Gerwyn Price wittert seine Chance bei der Darts-EM: Beeindruckende Zahlen nähren die Hoffnung auf den lang ersehnten Titel, doch kann er das Littler-Trauma überwinden?

PDC
Gerwyn Price (1)
Gerwyn Price startet am Donnerstag mit einem klaren Ziel in die Darts-EM: endlich wieder einen großen Einzeltitel zu gewinnen. Der Waliser gehört dank seiner jüngsten Leistungen erneut zur absoluten Weltspitze, wartet aber inzwischen seit fast vier Jahren auf einen weiteren Major-Titel. Drei verlorene Major-Finals in Folge haben den Hunger von „The Iceman“ nur noch größer gemacht. In Dortmund bietet sich ihm eine neue Chance, diese lange Durststrecke zu beenden. Mit beeindruckenden Doppelquoten, starker Form und einem deutlich verbesserten Verhältnis zum Publikum bringt Price viele Trümpfe mit. Doch eine große Herausforderung bleibt: Kann er endlich Luke Littler bezwingen, der ihm in den vergangenen Monaten mehrfach den Weg zu einem großen Titel versperrt hat?
In den Westfalenhallen in Dortmund treffen die 32 besten Spieler auf Grundlage der European-Tour-Ergebnisse von 2026 aufeinander, um den Europameistertitel auszuspielen. Wie üblich zählen Luke Littler und Luke Humphries zu den Topfavoriten. Littler hat sich in den vergangenen Saisons zu einer der dominierenden Kräfte in der PDC entwickelt. Humphries ist dank seiner konstanten Leistungen und seiner Erfahrung auf den größten Bühnen ebenfalls nur schwer zu schlagen.
Hinter diesem englischen Spitzenduo lauern jedoch mehrere Spieler, die an guten Tagen jeden bezwingen können. Price gehört ohne Zweifel dazu. Der frühere Weltmeister hat in den vergangenen Monaten mehrfach gezeigt, dass er weiterhin das Niveau besitzt, um große Turniere zu gewinnen. Dass er dreimal in Folge ein Major-Finale verlor, macht seine Geschichte zusätzlich interessant. Fehlt dem Waliser im entscheidenden Moment das letzte Quäntchen, oder ist es nur eine Frage der Zeit, bis er wieder einen großen Titel in die Höhe stemmen darf?
Die Statistiken sprechen bereits dafür, dass Letzteres der Fall sein könnte. Price spielt stark, zählt zu den besten Finishern der Tour und hat 2026 bereits bewiesen, dass er gegen nahezu jeden Gegner Ergebnisse erzielen kann. Außerdem scheint sein Verhältnis zu den Dartsfans eine neue Phase erreicht zu haben. Der Spieler, der jahrelang mit Buhrufen und feindseligen Reaktionen konfrontiert war, erhält inzwischen immer häufiger Unterstützung von den Rängen.
Wenn diese Faktoren in Dortmund zusammenkommen, könnte die Darts-EM das Turnier werden, in dem „The Iceman“ seine lange Wartezeit beendet.

Drei verlorene Finals, doch Price gehört wieder zur Weltspitze

Prices jüngste Ergebnisse sprechen für sich. Bei der World Matchplay, den World Series of Darts Finals und dem World Grand Prix erreichte der 41-jährige Waliser jeweils das Finale. Drei prestigeträchtige Turniere, dreimal unter den letzten beiden und trotzdem kein Titel. Für einen Spieler mit Prices Ehrgeiz und Fähigkeiten ist das eine besonders schmerzhafte Serie.
Bei der World Matchplay musste sich Price Littler geschlagen geben. Der junge Engländer war im Finale zu stark und verhinderte, dass der Waliser einen der wichtigsten Titel im PDC-Kalender seiner Sammlung hinzufügen konnte. Anschließend bot sich Price bei den World Series of Darts Finals eine weitere große Chance. Diesmal wurde Ross Smith jedoch zum Spielverderber. Der Engländer setzte sich durch und bescherte Price die nächste Enttäuschung.
Auch beim World Grand Prix gelang es dem Waliser nicht, den letzten Schritt zu machen. Im Finale wartete mit Humphries erneut ein Gegner von höchstem Format. Price konnte sein starkes Turnier nicht mit dem Titel krönen und musste sich zum dritten Mal in Folge mit Platz zwei begnügen.
Eine solche Serie kann das Selbstvertrauen eines Spielers stark belasten. Besonders dann, wenn sich immer wieder Chancen bieten, die Belohnung aber ausbleibt. Ein verlorenes Finale ist schon für sich genommen eine Enttäuschung. Dreimal hintereinander einen großen Titel zu verpassen, kann leicht das Gefühl wecken, dass in den wichtigsten Momenten etwas fehlt.
Gerwyn Price ballt die Faust
Gerwyn Price bestritt in diesem Jahr bereits drei Major-Finals
Doch diese Serie lässt sich auch anders betrachten. Price stand in den vergangenen Monaten dreimal im Finale eines Majors. Das bedeutet, dass er sich mehrfach durch ein stark besetztes Teilnehmerfeld kämpfen und Gegner schlagen konnte, die ebenfalls nach Titeln griffen. Er bringt also nicht nur die Form mit, um weit zu kommen, sondern auch die mentale Stärke, sich immer wieder in eine Position zu bringen, in der ein großer Titel zum Greifen nah ist.
Außerdem muss der Waliser nicht weit in die Vergangenheit zurückblicken, um sich an einen Majorsieg zu erinnern. Sein letzter großer Einzeltitel liegt zwar beim World Series of Darts Finals 2022, doch seine früheren Erfolge belegen, dass er auf den größten Bühnen bestehen kann. Price wurde 2021 Weltmeister und gewann im Laufe seiner Karriere mehrere große PDC-Turniere.

Majortitel von Gerwyn Price

JahrMajor-TurnierFinalgegnerErgebnis
2018Grand Slam of DartsGary Anderson16:13
2019Grand Slam of DartsPeter Wright16:6
2020World Grand PrixDirk van Duijvenbode5:2 (Sätze)
2020World Series of Darts FinalsRob Cross11:9
2021Darts-WMGary Anderson7:3 (Sätze)
2021Grand Slam of DartsPeter Wright16:8
2022World Series of Darts FinalsDirk van Duijvenbode11:10
Seit seinem letzten Majortitel sind inzwischen fast vier Jahre vergangen. Für einen Spieler, der jahrelang um die wichtigsten Trophäen mitspielte, ist das eine lange Zeit. Die jüngsten Finalteilnahmen zeigen jedoch, dass ein weiterer Titel keineswegs unrealistisch ist. Im Gegenteil: Price scheint einem neuen Triumph näher zu sein, als seine lange Durststrecke vermuten lässt.
Die Darts-EM kommt daher zu einem interessanten Zeitpunkt. Der Waliser reist mit dem Beweis nach Dortmund, dass er wieder Finals erreichen kann, weiß aber auch, dass ihm der letzte Schritt noch fehlt. Die Frage ist weniger, ob Price gut genug ist, ein großes Turnier zu gewinnen. Entscheidend ist vielmehr, ob er sein aktuelles Niveau über die gesamte EM halten und in den wichtigen Momenten die richtigen Entscheidungen treffen kann.

PDC Form Guide führt Price an: Nur Humphries erreicht seinen Average

Wer an Prices aktueller Form zweifelt, sollte einen Blick auf die Statistiken werfen. Der jüngste PDC Form Guide, erstellt von PDC-Statistiker Christopher Kempf, unterstreicht, wie stark der Waliser derzeit spielt. In der Rangliste, die vergangene Woche veröffentlicht wurde, steht „The Iceman“ mit einem Average von 100,32 Punkten über seine letzten 200 gespielten Legs an der Spitze.
Der Form Guide ist ein aufschlussreicher Maßstab, um die aktuelle Form der Spieler zu beurteilen. Statt ausschließlich auf Turniersiege oder die Weltrangliste zu schauen, berücksichtigt er die Leistungen über eine Reihe kürzlich gespielter Legs. So entsteht ein Bild davon, wie die Spieler momentan am Oche auftreten.
Mit einem Average von 100,32 Punkten gehört Price zu einem sehr ausgewählten Kreis. Nur zwei Spieler überschreiten in dieser Statistik die Marke von 100 Punkten pro drei Darts. Humphries liegt mit einem Average von 100,12 Punkten dahinter und ist damit der einzige weitere Spieler in dieser Kategorie.
Der Abstand zwischen den beiden ist äußerst gering. Price liegt derzeit nur 0,20 Punkte vor Humphries. Das zeigt, wie eng die beiden Spitzenspieler beieinanderliegen. Zugleich macht es deutlich, dass Price nicht allein an seinen Finalergebnissen gemessen werden sollte. Seine Scoringstärke und Effizienz sind weiterhin auf einem herausragend hohen Niveau.
Ein Average von über 100 Punkten ist natürlich keine Garantie für Turniersiege. Darts bleibt ein Sport, in dem das richtige Timing mindestens so wichtig sein kann wie das allgemeine Niveau. Ein Spieler kann während eines Matches hervorragend scoren und trotzdem verlieren, wenn der Gegner in den entscheidenden Momenten die Doppel trifft.
Genau deshalb sind Prices Zahlen so interessant. Sein starker Average geht mit hervorragenden Leistungen auf die Doppel einher. Das macht ihn für jeden Gegner gefährlich, besonders wenn es ihm gelingt, sein Niveau über mehrere Matches hinweg zu halten.
Für die Darts-EM ist das eine wichtige Erkenntnis. Wer sowohl beim Scoring als auch beim Check-out stark ist, muss sich nicht auf einen bestimmten Teil seines Spiels verlassen. Kommen die hohen Aufnahmen einmal weniger zuverlässig, kann ein starkes Finish ihn im Match halten. Setzt er seinen Gegner mit hohen Scores unter Druck, kann er diesen anschließend in gewonnene Legs ummünzen.
Dass Price derzeit den PDC Form Guide anführt, beweist also nicht, dass er automatisch den Europameistertitel gewinnen wird. Es zeigt aber, dass er mit einer ausgezeichneten Ausgangslage ins Turnier startet. Wer ihn in Dortmund schlagen will, wird wahrscheinlich selbst ein hohes Niveau erreichen müssen.

Hervorragend auf die Doppel: Price muss an seinem Finish nicht zweifeln

Bei der Bewertung von Price wird in letzter Zeit gelegentlich auf seine drei verlorenen Major-Finals verwiesen. Dadurch kann der Eindruck entstehen, der Waliser sei in den entscheidenden Momenten nicht mehr so abgeklärt wie in seinen besten Jahren. Seine jüngsten Zahlen sprechen jedoch teilweise gegen diese Annahme.
In der jüngsten Ausgabe des PDC Form Guide erzielte Price über seine letzten 200 gespielten Legs eine Doppelquote von beeindruckenden 42,25 Prozent. Das ist ein herausragender Wert. Nur zwei Spieler liegen davor: James Wade und Ross Smith.
Wade kam in derselben Statistik auf 44,88 Prozent, Smith auf eine Doppelquote von 44,73 Prozent. Price liegt damit nur knapp hinter zwei Spielern, die für ihr effizientes Finish bekannt sind.
Der Abstand zu seinen Konkurrenten ist zudem nicht groß genug, um sich Sorgen um die eigene Doppelquote machen zu müssen. Eine Quote von 42,25 Prozent bedeutet, dass er in dieser Stichprobe einen großen Teil seiner Chancen auf ein Doppel nutzt. In einem Sport, in dem wenige verpasste Doppel über Sieg oder Niederlage entscheiden können, ist das eine wichtige Stärke.
Die Zahlen sind besonders aussagekräftig, weil Price in den vergangenen Monaten wiederholt tief in großen Turnieren kam. Seine drei Major-Finals in Folge zeigen, dass er auch gegen die besten Spieler der Welt genügend Chancen herausspielt, um Matches für sich zu entscheiden. Die Statistiken deuten zudem darauf hin, dass sein Finish nicht die Schwachstelle ist, als die es manchmal dargestellt wird.
Natürlich erzählt eine Doppelquote nicht die ganze Geschichte. Nicht jede Chance auf ein Doppel ist gleich. Wer bei deutlicher Führung komfortabel auf ein Doppel werfen kann, befindet sich in einer anderen Situation als ein Spieler, der unter großem Druck ein Match auschecken muss. Auch die Anzahl der Chancen spielt bei der Einordnung der Zahlen eine Rolle.
Trotzdem ist Prices Quote ein klarer Hinweis darauf, dass sein Finish derzeit zu seinen Stärken zählt. Er muss nicht unbedingt nach einer großen technischen Veränderung suchen, um wieder ein Major zu gewinnen. Vielmehr geht es darum, seine vorhandenen Fähigkeiten im richtigen Moment einzusetzen.
Dabei hat Price eine klare Vorliebe. Wenn es die Situation erlaubt, zielt er am liebsten auf die Doppel-20. Dieses Doppel ist für viele Spitzenspieler ein vertrauter Abschluss, bei Price aber ein besonders wichtiger Teil seines Finishs. An guten Tagen wirkt es, als müsse er kaum nachdenken, wenn er ein Leg über die Doppel-20 beenden kann.
Dieses Vertrauen kann bei einem großen Turnier den Unterschied machen. Wer mit Überzeugung auf sein Lieblingsdoppel wirft, muss bei hohem Einsatz weniger zweifeln. Besonders in engen Matches, in denen beide Spieler nur wenige Chancen zulassen, kann ein Treffer auf ein Doppel das Momentum komplett drehen.
Die drei verlorenen Finals sollten daher nicht einfach als Beweis dafür gelten, dass Price in entscheidenden Momenten nicht mehr bestehen kann. Er verlor gegen Littler, Smith und Humphries, allesamt Gegner, die selbst auf höchstem Niveau spielen können. Eine Niederlage gegen sie bedeutet nicht automatisch, dass sein eigenes Finish nicht ausreicht.
Für Price besteht die Herausforderung vor allem darin, seine starken Einzelwerte in einen neuen Titel umzumünzen. Er muss nicht nur gut spielen, sondern die Matches auch in den entscheidenden Momenten auf seine Seite ziehen. Seine Doppelquote zeigt, dass er dafür eine wichtige Waffe besitzt.

Beim Scoring gibt es noch Luft nach oben

Auch wenn Price derzeit den PDC Form Guide anführt, bedeutet das nicht, dass sein Spiel keine Entwicklungsmöglichkeiten mehr bietet. Ein genauerer Blick auf die Statistiken zeigt, dass der Waliser nicht in jedem Bereich ganz vorne liegt.
Unter den Top zehn des Form Guide belegt Price beispielsweise nur Rang sieben, wenn es um die Anzahl der Aufnahmen mit 171 bis 180 Punkten geht. Das ist bemerkenswert, denn solche hohen Scores können Gegner stark unter Druck setzen und Chancen auf ein Leg schaffen.
Die Zahlen zeigen, dass sein herausragender Average von 100,32 nicht allein auf überwältigende Scoringstärke zurückzuführen ist. Auch seine starken Leistungen auf die Doppel spielen eine wichtige Rolle. Price nutzt seine Chancen effizient und gleicht damit aus, dass einige Konkurrenten bei den hohen Scores besser abschneiden.
Gerwyn Price bei seinem Walk-on
Gerwyn Price ist derzeit die Nummer vier der Welt
Das ist an sich kein Problem. Es gibt keine feste Formel für einen Matchsieg. Manche Dartspieler bauen ihren Erfolg vor allem auf hohe Scores, andere glänzen beim Finish. Die besten Spieler vereinen beide Elemente, doch auch an der Weltspitze gibt es deutliche Unterschiede im Spielstil.
Für Price könnte eine Steigerung seines Scorings dennoch der nächste Schritt sein. Wenn er häufiger 171er- und 180er-Aufnahmen erzielt, kann er seine Gegner noch schneller unter Druck setzen. Dadurch bekommt er möglicherweise mehr Chancen, Legs früh zu entscheiden, und muss seltener darauf vertrauen, einen Rückstand über sein Finish aufzuholen.
Besonders gegen Spieler wie Littler und Humphries ist das wichtig. Beide Engländer verfügen über eine enorme Scoringstärke und können sich in kurzer Zeit einen großen Vorsprung erspielen. Will Price sie schlagen, muss er verhindern, dass sie zu viel Raum bekommen, um ihr eigenes Spiel aufzuziehen.
Mehr maximale Aufnahmen können dabei helfen. Sie zwingen den Gegner, das Tempo mitzugehen, und erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass ein Match durch einige außergewöhnliche Aufnahmen entschieden wird. Price hat die Qualität, dieses Niveau zu erreichen. Seine aktuellen Statistiken zeigen jedoch, dass er in diesem Bereich nicht so weit vorne liegt wie auf die Doppel.
Die gute Nachricht für den Waliser: Er muss kein völlig neues Spiel entwickeln. Sein Average gehört bereits zur absoluten Spitze, und sein Finish ist hervorragend. Kann er sein Scoring noch etwas steigern, wird er womöglich noch schwerer zu schlagen.
Dabei ist zu beachten, dass Statistiken über 200 Legs nur eine Momentaufnahme sind. Sie geben einen nützlichen Einblick in die jüngsten Leistungen, sagen aber nicht alles darüber aus, was bei einem einzelnen Turnier passiert. Ein Spieler kann in Dortmund stark starten und später ein schwächeres Match spielen, während ein Konkurrent mit zuvor weniger beeindruckenden Zahlen genau zum richtigen Zeitpunkt seinen Höhepunkt erreicht.
Trotzdem sind Prices Zahlen vielversprechend. Er beginnt die EM nicht als Spieler, der verzweifelt nach seiner Bestform suchen muss, sondern als Dartspieler, der seit Monaten starke Leistungen zeigt. Entscheidend ist vor allem, ob er diese Form halten kann, wenn der Druck in Dortmund steigt.

Littler ist Prices Angstgegner: sieben Niederlagen im direkten Duell

Wer Prices Chancen bei der Darts-EM beurteilt, kommt an einem Namen nicht vorbei: Luke Littler. Der junge Engländer hat sich in kurzer Zeit zu einem äußerst schwierigen Gegner für den Waliser entwickelt. Gegen die meisten Spitzenspieler setzt sich Price regelmäßig durch, doch Littler scheint ihm vorerst überlegen zu sein.
Das zeigte sich in diesem Jahr unter anderem in der Premier League Darts. Price bestritt dort 29 Matches und gewann 15 davon. Besonders auffällig ist, dass er gegen jeden Teilnehmer der prestigeträchtigen Liga mindestens einmal gewann. Seine Ergebnisse zeigen, dass er sich auch in einem Feld voller Spitzenspieler genügend Chancen erarbeiten kann, Matches für sich zu entscheiden.
Gegen einen Spieler gelang ihm jedoch kein einziger Sieg: Littler. In der regulären Phase der Premier League standen sich beide viermal gegenüber. Alle vier Duelle gewann der Engländer. Der junge Weltklassespieler war damit nicht nur ein schwieriger Gegner, sondern ein wiederkehrendes Problem für Price.
Auch wenn es wirklich darauf ankam, änderte sich dieses Bild nicht. Im Halbfinale der Play-offs trafen beide erneut aufeinander. Price kam einem Sieg nahe, verlor aber schließlich mit 9:10. Der kleinstmögliche Abstand beendete seine Chancen auf den Gesamtsieg in der Premier League.
Für den Waliser war diese Niederlage besonders schmerzhaft. Er hatte sich bis ins Halbfinale gekämpft und die Chance, sich für das Endspiel zu qualifizieren. Doch erneut stand Littler im Weg. Dass das Match erst im Entscheidungsleg entschieden wurde, machte die Niederlage noch bitterer.
Auch außerhalb der Premier League blieb der Engländer ein Stolperstein. Beim World Masters warf Littler Price im Halbfinale aus dem Turnier, bei der World Matchplay setzte er sich ebenfalls durch. Im Finale dieses letztgenannten Turniers musste der Waliser erneut zusehen, wie sein Gegner den Titel holte.
Die direkte Bilanz auf Grundlage der im Ausgangstext genannten Duelle, einschließlich der Premier League, spricht eine klare Sprache. In diesem Vergleich verlor Price alle sieben erfassten Begegnungen mit Littler. Gegen die anderen großen Namen fällt seine Bilanz deutlich besser aus.

Major-Duelle von Gerwyn Price gegen Premier-League-Spieler 2026

GegnerBilanz im direkten Duell
Luke Littler0:7
Luke Humphries2:3
Gian van Veen5:2
Michael van Gerwen3:0
Josh Rock1:1
Stephen Bunting2:2
Jonny Clayton5:2

Vom Buhmann zum Publikumsliebling? Die bemerkenswerte Entwicklung von „The Iceman“

Nicht nur die sportliche Form kann Prices Chancen bei der Darts-EM beeinflussen. Auch sein Verhältnis zum Publikum hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Lange gehörte der Waliser zu den am häufigsten ausgepfiffenen Spielern der Tour. In den vergangenen Monaten scheint er jedoch wieder öfter auf die Unterstützung der Zuschauer zählen zu können.
Das ist bemerkenswert, denn Price hat sich in der Dartswelt einen markanten Ruf erarbeitet. Seit seinem Einstieg in die PDC 2014 fiel er durch sein energiegeladenes Auftreten auf der Bühne auf. Der Waliser scheute sich nicht, laut zu jubeln, seine Emotionen zu zeigen und auf wichtige Scores oder hohe Check-outs mit überschwänglichen Reaktionen zu antworten.
Für Price gehörte das zu seiner Art, Darts zu erleben. Er ließ sich ganz vom Moment mitreißen und machte kaum einen Versuch, seine Begeisterung zu verbergen. Wenn er ein wichtiges Leg gewann, sollte es die ganze Halle wissen.
Nicht jeder konnte diese Haltung schätzen. Mehrere Gegner störten sich an seiner Art zu feiern und fanden, dass er damit mitunter zu weit ging. Seine Emotionen auf der Bühne führten wiederholt zu Zwischenfällen und machten Price bei einem Teil des Publikums zunehmend unbeliebt.
Das bekannteste Beispiel ereignete sich 2018 im Finale des Grand Slam of Darts, als Price auf Gary Anderson traf. Der Schotte war bei den Dartsfans äußerst beliebt und konnte das Verhalten des Walisers nur schwer nachvollziehen. Während des Matches war die Spannung zwischen beiden Spielern deutlich spürbar.
Price gewann schließlich das Finale und holte den Titel, doch der sportliche Triumph hatte auch eine Kehrseite. Die Bilder der Auseinandersetzung blieben in Erinnerung und trugen dazu bei, dass der Waliser in den folgenden Jahren bei einem Teil des Publikums ein negatives Image bekam.
Bei verschiedenen Turnieren wurde er daraufhin regelmäßig ausgepfiffen. Die Reaktionen waren mitunter so laut, dass sie zu einem wichtigen Teil seiner Matches wurden. Statt ausschließlich an seinen Leistungen gemessen zu werden, musste Price oft mit einer feindseligen Atmosphäre in der Halle umgehen.
Das beeinflusste auch sein Auftreten auf der Bühne. Eine Zeit lang trug er sogar Kopfhörer, um die Buhrufe auszublenden und sich besser auf sein eigenes Spiel konzentrieren zu können.
Außerdem versuchte er, seine Emotionen häufiger im Zaum zu halten. Die überschwänglichen Reaktionen, mit denen er in seinen Anfangsjahren Aufmerksamkeit erregte, wurden zurückhaltender. Price schien nach einem Weg zu suchen, die negative Aufmerksamkeit zu begrenzen und gleichzeitig sein Niveau zu halten.
Doch dieser zurückhaltendere Ansatz erwies sich nicht unbedingt als Lösung. Der Waliser durchlief eine Phase mit weniger überzeugenden Leistungen und erklärte vor einiger Zeit, dass er wieder mehr Ausdruck in sein Spiel bringen wolle. Er wollte sich nicht länger ständig damit beschäftigen, wie andere sein Verhalten deuteten, sondern wieder der Spieler sein, der seine Emotionen zeigt.
Das bedeutete nicht, dass er bewusst neue Konflikte heraufbeschwören wollte. Vielmehr wollte er sich auf der Bühne freier fühlen und sein natürliches Spiel nicht länger unterdrücken. Für einen Spieler, der seine Energie stets als wichtigen Teil seiner Identität betrachtet hat, kann es schließlich schwierig sein, ständig auf der Hut sein zu müssen.
In den vergangenen Monaten scheint diese Entscheidung immer mehr Früchte zu tragen. Price tritt während der Matches wieder deutlicher auf und zeigt seine Emotionen, wenn es einen Anlass dafür gibt. Zugleich wirkt die Reaktion des Publikums milder. Wo er früher oft mit Buhrufen empfangen wurde, erhält er inzwischen bei verschiedenen Gelegenheiten wieder lauten Applaus und Anfeuerungsrufe.
Das bedeutet nicht, dass sich sein Ruf vollständig gewandelt hat. Price bleibt eine markante Persönlichkeit, und sein Verhalten wird sicher nicht jedem Dartsfan gefallen. Doch das Verhältnis zum Publikum scheint weniger einseitig negativ zu sein als noch vor einigen Jahren.
Für die Darts-EM könnte diese Entwicklung ein wichtiger Vorteil sein. In Dortmund kann die Stimmung in der Halle ein Match besonders intensiv machen. Fühlt sich ein Spieler vom Publikum unterstützt, kann ihm das helfen, mit mehr Selbstvertrauen und Energie ans Oche zu treten.
Für Price ist vor allem wichtig, sich selbst treu zu bleiben. Seine charakteristische Spiel- und Jubelweise hat ihn stets von anderen Spielern abgehoben. Kann er diese Energie wieder positiv nutzen, ist die Unterstützung des Publikums nicht bloß eine Nebensache, sondern ein zusätzlicher Antrieb.

Ergebnisse von Gerwyn Price bei der Darts-EM

JahrErgebnisVerloren gegenErgebnis
2015Letzte 32Michael Smith4:6
2016Letzte 16Michael van Gerwen2:10
2017Letzte 16Mensur Suljović4:10
2018ViertelfinaleJames Wade9:10
2019FinaleRob Cross6:11
2020Letzte 16Peter Wright6:10
2021ViertelfinaleMichael van Gerwen8:10
2022Letzte 32Rowby-John Rodriguez4:6
2023ViertelfinaleDanny Noppert8:10
2024Letzte 32Daryl Gurney3:6
2025Erste RundeDaryl Gurney 3:6

Fazit: Wird Dortmund zum Schauplatz eines neuen Triumphs?

Für Price kommt die Darts-EM zu einem besonders interessanten Zeitpunkt. Der Waliser hat in den vergangenen Monaten gezeigt, dass er weiterhin die Fähigkeiten besitzt, die größten Turniere zu gewinnen. Seine drei Major-Finals in Folge sind dafür der deutlichste Beleg. Die jüngsten Zahlen des PDC Form Guide bestätigen zudem seine ausgezeichnete Form.
Mit einem Average von 100,32 Punkten über seine letzten 200 Legs und einer Doppelquote von 42,25 Prozent hat „The Iceman“ wenig Grund, an seinen Fähigkeiten zu zweifeln. Er gehört zu den besten Spielern der Tour und kann an guten Tagen mit jedem mithalten. Dass er seit 2022 keinen individuellen Majortitel mehr gewonnen hat, ändert daran nichts.
In Dortmund muss Price dennoch beweisen, dass er seine starke Form auch in einen Turniersieg umsetzen kann. In den vergangenen Monaten fehlte jeweils nur ein kleiner Schritt. Gegen Littler, Smith und Humphries hatte er in drei verschiedenen Major-Finals die Chance auf einen großen Titel, doch jedes Mal setzte sich sein Gegner durch.
Die EM bietet ihm eine neue Gelegenheit, dieses Kapitel abzuschließen. Dabei muss der Waliser nicht nur auf seine eigenen Leistungen achten, sondern auch die Konkurrenz im Blick behalten. Littler und Humphries bleiben die großen Favoriten. Auch andere Spitzenspieler können jedoch nach dem Europameistertitel greifen.
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