Es ist längst keine Überraschung mehr, doch gerade darum umso beeindruckender:
Wessel Nijman hat auf der
Players Championship-Tour erneut zugeschlagen. In Hildesheim holte der Niederländer seinen fünften Titel der Saison. Mit seinem höchsten Finalaverage aller Zeiten unterstrich Nijman einmal mehr, dass er derzeit zu den absoluten Taktgebern des Circuits gehört. Im Finale besiegte er den deutschen Max Hopp mit 8-1.
Im Anschluss stand ein sichtlich zufriedener Nijman der Presse
Rede und Antwort. Nicht ausgelassen, nicht überdreht, sondern mit der Ruhe eines Spielers, der weiß, dass er in Topform ist. „Es ist immer schön, sich das beste Match für den Schluss aufzuheben“, sagte er nüchtern. „Ich bin einfach sehr froh, dass ich die Serie, die ich jetzt habe, fortsetzen kann. Und vor allem auch mit der Art und Weise, wie ich spiele.“
Starkes Finish macht den Unterschied
Players Championship 14 begann für den Niederländer nicht einmal perfekt. In den frühen Runden hatte er noch Mühe, seinen Rhythmus zu finden. Doch wie so oft bei Topspielern wuchs er im Verlauf des Turniers hinein. „Am Anfang war es wahrscheinlich nicht das Beste, was ich je gezeigt habe“, gab Nijman ehrlich zu. „Aber zum Ende hin wurde es immer besser. Am Ende habe ich kein einziges Match mehr unter 100 gespielt. Dann weißt du, dass du auf dem richtigen Weg bist.“
„In dieser Halle kann in der ersten Runde jeder plötzlich einen hohen Average spielen“, erklärte Nijman. „Aber es erfordert etwas Besonderes, dieses Niveau zu halten — und es sogar noch zu erhöhen, je weiter das Turnier voranschreitet.“
Die Kunst stetiger Weiterentwicklung
Auffällig ist vor allem, dass Nijman von Woche zu Woche stärker zu werden scheint. Sein Spiel wirkt stabiler, seine Scoring-Power schärfer und seine Doppelfelder zuverlässiger. Die Frage drängt sich auf: Wie schafft er es, sich immer wieder zu verbessern?
Der Dartspieler selbst bleibt bemerkenswert gelassen. „Ehrlich gesagt weiß ich es nicht“, sagte er mit einem Lächeln. „Ich fühle mich auf diesen Floor-Turnieren einfach sehr wohl. Das Vertrauen ist da, und hoffentlich kann ich dieses Niveau noch viele Jahre halten.“
In den Fußstapfen von Van Gerwen
Seit
Michael van Gerwen vor zehn Jahren hat kein Spieler fünf Players Championship-Titel in einem Jahr gewonnen. Eine Statistik, die Nijmans Leistungen in Perspektive rückt. Dennoch misst der Niederländer solchen Rekorden selbst wenig Bedeutung bei. „Ehrlich gesagt beschäftige ich mich nicht so sehr damit“, betonte er. „Für mich geht es um die Form, in der ich bin. Und die ist im Moment einfach gut. Natürlich ist es schön, solche Rekorde auf dem eigenen Namen zu haben, aber am Ende sagt dein aktuelles Niveau mehr als alles andere.“
Wessel Nijman gewann in diesem Jahr bereits fünf Players Championships
Von Top 16 zur absoluten Elite?
Zu Saisonbeginn formulierte Nijman das Ziel, die Top 16 der Welt zu erreichen. Dieses Vorhaben hat er inzwischen abgehakt. Doch schon stellt sich die nächste Frage: Gehört er mittlerweile nicht zur absoluten Weltspitze? Ist er ein Top-10-Spieler? Vielleicht sogar Top 8, oder höher? „Ich sage es dir am Ende des Jahres“, reagierte er mit einem vielsagenden Lächeln. „Mein Ziel war es, die Top 16 zu erreichen. Jetzt will ich Schritt für Schritt näher an die Nummer eins heranrücken.“
Dieser Hunger nach mehr ist typisch für Spitzensportler. „Ich bin froh, dass ich jetzt in den Top 16 stehe“, fuhr er fort. „Und hoffentlich kann ich in die Top 10, Top 8, vielleicht Top 4 aufsteigen … und wer weiß, noch weiter.“
Viel Zeit, um den Erfolg auszukosten, bleibt nicht. Der Darts-Kalender ist randvoll, und die nächste Aufgabe wartet bereits. Am Wochenende reist Nijman nach Graz zu einem European Tour-Turnier, bei dem er erstmals als gesetzter Spieler am Oche steht. Ein neuer Meilenstein in seiner Karriere — und einer, der zusätzliche Erwartungen mit sich bringt.
Auffällig ist, dass einige Topspieler sich entscheiden, bestimmte Turniere auszulassen, was das Teilnehmerfeld auf dem Papier etwas schwächt. Doch auch das ist für Nijman kein wesentlicher Faktor. „Ich brauche keine Extramotivation, weil andere nicht mitmachen“, stellte er resolut klar. „Ich möchte einfach so viele Turniere wie möglich spielen und dabei mein bestes Niveau abrufen.“
Blick auf Blackpool
Mit dem nahenden Sommer rückt auch der Fokus langsam auf die großen TV-Turniere. Eines davon ragt klar heraus: das World Matchplay in Blackpool. Für Nijman ist dieses Turnier ein wichtiger Gradmesser, auch wenn er hier ebenfalls realistisch bleibt. „Das Ziel war, als gesetzter Spieler nach Blackpool zu fahren“, erklärte er. „Meiner Meinung nach bin ich gut positioniert, um auf der ‚linken Seite‘ des Draws zu stehen, aber es kann noch viel passieren.“