Turniere innerhalb eines Kalenderjahres zu gewinnen. Damit befindet sich Nijman inzwischen in exklusiver Gesellschaft mit Legenden wie Phil Taylor, Michael van Gerwen und Gary Anderson.
Auffällig bleibt allerdings ein Muster: Nijman gewinnt seine Titel konstant am zweiten Tag dieser Players-Championship-Doppelturniere. Eine kleine Stellschraube für kommende Floor-Events wäre daher, diese Dominanz künftig auch am ersten Turniertag in Titel umzuwandeln.
Besonders erfreulich war zudem, Max Hopp wieder in einem Players-Championship-Finale zu sehen. Das war ihm zuletzt vor sieben Jahren gelungen. Der Deutsche startete die Saison noch unter Druck und kämpfte um den Erhalt seiner PDC Tour Card, doch diese Sorgen scheinen inzwischen verschwunden zu sein.
Sein Aufschwung deutet auf neues Selbstvertrauen und eine Rückkehr zu jenem Niveau hin, das ihn einst zu einer der größten deutschen Hoffnungen machte.
Auch das zweite Turnier ging an einen Niederländer: Kevin Doets. Für ihn war es der erste PDC-Ranglistentitel – und dieser Erfolg kam keineswegs überraschend. Doets hatte in dieser Saison bereits sieben Viertel- oder Halbfinals erreicht, wodurch klar war, dass der große Durchbruch nur eine Frage der Zeit sein würde.
Mit diesem lang ersehnten Titel sicherte er sich gleichzeitig die Teilnahme am World Matchplay und am World Grand Prix später im Jahr. In seiner aktuellen Form könnte Doets dort zu einem äußerst gefährlichen Außenseiter werden – ein echtes Stolperstein-Los für die etablierten Stars der Szene auf der großen Bühne.
Lucas Michael (DartsNews.com)
Was soll man über Wessel Nijman eigentlich noch sagen? Das größte Kompliment, das man ihm derzeit machen kann, ist wohl die Tatsache, dass er der erste Spieler seit Michael van Gerwen im Jahr 2016 ist, der fünf Players-Championship-Titel innerhalb eines Kalenderjahres gewinnen konnte. „The Green Machine“ befand sich damals in absoluter Hochform – und genau das zeigt, auf welchem Niveau Nijman aktuell spielt.
Dabei beeindrucken nicht nur die Titel oder Leistungen, sondern vor allem seine Mentalität. Selbst im Finale gegen Max Hopp war Nijman verärgert darüber, überhaupt ein einziges Leg abgegeben zu haben. Der Niederländer befindet sich derzeit auf einem regelrechten Siegeszug und dürfte alles daran setzen, dass dieser Lauf so schnell nicht endet.
Mit Kevin Doets gewann zudem ein weiterer Spieler seinen ersten PDC-Ranglistentitel – noch bevor Luke Woodhouse diesen Schritt geschafft hat. Woodhouse klopft schon lange an die Tür, konnte seine Chancen bislang aber nicht nutzen. Wenn er weiter konzentriert arbeitet, wird er sich diesen ersehnten Titel irgendwann verdienen.
Für Doets dagegen war dieser Erfolg ohnehin längst überfällig. Der Triumph bei Players Championship 13 könnte ihn nun zusätzlich befreien. Als frischgebackener Titelträger und formstarker Niederländer ist er mittlerweile für jeden Spieler auf der PDC Tour gefährlich.
Gleichzeitig müssen aber auch Fragen zu Danny Noppert gestellt werden. Mittlerweile verlor der Niederländer acht Floor-Halbfinals in Folge, dazu kommen die zahlreichen Halbfinal-Niederlagen bei Majors im vergangenen Jahr. Auch seine Probleme, ein European-Tour-Finale erfolgreich zu Ende zu bringen, gehören in diese Diskussion.
Natürlich sind das weiterhin starke Ergebnisse, doch Noppert ist die Nummer neun der Welt. Ein Spieler seiner Klasse muss solche Titel regelmäßiger gewinnen und darf nicht ständig in entscheidenden Phasen scheitern. Seine Form bleibt beeindruckend, doch am Ende bringen ihn Titel weiter – nicht knappe Niederlagen.
Noppert war zudem einer von nur drei Top-50-Spielern, die überhaupt das Viertelfinale erreichten. Ein Hauptgrund dafür war die hohe Zahl an Spielern, die die Reise nach Hildesheim gar nicht erst antraten. Die Turniere gelten seit Jahren als schwierig erreichbar und werden deshalb häufig ausgelassen. So war Michael van Gerwen der einzige Premier-League-Spieler, der überhaupt anreiste.
Neutral betrachtet eröffnet das zwar anderen Spielern wie Mensur Suljovic oder Joe Hunt die Chance auf tiefe Turnierläufe, langfristig könnte dies für die PDC jedoch problematisch werden. Schließlich gibt es kaum Nachteile, die sechs Turniere in Deutschland auszulassen, wenn noch 28 weitere Players Championships folgen. Deshalb sollte die PDC ernsthaft darüber nachdenken, die Events künftig nicht mehr in der
Halle 39 auszutragen.