Vincent van der Voort hat in seiner Karriere viele Geschichten gesammelt – am und neben dem Dartboard. Im Podcast Darts Draait Door sprach der Niederländer über seinen wohl kürzesten Job überhaupt, diskutierte mit Wesley Plaisier über die Spieler knapp unter der absoluten Weltspitze und erinnerte sich an einige der chaotischsten Turniere, die beide je erlebt haben.
Dabei wurde schnell deutlich: Ob skurrile Anekdoten aus dem Berufsleben oder kuriose Erlebnisse auf der Tour – an unterhaltsamen Geschichten mangelt es dem Ex-Profi nicht.
Der kürzeste Job seines Lebens
Auf die Frage, welchen Beruf er gewählt hätte, wenn es mit dem Dartsport nicht geklappt hätte, verrät van der Voort zunächst, dass er einst ein Studium der Betriebswirtschaftslehre begonnen hatte. Einen Abschluss machte er allerdings nie.
Vincent van der Voort blickt mit viel Humor auf kuriose Erlebnisse abseits des Oches zurück – darunter sein kürzester Job überhaupt und mehrere chaotische Turniere.
„Ich habe an einer Fachhochschule BWL gemacht, aber das habe ich nicht ganz beendet. Weil ich im Darts immer weiterkam, habe ich es ehrlich gesagt etwas schleifen lassen.“
Falls er heute noch einmal neu wählen müsste, wäre seine Antwort eindeutig.
„Profigolfer“, sagt er lachend. „Auf jeden Fall irgendetwas im Sport. Ich bin ein absoluter Sportfreak, also würde ich immer etwas im Sport machen wollen.“
Deutlich weniger erfolgreich verlief dagegen sein kurzer Ausflug in den Einzelhandel. Van der Voort arbeitete einmal in einem Supermarkt – allerdings gerade einmal drei Stunden.
„Ja, drei Stunden. Dann wurde ich weggeschickt. Das war kein Erfolg.“ Der Grund dafür war eine Meinungsverschiedenheit mit einem Vorgesetzten beim Einräumen der Regale.
„Ich war dabei, die Produkte einzuräumen, da kam ein Mann im Anzug auf mich zu. Er sagte: ‚Das geht auch mit zwei Händen.‘ Daraufhin sagte ich: ‚Wenn du’s besser kannst, dann mach’s doch selbst.‘“
Kurz darauf war sein Arbeitstag auch schon beendet. „Ich musste ins Büro kommen. Er fand meine Reaktion nicht normal. Ich reagierte dann auch nicht ganz so, wie er es erwartet hatte, also sagte er: ‚Sollen wir’s besser beenden.‘ Das war in Ordnung.“
Wer gehört eigentlich zur Weltspitze?
Eine Zuschauerfrage sorgte anschließend für eine lebhafte Diskussion. Gesucht war der beste Dartspieler aller Zeiten, der knapp unter der absoluten Weltspitze einzuordnen ist.
Für van der Voort beginnt die Schwierigkeit bereits bei der Definition. „Für mich sind Luke Littler und Luke Humphries im Moment die absolute Weltspitze.“
Nach kurzer Überlegung fällt seine Wahl schließlich auf Danny Noppert. „Dann kommt man eigentlich bei dem Spieler heraus, bei dem ich Vorsitzender des Fanclubs bin: Noppert. Der liegt knapp unter der Weltspitze, ist aber immer dabei.“
Danny Noppert ist für Vincent van der Voort der beste Dartspieler, der knapp unter der absoluten Weltspitze anzusiedeln ist.
Wesley Plaisier bringt daraufhin Jonny Clayton ins Gespräch, hält den Waliser allerdings selbst längst für einen Weltklassespieler. „Ich finde, Clayton ist schlicht Weltspitze.“
Das sorgt für Gelächter. Van der Voort kontert mit einem Augenzwinkern. „Wer legt eigentlich fest, was Weltspitze ist? Ich dachte, ich dürfte die Regeln bestimmen.“
Am Ende schließt sich Plaisier der Einschätzung seines Podcast-Kollegen weitgehend an. „Ich finde es schwierig, aber dann würde ich tatsächlich auch mit Noppert gehen.“
Darts unter freiem Himmel? Für van der Voort unvorstellbar
Auch nach dem amateurhaftesten Turnier ihrer Karriere wurden die beiden gefragt. Für van der Voort gab es darauf eine klare Antwort.
„Ich musste einmal ein Turnier draußen spielen. Das war völlig absurd.“
Vor allem der Wind machte aus seiner Sicht einen fairen Wettkampf unmöglich.
„Der Glücklichere hat einfach gewonnen. Anders ging es nicht. Am Ende haben wir einfach einen netten Tag daraus gemacht, aber draußen darten geht wirklich gar nicht.“
Plaisier erinnert sich an das Chaos bei den World Masters
Wesley Plaisier entschied sich dagegen für die World Masters 2017 – ein Turnier, das ihm vor allem wegen der aus seiner Sicht chaotischen Organisation in Erinnerung geblieben ist. Bereits bei der Auslosung lief einiges schief.
„Sie hatten die Auslosung im Voraus gemacht, aber da standen Spieler drin, die gar nicht mitspielten. Andere Spieler standen sogar zweimal drin.“
Nach einer neuen Auslosung setzte sich das Chaos fort. „Sie riefen alle Matches über die Lautsprecher aus, aber in einem Teil der Halle gab es überhaupt keinen Lautsprecher. Ich stand gerade etwas zu trinken bestellen und hörte daher nicht, dass ich aufgerufen wurde.“
Als schließlich doch noch jemand nach ihm suchte, war es beinahe zu spät. „Ich rannte zur Bühne, aber unterwegs hörte ich schon: ‚Wesley Plaisier, eliminiert.‘ Das würde mir wirklich nicht passieren.“
Plaisier suchte umgehend das Gespräch mit der Turnierleitung. „Ich sagte: ‚I’m going to play.‘ Aber sie sagten nur: ‚No, no, eliminated.‘“
Auch über den damaligen NDB-Vorsitzenden Patrick Stolk versuchte er noch, eine Lösung zu erreichen. „Ich sagte: ‚Wenn ich kein Match mehr spiele, spielt niemand mehr. Dann reiße ich alle Boards ab.‘ Ich bin völlig ausgerastet.“
Seinen Frust ließ er anschließend draußen an einem Stuhl aus, ehe Paula Jacklin eingriff. „Sie sagte: ‚I’m going to help you. But if you ever throw a chair again, you’re never going to play a WDF tournament in your life.‘“
Plaisier wusste damals allerdings gar nicht, mit wem er sprach. „Das Einzige, was ich sagte, war: ‚Who are you?‘“
Auch die Danish Open bleiben in schlechter Erinnerung
Zum Abschluss erinnerte sich van der Voort an ein weiteres kurios organisiertes Turnier: die Danish Open.
„Bei den Danish Open hatten sie die Setzliste nur für eine Hälfte des Tableaus angewendet. In der anderen Hälfte saßen ausschließlich dänische Spieler.“
Das hatte aus seiner Sicht erhebliche Auswirkungen auf den Turnierverlauf. „Dann hattest du alle Gesetzten gegeneinander und auf der anderen Seite nur Dänen. Das stimmt natürlich auch nicht.“
Nic Gayer ist seit 2022 im Journalismus tätig und begann seine Laufbahn als freier Redakteur im Lokaljournalismus für eine Tageszeitung. Heute berichtet er für Dartsnews.de über den professionellen Dartsport und ordnet das aktuelle Geschehen ein – von großen Turnieren bis zu Entwicklungen abseits der Bühne.
Regelmäßig ist er bei Events vor Ort und begleitet rund 20 Turniere pro Jahr, wo er Interviews führt, unter anderem mit Luke Littler, Luke Humphries, Michael van Gerwen, Gerwyn Price sowie Martin Schindler, Gian van Veen und Josh Rock.
Zudem ist er eine der prägenden Stimmen im englischsprachigen Dartsnews Podcast und Co-Host des Sport-Podcasts Overtime Takes.
Nic arbeitet aus der Nähe von München und steht kurz vor dem Abschluss als Bachelor of Arts in Sportjournalismus.
In seiner Berichterstattung legt er großen Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, präzise Einordnung und aktualisiert Inhalte, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.