Stephen Bunting meldete sich nach seiner knappen Niederlage gegen
Niko Springer bei der
European Darts Trophy in Göttingen zu Wort und berichtete von einem besonders unangenehmen Erlebnis: Wiederholte Pfiffe aus einem kleinen Teil des Publikums hätten ihn während der Partie stark getroffen. Der Engländer unterlag dem Deutschen am Samstagabend in einem dramatischen Entscheidungsleg mit 5:6 – doch schnell rückte das sportliche Ergebnis in den Hintergrund.
Die Kontroverse begann bereits während des Spiels, als Schiedsrichter Huw Ware mehrfach eingreifen musste, um die Zuschauer zu ermahnen. Auch
Stage-MC Philip Brzezinski äußerte sich im Anschluss kritisch zum Verhalten einzelner Fans. Springer selbst zeigte sich betroffen und gestand, dass er sich „ein bisschen geschämt“ habe für die Art, wie sein Gegner behandelt wurde.
Bunting zeigt, wie sehr ihn der Moment getroffen hat
Auf Instagram schilderte Bunting nach dem Match seine Sicht der Dinge ausführlich. „Gerade im Hotel angekommen nach meiner Niederlage heute Abend gegen Niko Springer“, begann er seinen Post. „Zunächst möchte ich Niko gratulieren, er hat ein starkes Spiel gemacht und den Sieg verdient.“ Gleichzeitig betonte er die Herausforderung, die der Turnierauftritt in Göttingen mit sich brachte. „Wir sind am Freitagmorgen um 7:30 Uhr aus Nottingham nach der Premier-League-Nacht aufgebrochen und später am Tag in Göttingen angekommen.“
Bunting ist normalerweise vor allem in Deutschland ein Publikumsliebling
Für Bunting war es jedoch nicht die Niederlage selbst, die ihn beschäftigte. „Ich beschwere mich nie über Niederlagen oder heule ihnen hinterher, aber heute Abend fühle ich mich wirklich verletzt, auch wenn es nur eine kleine Minderheit war.“ Besonders störend empfand er die Pfiffe in entscheidenden Spielmomenten: „In wichtigen Phasen eines Spiels zu buhen und zu pfeifen, ist nicht akzeptabel, und wenn ihr das machen wollt, dann geht zu einem Fußballspiel.“
Trotz der Kritik an der Zuschauersituation stellte Bunting klar, dass seine Aussagen nicht Niko Springer betreffen. „Nichts gegen Niko Springer“, schrieb er. „Er hat ein großartiges Match gespielt, aber das Pfeifen hat die Partie beeinträchtigt.“
Publikumskultur in Deutschland unter Beobachtung
Buntings Kritik wirft ein Schlaglicht auf ein bekanntes Spannungsfeld bei der PDC
European Tour: Die deutsche Fangemeinde ist leidenschaftlich, laut und mitunter extrem engagiert, was die Turniere europaweit auszeichnet. Gleichzeitig kann die Intensität in Einzelfällen in störendes Verhalten umschlagen. Der Post des Engländers verdeutlicht, warum einige Spieler Turniere in Deutschland inzwischen zögerlich ansteuern. Mit den Worten „Ich verstehe, warum Spieler nicht hierher reisen“ äußert sich Bunting auf Instagram weiter.
Bereits Luke Littler hat in der Vergangenheit von feindseligen Empfängen durch deutsche Zuschauer berichtet, und auch an diesem Wochenende fehlten in Göttingen mehrere Topspieler wie Luke Humphries oder Nathan Aspinall. Das Match zwischen Bunting und Springer zeigt exemplarisch, wie ein einzelner Teil des Publikums ein Spiel beeinflussen kann, selbst wenn die Mehrheit der Zuschauer die für Darts typische energiegeladene Atmosphäre erzeugt.
Für Bunting war es weniger die knappe Niederlage, sondern das Gefühl, dass externe Faktoren den Wettkampf beeinflussten, die ihn belasteten. Trotz der Frustration bedankte er sich ausdrücklich bei seinen Fans: „Danke an alle, die mich Woche für Woche unterstützen.“
Das Geschehen in Göttingen verdeutlicht, wie sensibel Darts-Profis auf die Stimmung der Arena reagieren. Ein paar Pfiffe in entscheidenden Momenten können den Eindruck einer Partie verändern und die Leistung der Spieler beeinflussen – auch wenn der sportliche Ausgang fair erkämpft wurde. Bunting appelliert damit nicht nur an den Respekt im Publikum, sondern auch an die Fans, den besonderen Charakter des Darts zu wahren.
Der Vorfall dürfte in der Szene weiter diskutiert werden, vor allem angesichts der deutschen Turnierbesuche, die trotz leidenschaftlicher Fans immer wieder zu kritischen Stimmen führen. Für Bunting bleibt die Botschaft klar: Leidenschaft ja, Beeinträchtigung nein.