Michael van Gerwen zählt seit fast zwei Jahrzehnten zu den prägenden Persönlichkeiten im Dartsport. Drei Weltmeistertitel, 48 PDC-Major-Erfolge und zahlreiche weitere Rekorde sprechen für sich. Umso überraschender kommt jetzt eine Aussage des Niederländers: Trotz seiner außergewöhnlichen Karriere hat er sich noch nie eines seiner eigenen Matches angesehen.
Während viele Profis heute auf Videoanalysen, Statistiken und technische Feinarbeit setzen, verfolgt van Gerwen einen völlig anderen Ansatz. Der dreimalige Weltmeister verlässt sich seit jeher auf sein Gefühl – und verzichtet bewusst darauf, seinen Wurf oder seine Bewegungsabläufe im Nachhinein zu analysieren.
„Alles, was ich tue, ist natürlich“
Im Gespräch bei
Winmau – The Breakdown erklärte der 37-Jährige, dass sich sein Wurf für ihn schon immer selbstverständlich angefühlt habe. Deshalb habe er nie das Bedürfnis verspürt, technische Details zu hinterfragen oder anhand von Videoaufnahmen nach Verbesserungen zu suchen.
Michael van Gerwen verzichtet bewusst auf Videoanalysen und verlässt sich seit Beginn seiner Karriere auf sein natürliches Spielgefühl.
„Ich habe nie gedacht: 'Ich sollte so stehen' oder: 'Das muss ich machen'“, sagte van Gerwen. „Alles, was ich tue, ist einfach natürlich und automatisch.“
Obwohl der Niederländer im Laufe seiner Karriere 48 PDC-Major-Titel, drei Weltmeisterschaften sowie einen Rekord von 38 European-Tour-Titeln gewonnen hat und in dieser Saison mit seinem Triumph bei Players Championship 15 seinen 37. Players-Championship-Titel feierte, sieht er keinen Mehrwert darin, seinen eigenen Wurf zu analysieren.
Auf die Frage, ob er sich jemals ältere Aufnahmen ansehe, um Veränderungen in seiner Technik zu erkennen, antwortete van Gerwen unmissverständlich: „Nein, natürlich nicht. Das hat keinen Sinn.“
Kein Interesse an Technik oder Videos
Auch seine Position am Oche spielt für den Niederländer keine große Rolle. Zwar steht van Gerwen meist leicht links, doch er achtet nicht darauf, vor jedem Wurf exakt dieselbe Position einzunehmen.
„Ich gehe nicht ans Board und denke: 'Oh, ich stehe nicht an der richtigen Stelle'“, erklärte er. „Ich stelle mich einfach hin und fange an zu werfen. Es wird keinen großen Unterschied machen, weil du ohnehin nie exakt am selben Punkt stehst. Für mich ist es einfach meine Art zu werfen. Wenn es sich verändert hat, dann hat es sich verändert. Wenn nicht, dann nicht. Das ist mir wirklich egal.“
Selbst für seinen markanten Griff, bei dem ein Finger auf der Spitze des Darts ruht, liefert van Gerwen keine technische Erklärung. „Ich weiß es nicht. Ist doch egal, oder?“, sagte er. „So halte ich den Dart. Es ist, wie es ist.“
„Hört auf, Spieler zu schauen“
Auch abseits seiner eigenen Karriere beschäftigt sich van Gerwen nur selten mit Darts. Weder analysiert er seine Rivalen noch verfolgt er regelmäßig große Turniere.
„Ich habe das in meinem Leben nie gemacht“, sagte er. „Ich mag es nicht einmal, Darts zu schauen.“
Nur in Ausnahmefällen werfe er einen Blick auf das Geschehen. „Manchmal, wenn Freunde wie Vincent [van der Voort] früher gespielt haben oder so etwas. Oder wenn Luke [Littler] gegen Luke [Humphries] vielleicht ein Finale spielen, schaue ich mir ein paar Live-Scores an, aber ich werde nicht zuschauen. Ich spiele lieber, als dass ich zuschaue. So einfach ist das. Ich habe das immer gesagt, also wäre es wirklich seltsam, wenn ich meine Meinung ändere.“
Statt Videoanalysen empfiehlt van Gerwen insbesondere jungen Spielern, möglichst viel praktische Erfahrung zu sammeln. Aus seiner Sicht verbringen viele Talente zu viel Zeit damit, den perfekten Wurf zu suchen, anstatt ihn unter Wettkampfbedingungen weiterzuentwickeln.
„Denk nicht zu viel nach, denn es wirkt nur gegen dich“, warnte der Niederländer. „Die Leute denken zu viel. Es bringt nichts.“
Sein Rat fällt deshalb eindeutig aus: „Hört auf, Spieler zu schauen. Hört auf, dieses Video zu schauen, und geht ans Trainingsboard. Geht ans Board und versucht, so viele Partien zu spielen und so viele Stunden wie möglich zu investieren. Spielt in kleinen Turnieren und lokalen Wettbewerben. Spielt immer weiter und versucht, so viel wie möglich zu gewinnen, denn das gibt dir ein gutes Gefühl. Ein gutes Gefühl ist die beste Medizin, um ein besserer Dartspieler zu werden.“
Seine Botschaft fasste van Gerwen schließlich in einem kurzen Satz zusammen: „Zu viel Nachdenken ist tödlich.“
Am Dienstag kehrte der Niederländer bei Players Championship 25 in Hildesheim auf die Pro Tour zurück. Nach einem 6:0-Erfolg über Adam Warner und einem 6:3 gegen Darius Labanauskas schied van Gerwen in der Runde der letzten 32 trotz eines Averages von 105,34 Punkten mit 4:6 gegen Jeffrey de Graaf aus, nachdem er zwischenzeitlich bereits mit 4:1 geführt hatte.