Luke Littler und Luke Humphries haben beim
World Cup of Darts zum ersten Mal zusammen die Trophäe in die Luft gehalten. England besiegte die Niederlande im Finale mit 10:5 und ließ Gian van Veen sowie Michael van Gerwen keine Chance. Das niederländische Duo zeigte beim ersten gemeinsamen Auftritt zwar eine beeindruckende Leistung – doch England war an diesem Tag schlicht besser.
Auch Deutschland und Schottland hinterließ mit ihren Halbfinaleinzügen einen starken Eindruck. Besonders Ricardo Pietreczko zeigte, dass er weiterhin zu den besten Spielern des Landes gehört, nachdem er in letzter Zeit aufgrund von Dartitis und der damit einhergehenden Formkrise immer wieder mit dem Druck der deutschen Fans zu kämpfen hatte.
Lange wurde außerdem diskutiert, ob Littler der World-Cup-Bühne gewachsen ist – und ob England die Schmach des Vorjahres gegen Deutschland vergessen machen kann. Am Ende beantworteten die beiden Engländer alle Fragen auf dem Oche. Sie bewiesen eindrucksvoll, warum sie von Anfang an als die Favoriten galten.
Finaltag-Ergebnisse auf einen Blick
Viertelfinale
| Spieler 1 | Ergebnis | Spieler 2 |
| Schottland | 8–5 | Republik Irland |
| England | 8–7 | Wales |
| Nordirland | 8–7 | Lettland |
| Niederlande | 8–4 | Deutschland |
Halbfinale
| Spieler 1 | Ergebnis | Spieler 2 |
| England | 8–3 | Schottland |
| Niederlande | 8–2 | Nordirland |
Finale
| Spieler 1 | Ergebnis | Spieler 2 |
| England | 10–5 | Niederlande |
Niederlande größte Überraschung, während Deutschland alte Magie wiederentdeckt
Nicolas Gayer, Redakteur von DartsNews.de, war vor Ort in Frankfurt und sprach ausführlich über seine Sicht auf die Top-Teams, inklusive eines starken Wochenendes für die Niederlande sowie der Rückkehr zur Form bei Pietreczko, begünstigt durch dieses Event.
Frankfurt, es war mir erneut eine Ehre. So privilegiert wir sind, so viele Darts-Events auf deutschem Boden besuchen und begleiten zu dürfen, fühlt sich dieses Juni-Wochenende in der Eissporthalle Frankfurt immer besonders an. Größer, internationaler – und vor allem bedeutsamer. Für die Fans aus Nordirland, Irland, Wales, England, den Niederlanden, Belgien und vielen anderen Nationen, die stolz ihre Flaggen zeigten, aber ganz besonders für die Spieler. Immer wieder erleben wir emotionale Ausbrüche auf und neben der Bühne, wie man sie fast nur beim World Cup of Darts sieht.
Beginnen wir ganz oben auf der Ehrenliste: mit den Siegern aus England. Nach einem enttäuschenden Debüt im vergangenen Jahr haben die beiden Lukes nun die Krone geholt. Und aus meiner Sicht haben sie gezeigt, dass viele der Diskussionen von letztem Jahr vielleicht etwas kurzsichtig waren. Denn was Luke Humphries mir in der Sieger-Pressekonferenz bestätigte, war genau der Eindruck, den ich das ganze Event über hatte: Viel hatte sich im Vergleich zum Vorjahr nicht geändert.
Team England wirkte erneut nicht wie eine unzertrennliche Einheit, wie Brüder auf der Bühne oder beste Freunde auf der Tour. Aber sie bewiesen, dass man den World Cup auch gewinnen kann, ohne sich minutenlang in den Armen zu liegen. Am Ende bleibt Darts ein Individualsport. Und so sehr die besten Doppel der Welt beim World Cup ihr Spiel anheben können – wenn die zwei besten Einzelspieler der Welt zusammen antreten, gibt es nur sehr wenige Teams, die sie stoppen können.
Das Team, das mich bei diesem World Cup am meisten überraschte, waren die Niederlande. In unserer
neuesten Podcast-Episode habe ich ausführlich erklärt, warum ich die Niederländer als mögliche Enttäuschung des Turniers sah. Ich bezweifelte schlicht, dass zwei Spieler, die aktuell etwas von ihrer Topform entfernt sind, gemeinsam auf der World-Cup-Bühne brillieren könnten. Wie sehr ich mich geirrt habe.
Sportlich waren Michael van Gerwen und Gian van Veen das gesamte Wochenende überragend – noch mehr beeindruckte mich jedoch, was ich hinter den Kulissen sah. Der Meister und sein Lehrling. Man merkte in jedem Moment, wie sehr Gian van Veen – immerhin die Nummer drei der Welt – es genoss, neben seinem Kindheitsidol am Oche zu stehen. Und ebenso war der Respekt und die Zuneigung von Michael van Gerwen für seinen jungen Landsmann unübersehbar. Das niederländische Duo wirkte wie echte Freunde – ständig Witze machend und lachend. Ohne Übertreibung: Ihre Chemie war außergewöhnlich.
Zum Schluss ein Wort aus deutscher Sicht. Martin Schindler und Ricardo Pietreczko kamen mit Fragezeichen und Zweifeln nach Frankfurt. Am Sonntagnachmittag verließen sie die Eissporthalle mit einem Ausrufezeichen.
Aus deutscher Perspektive war das ideale Szenario vor dem Turnier, dass beide Spieler den Rhythmuswechsel durch das Doppel-Format, kombiniert mit der leidenschaftlichen Heimkulisse, nutzen, um den Durchbruch zu schaffen und Schwung für die zweite Saisonhälfte mitzunehmen. Genau das ist eingetreten.
Wie von Zauberhand fand Ricardo Pietreczko in Rekordzeit zu seinem alten Wurfrhythmus zurück und begeisterte die Fans mit einer Serie starker Auftritte. ‚Pikachu‘ strahlte das ganze Wochenende über. Für jemanden, dem Darts so viel bedeutet, war klar zu sehen, wie glücklich er war, einfach wieder befreit zu werfen.
Neben ihm stand ein Spieler, der zu den herausragenden Akteuren des Turniers zählte. Mit mehreren individuellen Averages von über 100 spielte Martin Schindler einige der besten Darts seiner Saison – und hoffentlich hat er sich damit wieder in eine Form gebracht, die ihn in der zweiten Jahreshälfte erneut zu einem echten Titelfavoriten macht.
Australien eine der größten Enttäuschungen
Oliver Ried, Redakteur bei DartsNews.de, war am meisten von Australien enttäuscht … hatte aber auch ein Wort zum „Blade X Gate“, das das Wochenende prägte.
„Mit dem World Cup of Darts ist ein weiteres fantastisches Turnier zu Ende gegangen. England erwies sich als würdiger Champion und zeigte seinen Kritikern endlich, wozu es fähig ist. Das englische Duo marschierte sehr überzeugend durch das Turnier, nur Wales brachte sie im Viertelfinale in Bedrängnis. Hätte Luke Littler nicht das 170er-Checkout getroffen und Nick Kenny die 14 für einen Matchdart auf das Bullseye getroffen, hätte es sehr eng werden können. Stattdessen holte England seinen ersten World-Cup-Titel, und es wirkt sicher nicht so, als wäre es der letzte für die beiden Lukes.
Auch die Niederlande spielten ein ausgezeichnetes Turnier und lieferten mehrere herausragende Auftritte. Zwei Team-Averages in Folge von über 100 beim World Cup unterstrichen die Qualität des niederländischen Duos. Beeindruckt haben mich zudem Irland mit den Auftritten von Mickey Mansell und William O’Connor. Schottland übertraf ebenfalls meine Erwartungen. Ich hatte vor dem Turnier ernsthafte Zweifel an diesem Team, doch Gary Anderson und Cameron Menzies spielten eine hervorragende Kampagne. Lettland sollte man ebenfalls nicht vergessen. Aus dem Nichts erreichten sie das Viertelfinale, und nur Josh Rocks brillantes 144er-Checkout verwehrte ihnen das Halbfinale. Gefreut hat mich auch, dass Trinidad und Tobago einen Sieg im Turnier feiern konnten.
Deutschland hat mich ebenfalls voll überzeugt. Ricardo Pietreczko wirkt wieder in der Lage, „normal“ zu werfen, und erinnerte phasenweise an seine besten Tage. Hoffentlich kann er diese Form nun auf die ProTour übertragen. Martin Schindler war unterdessen schlicht sensationell. Individuelle Averages von 120, 103, 91 und 111 zeigten das Niveau, das Deutschlands Nummer eins über das Turnier hinweg erreichte. Es gibt jeden Grund zur Hoffnung, dass er dieses Momentum in die kommenden Events und die zweite Saisonhälfte mitnimmt.
Australien muss am Ende als eine der Enttäuschungen des Turniers gesehen werden. Damon Heta und Adam Leek erhielten eine machbare Gruppe mit Kanada und den Vereinigten Staaten, schieden aber ohne einen einzigen Sieg aus. Beide spielten unter ihrem üblichen Standard, insbesondere Leek. Auch Österreich enttäuschte mich. Ihr starker Start gegen China machte Hoffnung, und beim 3–0 gegen Frankreich schien der Gruppenauszug sicher. Doch sie gaben den Vorsprung aus der Hand und scheiterten in der Gruppenphase.
Ein weiterer Verlierer des World Cup war erneut das Winmau Blade X. Das Board steht seit einiger Zeit in der Kritik, und Gary Anderson äußerte nach seinem Sieg am Samstag öffentlich Bedenken. Winmau veröffentlichte sogar eine Stellungnahme. Als Martin Schindler jedoch
ein Bild eines Blade X im Müll nach Deutschlands Viertelfinal-Aus postete, flammte die Kontroverse erneut auf.
Die PDC und Winmau müssen handeln. Wenn so viele Spieler das Gefühl haben, dass das aktuelle Board nicht gut performt, und es zuvor ein Board gab, mit dem alle zufrieden schienen, dann muss etwas passieren. Selbst im Finale gab es vier Bounce-outs. Das ist auf höchstem Niveau des Sports einfach nicht akzeptabel. Am Ende hat mich der World Cup aber wieder so gut unterhalten wie immer, und ich freue mich bereits auf die nächste Ausgabe.“
England bestätigte viele Experten, war aber vielleicht nicht der Hauptakteur
Samuel Gill, Chefredakteur von DartsNews.com, sah – wie so oft bei einem Major – zahlreiche Gesprächspunkte abseits der Zugpferde.
England waren zweifellos die Stars des Wochenendes und verdienten sich viel Anerkennung – doch als das große Gesprächsthema des Turniers sehe ich sie nicht.
Im Grunde bestätigten sie lediglich das, was Sky Sports ihnen seit Jahren attestiert. Man erinnere sich: Vor zwei Jahren geriet Michael Smith unter Druck, weil einige forderten, ein gewisser Weltranglisten-32. namens Littler solle den World Cup an seiner Stelle bestreiten. Erwartungsdruck auf England – ob mit oder ohne Littler und Humphries – ist also keine Neuheit. Was dieses Wochenende lieferte, war eher eine Bestätigung als eine Überraschung.
Andere Nationen hinterließen den stärkeren Eindruck. Schottland präsentierte sich bemerkenswert geschlossen – bemerkenswert deshalb, weil mit Menzies ein Spieler dabei war, dem man gemeinhin eine gewisse Exzentrik nachsagt. Er agierte an der Seite von Anderson jedoch konzentriert und geerdet, und gemeinsam trugen sie Schottland beinahe bis ganz nach vorne. Die Niederlande wiederum stützen ihre Ambitionen weiterhin auf das bewährte Duo Van Veen und Van Gerwen – und mit Talenten wie Nijman, Zonneveld und Doets in der Hinterhand dürften sie auf absehbare Zeit ein ernstzunehmender Mannschaft bleiben.
Besondere Erwähnung verdient Cristo Reyes: Er konnte Spanien zwar nicht im Alleingang zum Erfolg führen, war aber der unbestrittene Anführer und Rückhalt seiner Mannschaft – und gehörte neben den großen Namen zu den prägenden Figuren des Wochenendes.
Cristo Reyes eroberte Anfang dieses Jahres seine PDC Tour Card zurück.
Eine Woche voller packender Matches, glasklarer Sensationen und Geschichten für das Erinnerungsbuch
Pieter Verbeek, Redakteur bei DartsNieuws.com, sprach über die Geschichten rund um Englands Triumph, sowie den starken Lauf der Niederlande.
Der World Cup of Darts bewies 2026 einmal mehr, warum er zu den beliebtesten Events im Darts-Kalender zählt. Während die meisten Turniere von individueller Brillanz leben, steht hier etwas anderes im Mittelpunkt: Nationalstolz, Teamgeist, unerwartete Helden und pure Emotion. Das Turnier lieferte erneut eine Woche voller packender Partien, atemberaubender Überraschungen und Geschichten, die noch lange nachhallen werden.
Bereits in der Gruppenphase wurde klar: Große Namen allein zählen wenig, wenn ganze Nationen gemeinsam auf die Bühne treten. Von den vierzig Teilnehmerländern mussten sich sechsunddreißig durch die Gruppenphase kämpfen – und einige Schwergewichte scheiterten früh. Australien, Champion von 2022, verpasste den Einzug in die K.o.-Runde. Österreich, Finalist von 2021 und 2024, traf dasselbe Schicksal. Belgien schien denselben Weg zu gehen, bekam jedoch unerwartete Schützenhilfe: Nach Hongkongs blamablen Niederlage gegen Slowenien zogen die Belgier auf Umwegen doch noch ins Achtelfinale ein.
Ein starkes Wochenende für Belgien.
Abseits der etablierten Nationen schrieb auch Debütant Trinidad & Tobago ein eigenes Kapitel. Das Auftaktmatch gegen Italien geriet zum Desaster – ein Average von lediglich 61 zeigte, dass das Turnier zunächst eine Nummer zu groß wirkte. Doch die Mannschaft antwortete eindrucksvoll: In einem nervenaufreibenden Duell gegen Lettland gelang ein überraschender 4:3-Sieg – ein unvergesslicher erster Moment auf der größten internationalen Bühne des Sports.
Ironischerweise zog eben jenes lettische Team trotz dieser Niederlage als Gruppensieger weiter – dank eines vorherigen 4:2-Erfolgs über Italien. Anschließend eliminierten sie Frankreich in einem harten Duell mit 8:7 und erreichten das Viertelfinale. Dort fehlte nur ein Dart zum Sensationseinzug ins Halbfinale. Nordirland stand mit dem Rücken zur Wand, ehe Josh Rock im entscheidenden Moment ein grandioses 144-Finish setzte und eine der größten Überraschungen der World-Cup-Geschichte verhinderte.
Auch die Viertelfinals boten Drama auf höchstem Niveau. England, mit Luke Littler und Luke Humphries als Topfavorit ins Turnier gegangen, stand gegen Wales kurz vor dem Aus. Jonny Clayton und Nick Kenny starteten furios und zogen auf 4:0 davon. Als Clayton die Chance auf 5:0 ausließ, kippte die Partie. England fand zurück ins Match, Kenny konnte das Niveau nicht halten, und Littler sowie Humphries drehten die Begegnung schließlich im Entscheidungsleg.
Unterdessen lieferten die Niederlande eine der stärksten Vorstellungen des Wochenendes. Gegen Gastgeber Deutschland zeigten Michael van Gerwen und Gian van Veen eine beeindruckende Leistung und erreichten mit einem Team-Average von 102,68 eine neue Qualitätsstufe. Deutschland kassierten mit 4:8 eine klare Niederlage, Oranje zog souverän ins Halbfinale ein.
Dort war England erneut zu stark. Schottland, vor dem Turnier als gefährlicher Außenseiter gehandelt, fand kaum Mittel gegen das englische Duo. Littler und Humphries setzten sich komfortabel mit 8:3 durch und erreichten erneut das Endspiel. Die Niederlande folgten mit einem 8:2 über Nordirland und zogen erstmals seit 2018 wieder in ein World-Cup-Finale ein.
Das Finale ließ keinen Zweifel daran, warum Luke Littler und Luke Humphries derzeit die Plätze eins und zwei der Weltrangliste belegen. Die Niederlande starteten stärker und gingen mit 2:1 in Führung – doch von da an schaltete England einen Gang höher. In einer atemberaubenden Phase gewannen sie fünf Legs in Serie, in 15, 14, 12, 12 und 15 Darts. Binnen Minuten verwandelten sie einen Rückstand in eine komfortable 6:2-Führung.
Die Niederlande fanden anschließend keine Antwort auf das unerbittliche Scoring und die eiskalt verwandelten Finishes des englischen Duos. Das letztendliche 10:5 wirkte wie die logische Konsequenz. England hob nicht nur die Trophäe – sie taten es als überragendes Team des gesamten Turniers.
Verdiente Champions, aber kein makelloser Weg
Mats Leering, Redakteur bei DartsNieuws.com, sah England als besonders begünstigt und war positiv überrascht von den deutschen Hoffnungen.
England war vor dem Turnier als Favorit gehandelt worden, und am Ende gewannen sie auch. Doch makellos war die Kampagne der beiden Lukes keineswegs. Gegen Wales hatten sie echtes Glück – ohne Littlers 170er-Finish wären sie meiner Einschätzung nach ausgeschieden. Phasenweise zeigten sie aber, warum sie als die zwei besten Spieler der Welt gelten. Deshalb waren sie für mich verdiente Champions.
Auch was die Niederlande betrifft, bin ich positiv gestimmt. Vor dem Turnier fragten sich viele, wie Van Gerwen und Van Veen als Duo funktionieren würden – und die Antwort fiel fantastisch aus. Ich glaube, diese Paarung kann künftig definitiv mehrere Titel gewinnen und kommt dem legendären Duo Van Gerwen und Van Barneveld nahe. Im Finale waren die Engländer leider zu stark, aber es war eine echte Freude, den Niederländern zuzusehen.
Clayton und Kenny erwiesen sich beinahe als Kryptonit.
Deutschland überraschte mich ebenfalls positiv. Anfangs befürchtete ich, dass Pietreczkos jüngste Form zum Problem werden könnte – doch davon war bei diesem Turnier kaum etwas zu spüren. Mit dem Rückhalt des Heimpublikums erreichten beide Spieler ein hohes Niveau und lieferten eine starke Kampagne ab.
Die größte Überraschung war natürlich Lettland. Ohne Rocks 144er-Finish wären sie höchstwahrscheinlich ins Halbfinale eingezogen. Razma ist auf der Tour bereits ein bekannter Name, doch besonders Valters Melderis hat mich beeindruckt. Das Viertelfinale war für Lettland bereits ein Meilenstein – aber es hätte noch besonderer werden können.
Spanien und Frankreich hinterließen ebenfalls starken Eindruck. Spanien mit Cristo Reyes, der seit Monaten in überragender Form agiert, war keine völlige Überraschung – aber sie forderten England meiner Meinung nach ernsthaft heraus. Jose Justicia spielte in diesem Match ebenfalls sehr stark, und mit etwas Glück hätten sie problemlos für eine große Sensation sorgen können. Auch das französische Team mit Thibault Tricole und Nicolas Thuillier zeigte sich von seiner besten Seite.
Die größten Enttäuschungen waren für mich Österreich, Australien und in gewissem Maße Polen. Österreich und Australien scheiterten bereits in der Gruppenphase, wobei die Australier mit zwei Niederlagen besonders enttäuschten. Polen erreichte zwar die zweite Runde, blieb dort gegen Belgien jedoch hinter den Erwartungen zurück – ich hatte sowohl Ratajski als auch Białecki mehr zugetraut.
Van Gerwen und Anderson liefern Antworten
Lucas Michael, Redakteur bei DartsNews.com, lobte abschließend, wie Schottland die neue Partnerschaft meisterte – ebenso wie MVG mit Van Veen.
Den World Cup zu verfolgen war ein besonderes Erlebnis. Die Kameradschaft der Spieler auf der Bühne ist einzigartig – die Emotionen fließen freier, die Verbundenheit ist spürbar. Schön war auch zu sehen, wie andere Talente ihren Stempel aufdrückten: Spieler, die man sonst selten im Rampenlicht erlebt, sei es weil sie auf einer anderen Tour unterwegs sind oder keine Tour Card besitzen.
Wie so oft schrieb Frankfurt in den vergangenen vier Tagen viele Storylines. Im Rückblick wirkt Englands Titel fast unvermeidlich. Die zwei besten Spieler der Welt fanden endlich gemeinsam die Lösung auf der Bühne und unterstrichen ihren Wert auf eindrucksvolle Weise. Ehrlich gesagt verlief dieser World Cup ungewöhnlich geradlinig: Sieben der acht gesetzten Top-Nationen standen im Viertelfinale, die vier Topgesetzten bildeten das Halbfinale, und die Nummern eins und zwei der Setzliste bestritten das Endspiel. In einem sonst so unberechenbaren Event war dieses Jahr anders.
Die Frage, wie Michael van Gerwen und Gary Anderson mit ihren neuen Teamkollegen harmonieren würden, hat das Turnier klar beantwortet: sehr gut. Trotz aller Diskussionen um einen möglichen Einbruch von Cameron Menzies blieb er cool und ergänzte Anderson stark. Van Veen und Van Gerwen erwiesen sich als gefährliches Duo. Inkonstanz galt vor dem Turnier als Sorge, doch beide fanden zueinander – ihr Finaleinzug spricht für sich. In einem anderen Jahr hätte eines dieser Teams die Trophäe geholt. Doch England ist schlicht zu stark, und das ist ein unheilvolles Zeichen für die kommenden Jahre: Die beiden Lukes werden nicht verschwinden.
Das belgische Duo kämpfte erwartungsgemäß, schaffte aber immerhin den Gruppenausgang. Dennoch bereitet Dimitri Van den Berghs Entwicklung echte Sorgen. Jeder weiß, wie gut er sein kann – doch zuletzt war seine Form bestenfalls schwach. Der 66er-Average im ersten Match war ein echter Nackenschlag. Immerhin reagierte er am Folgetag mit einer deutlich besseren Leistung. Ähnlich wie bei Belgiens goldener Fußballgeneration wirkt es, als hätten auch die Darts-Aushängeschilder ihre besten Tage hinter sich. Mike De Decker befindet sich ebenfalls im Rückwärtsgang, während Kim Huybrechts nach seinem Formaufschwung derzeit der einzige Lichtblick ist.
Wenn es um enttäuschende Auftritte geht, kommt man an Australien nicht vorbei. Damon Heta und Adam Leek blieben weit unter ihren Möglichkeiten und verloren beide Spiele. Als erfahrener Teamleader an der Seite eines jungen Debütanten hatte ich von Heta am Oche mehr erwartet. Leek zeigte nie seine wahren Fähigkeiten – und diese Kombination aus Enttäuschungen war letztlich keine Überraschung.
Es bleibt stets ein Highlight, Nationen und Spieler zu sehen, die man sonst selten auf der großen Bühne erlebt – besonders aus Asien, wo das Talent zweifellos vorhanden ist. Schon seit Jahren heißt es, dass von dort das nächste große Talent kommen wird, doch bislang hat noch niemand den entscheidenden Schritt gemacht. Es war schade, dass Teams wie Hongkong und Japan trotz ihrer Besetzung unter den Erwartungen blieben. Vielleicht gelingt es irgendwann einem asiatischen Spieler, ernsthaft anzugreifen – doch solange der schwierige Übergang von der Asian Tour zur gesicherten Tour Card kaum einem gelingt, bleiben die Möglichkeiten begrenzt.