Henry Coates schreibt bei
Players Championship 25 in Hildesheim Geschichte. Der 20-jährige Engländer, der noch nicht einmal eine Tour Card besitzt, gewinnt das Turnier mit einem starken Turnieraverage von 98 Punkten gegen den australischen Finalgegner Damon Heta. Mit 8-4 und 105 Durchschnitt setzt sich Coates in einem hochklassigen Endspiel durch und sichert sich damit seinen ersten Ranglistentitel auf der PDC-Tour.
Damit reiht sich Coates in eine ganz besondere Riege ein: Er ist erst der fünfte Spieler überhaupt, der ein
PC-Turnier ohne Tour Card gewinnt. Zuvor gelang dieses Kunststück nur Wesley Plaisier, Scott Williams, Joe Murnan und Krzysztof Ratajski. Auch für die deutschen Starter verläuft der Tag erfolgreich: Niko Springer erreicht das Halbfinale, Max Hopp scheitert erst im Viertelfinale.
Coates lässt im Finale nichts anbrennen
Das Endspiel zwischen Coates und Heta entwickelt sich zu einem der besten Finals der Saison. Beide Spieler zeigen von Beginn an Weltklasse-Darts. Coates eröffnet die Partie mit zwölf Darts zum Break, ehe Heta mit einem sensationellen 164er-Checkout postwendend kontert. Es folgt ein Schlagabtausch der Extraklasse: Heta legt einen 10-Darter nach, Coates antwortet mit einem 11-Darter. Nach zwischenzeitlich vier gespielten Legs stehen beide Kontrahenten bei einem Average von über 120 Punkten.
Auch danach lässt die Qualität nicht nach. Heta trifft Highfinishes von 130 und 106 Punkten und gleicht damit immer wieder aus. Beim Stand von 4:4 behält Coates jedoch die Nerven, setzt sich mit einem Break zum 6:4 erstmals ab und kann auch die folgenden beiden Legs für sich entscheiden. Mit einem 88er-Checkout auf dem Bullseye – ganz ähnlich wie zuletzt Luke Littler beim World Matchplay – sichert sich der Engländer schließlich den Titel.
Sein Weg ins Finale verläuft ebenso beeindruckend. Nach Siegen gegen Bradley Brooks und einem 6:0-Whitewash gegen Christian Kist mit starkem Average setzt sich Coates im Halbfinale mit 7:3 durch und zieht damit erstmals in seiner jungen Karriere in ein PC-Finale ein. Für Heta, der zuletzt eine schwierige Saison durchlebt hatte, ist der Finaleinzug ebenfalls ein wichtiges Lebenszeichen. Auf dem Weg dorthin schaltet der Australier unter anderem Krzysztof Ratajski und einen zuvor dreifach über 108 Punkte Average spielenden Kevin Doets aus, ehe er im Halbfinale gegen Niko Springer die Oberhand behält.
Springer liefert starkes Turnier ab, Hopp scheitert erst im Viertelfinale
Auch aus deutscher Sicht gibt es beim Heimspiel in Hildesheim etwas zu feiern. Niko Springer zeigt über weite Strecken des Turniers eine überzeugende Leistung. Nach einem soliden Auftaktsieg gegen Cam Crabtree übersteht der Mainzer im deutschen Duell gegen Marvin Kraft einen dramatischen Krimi: Trotz eines 2:5-Rückstands dreht Springer die Partie noch und sichert sich vier Legs in Folge. In der dritten Runde setzt er nach zwischenzeitlichem Rückstand ebenfalls einen starken Endspurt und wirft anschließend im Achtelfinale mit Beau Greaves die Weltranglistenerste der Frauen aus dem Turnier. Im Viertelfinale lässt Springer James Hurrell mit einem klaren 6:0 keine Chance, ehe ihm im Halbfinale gegen den späteren Finalisten Damon Heta die Kräfte ausgehen. Mit einem Average von 88 Punkten unterliegt er am Ende mit 4:7.
Ein erfolgreicher ProTour-Tag für Hopp und Springer
Auch Max Hopp untermauert seine starke Formkurve der vergangenen Monate. Der Maximiser besiegt nacheinander Owen Bates, Samuel Price und Tyler Thorpe, ehe er Sietse Lap in der vierten Runde mit einem deutlichen 6:0 deklassiert. Erst im Viertelfinale ist für Hopp gegen den Schweden Jeffrey de Graaf Endstation. Mit 1:6 fällt die Niederlage deutlich aus, dennoch bleibt der Turnierverlauf für die ehemalige deutschen Nummer eins ein klarer Erfolg.
Für die übrigen deutschen Starter verläuft der Tag durchwachsener. Pascal Rupprecht überrascht mit einem Sieg gegen Mike De Decker, ehe er in Runde zwei gegen Alexander Merkx die Segel streicht. Ricardo Pietreczko zeigt mit einem 105er-Average in Runde eins eine starke Leistung, scheitert jedoch knapp an Cristo Reyes. Gabriel Clemens, Titelverteidiger von PC 24, muss sich hingegen bereits in der Auftaktrunde gegen den Waliser Rhys Griffin geschlagen geben.
Unter dem Strich bleibt Hildesheim vor allem ein Tag der Außenseiter. Mit Michael van Gerwen und Gian van Veen scheiden die einzigen beiden Top-10-Spieler früh aus, während viele weitere Topstars dem Turnier nach dem anstrengenden World Matchplay fernbleiben. Die große Bühne gehört damit einem 20-Jährigen ohne Tour Card – und zwei deutschen Spielern, die sich kurz vor der wichtigsten Zeit im Jahr als konkurrenzfähig präsentieren.