„Er hatte mental völlig die Orientierung verloren“ – Ex-Manager spricht über den Tiefpunkt in Raymond van Barnevelds Karriere

PDC
durch Nic Gayer
Donnerstag, 02 April 2026 um 17:00
Raymond van Barneveld (1)
Raymond van Barneveld gehört seit Jahrzehnten zu den prägenden Figuren des internationalen Dartsports. Doch das Jahr 2019 entwickelte sich für „Barney“ zu einer der schwierigsten Phasen seiner Karriere. Die Trennung von seiner damaligen Ehefrau Silvia belastete ihn auch sportlich erheblich. Sein früherer Manager Jaco van Bodegom blickte nun im Podcast Darts Draait Door auf diese turbulente Zeit zurück.
Nach Einschätzung van Bodegoms war der fünffache Weltmeister infolge der Scheidung nicht mehr in der Lage, sein gewohntes Spitzenniveau abzurufen – ein entscheidender Faktor für seinen damaligen Rücktritt. „In seinem Privatleben passierte wirklich sehr viel“, erklärte der ehemalige Manager. „Er steckte in einer Scheidung, und es passierten noch sehr viele weitere Dinge.“

Emotionale Belastung hinter den Kulissen

Die Situation setzte nicht nur van Barneveld selbst stark zu, sondern traf auch seinen Manager emotional. „Ich bin wirklich kein Heulsuse, aber wir saßen beim Frühstück vor Ahoy – wo Van Barneveld in der Premier League spielte – mit Tränen in den Augen. Wie sollst du denn heute Abend darten, Freund? Es war wieder alles Mögliche nach draußen gedrungen, bei uns zumindest. Da denke ich mir: Ja, das macht einfach keinen Spaß mehr“, schilderte van Bodegom eindringlich.
Zählt mit fünf Weltmeister-Titeln zu den größten Spielern der Dartsgeschichte: Raymond van Barneveld
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Gleichzeitig habe van Barneveld kaum die Möglichkeit gehabt, offen über seine Situation zu sprechen. „Aber er musste, und er konnte auch nicht darüber reden. Über gewisse Dinge kann man einfach nicht sprechen. Deshalb war es, finde ich, ziemlich hart. Aber jetzt ist es anders. Jetzt kann er die Entscheidungen selbst treffen.“

„Mental die Orientierung verloren“

Nach seinem letzten Auftritt in der Premier League Darts im März 2019 gegen Michael van Gerwen schien van Barnevelds Karriere zunächst beendet. Der Niederländer kündigte seinen Rücktritt an, nahm diese Entscheidung später jedoch wieder zurück. Dass er damals seine Darts zur Seite legte, führte „Barney“ unter anderem auf van Bodegoms Einfluss zurück – eine Darstellung, der dieser widerspricht.
„Von mir aus musste er nicht aufhören, aber ich sah, dass es schon lange nicht mehr lief“, erklärte van Bodegom. „Er hatte einfach völlig die Orientierung verloren. Mental meine ich, denn darten kann er natürlich. Aber mental war es einfach aufgebraucht.“
Auch körperliche Faktoren hätten eine Rolle gespielt. „Er hat auch so mit seiner Physis herumgewurstelt. In deiner häuslichen Situation und Familiensituation erlebst du alles Mögliche, und dann ist es schwierig, so ein Spiel weiter durchzuziehen. Dann wird es mental schwerer. Es ging nicht mehr. Er steckte in der Scheidung mit Silvia, mit Silvia lief es nicht wirklich gut. Mit Raymond selbst lief es nicht wirklich gut. Sponsoren springen ab. Es klappt einfach alles nicht mehr. Dein Körper ist auch nicht mehr 35. In dem Moment war es die beste Entscheidung, nur dann kam Corona.“
Bis heute ist van Bodegom überzeugt, dass der damalige Rückzug der richtige Schritt war. „Ich kann begründen, warum das die beste Entscheidung war. Und ich denke erneut: Wenn es Corona nicht gegeben hätte, wäre das für ihn auch das Allerbeste gewesen, was ihm passieren konnte“, so sein Fazit.
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