Luke Littler hat aus seiner Saison 2026 eine historische Mission gemacht. Der neunzehnjährige Engländer will alle zehn PDC-Majors dieses Kalenderjahres gewinnen. Nach seinem dominanten Sieg beim World Matchplay lebt dieser Traum weiter, doch ein Hindernis könnte ihm einen Strich durch die Rechnung machen: die
Players Championship Finals.
Während sich Littler bereits für die World Series Finals, den World Grand Prix, die European Championship und den Grand Slam of Darts qualifiziert hat, fehlt sein Name weiterhin komplett auf der Teilnehmerliste für die Players Championship Finals. Das liegt nicht an sportlichen Defiziten, sondern daran, dass er 2026 schlicht noch kein einziges Players Championship-Turnier gespielt hat.
Nach seinem Triumph in Blackpool bestätigte „The Nuke“ jedoch, dass er das ändern wird. „Ich werde demnächst entweder niedergemacht, weil ich nicht spiele, oder niedergemacht, weil ich mich nicht qualifiziere“, witzelte er
während seiner Pressekonferenz in Blackpool.
Doch wie realistisch ist es überhaupt, dass Littler sich noch qualifiziert?
Noch immer auf Kurs für eine beispiellose Saison
Littler spielt eine der beeindruckendsten Saisons, die es je in der Dartswelt gab. Anfang Januar besiegte er Gian van Veen im WM-Finale und holte damit seinen zweiten Weltmeistertitel. Anschließend gewann er auch die World Masters, die UK Open, die Premier League Darts und in der vergangenen Woche das World Matchplay.
In Blackpool zeigte er zudem eine Leistung für die Geschichtsbücher. Mit Siegen gegen Niko Springer (10:6), Nathan Aspinall (11:8), Josh Rock (16:7), Dirk van Duijvenbode (17:5) und Gerwyn Price (18:9) verzeichnete er ein unerreichtes Turnieraverage von 111,04, das höchste aller Zeiten beim World Matchplay.
Nach fünf Majors steht der Zähler also bereits bei fünf Titeln. Es bleiben in dieser Saison noch fünf Majors, doch ausgerechnet die Players Championship Finals sind vorerst das größte Fragezeichen.
Warum steht Littler noch nicht auf der Teilnehmerliste?
Die Qualifikation für die Players Championship Finals läuft anders als bei nahezu allen anderen TV-Turnieren. Eine Teilnahme ist ausschließlich über die Players Championship Order of Merit möglich, eine Rangliste, die anhand der Ergebnisse bei den Players Championship-Turnieren erstellt wird. Das sind die bekannten Floor-Events ohne TV-Kameras, an denen alle Tour-Card-Inhaber teilnehmen dürfen.
2026 stehen 34 Players Championship-Turniere auf dem Programm. Bei jedem Turnier werden 150.000 Pfund an Preisgeld ausgeschüttet. Ein Sieg in der ersten Runde bringt 1.250 Pfund, während der Sieger letztlich 15.000 Pfund erhält. Nach allen 34 Events qualifizieren sich die besten 64 Spieler für die Players Championship Finals, die vom 27. bis 29.11. in Minehead ausgetragen werden.
Genau dort liegt für Littler das Problem. Von den 34 Floor-Turnieren sind inzwischen bereits 26 absolviert, während der amtierende Weltmeister an keinem einzigen Event teilgenommen hat. Dadurch ist er derzeit der einzige Tour-Card-Inhaber, der 2026 noch keinen Pfund Preisgeld auf der Players Championship-Tour verdient hat.
Wie viel Geld muss Littler noch einspielen?
Aktuell steht die Nummer 64 der Players Championship Order of Merit bei 25.500 Pfund. Das wirkt bereits wie ein deutlicher Rückstand, doch die eigentliche Aufgabe ist noch größer.
Mit noch acht ausstehenden Players Championship-Turnieren wird diese Grenze nämlich weiter ansteigen. Erwartet wird letztlich ein Wert von etwa 32.000 Pfund, um die Top 64 zu erreichen. Das bedeutet, dass Littler in kurzer Zeit eine erhebliche Summe einspielen muss.
Auf dem Papier scheint der einfachste Weg klar. Zwei Players Championship-Titel bringen zusammen 30.000 Pfund ein. Anschließend sollten ein paar weitere gewonnene Partien genügen, um die erwartete Qualifikationsgrenze zu überschreiten. Das klingt simpel, ist in der Praxis aber alles andere als selbstverständlich.
Preisgeld bei Players Championship-Turnieren
| Ergebnis | Preisgeld |
| Sieger | £15,000 |
| Finalist | £10,000 |
| Halbfinale | £6,500 |
| Viertelfinale | £4,000 |
| Achtelfinale | £3,000 |
| Top 32 | £2,000 |
| Top 64 | £1,250 |
| Insgesamt | £150,000 |
Luke Littler gewann 2025 die Players Championship Finals, doch es ist fraglich, ob er versuchen kann, seinen Titel zu verteidigen
Verpasste Chance in Hildesheim
Gerade deshalb fühlt es sich im Nachhinein wie eine verpasste Chance an, dass Littler in dieser Woche nicht nach Hildesheim zu Players Championship 25 und 26 gereist ist.
Das Teilnehmerfeld
war dort nämlich deutlich schwächer besetzt als üblich. Nur drei Spieler aus den Top 16 der Welt traten an die Oche, wodurch die Chancen auf einen Deep Run größer waren als normal. Am Ende gingen die Titel an
Henry Coates und
Sebastian Bialecki.
Die verbleibenden Turniere scheinen dagegen deutlich anspruchsvoller zu werden. Vier Players Championships werden Ende August und Anfang November in Leicester ausgetragen, während die anderen vier Ende September und Ende Oktober in Den Bosch stattfinden. Vor allem die Events in Leicester dürften stark besetzt sein, da viele Topspieler sie als Vorbereitung auf die großen TV-Turniere nutzen.
Auffällig war, dass Littler auf seiner Pressekonferenz in Blackpool durchblicken ließ, wenig Lust auf die ProTour-Turniere in Den Bosch zu haben. Dabei hat er womöglich übersehen, dass er ein paar Tage zuvor ohnehin in den Niederlanden ist für die World Series Finals in Amsterdam, die vom 17. bis 20. September gespielt werden. Der Wechsel nach Den Bosch zu den Players Championship-Turnieren am 22. und 23. September erscheint dann logistisch als relativ kleiner Schritt.
Sind Floor-Turniere überhaupt seine stärkste Disziplin?
Wer Littlers Auftritte im Fernsehen verfolgt, könnte meinen, er sei auch auf dem Floor nahezu unantastbar. Die Zahlen zeichnen jedoch ein etwas nuancierteres Bild.
Sein Debüt auf der ProTour im Jahr 2024 war schlichtweg spektakulär. Als Sechzehnjähriger gewann er sofort sein allererstes Players Championship-Turnier.
Dennoch ist seine Gesamtbilanz auf dem Floor weniger beeindruckend, als es seine Leistungen auf den großen TV-Bühnen vermuten lassen. Littler bestritt bislang 29 Players Championship-Turniere und gewann davon vier.
Das ist immer noch ein starkes Ergebnis, fällt jedoch gegenüber seinen außergewöhnlichen Zahlen bei den Majors ab. Dort gewann er nicht weniger als fünfzehn der 28 TV-Turniere, an denen er teilnahm.
Ein wichtiger Grund dafür ist, dass das Niveau auf dem Floor oft enger beieinander liegt. Spieler, die im Fernsehen mit dem Druck hadern, performen bei Floor-Turnieren häufig deutlich besser. Ohne Publikum, Scheinwerfer und TV-Kameras rücken viele Außenseiter näher an die absolute Weltspitze heran.
Luke Littler steht vor einer Mammutaufgabe, sich überhaupt für die Players Championship Finals zu qualifizieren
Unmöglich ... oder gerade typisch Littler?
Die große Frage bleibt daher, wie viele Players Championship-Turniere Littler tatsächlich bestreiten wird. Sollte er wirklich nur vier der verbleibenden acht Events spielen, wirkt die Qualifikation fast wie eine unlösbare Aufgabe. Selbst für einen Spieler seines Kalibers ist es außergewöhnlich schwierig, in so wenigen Turnieren mehr als 30.000 Pfund einzuspielen.
Es gibt jedoch einen wichtigen Grund, ihn jetzt nicht abzuschreiben. Im vergangenen Jahr befand sich Littler in nahezu derselben Lage. Auch damals lag er mit nur noch vier Players Championship-Turnieren deutlich außerhalb der Qualifikationsränge für die Players Championship Finals. Die Schlussfolgerung war seinerzeit, dass er eigentlich einen Titel bräuchte, um sich doch noch zu qualifizieren. Und genau das tat er. Bei seinem zweiten Anlauf holte Littler direkt den Turniersieg und sicherte sich sein Ticket.
Diese Vorgeschichte erklärt, warum diese Mission, so unwahrscheinlich sie auch wirkt, weiterhin ernst zu nehmen ist. Sobald Littler sich etwas vornimmt, gibt es meist nur wenige Spieler, die ihn aufhalten können. Sein historisches World Matchplay bewies erneut, dass er unter Druck oft sein allerbestes Darts auspackt.
Die Fehlertoleranz ist minimal. Aber wenn es einen Spieler gibt, der in acht Floor-Turnieren dennoch einen Rückstand von über 30.000 Pfund aufholen kann, dann ist es „The Nuke“. Die kommenden Monate werden zeigen, ob Littler seine Jagd auf ein beispielloses „perfektes“ Major-Jahr am Leben halten kann.