ANALYSE: Gian van Veen ist die Nummer zwei der Welt – doch seine Leistungen sprechen eine andere Sprache

PDC
durch Nic Gayer
Sonntag, 16 August 2026 um 15:45
Gian van Veen (2)
Nach dem World Matchplay 2026 kletterte Gian van Veen auf den zweiten Platz der PDC Order of Merit – so hoch wie nie zuvor in seiner Karriere. Sein Halbfinaleinzug in Blackpool steht allerdings im deutlichen Kontrast zu einem insgesamt schwierigen Jahr 2026, wie die folgende Analyse unseres englischen Kollegen Ben James aufzeigt.
Seit einer Nierenstein-Operation während der Premier League of Darts sind van Veens Leistungen auf ein für seine Verhältnisse unterdurchschnittliches Niveau abgesackt. Da der Niederländer im gesamten Jahr 2026 noch keinen Titel gewinnen konnte, erscheint seine Position als Nummer zwei der Welt derzeit eher als Hinweis auf die Schwächen des Rankingsystems denn als Spiegelbild seiner tatsächlichen Form.

Die Zahlen hinter dem Ranking

Nach seiner Einweisung ins Krankenhaus am 18. März verpasste van Veen den siebten Spieltag der Premier League in Dublin. Zuvor hatte er an drei Abenden das Finale erreicht und den vierten Tabellenplatz belegt, doch anschließend setzte ein ebenso abrupter wie anhaltender Absturz ein. Am Ende der Premier-League-Saison landete der Niederländer nur auf Rang sieben. Die Folgen des Eingriffs kosteten ihn spürbar Kraft. Wie sehr ihn die Operation beeinträchtigte, zeigte sich auch daran, dass er während seiner Reha-Phase lediglich 15 Minuten trainieren konnte.
Der Zeitraum von März bis Mai war statistisch betrachtet van Veens schwächste Phase der vergangenen zwei Jahre. Sein Average lag in diesen Monaten lediglich bei 93,55. Doch nicht nur beim Scoring waren deutliche Einbußen zu erkennen: Seine Checkout-Quote, die 2025 noch bei starken 46,88 Prozent gelegen hatte, sank auf 38,76 Prozent. Zudem warf er nur noch in 21 Prozent seiner Legs eine 180. Sämtliche Facetten seines Spiels litten – nach einem derart einschneidenden gesundheitlichen Rückschlag durchaus nachvollziehbar. Dennoch waren die Unterschiede frappierend. Ein Average von 93,55 bedeutet im Schnitt, dass van Veen seine Legs eher mit 16 als mit 15 Darts beendet – also sechs statt fünf Aufnahmen benötigt. Das erklärt einen wesentlichen Teil seiner Schwierigkeiten in der Premier League.
Gerade im „First to six“-Format reicht es nicht aus, den eigenen Anwurf durchschnittlich erst nach sechs Aufnahmen durchzubringen. 2025 hatte van Veens Average noch bei 97,98 gelegen – der viertbeste Wert hinter Weltmeister Luke Littler, Luke Humphries und dem World-Cup-Sieger von 2025, Josh Rock. Angesichts dieser Zahlen kam sein starker Lauf bei der Weltmeisterschaft keineswegs überraschend. Nach seinem Triumph bei der European Championship gegen Humphries und dem anschließenden Einzug ins WM-Finale war der dritte Platz der Weltrangliste hochverdient. 2026 sieht die Situation dagegen völlig anders aus: Mit einem Average von 95,25 belegt van Veen in dieser Statistik nur noch Rang 14.
Der Absturz vom vierten auf den 14. Platz lässt sich zu großen Teilen mit den Nierensteinen erklären. Die Folgen dürften van Veen mental jedoch beinahe ebenso hart getroffen haben wie körperlich. Normalerweise investiert der Niederländer viele Stunden in sein Training. Für einen Spieler mit seinem analytischen Ansatz bedeutete die Reduzierung von zwei oder mehr Stunden auf gerade einmal 15 Minuten einen fundamentalen Einschnitt in seinen gewohnten Lebensrhythmus. Aus 120 Minuten wurden 15 – und die fehlenden 105 Minuten waren von Schuldgefühlen geprägt. Mit lediglich einer Viertelstunde Vorbereitung in die Arena zu gehen, entsprach schlicht nicht dem Selbstverständnis des Profis Gian van Veen.
Eine Alternative hatte der 24-Jährige dennoch nicht. Er musste die Situation akzeptieren – und die Zahlen dokumentieren eindrucksvoll, wie kontinuierlich seine Ergebnisse infolge dieser erzwungenen Einschränkungen nachließen. 2025 hatte van Veen mit 135 Siegen noch eine außergewöhnliche Siegquote von 72 Prozent erreicht. Umso bemerkenswerter war dieser Wert angesichts seiner permanenten Präsenz auf der Pro Tour, wo Vielspieler zwangsläufig mehr Niederlagen anhäufen als beispielsweise ein Luke Littler. 2026 holte ihn diese enorme Turnierdichte jedoch ein: Die Nierensteinproblematik in Verbindung mit seinem weiterhin maximal gefüllten Kalender ließ seine Siegquote auf 58 Prozent einbrechen. Innerhalb von acht Monaten kassierte van Veen bereits 50 Niederlagen – 2025 waren es über das gesamte Jahr lediglich 52 gewesen. Der Rückgang der Siegquote um 14 Prozent verdeutlicht, wie stark auch sein Selbstvertrauen unter den gesundheitlichen Problemen gelitten hat. Was van Veen dringend benötigte, waren konstante und überzeugende Auftritte.
Kennzahl  Feb–Aug 25 Aug–Feb 26 Feb–Mai 26 Mai–Aug 26
Average 97,87 98,43 95,72 93,55
Checkoutquote 46,88 % 45,63 % 41,48 % 38,76 %
Nirst-Nine-Average 105,60 106,70 102,88 101,22
Funktionale Doppelquote 55,44 % 55,59 % 51,88 % 46,95 %
180er pro leg 0,31 0,34 0,26 0,21
Average in Decidern 105,84 97,95 92,90 95,56
Ein-Dart-Checkoutquote 84,59 % 79,51 % 74,42 % 73,74 %
Zwei-Dart-Checkoutquote 56,95 % 59,95 % 53,74 % 48,96 %
Auf dem Floor ist diese erhoffte Konstanz bislang ausgeblieben. Schon vor seiner Nierenstein-Operation hatte van Veen große Schwierigkeiten, bei den Players Championships die ersten Runden zu überstehen. Erst bei Players Championship 24 gelang ihm erstmals in diesem Jahr der Sprung über das Achtelfinale hinaus. Der anschließende Halbfinaleinzug schien die Gelegenheit zu bieten, endlich eine Serie aufzubauen. Doch eine 5:7-Niederlage im Halbfinale bei einem Average von lediglich 83,37 Punkten machte diese Hoffnung weitgehend zunichte. Beim darauffolgenden Players-Championship-Turnier folgte ein Average von 78,40 und das Aus in der ersten Runde – bereits van Veens achte Erstrundenniederlage bei einem Players Championship in diesem Jahr.
Van Veen ist die Nummer zwei der Welt und hat dennoch bei keinem einzigen Players-Championship-Turnier ein Finale erreicht. Nachhaltig Eindruck hinterlassen konnte er auf dem Floor nur selten. Gleich mehrfach unterlag er Spielern außerhalb der Top-64, darunter Rhys Griffin, Jim Long und Christopher Wickenden – Gegner, gegen die sich die Nummer zwei der Welt unter normalen Umständen klar durchsetzen sollte.
Doch wie lange können die Nierensteine noch als Erklärung für diese Ergebnisse dienen? Niederlagen im April, unmittelbar nach dem Eingriff, waren angesichts der Umstände durchaus absehbar. Dass van Veen jedoch sowohl zu Jahresbeginn als auch Monate nach seiner gesundheitlichen Zwangspause immer wieder früh scheitert, lässt zwei mögliche Schlüsse zu: Entweder waren die Auswirkungen der Nierenstein-Problematik weitaus gravierender als zunächst angenommen – oder van Veens spielerisches Niveau ist grundsätzlich gesunken.
Auf der European Tour präsentierte sich zu Beginn des Jahres zunächst ein anderes Bild. Van Veen überzeugte mit starken Auftritten auf dem Weg ins Finale und spielte dabei einen Average von 107,50. Gegen seinen Landsmann Wessel Nijman war nichts von jenen Problemen zu erkennen, die zu seinen acht Erstrundenniederlagen bei den Players Championships geführt haben. Seither gelang ihm auf der European Tour allerdings kein weiterer Viertelfinaleinzug, während vier Erstrundenniederlagen das bekannte Muster auch auf der Bühne fortsetzten.
Hinzu kommt, dass van Veen derzeit schlichtweg nicht wie die Nummer zwei der Welt auftritt. Spieler außerhalb der Top-64 sollten mit großem Respekt in ein Duell mit ihm gehen. Doch zwölf Erstrundenniederlagen in diesem Jahr vermitteln vielmehr den Eindruck, dass van Veen aktuell keinem Gegner wirkliche Angst einjagt. Seine insgesamt 50 Niederlagen unterstreichen dieses Bild zusätzlich. Auf dem Papier sollte der zweitbeste Spieler der Welt keine 50 Partien verlieren – erst recht nicht bei insgesamt nur 120 absolvierten Matches. Warum also passiert es trotzdem?

Wie sich van Veens Preisgeld in der Weltrangliste zusammensetzt

SaisonRanglistenpreisgeldAnteil am Gesamtpreisgeld
2024 £100,500 10.0%
2025 £736,00 73.4%
2026 £166,250 16.6%
Gesamt £1,002,750 100%
Art des Turniers Ranglistenpreisgeld Anteil am Gesamtpreisgeld
Weltmeisterschaften £415,00 41.4%
Weitere Major-Events £334,00 33.3%
Players Championships £134,250 13.4%
European Tour £119,500 11.9%
In seinen bislang vier Jahren bei der PDC hat van Veen insgesamt 1.329.559 Pfund eingespielt, davon fließen 1.002.750 Pfund in die aktuelle PDC Order of Merit ein. Diese Erfolgsgeschichte innerhalb eines vergleichsweise kurzen Zeitraums ist beeindruckend, offenbart zugleich aber auch eine gewisse Anfälligkeit. Denn der Großteil seines aktuellen Ranglisten-Preisgeldes stammt aus dem Jahr 2025: 73,4 Prozent der 1.002.750 Pfund verdiente van Veen allein durch seine Erfolge in diesem Jahr. 2026 stehen nach acht Monaten hingegen lediglich 166.250 Pfund zu Buche – gegenüber 736.000 Pfund in den zwölf Monaten des Jahres 2025.
Diese Zahlen verdeutlichen nicht nur den Leistungsabfall von 2025 auf 2026, sondern auch, wie abhängig van Veens Position in der Weltrangliste von seinen Ergebnissen bei den Major-Turnieren ist. Allein die Weltmeisterschaft macht derzeit 41,4 Prozent seines gesamten Ranglisten-Preisgeldes aus. Insgesamt stammen 415.000 Pfund aus seinen beiden dort einfließenden Ergebnissen – einem Finaleinzug und einem Erstrundenaus.
Gian van Veen jubelt.
Gian van Veen steht auf Rang zwei der PDC Order of Merit – ein großer Teil seines Ranglisten-Preisgeldes stammt allerdings aus seinen Erfolgen des Jahres 2025.
Hinzu kommt sein Titel bei der European Championship, für den van Veen 120.000 Pfund kassierte. Ohne diese beiden tiefen Major-Läufe würde sein Ranglisten-Preisgeld lediglich bei 230.000 Pfund liegen – und damit gar nicht weit von seinen bisherigen Einnahmen im Jahr 2026 entfernt. Natürlich greift eine solche isolierte Betrachtung zu kurz, schließlich musste sich van Veen diese Erfolge erst erspielen. Dennoch verdeutlicht sie, dass seine aktuelle Position in der Weltrangliste stärker von zwei herausragenden Resultaten getragen wird als von konstanten Leistungen auf absolutem Spitzenniveau.
Besonders deutlich wird dieser Kontrast mit Blick auf das Jahr 2026. Van Veen wartet weiterhin auf seinen ersten PDC-Rankingtitel der Saison, während Spieler wie Henry Coates, Sebastian Bialecki und Gabriel Clemens, die allesamt außerhalb der Top-32 stehen, bereits Turniersiege feiern konnten. Das untermauert die These, dass van Veen derzeit nicht der zweitbeste Spieler der Welt ist. Wer bei zwei entscheidenden Gelegenheiten herausragend performt, seine Position aber nicht über zwei konstant starke Spielzeiten hinweg bestätigt, bleibt angreifbar.
Durch die Nierenstein-Problematik, die van Veens Chancen auf eine konstant starke Saison zusätzlich beeinträchtigt hat, drängt sich deshalb eine grundsätzliche Frage auf: Offenbart seine Position als Weltranglistenzweiter eine Schwäche des Ranglistensystems, wenn 2026 gleich mehrere Spieler nachweislich die besseren Darts spielen?

Wer spielt 2026 die besseren Darts?

Gemessen an den Averages gibt es 2026 insgesamt 13 Spieler, die bessere Darts spielen als van Veen. Doch Averages allein erzählen nicht die ganze Geschichte. Wer beurteilen will, welche Spieler in diesem Jahr tatsächlich stärker auftreten, muss auch Ergebnisse und Titel berücksichtigen. Unter Einbeziehung dieser Faktoren lassen sich fünf Spieler klar als formstärker als van Veen einordnen. Rein nach den gezeigten Leistungen wäre der Niederländer damit aktuell eher die Nummer acht der Welt. Doch welche Spieler liegen vor ihm?

Wessel Nijman

Acht Titel innerhalb einer Saison sind bereits ein starkes Argument. Vor allem mit Blick auf die vergangenen sechs Monate wird jedoch deutlich, wie groß die Leistungslücke zwischen Nijman und van Veen aktuell ist. Nijman kommt in diesem Zeitraum auf einen Average von 97,07, van Veen lediglich auf 93,55 – eine Differenz von 3,52 Punkten. Auch auf den Doppeln hat Nijman mit einer Checkout-Quote von 42,88 Prozent gegenüber van Veens 38,76 Prozent die Nase vorn.
Noch deutlicher fällt der Vergleich bei den Ergebnissen aus. Nijman gewinnt 2026 beeindruckende 79 Prozent seiner Partien und liegt damit 21 Prozentpunkte über van Veen. Genau darin zeigt sich jene dauerhafte Exzellenz, die der Weltranglistenzweite derzeit vermissen lässt. Auch Nijmans First-Nine-Average von 107,11 bewegt sich auf absolutem Elite-Niveau und bringt ihn in dieser Statistik unter die besten drei Spieler der Welt. Van Veens Wert von 101,22 fällt im direkten Vergleich deutlich ab.
Auch finanziell spiegelt sich der Unterschied wider. Allein 2026 hat Nijman bereits 278.500 Pfund eingespielt – 112.250 Pfund mehr als van Veen. Betrachtet man ausschließlich die Form in diesem Jahr, sprechen die Argumente somit klar für Nijman.
Zwar hat Nijman zwei direkte Duelle mit van Veen verloren – bei der European Tour 2 sowie im Achtelfinale des World Matchplay. Zwei Ergebnisse können einen Vorsprung von acht Titeln allerdings kaum aufwiegen, zumal Nijman seinen Landsmann bei der European Tour 2 mit einem spektakulären Average von 112,87 regelrecht demontierte. All das legt einen eindeutigen Schluss nahe: Van Veen mag die Nummer zwei der Welt sein, doch die aktuelle Nummer 13 spielt derzeit die deutlich besseren Darts.
Wessel Nijman ballt die Faust.
Wessel Nijman spielt 2026 eine herausragende Saison und hat seinem Landsmann Gian van Veen in mehreren wichtigen Statistiken den Rang abgelaufen.

Gerwyn Price

Allein der Finaleinzug von Gerwyn Price in Blackpool macht diesen Vergleich besonders interessant. Obwohl Price in diesem Jahr lediglich 66 Prozent seiner Partien gewinnt und selbst eingeräumt hat, 2026 nicht bei 100 Prozent zu sein, sprechen seine Leistungsdaten eine deutliche Sprache: Ein Average von 98,96, eine Checkout-Quote von 40,76 Prozent und ein First-Nine-Average von 106,22 lassen den qualitativen Unterschied zu van Veen deutlich hervortreten.
Hinzu kommen zwei Titel, die zeigen, dass Price' Überlegenheit gegenüber van Veen keineswegs allein auf seinem Abschneiden beim World Matchplay beruht. Vielmehr hat der Waliser seine Klasse über das gesamte Jahr hinweg konstant unter Beweis gestellt. Während Nijman im Vergleich mit van Veen die auffälligsten statistischen Unterschiede vorweisen kann, verdeutlichen Price' Average im Jahr 2026 und seine über Jahre gesammelte Erfahrung, dass auch die walisische Nummer eins derzeit auf einem höheren Niveau agiert als der Weltranglistenzweite. Sein 16:13-Erfolg über van Veen beim World Matchplay untermauert diesen Eindruck zusätzlich.

Ross Smith

Ross Smith ist der vielleicht überraschendste Name auf dieser Liste, denn seine Position in der Weltrangliste wird seinen derzeitigen Leistungen kaum gerecht. „Smudger“ ist bislang nie dauerhaft in die absolute Weltspitze vorgestoßen. Seine Nominierung für die World Series war deshalb nicht nur eine willkommene Abwechslung von den immer gleichen Gesichtern, sondern zugleich ein Beleg dafür, dass der Engländer inzwischen bereit ist, auf einer Stufe mit Spielern wie van Veen wahrgenommen zu werden.
Diese Nominierung kam keineswegs aus dem Nichts. Mit einem Saison-Average von 95,59 und einer Checkoutquote von 43,23 Prozent hat Smith 2026 bereits drei Titel gewonnen. Dennoch fliegt der Engländer in diesem Jahr weitgehend unter dem Radar. Nach seinem Viertelfinaleinzug beim World Matchplay entsteht zunehmend der Eindruck, dass Smith auf den nächsten Major-Titel seiner Karriere hinarbeitet.
Auch beim 2026 erspielten Preisgeld gehört Smith als Viertbester zur absoluten Spitze. Im Vergleich mit van Veen liegt er damit erneut in sämtlichen relevanten Kategorien vorne – ein weiterer Beleg dafür, wie verwundbar dessen Status als Nummer zwei der Welt derzeit ist. Dabei gilt es ausdrücklich festzuhalten: Dass van Veen dieses Etikett als „Nummer zwei der Welt“ trägt, ist selbstverständlich nicht seine Schuld. Vielmehr ist es die Konsequenz eines Ranglistensystems, das einzelne Ergebnisse bei Ranking-Majors besonders stark gewichtet, anstatt konstant herausragende Leistungen über eine gesamte Saison hinweg durchgehend zu belohnen.

Ross Smith arrives at the World Matchplay. 

James Wade

Zwar unterlag James Wade im Viertelfinale des World Matchplay Gian van Veen, doch diese Niederlage ändert wenig an seinem bislang äußerst positiven Jahr 2026. Obwohl „The Machine“ traditionell nicht für überragend hohe Averages bekannt ist, liegt er mit einem Saisonwert von 95,42 auch in dieser Kategorie vor van Veen. Auf den Doppeln fällt der Unterschied erwartungsgemäß noch deutlicher aus: Mit einer Checkout-Quote von 43,47 Prozent präsentiert sich Wade wesentlich effizienter als der Niederländer, der lediglich 38,76 Prozent seiner Versuche verwandelt.
Mit seinem Triumph beim ersten Players Championship des Jahres gab Wade bereits früh die Richtung für seine Saison vor. Mittlerweile steht er bei einem 2026 erspielten Preisgeld von 191.500 Pfund und belegt damit den fünften Platz der Jahresrangliste. Ähnlich wie Ross Smith mag auch Wade nicht der zweitbeste Dartspieler der Welt sein. Das englische Duo zeigt 2026 jedoch zweifellos bessere Leistungen als van Veen.

Luke Humphries

Luke Humphries bildet in diesem Vergleich den ultimativen Maßstab. In der PDC Order of Merit liegt „Cool Hand“ lediglich 2.250 Pfund hinter van Veen – zwischen beide Spieler passt damit kaum ein Blatt. Betrachtet man allerdings ihre aktuelle spielerische Qualität, zeichnet sich ein deutlich anderes Bild ab. In den vergangenen drei Monaten spielte Humphries einen Average von 102,29 und einen First-Nine-Average von 112,26. Das sind Werte, die eher nach der Nummer eins als nach der Nummer drei der Welt aussehen.
Dennoch hat auch Humphries 2026 nicht durchgehend jenes Gesamtpaket gezeigt, das ihn 2025 auszeichnete. Sein Erstrundenaus beim World Matchplay machte das deutlich, wobei der Druck auf den Titelverteidiger spürbar groß war. Trotzdem hat Humphries in diesem Jahr bereits drei Ranglistentitel gewonnen, dazu triumphierte er bei einem World-Series-Event in New York. Damit bleibt er der einzige ernsthafte Rivale von Luke Littler, der in dieser Auflistung als Weltranglistenerster selbstredend keine Erwähnung findet.
Besonders aufschlussreich ist die Entwicklung seit dem WM-Viertelfinale 2026 zwischen van Veen und Humphries. Damals setzte sich der Niederländer mit 5:1 durch und spielte dabei einen herausragenden Average von 105,41. Seither erreichte Humphries jedoch das Finale des Masters sowie das Endspiel der Premier League, gewann vier Titel und verbuchte darüber hinaus mehrere tiefe Turnierläufe. Van Veen konnte diese Entwicklung kaum widerspiegeln.
Dabei geht es keineswegs darum, dass diese fünf Spieler in der Order of Merit zwingend vor van Veen stehen müssten. Das Zwei-Jahres-System der Weltrangliste funktioniert in dieser Hinsicht genau so, wie es vorgesehen ist. Entscheidend ist vielmehr, dass van Veens zweiter Platz deutlich weniger stabil erscheint, sobald ausschließlich die Form des Jahres 2026 betrachtet wird – und genau das könnte langfristige Folgen haben.
Alle fünf genannten Spieler zeigen derzeit bessere Leistungen als van Veen und müssen zugleich deutlich weniger Preisgeld aus dem Jahr 2025 verteidigen als der Niederländer. Gelingt ihm keine klare Formsteigerung, wäre es deshalb keineswegs überraschend, van Veen innerhalb der kommenden 18 Monate hinter mehreren dieser Konkurrenten wiederzufinden.
Luke Humphries posiert mit der Trophäe des US Darts Masters.
Luke Humphries liegt in der PDC Order of Merit nur knapp hinter Gian van Veen, präsentiert sich 2026 spielerisch jedoch auf einem deutlich höheren Niveau.

Das World Matchplay und das ungeschönte Fazit

Das Halbfinale beim World Matchplay ist jenes Ergebnis im Jahr 2026, aus dem van Veen berechtigten Optimismus schöpfen kann. Innerhalb von vier Tagen bezwang er in den Winter Gardens Krzysztof Ratajski, Wessel Nijman und James Wade, ehe Gerwyn Price seinen Lauf mit einem 17:10-Erfolg beendete. Verglichen mit dem Vorjahr, als van Veen in Blackpool noch im Viertelfinale am selben James Wade gescheitert war, bedeutet das einen klaren Fortschritt. Die Entwicklung beim World Matchplay zeigt nach oben – und für einen Spieler, der erst seit vier Jahren auf der PDC-Bühne unterwegs ist, stellt das erste Matchplay-Halbfinale seiner Karriere einen bedeutenden Schritt dar.
Ein Blick auf die Averages während dieses Turnierlaufs zeichnet allerdings ein nüchterneres Bild. Van Veen gelangen seine drei Siege mit Averages zwischen 91 und 96 Punkten, ehe er im Halbfinale mit einem Wert von 91,62 ausschied. Das sind nicht die Zahlen, die man von der Nummer zwei der Welt erwarten würde. Vielmehr sind es konkurrenzfähige und widerstandsfähige Darts eines Spielers, der auf den großen Bühnen weiter wächst, anstatt sie bereits zu dominieren.
Welches Niveau van Veen erreichen kann, wenn sämtliche Facetten seines Spiels ineinandergreifen, hat er längst bewiesen. Sein Average von 99,94 im WM-Finale verdeutlicht sein enormes Potenzial. Die 91,62 Punkte aus dem Matchplay-Halbfinale zeigen dagegen, wo er zum jetzigen Zeitpunkt tatsächlich steht.

Van Veens Weg ins Halbfinale des World Matchplay 2026

Runde Gegner Ergebnis Average
Letzte 32 Krzysztof Ratajski 10-6 93,55
Letzte 16 Wessel Nijman 14-12 96,95
Viertelfinale James Wade 16-13 93,04
Halbfinale Gerwyn Price 10-17 91,62
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