DISKUSSION | New Zealand Darts Masters – Jonny Clayton glänzt, doch die PDC-Stars enttäuschen in Abwesenheit der großen Namen

PDC
durch Nic Gayer
Sonntag, 16 August 2026 um 16:45
Jonny Clayton (2)
Am vergangenen Wochenende, dem 14. und 15. August, gastierte die World Series of Darts in Auckland. Beim New Zealand Darts Masters 2026 kämpften die PDC-Stars und die besten Spieler Ozeaniens um den Titel, bevor die Serie in der kommenden Woche beim Australian Darts Masters in Wollongong fortgesetzt wird.
Den Titel in Neuseeland sicherte sich Jonny Clayton, der im Finale seinen walisischen Landsmann Gerwyn Price bezwang. Damit setzte sich die bemerkenswerte Erfolgsserie der Waliser bei diesen nicht für die PDC Order of Merit gewerteten Turnieren fort. Insbesondere Clayton scheint geradezu prädestiniert dafür zu sein, bei solchen Events seine besten Leistungen abzurufen.

Die wichtigsten Ergebnisse auf einen Blick

Viertelfinale

Spieler 1 Spieler 2
Jonny Clayton 6–3 Gian van Veen
James Wade 6–4 Josh Rock
Gerwyn Price 6–2 Damon Heta
Raymond Smith 6–3 Adam Leek

Halbfinale

Spieler 1 Spieler 2
Jonny Clayton 7–2 James Wade
Gerwyn Price 7–2 Raymond Smith

Finale

Spieler 1 Spieler 2
Jonny Clayton 8–4 Gerwyn Price

„Die PDC Pro Tour braucht Raymond Smith“

Nicolas Gayer, Redakteur bei DartsNews.de, zeigte sich einmal mehr begeistert von Raymond Smith und fand auch lobende Worte für New Zealand Darts Masters-Champion Jonny Clayton.
„Um ehrlich zu sein, nehme ich aus dem Wochenende in Neuseeland vor allem eine Erkenntnis mit, die ich schon seit Jahren gebetsmühlenartig wiederhole: Die PDC Pro Tour braucht Raymond Smith. Okay, ich weiß nicht, wie sehr die gesamte PDC Tour den Guru wirklich braucht – aber ich brauche ihn, so viel steht fest.
Raymond Smith in Aktion.
Raymond Smith sorgte beim New Zealand Darts Masters mit überzeugenden Siegen über Stephen Bunting und Adam Leek für Aufsehen und stellte einmal mehr seine außergewöhnliche Wurftechnik unter Beweis.
„Seitdem der Australier im Winter 2021 erstmals im Alexandra Palace für Furore sorgte und das Achtelfinale erreichte, habe ich mich in Smith verliebt. Grund dafür ist vor allem seine außergewöhnlich gute Wurftechnik. Dieses Einpendeln und Geradestellen des Visiers, der Rhythmus, der an diesem Wochenende merklich schneller aussah als in den letzten Jahren, und dann dieser unnachahmliche Follow-Through. Wenn Raymond Smith im Modus ist, landet kaum ein Dart außerhalb des anvisierten Segments. Kaum Ausreißer, unglaublich viele schnurgerade Darts, tödliche Präzision auf dem Bullseye. All das stellte der Guru am Wochenende bei seinen überzeugenden Siegen über Stephen Bunting und Adam Leek eindrucksvoll unter Beweis.
„Abgesehen von meinem australischen Liebling hat Jonny Clayton an diesem Wochenende natürlich auch bei mir Eindruck hinterlassen. Es ist längst nichts Neues mehr, dass Clayton nach ein paar komplizierteren Jahren inzwischen wieder zur absoluten Weltspitze gehört. Und dennoch war es faszinierend zu sehen, mit wie viel Leichtigkeit, Spielfreude und Klasse der Waliser aktuell ans Oche tritt.
„Eine Sache begleitet Clayton jedoch schon fast seine gesamte Profikarriere: The Ferret hat ein Faible dafür, Titel zu gewinnen, die nicht in die Order of Merit einfließen. Mal sehen, ob er das beim großen Saisonfinale ändern kann.“

Clayton als König, auch Raymond Smith glänzt

Samuel Gill, Chefredakteur von DartsNews.com, lobt Clayton und hebt zudem die Leistungen der stärksten Vertreter aus Ozeanien hervor.
„Den australischen und neuseeländischen Spielern wurden im Vorfeld kaum Chancen eingeräumt – und ehrlich gesagt gab es dafür wohl auch gute Gründe. Talent war mit Spielern wie Haupai Puha, Ben Robb und Jonny Tata schließlich schon häufig vorhanden, doch in Siege konnten sie dieses bislang nur äußerst selten ummünzen.
„Adam Leek und Raymond Smith haben allerdings gezeigt, dass durchaus noch etwas in ihnen steckt. Leek ist mittlerweile, ähnlich wie Heta, Woche für Woche auf der Tour unterwegs, während Whitlock natürlich auf jahrelange Erfahrung auf der Tour zurückgreifen kann.
„Smith sollte meiner Ansicht nach jedoch ernsthaft darüber nachdenken, wie seine Zukunft aussehen soll, und den Schritt wagen, nach Europa zu kommen und es wirklich professionell zu versuchen. ‚The Guru‘ hat bereits bei der Weltmeisterschaft geglänzt, und die große Bühne ist ganz offensichtlich sein Zuhause. Er ist ein fantastischer Botschafter für den australischen Dartsport, und ich hoffe, dass ihm dieses Wochenende viel Zuversicht gibt, um diese Ziele künftig zu verfolgen.
„Von den übrigen PDC-Stars blieben Ross Smith und Stephen Bunting etwas blass. Da zudem Humphries, Littler und Co. fehlten, stellte sich die Frage, welche der verbliebenen großen Namen die Gelegenheit nutzen würden. Genau das machte das Turnier so reizvoll. Und auch wenn der seit Langem herausragend spielende Clayton am Ende den Titel gewann, hätte es durchaus auch einen australischen Sieger geben können. Nun geht es weiter nach Australien – und vielleicht kommen wir dort einem solchen Erfolg noch ein Stück näher.“

Die Chance für die Verfolger, Kapital zu schlagen

Lucas Michael, Redakteur bei DartsNews.com, lobt Jonny Clayton für seine Souveränität in Neuseeland und teilt die Einschätzung, dass Raymond Smith eine Zukunft auf der PDC Tour ins Auge fassen sollte.
„Wenn sich aus dem New Zealand Darts Masters 2026 eine Erkenntnis mitnehmen lässt, dann wohl die, dass Jonny Clayton häufiger ‚Down Under‘ Darts spielen sollte. Bei vier Events in Australien oder Neuseeland erreichte er zweimal das Finale und gewann zwei Titel. Seinen jüngsten Triumph krönte er mit einer willkommenen Revanche gegen Gerwyn Price.
Jonny Clayton in Aktion beim New Zealand Darts Masters 2026.
Jonny Clayton präsentierte sich beim New Zealand Darts Masters in herausragender Verfassung und krönte seinen starken Auftritt in Auckland mit dem Titelgewinn.
„Trotz ihrer Freundschaft gibt es genügend Gründe, diesen Erfolg als Revanche zu betrachten. Angefangen beim Nichtantreten des ‚Iceman‘ beim World Cup of Darts bis hin zu Claytons Ablösung von Price als walisische Nummer eins. Abseits der Bühne sind die beiden gute Freunde, doch am Oche zeigt ‚The Ferret‘ seine Zähne. Nachdem Clayton in seinem Auftaktmatch noch unter Druck geraten war, wirkte er am zweiten Turniertag völlig unbeeindruckt. Es war zwar nicht sein typisches 121er-Finish, doch die 124 zum Matchgewinn waren stark – und ein weiterer Beleg dafür, warum Clayton aktuell zu den Besten gehört.
„Die Events in Auckland und Wollongong bieten Chancen. Normalerweise gilt das vor allem für die lokalen Herausforderer, diesmal aber ebenso für die PDC-Stars. Luke Littler in Saudi-Arabien, Luke Humphries in den USA sowie Michael van Gerwen in Bahrain und bei der Nordic-Ausgabe haben 2026 bislang sämtliche verfügbaren Titel auf der World Series unter sich aufgeteilt. Da alle drei diesmal fehlten – insbesondere die beiden Engländer –, eröffnete sich für die Verfolger die Gelegenheit, daraus Kapital zu schlagen.
„Viele konnten diese Chance nicht nutzen, doch für Ross Smith öffnete sich zumindest die Tür zu seinem Debüt auf der World Series. In Australien erhält er eine weitere Gelegenheit, allerdings wird er nur ungern an sein Match gegen Adam Leek zurückdenken. Ob es an den Nerven lag oder daran, dass ihm weiterhin der entscheidende Schritt nach vorne fehlt – sechs vergebene Matchdarts geben ‚Smudger‘ reichlich Stoff zum Nachdenken. Er ist ein hochbegabter Spieler, doch irgendetwas scheint ihn immer wieder davon abzuhalten, den nächsten Schritt zu machen – auch wenn allein diese Chance eigentlich darauf hindeutet, dass er dazu durchaus in der Lage ist.
„Raymond Smith hat definitiv Eindruck hinterlassen. Sein auffälliger, flüssiger Wurf kam bei seinen starken Auftritten hervorragend zur Geltung. Er besitzt das Potenzial, die nächste Stufe zu erreichen, wenn es ihm gelingt, regelmäßig die besten Spieler zu schlagen. Das wird allerdings schwierig, solange er überwiegend Down Under antritt. Eine solche Entscheidung ist nie einfach, doch sollte er wie Damon Heta und Simon Whitlock den Schritt wagen, könnte Smith zu einem Spieler werden, den man unbedingt im Auge behalten sollte.
„Einer der Spieler, die Smith bezwingen konnte, war Stephen Bunting. Im vergangenen Jahr stand Bunting noch in vier der sechs Finals auf der World Series of Darts. Diesmal hat er bei fünf Turnieren der Serie insgesamt noch nicht einmal vier Siege verbuchen können. Und damit nicht genug: Sieben European-Tour-Events in Folge ohne Teilnahme an der Finalsession, kein PDC-Titel im Jahr 2026 und lediglich ein einziges Endspiel stehen bislang zu Buche. In den entscheidenden Turnierphasen taucht sein Name kaum noch auf. Noch vor ein oder zwei Jahren zeichnete ihn seine Konstanz am Oche aus, mittlerweile sucht er verzweifelt nach seiner Form. Es könnte nicht mehr lange dauern, bis er aus der Beletage des Sports abrutscht und beinahe nur noch sein Walk-on dafür sorgt, dass über ihn gesprochen wird.“

Das Niveau unter den PDC-Spielern war enttäuschend

Pieter Verbeek, Redakteur bei DartsNieuws.com, sieht Claytons Triumph beim New Zealand Darts Masters als perfekten Schub für die kommenden Monate. Besonders ins Auge fiel für ihn allerdings das enttäuschende Niveau der PDC-Stars – gerade auch im Vergleich mit den ozeanischen Vertretern.
„Zunächst einmal fiel bei diesem Turnier auf, dass sich die ozeanischen Spieler gegen die PDC-Stars deutlich stärker präsentierten als in den vergangenen Jahren. Natürlich fehlten mit Luke Littler, Luke Humphries und Michael van Gerwen drei der größten Namen. Die verbesserten Leistungen der lokalen Vertreter allein darauf zurückzuführen, würde allerdings insbesondere den Auftritten von Raymond Smith und Adam Leek nicht gerecht.
„Smith schaffte es sogar bis ins Halbfinale, wo sein Lauf schließlich von Gerwyn Price gestoppt wurde. In seinen drei Partien spielte Smith Averages von 99,81, 96,72 und 92,35. Sollte sich der Australier für die Darts-WM qualifizieren, könnte er dort durchaus zu einem gefährlichen Gegner werden.
„Das Niveau der PDC-Spieler war hingegen etwas enttäuschend. Keinem von ihnen gelang es, einen Average von mehr als 100 Punkten auf die Bühne zu bringen. Am Ende war Jonny Clayton der beste Spieler des Wochenendes. Bereits in der ersten Runde musste er gegen Haupai Puha einen 1:3-Rückstand aufholen, ehe er sich mit 6:5 denkbar knapp gegen den Neuseeländer durchsetzte.
„Anschließend gestaltete sich Claytons Weg zum Titel deutlich souveräner. Aufeinanderfolgende Siege gegen Gian van Veen (6:3), James Wade (7:2) und Gerwyn Price (8:4) brachten dem Waliser schließlich den Turniersieg. Ein willkommener Erfolg für Clayton, der über das gesamte Jahr hinweg konstant starke Leistungen gezeigt, bislang aber noch keinen Titel gewonnen hatte.
„Der Triumph in Auckland verschafft Clayton damit genau zum richtigen Zeitpunkt zusätzlichen Rückenwind für den Herbst, wenn die größten Trophäen der Saison vergeben werden.“
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