DISKUSSION | Czech Darts Open 2026: Fans wollen Littler, Humphries, van Gerwen und Price – doch warum stört ihre Dominanz?

PDC
Montag, 07 September 2026 um 15:00
HumphriesLittlerVanGerwenPrice
Wird Darts zu vorhersehbar, und steckt der Sport in einem Dilemma? Am Wochenende machte die European Tour in Prag Station beim Czech Darts Open mit einem viel gelobten Finale zwischen Luke Littler und Luke Humphries. Doch ist es problematisch, dass das erste gemeinsame Auftreten des Führungsduos seit Monaten direkt zum Gewohnten führt, woran sich manche Fans sattgesehen haben?
Zudem war die European Tour in den vergangenen Monaten stark – vielleicht gerade, weil Topnamen verzichteten und es für Absagen kaum Konsequenzen gibt. Beispiel: Luke Littler hat in Deutschland nicht gespielt, außer wenn es unumgänglich war.
Mit der Klasse von Beau Greaves zeigt sich in der heutigen Debatte aber auch: Während das Urteil über die großen Stars noch aussteht, reichen die Geschichten deutlich weiter als bis zur Spitze der Darts-Pyramide.

Ergebnisse auf einen Blick - Czech Darts Open

Dritte Runde

Spieler 1 Ergebnis Spieler 2
Gerwyn Price 6-1 Cameron Menzies
Ross Smith 6-3 Gian van Veen
William O’Connor 6-5 Josh Rock
Luke Humphries 6-3 Andrew Gilding
Jonny Clayton 6-4 Keane Barry
Michael van Gerwen 6-4 Wessel Nijman
Danny Noppert 6-5 Luke Woodhouse
Luke Littler 6-3 Krzysztof Ratajski

Viertelfinale

Spieler 1 Ergebnis Spieler 2
Gerwyn Price 6-4 Ross Smith
Luke Humphries 6-3 William O’Connor
Michael van Gerwen 6-3 Jonny Clayton
Luke Littler 6-0 Danny Noppert

Halbfinale

Spieler 1 Ergebnis Spieler 2
Luke Humphries 7-4 Gerwyn Price
Luke Littler 7-3 Michael van Gerwen

Finale

Spieler 1 Ergebnis Spieler 2
Luke Littler 8-6 Luke Humphries

Darts-Dilemma – große Namen machen die European Tour fade und nehmen die Tour zu anderen Zeiten in Geiselhaft

Nicolas Gayer, Chefredakteur von DartsNews.DE, beleuchtet das Kernproblem der European Tour und das aktuelle Dilemma: Topstars lassen Turniere aus, das Qualifikationssystem ermüdet – und wenn sie spielen, wirkt es oft eintönig.
Meiner Ansicht nach hat das Czech Darts Open 2026 das Dilemma, vor dem viele Darts-Fans – und vielleicht der Sport insgesamt – stehen, exemplarisch aufgezeigt.
In dieser Saison ist es fast zur Norm geworden, dass European-Tour-Events ohne eine ganze Reihe der weltbesten Spieler stattfinden. Wieder und wieder ziehen sich die größten Namen zurück, um einen zunehmend fordernden Spielplan zu steuern.
Manche Fans kritisieren, dass die Abwesenheit der Superstars den Wert der Events mindert. Andere begrüßen die Abwechslung und die Chance, neue Gesichter in den späten Turnierphasen zu sehen. Gleichzeitig ist ein beträchtlicher Teil der Darts-Community grundsätzlich unzufrieden mit dem Qualifikationssystem der European Tour – unabhängig davon, wer am Ende antritt.
Luke Littler gegen Luke Humphries
Littler gegen Humphries – schon wieder?!
Das Czech Darts Open 2026 spiegelte diese Debatte perfekt wider. In den sozialen Medien wurde deutlich: Es gibt spürbare Frustration in der Szene. Einige freuten sich über ein glanzvolles Halbfinale mit den Weltmeistern Luke Littler, Luke Humphries, Michael van Gerwen und Gerwyn Price, andere ärgerten sich über die Vorhersehbarkeit.
Nach diesem Wochenende in Prag dürfte es jedoch einen Konsens geben: Sportlich hat das Event abgeliefert. Es gab zahlreiche Partien auf herausragendem Niveau, und mehrere der größten Namen scheinen pünktlich zu den entscheidenden Monaten des Jahres ihre Form zu finden.

„Habe Littler gegen Humphries öfter gesehen als manche Familienmitglieder“

Samuel Gill, Chefredakteur von DartsNews.com, stimmt Nicolas bei den großen Namen zu.
„Ich stimme Nicolas’ Einschätzung zu den Topstars zu. Für mich ist die European Tour am besten, wenn wir Geschichten wie letzte Woche mit Ross Smith und Gary Anderson haben (beide große Namen, aber keine, die Turniere schwänzen).
„Klar ist es großartig, Littler und Co. wieder zu sehen, aber Darts braucht eine grundlegende Veränderung. Ob das die European Tour betrifft, wo manche aus unerfindlichen Gründen einen Seiteneinstieg bekommen und dann nicht spielen, bis hin zur World Series oder Premier League.“
„Wenn man wie ich das ganze Jahr über über Darts berichtet, habe ich Littler gegen Humphries dieses Jahr öfter gesehen als zeitweise Familienmitglieder. Es ist kein reizvolles Duell mehr, und oft gewinnt ohnehin Littler. Also, auch wenn es von einer bestimmten Gruppe gefeiert wird, zeigt es, dass sie entweder gezwungen werden müssen zu spielen oder wir etwas anderes brauchen. Das Event hat zwar geliefert, ist aber vielleicht auch ein echter Gradmesser dafür, wo der Sport steht: gleichzeitig omnipräsent und etwas abgestanden.“

Eine andere Sicht auf Luke Littlers „erfrischende“ Rückkehr

Pieter Verbeek, Redakteur bei DartsNieuws.com, sieht es anders und fand es erfrischend, die großen Namen wieder zu sehen.
„Es war definitiv erfrischend, ausnahmsweise nahezu alle größten Namen der Welt auf der European Tour wieder in Aktion zu sehen. Und, der Fairness halber, fast alle wurden den Erwartungen gerecht. Luke Littler, Michael van Gerwen, Luke Humphries und Gerwyn Price als Halbfinalisten — das hätte auch bei der Weltmeisterschaft nicht fehl am Platz gewirkt.
„Für Van Gerwen war das Erreichen des Halbfinals besonders willkommen. Nach dem harten Duell gegen Mario Vandenbogaerde zeigte ‚Mighty Mike‘ starke Auftritte gegen Wessel Nijman und Jonny Clayton, auch wenn sein Niveau im Halbfinale gegen Luke Littler mit einem average von nur 83 deutlich abfiel. Nichtsdestotrotz sollte ein Lauf unter die letzten Vier Van Gerwen Selbstvertrauen für den entscheidenden Herbst geben, zumal der Niederländer insbesondere bei der World Darts Championship eine Menge Preisgeld zu verteidigen hat.
„Am Ende war es niemand Geringerer als Littler, der in Prag die Trophäe in die Höhe stemmte. Es war erst sein dritter European-Tour-Auftritt der Saison, und doch hat er 2026 nach seinem früheren Triumph in Polen bereits zwei European-Tour-Titel eingesammelt. Ein weiteres Indiz, dass ‚The Nuke‘ in diesem Jahr längst nicht satt ist, was Silberware angeht.“
Mats Leering, Redakteur bei DartsNieuws.com, sah es ebenfalls positiv, da in Prag ein außergewöhnlich starkes Feld zusammenkam.
„Wie prognostiziert, brachte Luke Littlers Rückkehr auf die European Tour sofort wieder ein Finale der beiden Lukes, mit dem amtierenden Weltmeister, der wie erwartet erneut die Oberhand behielt.
„Das Turnier insgesamt wurde jedoch auf außergewöhnlich hohem Niveau gespielt, nicht zuletzt dank der Fülle an Topnamen im Feld. Michael van Gerwen legte zudem einen dringend benötigten Deep Run hin, mit überzeugenden Siegen über Wessel Nijman und Jonny Clayton, ehe Littler im Halbfinale seine Serie stoppte.
„Beau Greaves schrieb ebenfalls Geschichte und wurde die erste Frau, die je ein Match auf der European Tour gewann. Ihr Lauf endete in Runde zwei gegen Luke Humphries, doch mit einem average nahe 100 zeigte sie erneut, dass sie mit den Allerbesten absolut mithalten kann.“

Der Samstagabend war im Grunde eine aufgewertete World Series

Lucas Michael, Redakteur bei DartsNews.com, sah neben den beiden Lukes weitere Schlagzeilen und kam ebenfalls zum Schluss, dass Humphries wieder gewonnen hätte, wenn nicht Littler da wäre.
„Jeder Topspieler außer James Wade trat bei den Czech Darts Open an. Es war nur logisch, dass das Finale zwischen Luke Littler und Luke Humphries ausgetragen wurde, die beide zufällig vor dem ersten Dart jeweils 29 PDC-Titel hatten. Offensichtlich änderte sich das zugunsten des zweifachen Weltmeisters, dessen sensationelle Form anhält.
„Ohne Littler wäre Humphries mit der Fülle an Erfolgen in dieser Stadt wohl zum König von Prag gekrönt worden. Doch seine Schwierigkeiten, ‚The Nuke‘ auf der großen Bühne zu schlagen, traten erneut zutage. Er mag der Beste vom Rest sein, aber wenn Littler dabei ist, endet das meist mit dem Runner-up-Pokal.
„Im Finale lagen ihre averages praktisch gleichauf, mal 88, mal 94. Trotz der Parität zeigte die Anzeige eine Littler-Führung. Schlechte Nachrichten für Humphries, der in Bestform Littler auf Augenhöhe begegnen kann. Allerdings spielt er sein bestes Niveau vielleicht in jedem zweiten oder dritten Spiel. Bei Littler sind es sieben oder acht. Und das liegt womöglich daran, dass ein 108-average bei Littler schon die B-Variante ist?
„Abseits der beiden Lukes gab es viele starke Geschichten. Michael van Gerwens Form ist ein Münzwurf. Mal gut, mal nicht. Selbst ein Vintage-van Gerwen wäre beeindruckt, mit einem 83-average im Halbfinale gegen Littler drei legs zu holen. Die Konstanz der letzten Jahre war schlicht zu schwach. Grandiose Höhen werden überwiegend von katastrophalen Tiefen begleitet. Immerhin reichte das Halbfinale, um ihn vorläufig für das World Matchplay 2027 in Position zu bringen. Das kann sich mit einem tiefen Lauf im Ally Pally ändern, doch angesichts der bevorstehenden dichten Phase gibt es berechtigte Sorgen um ‚The Green Machine‘.
„Der Samstagabend war im Grunde eine aufgewertete World Series. Acht Premier-League-Darts-Spieler gegen jede Menge immense Talente. Es war ein köstlicher Darts-Abend, der die Popularität dieses Events unterstreicht. Humphries sagte nach der Finalniederlage, dass er nächstes Jahr zurückkehren werde, und das dürfte für viele der Besten der Welt gelten. Die European Tour ist aus einer bestimmten Perspektive fraglos die Spitze des Darts, und so sehr es Vorteile hat, wenn die großen Namen fehlen, ist es doch deutlich besser, wenn sie erscheinen.
Beau Greaves (3)
Beau Greaves lieferte erneut ein starkes Wochenende ab.
„Allerdings scheint Littler bis Dortmund zu pausieren. Damit öffnet sich für nahezu alle die Tür, in den nächsten Turnieren in Antwerpen, Basel und Maastricht einen Titel zu holen und Boden gutzumachen. Die European Championship findet vom 22.10.2026 bis 25.10.2026 statt, und einige Topspieler sind noch nicht sicher qualifiziert. Gary Anderson könnte nach einem frühen Aus in Prag den Stecker ziehen. Doch der große Name ist Stephen Bunting. Er war der einzige Premier-League-Spieler, der an jenem Samstagabend nicht gewann, und seine Form ist bedenklich. Er hat dieses Jahr auf der European Tour nur sechs Matches gewonnen und nur zwei Events ausgelassen. Zweifel gibt es keine: Bunting gehört zu den besten Spielern der Welt, aber 2026 ist schlicht nicht sein Jahr.
„Ein Schlusswort gilt Beau Greaves. Die Wegbereiterin wird mit ihrem Durchbruchsevent auf der European Tour die nächste Generation von Dartspielerinnen weiter inspirieren. Es wird nicht lange dauern, bis sie bei all diesen Turnieren dabei ist und eine Trophäe über dem Kopf hält. Ihre Auslosungen in den ersten beiden Events waren nicht gnädig, aber die Leistungen waren faszinierend. Gebt ihr weiter Chancen, und sie wird eine davon nutzen. Hier steht eine ernsthafte Dartmacht in den Startlöchern, und der Sport wird besser sein, wenn sie explodiert.“
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