In den vergangenen zwölf Monaten ist der sportliche Niedergang von Peter Wright unter Dartsfans immer wieder zum Diskussionsthema geworden. Inzwischen steht sogar die Frage im Raum, ob der zweimalige Weltmeister um seine Zukunft als PDC-Profi fürchten muss. Nur drei Jahre nach seinem bislang letzten großen Titelgewinn bei der European Championship ist der Schotte in der Weltrangliste um 30 Positionen abgestürzt und findet sich mittlerweile nur noch auf Rang 38 wieder.
Da Wright zum aktuellen Zeitpunkt alle verbleibenden Ranglisten-Majors des Jahres verpassen wird und in den letzten beiden Monaten des Jahres 2026 insgesamt 69.000 Pfund an Preisgeld aus seiner Wertung zu fallen drohen, könnte seine Tour Card früher in Gefahr geraten, als er selbst erwartet hätte. Doch wie realistisch ist ein solches Szenario tatsächlich? Und könnte dem einstigen Weltranglistenersten womöglich nur noch ein einziges Jahr bleiben, um seinen Status als PDC-Profi zu sichern? Unser englischer Kollege Ben James liefert in der folgenden Analyse die Antwort.
Die aktuelle Ausgangslage: Wrights Weltranglistenplatz täuscht über die tatsächliche Situation hinweg
2023 noch die Nummer acht der Welt, 2024 auf Rang 13 und mittlerweile nur noch auf Platz 38: Peter Wrights Absturz in der Weltrangliste ist unübersehbar. Eine unmittelbare Bedrohung für seine Tour Card ergibt sich daraus allerdings noch nicht. Ein Blick auf Spieler wie Callan Rydz auf Rang 39 oder Jeffrey De Graaf auf Platz 43 zeigt, dass Wright zumindest auf dem Papier weiterhin über eine vergleichsweise solide Ausgangsposition verfügt, um seinen Profistatus noch ein oder möglicherweise sogar zwei weitere Jahre zu behaupten. Die Preisgeldverteilung zeichnet jedoch ein deutlich ernüchternderes Bild, als es sein aktueller Weltranglistenplatz zunächst vermuten lässt. Wright stehen derzeit 237.000 Pfund in der zweijährigen Order of Merit zu Buche, von denen bis zum Jahresende noch 69.000 Pfund aus dem Jahr 2024 verteidigt werden müssen. Im ungünstigsten Fall könnte das Preisgeldkonto des inzwischen 56-Jährigen bis Januar auf 183.000 Pfund schrumpfen.
Mit dieser Summe würde Wright in der aktuellen PDC Order of Merit lediglich den 48. Platz belegen. Bis Januar dürften allerdings zahlreiche Konkurrenten weitere Preisgelder sammeln, insbesondere durch die höheren Ausschüttungen bei der Weltmeisterschaft und den Players Championship Finals. Sollte es Wright nicht gelingen, bei der WM zumindest einen Teil der fehlenden 50.000 Pfund aufzufangen, droht ihm deshalb sogar der Absturz aus den Top 50. Dennoch ist der Verlust seiner Tour Card vorerst äußerst unwahrscheinlich. Wesley Plaisier belegt derzeit mit 117.250 Pfund den 64. Platz der Weltrangliste. Selbst unter Berücksichtigung des garantierten WM-Preisgeldes liegt dieser Betrag weiterhin unter den 134.500 Pfund, die Wright allein im Kalenderjahr 2025 eingespielt hat. Damit der Schotte tatsächlich aus dem Kreis der Tourkarteninhaber herausfällt, müsste also außergewöhnlich viel gegen ihn laufen. Rein rechnerisch ist ein solcher Absturz zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu erwarten. Weshalb wird aber dennoch immer wieder darüber spekuliert, dass Wright seinen Profistatus verlieren könnte?
Peter Wright steckt in einer tiefen sportlichen Krise. Der zweimalige Darts-Weltmeister ist auf Rang 38 der Weltrangliste abgerutscht und muss zunehmend um seine langfristige Zukunft auf der PDC Tour kämpfen.
Der Absturz in Zahlen
Saison
Jahresendplatzierung
Siegquote
Siege–Niederlagen
2023
#8
53 %
61–54
2024
#13
49 %
64–66
2025
#22
46 %
45–52
2026
#38 (aktuell)
39 %
29–46
Sowohl am Board als auch abseits der Bühne muss Peter Wright derzeit einen Rückschlag nach dem anderen verkraften. 2026 konnte der Schotte lediglich 29 seiner bislang 75 Partien gewinnen. Noch im Vorjahr hatte er sich für das World Matchplay, den World Grand Prix und die European Championship qualifiziert. Innerhalb von nur zwölf Monaten hat sich seine sportliche Verfassung jedoch dramatisch verschlechtert. Während Wright 2023 noch 53 Prozent seiner Begegnungen für sich entschied, sank seine Siegquote in den beiden darauffolgenden Jahren kontinuierlich um insgesamt 14 Prozentpunkte. Dieser Niedergang ist statistisch eindeutig belegt.
Doch auch mit seinen öffentlichen Aussagen scheint sich der zweimalige Weltmeister nicht unbedingt einen Gefallen zu tun. Seine schonungslose Ehrlichkeit, für die ihn viele Fans schätzen, könnte sein ohnehin angeschlagenes Selbstvertrauen zusätzlich belasten. Im März 2026 erklärte Wright gegenüber Assendelft Media: „Es ist schrecklich, wenn die Leute sagen: ‚Ich will gegen ihn spielen, weil er gerade so schlecht spielt.‘“ So nachvollziehbar und aufrichtig dieses Eingeständnis auch war, wirkte es beinahe wie eine vorzeitige Kapitulation vor der eigenen sportlichen Krise. Sich der eigenen Formschwäche permanent bewusst zu sein, ist für einen Dartspieler schließlich kaum förderlich. Vergleichbare Entwicklungen hat es in der jüngeren Vergangenheit bereits gegeben.
Glen Durrant äußerte sich 2022 ähnlich offen über seine Schwierigkeiten, bevor sein sportlicher Absturz endgültig besiegelt schien. Auch Jules van Dongen musste sich mit massiven Problemen auseinandersetzen, die in seinem Fall durch Dartitis verursacht wurden. Nun droht Wright, sich in die Reihe der prominentesten sportlichen Abstürze im Dartsport der 2020er-Jahre einzureihen. Dabei könnte seine eigene Herangehensweise die Situation zusätzlich verschärfen. Welchen tatsächlichen Schaden seine öffentlichen Selbstzweifel anrichten, lässt sich zwar nicht beziffern. Psychologisch entsteht jedoch der Eindruck, als würde bei jedem Wurf eine innere Stimme auf seiner Schulter sitzen, die ihm unaufhörlich einflüstert: „Er spielt schlecht.“ Der Versuch, diesem Gedanken mit noch mehr Anstrengung und dem letzten zusätzlichen Prozent an Leistung entgegenzuwirken, könnte den Druck nur weiter erhöhen. Zwar mag es kurzfristig befreiend wirken, dem eigenen Frust öffentlich Luft zu machen. Doch ausgerechnet bei einem Major, dessen Gewinn 2017 den Beginn seiner Ära an der Weltspitze markierte, offen über die eigene sportliche Unterlegenheit zu sprechen, dürfte die ohnehin schwierige Situation langfristig kaum erleichtern.
Wright ist sich seiner Probleme durchaus bewusst, doch eine nachhaltige Lösung hat er bislang nicht gefunden. Dabei drängt die Zeit, denn 2027 muss der Schotte seine Preisgeldeinnahmen aus dem Jahr 2025 verteidigen. Damals erspielte er sich insgesamt 134.500 Pfund – beinahe viermal so viel, wie er im bisherigen Verlauf des Jahres 2026 verdient hat. Zu seinen wichtigsten Ergebnissen zählten der Finaleinzug bei Players Championship 11 sowie drei Viertelfinalteilnahmen auf der European Tour. Allein zwischen April und Juni 2025 sammelte Wright mehr Preisgeld als im gesamten bisherigen Kalenderjahr 2026. Diese Zahlen verdeutlichen, wie gefährlich seine Ausgangslage mit Blick auf die kommende Saison werden könnte.
Besonders problematisch ist dabei, dass ihm der Verlust weiterer Ranglistenpreisgelder in regelmäßigen Abständen droht. Nahezu alle drei Monate stehen fünfstellige Beträge auf dem Spiel: Zwischen Juli und September muss Wright 15.000 Pfund verteidigen, von September bis Dezember kommen weitere 32.000 Pfund hinzu. Bereits im Juli kommenden Jahres könnte sich der zweimalige Weltmeister deshalb in einer ähnlich prekären Situation wiederfinden wie Dimitri Van Den Bergh. Der Belgier schien zwischenzeitlich beinahe mit dem professionellen Dartsport abgeschlossen zu haben, weil seine sportlichen Leistungen längst nicht mehr ausreichen, um die zu verteidigenden Preisgelder auszugleichen.
Sein Average über die vergangenen zwölf Monate beträgt lediglich 87,73 Punkte. Mittlerweile entsteht sogar der Eindruck, dass sich Van Den Bergh mit einem möglichen Verlust seiner Tour Card weitgehend abgefunden hat. Nachdem er die Saison 2026 noch als Nummer 25 der PDC Order of Merit begonnen hatte, ist er inzwischen bis auf Rang 59 abgestürzt. Für Wright ist diese Entwicklung ein ernst zu nehmendes Warnsignal. Zwar fällt das Preisgeld, das der Schotte aus dem Jahr 2025 verteidigen muss, nicht so hoch aus wie jener Betrag, der Van Den Bergh aus dem Jahr 2024 aus der Wertung zu fallen drohte. Dennoch könnte ihm ein vergleichbares Schicksal bevorstehen. Sollte sich seine sportliche Talfahrt fortsetzen, besteht die Gefahr, dass Wright bereits zur Mitte der kommenden Saison zunehmend die Motivation verliert. Sein Average der vergangenen zwölf Monate liegt bei lediglich 88,54 Punkten und damit ebenfalls deutlich unter dem Niveau, das auf der PDC Tour erforderlich ist, um dauerhaft konkurrenzfähig zu bleiben. Die entscheidende Frage lautet deshalb: Wie viel von seinem Preisgeld aus dem Jahr 2025 wird Wright 2027 tatsächlich verteidigen können, wenn er weiterhin auf diesem Niveau spielt?
Die Rechnung zum drohenden Aus: Wann könnte Peter Wright seine Tourkarte verlieren?
Schritt
Betrag
Aktueller Gesamtbetrag in der Order of Merit
237.000 £
Abzüglich Preisgeld aus 2024
−69.000 £
Worst Case im Januar
183.000 £
Aktuelle Nummer 64 der Welt (Lukas Wenig)
117.250 £
Aktuelle Nummer 59 der Welt (Dimitri Van den Bergh)
135.500 £
2025 gehörte Peter Wright noch zum Teilnehmerfeld bedeutender Major-Turniere wie dem World Matchplay, dem World Grand Prix und der European Championship. Allein aus diesen drei Wettbewerben stehen für den Schotten insgesamt 25.000 Pfund an Ranglistenpreisgeld auf dem Spiel: 10.000 Pfund vom World Matchplay sowie jeweils 7.500 Pfund von der European Championship und dem World Grand Prix. Derzeit stehen die Chancen, dass sich Wright im Jahr 2027 für eines dieser Turniere qualifiziert, äußerst schlecht. Damit steht bereits nahezu fest, dass ihm diese Einnahmen in der Weltrangliste fehlen werden. Die finanziellen Auswirkungen sind dabei nur ein Teil des Problems. Auch sein ohnehin angeschlagenes Selbstvertrauen dürfte einen weiteren Dämpfer erhalten.
Wright beschäftigt sich intensiv mit seiner Position in der Order of Merit und setzt sich dadurch zunehmend selbst unter Druck. Wie sehr ihn die Preisgeldsituation beschäftigt, zeigte sich bereits im Mai bei den Austrian Darts Open. Damals scherzte er im Gespräch mit Dartsnews.de: „Wenn ich dieses Turnier gewinne, sind das 35.000. Ich brauche nur 10.000.“ Hinter der vermeintlich lockeren Bemerkung offenbarte sich jedoch auch seine mentale Verwundbarkeit und das Bewusstsein für die gewaltige Herausforderung, vor der er steht. Dass er seine nächste Partie verlor, machte die Situation umso bitterer. Wright weiß selbst nur zu gut, dass er derzeit weit von seiner Bestform entfernt ist. Besonders deutlich wurde seine schonungslose Selbstkritik in einer weiteren Aussage: „Ich sollte nicht beim World Cup dabei sein. Ich spiele nicht gut genug.“ So nachvollziehbar diese Einschätzung angesichts seiner aktuellen Leistungen auch sein mag, so wenig hätte er sie öffentlich aussprechen müssen. Schließlich hat Wright mit Schottland bereits zweimal den World Cup gewonnen. Dass ein Spieler mit einer solchen Erfolgsbilanz seine eigene Leistungsfähigkeit derart infrage stellt, wirkt beinahe herzzerreißend.
Doch nicht nur sein Selbstvertrauen steht auf dem Spiel, sondern zunehmend auch die Freude am Dartsport. Offiziell belegt Wright noch Rang 38 der Weltrangliste, gedanklich scheint er sich jedoch bereits in der Nähe von Platz 64 einzuordnen. Dieser ständige innere Konflikt zwischen dem Wunsch, seine frühere Klasse zurückzuerlangen, und der Angst vor dem nächsten Rückschlag kann selbst einen derart erfahrenen Profi in einen regelrechten Kampf-oder-Flucht-Modus versetzen. Plötzlich entsteht Druck bei Würfen, die ihm in seinen besten Jahren nahezu mühelos gelangen. Immerhin ist Wright für die Darts WM qualifiziert und kann sich dadurch mindestens 15.000 Pfund sichern, die einen Teil der 50.000 Pfund an gefährdetem Ranglistenpreisgeld auffangen. Es ist einer der wenigen verbliebenen Lichtblicke in seiner aktuellen Situation. Insgesamt dürften sich seine Einnahmen für 2026 damit auf rund 40.000 Pfund belaufen. Gegenüber dem Vorjahr entspräche das einem geschätzten Rückgang von etwa 90.000 Pfund. Sollte sich seine Form auf diesem Niveau stabilisieren, wäre der Verlust der Tour Card nach der Saison 2027 kaum noch abzuwenden. Auf Grundlage des aktuellen Ranglistensystems würde Wright das Jahr dann lediglich auf Platz 73 der Weltrangliste abschließen. Er würde die entscheidende Grenze also nicht nur knapp verfehlen, sondern deutlich hinter den erforderlichen Positionen zurückbleiben. Eine erschreckend ähnliche Entwicklung durchlebt derzeit Dimitri Van den Bergh. Doch wie genau lässt sich der Niedergang von Wright mit dem seines ehemaligen WG-Mitbewohners vergleichen?
Zwei ehemalige Major-Champions in der Krise: Die Parallelen zwischen Wright und Van den Bergh
Für Dimitri Van den Bergh entwickelt sich 2026 bislang zum schwächsten Jahr seiner bisherigen Darts-Karriere. Seine einzige Gelegenheit, noch einmal bei einer großen Veranstaltung im Rampenlicht zu stehen, bot sich dem Belgier ausgerechnet abseits des Boards: als Experte bei der Premier League of Darts in Antwerpen. Sportlich ist von seiner einstigen Klasse nur noch wenig zu erkennen. Gerade einmal 35 Prozent seiner Partien konnte Van den Bergh in diesem Jahr gewinnen. Wie dramatisch dieser Absturz ist, verdeutlicht ein Blick auf die Saison 2024. Damals war der Belgier sogar wesentlich erfolgreicher als Peter Wright, gewann die UK Open und beendete damit eine dreijährige Durststrecke ohne großen Titel. Darüber hinaus erreichte er beim World Grand Prix das Halbfinale. Doch selbst während dieser vergleichsweise erfolgreichen Phase deuteten sich bereits Schwierigkeiten an, die rückblickend an Wrights Entwicklung erinnern.
In elf Begegnungen blieb Van den Bergh 2024 mit seinem Average unter der Marke von 85 Punkten. Die Anzeichen für mangelnde Konstanz und zunehmende Leistungsschwankungen waren somit schon damals erkennbar. Inzwischen ist der Anteil solcher Partien auf 32,9 Prozent gestiegen, womit sein sportlicher Einbruch sogar noch gravierender ausfällt als jener des Schotten. Auch die Rangliste dokumentiert die Folgen dieser Entwicklung eindrucksvoll. Van den Bergh belegt mit 135.000 Pfund nur noch Platz 59 der Order of Merit und muss bis zum Jahresende weitere 40.250 Pfund verteidigen. Der Verlust seiner Tour Card erscheint damit unausweichlich. Bereits 2025 hatte er lediglich 74.500 Pfund eingespielt und damit fast 50.000 Pfund weniger als Wright. Sein finanzieller Absturz verlief folglich noch wesentlich steiler, schließlich hatte Van den Bergh 2024 insgesamt 310.500 Pfund an Preisgeld gesammelt.
Die Ausgangsbedingungen und der Verlauf ihrer Krisen unterscheiden sich zwar, doch beide Entwicklungen führen letztlich in dieselbe Richtung. Im Juni 2026 sprach Van den Bergh gegenüber OnlineDarts bemerkenswert offen über seine Probleme: „Ich habe nicht genug getan … Es ist schwer, wenn man all die Trainingsstunden hinter verschlossenen Türen absolviert und sich das nicht sofort im Spiel zeigt.“ Wie Wright ist sich auch der Belgier darüber im Klaren, dass ihm erhebliche Ranglistenpreisgelder verloren gehen. Eine überzeugende Antwort auf seinen sportlichen Niedergang hat er bislang jedoch ebenso wenig gefunden. Beide ehemaligen Major-Champions sind davon überzeugt, grundsätzlich zu deutlich besseren Leistungen fähig zu sein, als sie momentan zeigen. Gleichzeitig machen sie sich selbst schwere Vorwürfe, weil sie ihren eigenen Ansprüchen nicht mehr gerecht werden. Genau dieser Widerspruch zwischen dem Wissen um die eigene Klasse und der Enttäuschung über die tatsächlichen Ergebnisse könnte den Abwärtstrend zusätzlich beschleunigen. Bei Wright tritt dieser innere Konflikt besonders deutlich zutage. Mental scheinen derzeit beide Spieler weit von jener Stabilität entfernt zu sein, die sie für eine erfolgreiche Rückkehr benötigen.
Wie verblüffend ähnlich die sportliche Situation der beiden tatsächlich ist, zeigt ein direkter Vergleich ihrer Statistiken aus den vergangenen zwölf Monaten. Wright kommt in diesem Zeitraum auf einen Average von 88,54 Punkten, während Van den Bergh mit 87,73 Punkten nur knapp dahinterliegt. Auch beim First-Nine-Average, der die durchschnittliche Punkteausbeute mit den ersten neun Darts eines Legs abbildet, trennen die beiden lediglich 0,17 Punkte. Ihr Scoring bewegt sich damit praktisch auf demselben Niveau. Ein vergleichbares Bild ergibt sich bei den Checkouts: Wright verwandelt 37,69 Prozent seiner Doppelversuche, Van den Bergh kommt auf 33,57 Prozent. Beide Werte fallen für Spieler mit ihren Ansprüchen enttäuschend aus und könnten ein Hinweis darauf sein, wie stark sich die mentalen Schwierigkeiten mittlerweile auch auf ihre Treffsicherheit beim Auschecken auswirken.
Besonders alarmierend aus Wrights Sicht ist allerdings ein anderer statistischer Vergleich. Van den Bergh weist sowohl bei der Quote gewonnener Legs gegen den Anwurf als auch in Entscheidungslegs die besseren Werte auf. Ausgerechnet in Drucksituationen behauptet sich der Belgier somit erfolgreicher als der zweimalige Weltmeister. Wenn ein Spieler, der derzeit mit seiner Wurftechnik kämpft und in der Weltrangliste nur noch auf Platz 59 geführt wird, unter solchen Umständen die besseren Nerven zeigt, muss sich Wright einer äußerst unangenehmen Realität stellen. Wie tief die Verunsicherung inzwischen reicht, verdeutlichte Van den Bergh im selben Interview mit OnlineDarts: „Man fängt an, alles infrage zu stellen: das eigene Setup, den Wurf, die Vorbereitung … Ich weiß, wozu ich fähig bin. Aber im Moment geht es darum, Schritt für Schritt voranzukommen.“ Es sind Worte, die ebenso gut von Peter Wright stammen könnten. Der Schotte ist schließlich seit Jahren dafür bekannt, regelmäßig seine Darts zu wechseln und öffentlich über Veränderungen an seinem Setup nachzudenken. Gleichzeitig weiß er als zweimaliger Weltmeister genau, zu welchen Leistungen er grundsätzlich fähig ist. Auch sein Alter muss dabei nicht zwangsläufig ein Hindernis darstellen. Schließlich erlebte Wright die erfolgreichste Phase seiner Karriere erst, als er bereits über 50 Jahre alt war.
Der statistische Vergleich: Wright gegen Van den Bergh
Letzte zwölf Monate
Peter Wright
Dimitri Van den Bergh
Average
88,54
87,73
Average des Gegners
90,18
89,42
First Nine Average
95,19
95,02
Checkoutquote
37,69 %
33,57 %
Verwertete Doppel
45,75 %
40,23 %
Gewonnene legs als Anwerfer
59,45 %
51,28 %
Gewonnene legs als Nachleger
32,65 %
35,85 %
Gewonnene Entscheidunglegs
41,38 %
45,45 %
Spiele mit einem Average unter 85 (2026)
18 von 75
19 von 57
Die Ursachen des Absturzes: Wright hat seine einstige Scoring-Stärke verloren
Lässt man die öffentlichen Aussagen und die verschiedenen Rechenszenarien rund um die Weltrangliste einmal außer Acht, lässt sich Peter Wrights sportlicher Niedergang auf ein grundlegendes Problem zurückführen: Der Schotte erzielt längst nicht mehr die Scores, die von einem Spieler aus den Top-32 der Welt zu erwarten sind. Zwischen März und September 2025 erreichte Wright noch einen Average von 93,31 Punkten. Bis Mitte 2026 brach dieser Wert auf lediglich 87,32 Punkte ein. Noch deutlicher wird der Leistungsabfall beim Blick auf seinen First-Nine-Average. Während er mit den ersten neun Darts eines Legs zuvor durchschnittlich 101,32 Punkte pro Aufnahme erzielte, waren es im entsprechenden Vergleichszeitraum nur noch 92,25 Punkte. Ein Rückgang um mehr als neun Punkte pro Aufnahme in der Anfangsphase eines Legs ist auf diesem Niveau gravierend. Er kann darüber entscheiden, ob ein Spieler das Geschehen kontrolliert und seinen Gegner unter Druck setzt oder selbst von Beginn an einem Rückstand hinterherlaufen muss. Auch die Häufigkeit seiner Maximums verdeutlicht den Verlust seiner einstigen Scoring-Qualitäten. Erzielte Wright zuvor noch durchschnittlich 0,25 Aufnahmen mit 180 Punkten pro Leg, sank dieser Wert mittlerweile auf 0,17. Die Zahlen lassen kaum einen anderen Schluss zu: Ausgerechnet jenes druckvolle Scoring, das einst eine entscheidende Grundlage für seine beiden Weltmeistertitel bildete, ist dem Schotten weitgehend abhandengekommen.
Besonders bitter ist diese Entwicklung, weil Wright ausgerechnet auf die Doppelfelder inzwischen sogar bessere Statistiken vorweisen kann. Seine Erfolgsquote auf die spielentscheidenden Doppel stieg von 43,86 auf 47,47 Prozent. Noch bemerkenswerter fällt die Verbesserung in Situationen aus, in denen sein Gegner bereits auf einem Doppel steht: Hier erhöhte sich Wrights Checkoutquote von 33,66 auf beeindruckende 48,28 Prozent. „Snakebite“ besitzt also nach wie vor die Fähigkeit, auch unter unmittelbarem Druck den entscheidenden Dart im richtigen Segment unterzubringen. Das eigentliche Problem liegt vielmehr darin, dass er sich diese Möglichkeiten aufgrund seiner schwächeren Punkteausbeute immer seltener erspielt. Häufig erreicht Wright den Finishbereich erst eine oder sogar zwei Aufnahmen später als sein Kontrahent. Besonders schonungslos offenbart sich diese Schwäche in den entscheidenden Legs enger Begegnungen. Dort brach sein Average im jüngsten Quartal von 95,62 auf nur noch 80,34 Punkte ein. Ausgerechnet dann, wenn der Druck am größten ist und jeder Dart über Sieg oder Niederlage entscheiden kann, fällt Wrights Scoring damit auf ein Niveau zurück, das eher einem Spieler außerhalb der Top-64 entspricht. Die Konsequenzen spiegeln sich unmittelbar in seinen Ergebnissen wider: Von 23 Partien, die erst im letzten Leg entschieden wurden, konnte der zweimalige Weltmeister lediglich acht gewinnen. 15-mal musste er sich dagegen geschlagen geben.
Peter Wright kämpft mit einem dramatischen Rückgang seiner Scoring-Leistung. Obwohl sich seine Doppelquote verbessert hat, verliert der zweimalige Weltmeister zunehmend den Anschluss an seine Gegner.
Wrights Quartalsstatistiken
Statistik
Mär. 25–Sep. 25
Sep. 25–Mär. 26
Mär. 26–Jun. 26
Jun. 26–Sep. 26
Average
93,31
87,91
87,32
89,66
First Nine Average
101,32
94,79
92,25
95,99
180er pro Leg
0,25
0,22
0,17
0,23
Checkoutquote mit zwei Darts
46,84 %
44,58 %
41,51 %
41,38 %
Quote auf spielentscheidende Doppel
43,86 %
43,20 %
47,83 %
47,47 %
Checkoutquote, wenn der Gegner auf einem Doppel steht
33,66 %
43,48 %
51,22 %
48,28 %
Average in Entscheidungslegs
93,95
95,62
91,10
80,34
Dass Peter Wright seine einstige Klasse nicht vollständig eingebüßt hat, beweisen vereinzelte Auftritte, bei denen der alte „Snakebite“ noch einmal zum Vorschein kommt. Gegen Andrew Gilding erreichte der Schotte einen Average von 98,98 Punkten, gegen Jeffrey de Graaf waren es 98,12 Punkte. Zwar gingen beide Begegnungen verloren, doch zumindest ließen sie erkennen, dass Wright grundsätzlich noch immer zu Leistungen auf seinem früheren Niveau fähig ist. Entscheidend ist allerdings, wie selten ihm solche Vorstellungen mittlerweile gelingen. In seinen 75 Partien des Jahres 2026 durchbrach er lediglich ein einziges Mal die Marke von 100 Punkten im Average. Demgegenüber stehen gleich 18 Begegnungen, in denen sein Schnitt unter 85 Punkten lag. Schon bei den UK Open hatte Wright erklärt: „Ich muss auf der Tour einfach wieder diesen Funken finden und ihn direkt auf die Hauptbühne mitnehmen.“ Sieben Monate später ist von der erhofften Trendwende allerdings kaum etwas zu erkennen. Bei seinen 30 Teilnahmen an Players-Championship-Turnieren musste der zweimalige Weltmeister gleich 16-mal nach der ersten Runde die Segel streichen. Der Funke, von dem er im März gesprochen hatte, ist somit noch immer nicht dauerhaft übergesprungen. Und während die Zeit unaufhaltsam gegen ihn arbeitet, verschärft sich seine Situation in der Weltrangliste weiter. Sobald die Preisgelder aus dem Jahr 2025 aus der zweijährigen Wertung fallen, droht Wright der endgültige Verlust seiner bisherigen Absicherung. Ihm bleibt damit nur noch rund ein Jahr, um jene Form wiederzufinden, die ihn einst zu einem der gefährlichsten Spieler der Welt machte.
Der Weg zurück: Wie Peter Wright die drohende Katastrophe noch abwenden kann
Doch wie könnte Wright die sportliche Wende tatsächlich gelingen? Und gibt es überhaupt noch realistische Möglichkeiten, seine Saison zu retten? Ein entscheidender Ansatzpunkt liegt ausgerechnet in jenen Begegnungen, in denen der Schotte seinem Gegner bereits gefährlich nahegekommen ist. Im Dartsport entscheidet mitunter ein einziges Leg darüber, ob ein Spieler die Bühne mit einer weiteren bitteren Niederlage verlässt oder neues Selbstvertrauen aus einem hart erkämpften Erfolg schöpft. Wright hat in diesem Jahr bereits 15 Partien mit nur einem Leg Unterschied verloren. Dabei muss die Ursache nicht zwangsläufig in mentalen Problemen oder der Wahl seines Materials liegen. Vielmehr entscheiden häufig wenige Würfe innerhalb einer einzigen Minute darüber, ob es gelingt, einen Gegner endgültig in die Knie zu zwingen oder an der letzten Hürde zu scheitern. Genau hier könnte Wright ansetzen. Würde es ihm gelingen, solche engen Begegnungen wieder häufiger für sich zu entscheiden, wäre das ein wichtiger erster Schritt aus seiner sportlichen Krise. Jeder dieser Siege könnte ihm neues Selbstvertrauen geben und gleichzeitig dafür sorgen, dass er bei Players-Championship-Turnieren wieder regelmäßiger die zweite Runde erreicht. Statt nach einem frühen Ausscheiden ohne Preisgeld und mit einer weiteren Niederlage in der Statistik nach Hause zu fahren, könnte er sich auf diese Weise Stück für Stück die Grundlage für eine nachhaltige Trendwende erarbeiten.
Nic Gayer ist seit 2022 im Journalismus tätig und begann seine Laufbahn als freier Redakteur im Lokaljournalismus für eine Tageszeitung. Heute berichtet er für Dartsnews.de über den professionellen Dartsport und ordnet das aktuelle Geschehen ein – von großen Turnieren bis zu Entwicklungen abseits der Bühne.
Regelmäßig ist er bei Events vor Ort und begleitet rund 20 Turniere pro Jahr, wo er Interviews führt, unter anderem mit Luke Littler, Luke Humphries, Michael van Gerwen, Gerwyn Price sowie Martin Schindler, Gian van Veen und Josh Rock.
Zudem ist er eine der prägenden Stimmen im englischsprachigen Dartsnews Podcast und Co-Host des Sport-Podcasts Overtime Takes.
Nic arbeitet aus der Nähe von München und steht kurz vor dem Abschluss als Bachelor of Arts in Sportjournalismus.
In seiner Berichterstattung legt er großen Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, präzise Einordnung und aktualisiert Inhalte, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.