Luke Littler bleibt auch statistisch das Maß aller Dinge in der PDC. Statistiker Christopher Kempf
hat die jeweils letzten 200 Legs der größten Stars unter die Lupe genommen – und die Zahlen zeichnen ein eindeutiges Bild: Die Konkurrenz ist zwar näher an den Weltmeister herangerückt, doch in den entscheidenden Bereichen des Spiels setzt „The Nuke“ weiterhin Maßstäbe.
Der 19-Jährige führt sowohl beim Average als auch in der sogenannten OChE (Ordinal Checkout Efficiency) das Ranking an. Diese Kennzahl gibt Aufschluss darüber, wie effizient ein Spieler sein Scoring letztlich in gewonnene Legs umwandelt. Auch bei den Highscores zwischen 171 und 180 liegt Littler an der Spitze. Lediglich auf den Doppelfeldern muss er derzeit einem Konkurrenten den Vortritt lassen: Jonny Clayton ist aktuell der effizienteste Finisher der PDC.
Littlers Zahlen sinken – doch die Konkurrenz bleibt auf Distanz
Einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es für Littlers Verfolger dennoch. Statistisch bewegt sich der Engländer nicht mehr auf jenem beinahe außerirdischen Niveau, das er beim World Matchplay an den Tag gelegt hatte. Sein Average über die vergangenen 200 Legs ist gegenüber seinem vorherigen Wert von nahezu 106 Punkten gesunken. Auch seine zwischenzeitlich sensationelle OChE-Wertung von 73 konnte er nicht halten.
Verwundbar macht ihn das allerdings noch lange nicht – im Gegenteil. Littler ist nach wie vor der einzige Spieler, der über seine vergangenen 200 Legs einen Average von mehr als 100 Punkten verzeichnet. In der OChE-Wertung beträgt sein Vorsprung auf den Zweitplatzierten zudem stattliche acht Punkte. Selbst Spieler, die beim Scoring beinahe mit ihm gleichziehen können, erreichen nicht Littlers Effizienz.
Price klettert auf Rang zwei
Hinter dem Weltmeister hat sich Gerwyn Price auf dem zweiten Platz festgesetzt. Der Waliser profitierte dabei unter anderem von seinem starken Auftritt bei den Czech Darts Open, wo er bis ins Halbfinale vorstieß. Allein dieses Ergebnis ließ seine OChE-Bewertung um mehr als zwei Punkte ansteigen.
Dicht hinter Price folgt Nathan Aspinall, der insbesondere durch seine Konstanz innerhalb der Legs überzeugt. „The Asp“ verbindet starkes Scoring mit ausgezeichneten Setups und zuverlässigen Finishes. Diese Kombination hat dafür gesorgt, dass er in der OChE-Wertung inzwischen bis auf Schlagdistanz an Price herangerückt ist.
Gleichzeitig verdeutlichen die Zahlen, dass das restliche Feld vorerst weiterhin einen beträchtlichen Rückstand auf Littler aufweist. Immerhin ist die Lücke nicht mehr so gewaltig wie noch vor einigen Monaten. Für die übrigen 127 Tour-Card-Inhaber dürfte genau das die ermutigendste Botschaft der Analyse sein: Littler bleibt der Favorit, seine Statistiken erscheinen inzwischen jedoch zumindest nicht mehr übermenschlich.
PDC Form Guide – Letzte 200 Legs
| Rang | Spieler | Average | 171-180 | 99, 101+ Checkouts | Doppelquote |
| 1 | Luke Littler | 101.57 | 98 | 15 | 44.90% |
| 2 | Gerwyn Price | 98.48 | 68 | 8 | 43.36% |
| 3 | Luke Humphries | 98.14 | 68 | 13 | 40.66% |
| 4 | Nathan Aspinall | 96.81 | 72 | 12 | 39.91% |
| 5 | Chris Dobey | 96.56 | 86 | 15 | 37.20% |
| 6 | Gary Anderson | 96.44 | 77 | 6 | 37.05% |
| 7 | Rob Cross | 96.33 | 59 | 8 | 37.81% |
| 8 | Luke Woodhouse | 96.24 | 81 | 9 | 42.07% |
| 9 | Ross Smith | 96.13 | 73 | 11 | 43.72% |
| 10 | Dirk van Duijvenbode | 95.83 | 81 | 13 | 38.57% |
Woodhouse macht einen gewaltigen Sprung
Eine der größten Überraschungen der Analyse ist Luke Woodhouse. Der Engländer hat im August einen bemerkenswerten Leistungssprung hingelegt. Sein Average verbesserte sich um satte 4,69 Punkte auf 96,24. Damit lässt Woodhouse inzwischen einen großen Teil jener Spieler hinter sich, die in dieser Saison in der Premier League Darts vertreten waren.
Noch eindrucksvoller fällt seine Entwicklung bei der Leg-Effizienz aus. Woodhouse belegt derzeit den fünften Platz der OChE-Rangliste und gewinnt beeindruckende 87 Prozent seiner Legs innerhalb von maximal 18 Darts. Damit liegt er sogar vor Luke Humphries und nur knapp hinter Littler.
Auch seine jüngsten Ergebnisse bei den
Players Championships bestätigen diesen Aufwärtstrend. Bei seinen vergangenen drei Starts erreichte Woodhouse ausnahmslos mindestens das Viertelfinale. Seine aktuellen statistischen Werte deuten darauf hin, dass er gegen seine Gegner auf der Pro Tour rund 59 Prozent seiner Legs gewinnen kann.
Mit Blick auf die
Flanders Darts Trophy macht ihn das zu einem äußerst gefährlichen Außenseiter. Woodhouse besitzt zwar nicht die gleiche Strahlkraft wie Littler, Humphries oder Michael van Gerwen, seine Zahlen belegen jedoch eindrucksvoll, dass er derzeit zu den effizientesten Spielern auf dem gesamten Circuit gehört.
Luke Woodhouse befindet sich in beeindruckender Form. Seine starken Statistiken machen „Woody“ derzeit zu einem der effizientesten Spieler auf dem PDC-Circuit.
Clayton beweist: Der Average ist längst nicht alles
Einen besonders interessanten Fall innerhalb der Analyse stellt Jonny Clayton dar. Mit einem Average von 94,62 Punkten belegt der Waliser in diesem Bereich lediglich Rang 20 innerhalb der PDC – gleichzeitig ist er jedoch die Nummer eins, wenn es um die Finishing Efficiency geht.
Damit ist Clayton aktuell der einzige Spieler, der auf den Doppelfeldern noch effizienter agiert als Littler. Seine OChE-Bewertung verdeutlicht, dass seine Fähigkeit, Legs schnell zu beenden, erheblich stärker ausgeprägt ist, als es sein vergleichsweise unspektakulärer Average zunächst vermuten lässt.
Beeindruckende 41 Prozent seiner Legs entscheidet Clayton derzeit innerhalb von maximal 15 Darts für sich. Zum Vergleich: Im PDC-Durchschnitt liegt dieser Wert bei lediglich 29 Prozent. Clayton muss beim Scoring also keineswegs permanent für spektakuläre Zahlen sorgen, um seine Legs dennoch in beeindruckendem Tempo abzuschließen.
Auch bei hohen Finishes präsentiert sich der Waliser ausgesprochen gefährlich. Mittlerweile stehen für Clayton 17 Ton-plus-Checkouts zu Buche. Damit stellt er seine Gegner nicht nur bei klassischen Finishes wie 40 vor eine permanente Bedrohung, sondern kann auch Restwerte ab 140 Punkten mit drei Darts aus dem Board nehmen.
Bissell zeigt, wie entscheidend die Doppel sind
Tom Bissell liefert wiederum ein anschauliches Beispiel dafür, wie wichtig das Zusammenspiel der unterschiedlichen Bereiche im Darts ist. Die aktuelle Nummer 74 der Welt gehört beim reinen Scoring zur erweiterten Spitze.
Über seine vergangenen 100 Legs hat Bissell mehr als 80 Maximums geworfen. Auch sein Average von 95,67 Punkten kann sich sehen lassen. In der OChE-Wertung reicht es für ihn dennoch lediglich zu Platz 28.
Der Grund dafür liegt vor allem auf den Doppelfeldern. Mit einer Doppelquote von 34 Prozent belegt Bissell in dieser Kategorie lediglich Rang 89. Sein Beispiel macht deutlich, dass ein hoher Average allein nicht genügt, um dauerhaft Turniere zu gewinnen. Wer um die großen Titel spielen möchte, muss seine starken Scores am Ende auch konsequent auf den Doppeln veredeln.
OChE legt verborgene Stärken offen
Genau deshalb ist die OChE-Statistik so aufschlussreich. Sie erfasst nicht lediglich, welcher Spieler den höchsten Average erzielt, sondern bewertet, wie effizient das erzielte Scoring tatsächlich in gewonnene Legs umgewandelt wird.
Die Statistik berechnet, welchen Anteil seiner Legs ein Spieler voraussichtlich auf der Pro Tour gewinnt. Dabei fließen unter anderem die Checkout-Quoten nach vier, fünf, sechs und sieben Aufnahmen in die Berechnung ein.
Das erklärt, weshalb ein Spieler wie Clayton trotz seines vergleichsweise unspektakulären Averages derart weit vorne zu finden ist. Gleichzeitig verdeutlicht es, warum Bissell trotz seiner enormen Scoring-Power aufgrund seiner Schwankungen auf den Doppelfeldern wertvollen Boden einbüßt.
Mit Blick auf die Flanders Darts Trophy bleibt deshalb vor allem eine Erkenntnis bestehen: Luke Littler ist weiterhin der statistische Maßstab für den Rest der PDC. Seine Zahlen sind zwar etwas zurückgegangen, doch selbst auf diesem leicht gesunkenen Niveau ist der Weltmeister für beinahe die gesamte Konkurrenz nur äußerst schwer zu erreichen.
Die entscheidende Frage rund um die Flanders Darts Trophy lautet somit nicht ausschließlich, wer den höchsten Average spielt. Vielmehr wird es darauf ankommen, welcher Spieler Littlers außergewöhnlicher Effizienz am nächsten kommt. Littler selbst wird an diesem Wochenende allerdings nicht am Start sein. Seine Abwesenheit eröffnet der Konkurrenz damit eine umso größere Chance, sich den Titel auf der European Tour zu sichern.