„Das ist keine Kritik an seinen Fähigkeiten und seinem Talent, sondern einfache Mathematik“ – Luke Littler im GOAT-Vergleich noch lange nicht auf dem Niveau von Phil Taylor

PDC
Donnerstag, 30 Juli 2026 um 18:23
Luke Littler
Luke Littler spielt aktuell in einer eigenen Liga. Der erst 19-jährige Engländer sicherte sich am vergangenen Wochenende zum zweiten Mal in Folge das World Matchplay und bezwang Gerwyn Price im Finale souverän mit 18:9. Mit einem 111er Turnieraverage setzte „The Nuke" erneut beeindruckende Maßstäbe, die man so bisher noch nie gesehen hat.
Der zweifache Weltmeister hat 2026 bereits alle bislang ausgetragenen PDC-Majors gewonnen. Das wirft unweigerlich eine Frage auf: Gibt es aktuell überhaupt einen Sportler, der so dominant auftritt wie Luke Littler?

Kommentator Murphy sieht Littler vorn

Diese Frage diskutierten die Experten ausführlich im Sky-Sports-Podcast „Love The Darts". Darts-Kommentator Chris Murphy musste über seine Antwort nicht lange nachdenken. „Es ist natürlich schwierig, Dominanz über verschiedene Sportarten hinweg zu vergleichen", sagte Murphy. „Aber wenn man auf die großen Titel schaut, die es zu gewinnen gibt, dann hat Luke sie schlichtweg alle in der Hand. Er steuert sogar auf einen einzigartigen Clean Sweep aller großen Turniere zu. Für mich ist er derzeit der dominanteste Sportler."
Luke Littler präsentiert die Phil Taylor Trophy als Sieger des World Matchplay 2026
Luke Littler gewann das World Matchplay 2026
Murphy suchte zudem nach Vergleichen außerhalb der Dartswelt und nannte unter anderem Tennisspieler Jannik Sinner und Golfer Scottie Scheffler, die beide seit geraumer Zeit die Nummer eins ihrer Sportart sind. Trotzdem erkennt er einen klaren Unterschied: „Sinner gehört absolut in diese Reihe, und dasselbe gilt für Scheffler, aber ehrlich gesagt kommen sie derzeit nicht an das heran, was Littler im Darts zeigt."
Auch die ehemalige Profispielerin Laura Turner teilt diese Einschätzung. Sie verweist zudem auf eine Besonderheit: Der Dartsport bringt aktuell sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen eine herausragend dominante Spielerpersönlichkeit hervor.
„Eigentlich ist es schwer zu behaupten, dass Luke nicht der dominanteste Sportler des Moments ist", so Turner. „Auf der Frauenseite sehen wir dasselbe bei Beau Greaves. Sie gewann siebzehn der vierundzwanzig Qualifikationsturniere für das Women's World Matchplay und legte sogar eine Serie von 114 Siegen in Folge hin. Es ist bemerkenswert, dass der Dartsport derzeit zwei derart dominante Spielerinnen und Spieler hervorbringt."

Noch nicht der Größte aller Zeiten

Trotz aller Superlative sehen weder Murphy noch Turner Littler bereits als besten Dartspieler aller Zeiten. Diesen Rang belegt vorerst weiterhin Phil Taylor. Taylor holte sage und schreibe sechzehn Weltmeistertitel und war über Jahrzehnte hinweg der absolute Maßstab der Sportart. Murphy erklärte: „Das ist keine Kritik an seinen Fähigkeiten und seinem Talent, sondern letztlich einfach nur Mathematik. Phil Taylor kommt auf 16 Weltmeistertitel, die er über vier verschiedene Generationen von Dartspielern hinweg gewonnen hat. Dabei musste er sich für unterschiedliche Spielweisen und verschiedene Epochen immer wieder neu erfinden.“
Auch Turner warnt vor einer Tendenz, jüngste Erfolge höher zu bewerten als historische Leistungen. „Viele Fans verfolgen Darts erst intensiv, seit Luke Littler durchgebrochen ist", sagte sie. „Dadurch gerät bisweilen in Vergessenheit, wie außergewöhnlich die Karriere von Phil Taylor war. Er dominierte über Jahre hinweg verschiedene Generationen und verfügte nicht nur über enorme technische Klasse, sondern auch über einen beispiellosen mentalen Vorteil gegenüber seinen Konkurrenten."
Das schmälert laut Turner Littlers Leistungen in keiner Weise. „In seiner aktuellen Form ist Luke vielleicht der dominanteste Sportler der Welt. Aber wenn wir über den größten Dartspieler aller Zeiten sprechen, steht Phil Taylor vorerst weiterhin ganz oben."
Eine Schlussfolgerung scheint vorerst jedenfalls gerechtfertigt: Solange Luke Littler sein aktuelles Niveau hält, muss sich jeder Gegner fragen, wer ihn überhaupt stoppen kann. Die englische Sensation hat die Dartswelt vorläufig fest im Griff.
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