Mark Webster glaubt nicht, dass sich
Luke Littler wegen der anhaltenden Probleme mit dem Publikum aus dem Darts zurückziehen lässt. Der Sky-Sports-Analyst meint, der 19-jährige Engländer sei vor allem von seiner Behandlung bei den
World Series of Darts Finals in Amsterdam getroffen worden. Laut Webster versucht die PDC unterdessen, das Pfeifen während der Matches einzudämmen. Er glaubt aber nicht daran, dass die Buhrufe gänzlich aus dem Sport verschwinden werden.
Littler erlebte ein ereignisreiches Wochenende in den Niederlanden. In der ersten Runde bezwang Littler den Lokalmatadoren Danny Noppert mit 6:4. Auch gegen Nathan Aspinall in Runde 2 wurde es eng. Im Decider spielte der Engländer einen 12-Darter und entschied das Spiel so zu seinen Gunsten. Am Sonntagnachmittag musste er dann seine Träume vom Clean Sweep beerdigen. Gegen die Nummer fünf der Welt,
Jonny Clayton, spielte Littler einen ungewöhnlichen 96er Average und unterlag mit 4:10.
Traum vom "Clean Sweep" geplatzt
Somit endete Littlers Plan, 2026 alle Majorturniere der PDC zu gewinnen. Bis dato war er bei allen großen TV-Turnieren erfolgreich gewesen: Er gewann sowohl das World Masters als auch die UK Open, triumphierte bei der Premier League und dem World Matchplay und gewann an der Seite von Luke Humphries zum ersten Mal den World Cup of Darts. Auch die WM, die zwar größtenteils in 2025 gespielt wurde, zählt als Erfolg dieses Jahres.
Bei den World Series Finals siegte Jonny Clayton im Viertelfinale mit 10:4 gegen Luke Littler.
Somit war die Viertelfinalniederlage bei den World Series Finals für Littler das erste verlorene Spiel bei einem Major-Turnier seit Oktober 2025. Bei den European Championship verlor "The Nuke" in Runde 2 gegen
James Wade.
Die Niederlage war im Nachgang jedoch nicht das Hauptthema. Littler hatte das ganze Wochenende über mit einer feindseligen Atmosphäre von den Rängen zu kämpfen. Gegen Danny Noppert stand das Publikum klar hinter dem Niederländer, einen Tag später gegen Nathan Aspinall wurde es erneut unruhig. Schiedsrichter Charlie Corstorphine musste in dieser Partie wegen des Pfeifens sogar eingreifen.
Littler drohte anschließend, künftig Turniere in den Niederlanden zu meiden. Webster rechnet jedoch nicht damit, dass der Engländer noch weiter geht. „Nein, ich glaube nicht, dass er sich deshalb vom Sport abwendet“, sagt der ehemalige Weltmeister
im Gespräch mit Sky Sports. „Er war offenkundig sehr enttäuscht über die Art und Weise, wie er am vergangenen Wochenende in den Niederlanden behandelt wurde. Aber gegen einige Gegner, auf die er traf, wie den Publikumsliebling Danny Noppert, konnte man erwarten, dass es in der Halle schwer wird.“
PDC will das Pfeifen abstellen
Webster unterscheidet dabei klar zwischen Buhrufen und Pfeifen in dem Moment, in dem ein Spieler zum Wurf ansetzt. „Ich sage nicht, dass es gut ist. Beim Pfeifen weiß ich, dass sie versuchen, es aus dem Sport zu bekommen. Die Buhrufe werden sie nicht stoppen können, aber dieses Pfeifen ist derzeit für viele Spieler ein großer Ärger. Die PDC versucht, das loszuwerden.“
Laut Webster wird hinter den Kulissen nach Lösungen gesucht, um das Problem anzugehen. „Ich habe mit ein paar Sicherheitsleuten gesprochen, die im Publikum mit verschiedenen Maßnahmen experimentieren. Aber für Luke Littler wurde es an diesem Wochenende offensichtlich zu viel.“
Der Experte glaubt, dass Littler mit seiner deutlichen Reaktion das Thema zusätzlich ins Rampenlicht gerückt hat. „Er sagte nach seinen Spielen, dass er mit der Behandlung, die er bekam, nicht einverstanden war. Ich sage es ungern, aber viel von den Buhrufen gehört heutzutage zur Sportart. Indem er darüber gesprochen hat, hat er es auch ein Stück weit selbst in den Fokus gerückt.“
Pfeifen während eines Wurfs ist laut Webster ein anderes Kaliber. „Dieses Pfeifen ist nervig. Es ist ein schrillerer Ton, wenn Spieler werfen, und kann sie aus der Konzentration bringen. Mit konstanten Buhrufen können Spieler meiner Meinung nach besser umgehen. Luke hat das in der Vergangenheit auch getan, und ich bin sicher, dass er damit klarkommt.“
Der ehemalige BDO-Weltmeister Mark Webster ist seit einiger Zeit als TV-Experte aktiv.
Boykott muss Littlers Programm nicht beeinträchtigen
Webster würde es nicht überraschen, wenn Littler tatsächlich beschließt, bestimmte Turniere in den Niederlanden zu meiden. Der Engländer hatte zuvor bereits European-Tour-Turniere in Deutschland wegen seiner Erfahrungen mit dem Publikum ausgelassen.
„Wenn er sich entscheidet, Events in den Niederlanden zu überspringen, ist das sein gutes Recht. Es gibt einen Premier-League-Abend, und ich denke, dort wird er spielen. Aber es gibt fünfzehn European Tours im Jahr. Er muss nicht zwingend in die Niederlande und kann dabei auswählen.“
Ein möglicher Boykott muss seine Saison daher kaum durcheinanderbringen. „Wenn er diese Entscheidung trifft, kann er sein Jahr dennoch sehr gut planen.“
Dass Littler in so jungen Jahren komplett mit Darts aufhört, sieht Webster nicht. „Er hat in diesem Sport noch unglaublich viel vor sich. Ich glaube nicht, dass er so früh aufhört, wie manche suggerieren. Er liebt Darts, und er ist darin brillant.“
Webster rechnet daher damit, dass Littler weiterhin auf feindselige Hallen treffen wird. „Er wird noch öfter eine harte Behandlung bekommen und damit so umgehen, wie er es meistens tut: indem er Matches und Turniere gewinnt. Am vergangenen Wochenende war er einfach ein bisschen getroffen.“
„Er ist der große Publikumsmagnet“
Trotz der Vorfälle in Amsterdam bleibt Littler laut Webster der wichtigste Publikumsmagnet im aktuellen Darts. „Wir befinden uns immer noch in diesem enormen Aufschwung dank dessen, was er geleistet hat. Natürlich gibt es andere Spieler, aber er ist der große Publikumsmagnet.“
Webster verweist auf den enormen Einfluss, den Littler seit seinem Durchbruch hatte. „Nach dem Finaleinzug bei seinem WM-Debüt hat er das bestätigt, indem er zwei WMs in Serie gewann. Die Leute kaufen ein Ticket, um ihn zu sehen. Vielleicht buhen sie ihn aus oder pfeifen, wenn er wirft, aber er ist der beste Spieler der Welt.“
Gerade dieser Status sorgt laut Webster dafür, dass Gegner und Fans ihn gerne scheitern sehen. Trotzdem erwartet er, dass Littler sich schnell fängt. „Man vergisst leicht, dass er erst neunzehn ist, weil er schon seit seinem sechzehnten Lebensjahr dabei ist. Er hat in diesen drei Jahren unglaublich viel erreicht. Wir reden bereits davon, jede Major zu gewinnen. So gut er auch ist, es bleibt immer extrem schwierig.“
Darum sollte Littler seine misslungene Jagd auf den Clean Sweep laut Webster nicht lange beschäftigen. „Er sollte wegen des vergangenen Wochenendes nicht zu hart mit sich ins Gericht gehen. Er hat gegen den besseren Spieler in Jonny verloren, das hat er selbst auch eingeräumt. Er war vor allem vom Publikum enttäuscht.“
Mit dem World Grand Prix als nächstem großen Termin erwartet Webster, dass Littler bald wieder um die großen Titel spielt. „Er wird sich auf die richtige Art erholen. Er wird noch mehr Majors gewinnen, da bin ich sicher.“