„Hätte ich das früher gewusst, wäre mein Leidensweg wahrscheinlich deutlich kürzer gewesen“ – Jules van Dongen arbeitet mit einem Neurologen zusammen, um Dartitis zu behandeln
PDCJules van Dongen erlebt derzeit die wohl schwerste Phase seiner Karriere. Seit Monaten kämpft der US-Niederländer mit Darteritus – einer Störung, die ihn daran hindert, seine Pfeile kontrolliert loszulassen. Die Situation wurde so schlimm, dass der 35-Jährige nun umdenken musste: Er wirft inzwischen mit der linken Hand, weil der rechte Arm den Wurf schlicht verweigert. Eine radikale Entscheidung, die seinen sportlichen Neuanfang bedeutet – auf einem Niveau, das weit unter seinen gewohnten Averages liegt.
Erstmals machten sich die Symptome im vergangenen Jahr bemerkbar. „Es ist wie ein Kurzschluss in der Hand“, beschreibt van Dongen das Gefühl im Gespräch mit dem niederländischen AD. Bei seinem ersten Match nach dem Ausbruch – der UK Open 2025 – reiste er dennoch entschlossen nach England, wollte sich nicht unterkriegen lassen. Doch schon nach wenigen Minuten brach er ein. „Ich spielte mit Tränen in den Augen“, erinnert sich van Dongen. Er verlor die Partie mit 0:6, erzielte einen Average von 61,11 Punkten und spürte dabei jede Sekunde das Unwohlsein der Zuschauer. „Ich senkte den Kopf und versuchte, durchzuhalten. Aber es war furchtbar.“
Ein neuer Anfang – mit der linken Hand
Nach dieser Enttäuschung erlitt van Dongen eine Panikattacke – ein Moment, der ihm zeigte, wie sehr die Krankheit auch mental zusetzt. Die PDC-Ärzte griffen ein, und van Dongen legte die Pfeile für vier Monate beiseite. „Ich hätte mir mehr Unterstützung von der PDC gewünscht. Wenn jemand wie Michael van Gerwen betroffen wäre, sähe das ganz anders aus“, kritisiert der Spieler offen.
Van Dongen entschied sich nach einem langen Kampf mit Darteritus kürzlich dazu, linkshändig zu werfen.
Doch an Aufgeben dachte van Dongen nie. Stattdessen wagte er den Neuanfang – mit links. „Mit diesem Arm werfe ich immerhin flüssig“, sagt er mit einem gequälten Lachen. Fortschritte kosten dennoch Geduld: „Das Talent steckt nun mal in der rechten Hand.“ Während er technisch komplett bei Null anfangen muss, wächst in ihm zugleich die Überzeugung, dass Darteritus mehr Aufmerksamkeit verdient. Auch große Namen wie Nathan Aspinall, Gian van Veen oder Phil Taylor kämpften in ihrer Karriere zeitweise mit ähnlichen Symptomen.
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Seinen eigenen Kampf führte van Dongen mit offenen Karten. Er suchte Hilfe – bei Psychologen, Physiotherapeuten, Handspezialisten und sogar Hypnose-Experten. „Ich ließ ein MRT meiner Halswirbelsäule machen und probierte Akupunktur. Nichts half“, berichtet er. „Keiner dieser Spezialisten kam auf die Idee, mir einen Neurologen zu empfehlen.“
Auf der Suche nach der Ursache
Heute weiß van Dongen mehr. In den Niederlanden arbeitet er mit dem Neurologen Erik van Wensen zusammen, einem Experten für Bewegungsstörungen im Sport. Van Wensen forscht über sogenannte Yips, eine plötzliche, unwillkürliche Muskelanspannung – ursprünglich aus dem Golf bekannt. Dabei handelt es sich um eine aufgabenspezifische Dystonie: eine Störung, die nur bei bestimmten Bewegungen wie dem Loslassen eines Dartpfeils auftritt.
„Dystonie ist eine falsche Muskelanspannung“, erklärt van Wensen. „Das Gehirn versucht, eine Bewegung auszuführen, doch mehrere Muskeln spannen gleichzeitig an, obwohl sie das nicht sollten.“ Die Folge sei eine Verkrampfung, die den Wurf blockiert. Bei van Dongen sei diese Verkrampfung in der rechten Hand deutlich sichtbar. „Mit seiner scheinbar ‚weniger talentierten‘ linken Hand wirft er im Moment sogar schöner“, sagt der Neurologe mit einem Schmunzeln.
Dass Darteritus rein psychischer Natur sei, hält van Wensen für falsch. „Es ist ein neurologisches Problem, keine Kopfsache. Die Psyche spielt eine Rolle, aber sie ist nicht die Ursache“, betont er. Trotzdem bleibt das Phänomen wissenschaftlich weitgehend unerforscht – und wird in der Dartszene häufig tabuisiert. „Viele Spieler reden nicht darüber, weil sie Angst haben, selbst betroffen zu sein“, sagt van Dongen. „Einer meinte sogar, er wolle gar nicht darüber nachdenken – sonst kriegt er es am Ende selbst.“
„Das muss raus aus der Tabuzone“
Van Wensen kann darüber nur den Kopf schütteln. „Das ist Aberglaube. Als wäre es ein Virus, das überspringt. Dabei braucht die Szene das genaue Gegenteil: Transparenz.“ Für van Dongen ist dieses Umdenken längst überfällig. Er wünscht sich, dass betroffene Spieler künftig schneller medizinische Hilfe suchen. „Hätte ich das früher gewusst, wäre mein Leidensweg wahrscheinlich deutlich kürzer gewesen.“
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Theo StodiekRedakteur
Theo ist seit 2025 Teil der Redaktion von Dartsnews.de und berichtet dort über den professionellen Dartsport. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf der Erstellung von Liveblogs zu großen Turnieren und wichtigen Ereignissen, darunter die European Tour und die PDC World Darts Championship (WM). Dabei begleitet er das Geschehen in Echtzeit und ordnet Ergebnisse, Spielverläufe und Entwicklungen fortlaufend ein. Darüber hinaus schreibt er aktuelle Berichte und Hintergrundtexte rund um die internationale Darts-Szene.
Seine journalistische Laufbahn begann Theo als Praktikant und später als Werkstudent beim Online-Gaming-Magazin EarlyGame. Aktuell studiert er Ressortjournalismus an einer Hochschule. Theo arbeitet aus München und ist in seiner redaktionellen Arbeit eng mit Nicolas Gayer und Oliver Ried vernetzt. In seiner Berichterstattung legt er Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, klare Einordnung und die zeitnahe Aktualisierung von Inhalten, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.
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Aktuelle Kommentare
- Keiner der Spieler darf sich über Pfiffe oder nicht vorhandenen Respekt beschweren. Ich war Donnerstag, Freitag, Samstagabend und Sonntagnachmittag vor Ort. Es war immer ein sehr faires Publikum. Und wenn Littler und seine Mutter jetzt auch noch respektvoll mit anderen Spielern umgehen, sollte den Aussagen von Littler nichts im Wege stehen.
Grobi25-10-2026 - Sorry, Mensur, zu spät. Wer solche Aussagen in tiefer Emotionalität äußert, der meint diese ernst. Denn das rationale Denken funktioniert in solchen (positiven) Stressmomenten seltens. Und wenn die Wahrnehmung so eingeschränkt ist, dass ich als Profispieler nicht mitbekomme, dass mein Gegner Matchdarts hat, dann stimmt in der Wahrnehmung etwas nicht. Also sorry, Mensur. Entschuldigung nicht angenommen, zumindest von mir. Und was vom Inhalt seines Statement ist mit KI geschrieben? Steht ganz oben. NI wäre hier angebracht gewesen.
Grobi12-10-2026 - Weiß man ob es die rechte oder linke Hand ist? In jedem Fall extrem bitter….Robertuil09-10-2026
- Ricke Evans ist Stand jetzt für die WM qualifiziert. Quelle: Dartsrankings In der ProTour Rangliste werden die Personen rausgerechnet, die bereits qualifiziert sind. Das hat der Autor hier nicht berücksichtigt.FabianD24-09-2026
- Aspinall lag 1:3 hinten , nicht 1:4 🎯Pool1809419-09-2026
- Was ein toller Mensch er doch gewesen ist. Der deutsche Dartsport wäre ohne ihn lange nicht da, wo er heute wäre. Super Artikel 👍ArturBoruc24-08-2026
- Und wer ist jetzt für Amsterdam qualifiziert?Julian1122-08-2026
- Er hat keinen Bock auf Deutschland und findet es hier schrecklich, weil er (zwei-)mal bei einem oder zwei Turnieren von einigen "Dartfans" ausgepfiffen wurde. Das mochte er nicht und deswegen bleibt es Deutschland fern. Ausnahme war der World Cup, da siegte sein Patriotismus und der Ehrgeiz, einmal alles gewonnen zu haben. Er hat es auch mal selbst so geschrieben bzw gesagt, dass er Deutschland (gemeint sind wahrscheinlich Turniere in Deutschland) schrecklich findet.
Grobi18-08-2026 - Danke für den ausführlichen Bericht über Jamie. Generell finde ich es klasse das du dich "fast vergessenen Spielern" annimmst. Wäre grundsätzlich bei Dartnews ein interessantes Dauerthema.XJRLion18-08-2026
- „Littler findet Deutschland einfach ein schreckliches Land“Reißerische Überschrift, aber Gründe lieferst du leider keine. Klar kann man verstehen das einige Topspieler, wie kürzlich Gary Anderson, sagten das er "keinen Bock darauf habe" mehrere Std. am Flughafen zu stehen bis es aufgrund aller Kontrollen weitergeht. Doch erklär uns, gerade aufgrund deiner Überschrift, bitte warum Luke scheinbar grundsätzlich keinen Bock auf Deutschland hat.XJRLion18-08-2026








