„Ich kann mir doch nicht immer nur die Rosinen rauspicken“ – Paulke und Hempel kritisieren Luke Littlers Umgang mit den Fans

PDC
Freitag, 25 September 2026 um 20:00
Luke Littler (3)
Luke Littlers Streit mit dem Publikum bei den World Series of Darts Finals beschäftigt die Dartswelt weiter. Im „Game On“-Podcast sprachen Elmar Paulke und Florian Hempel ausführlich über die Reaktionen des Engländers auf die Fans in Amsterdam. Beide fanden seinen Umgang mit den Zuschauern falsch. Dabei stellten sie klar, dass sie Littlers sportliche Klasse und seine Bedeutung für den Dartsport außer Frage stellen.
Hempel warf zu Beginn die Frage auf, ob Littler sich bei einem Major-Turnier schon früh mit dem Publikum anlegen sollte. Paulkes Antwort fiel eindeutig aus: „Das war ein Kardinalfehler.“ Littler könne sich über die Atmosphäre ärgern und später darüber sprechen. Den Konflikt während des Turniers immer wieder auf die Bühne zu tragen, hielt Paulke jedoch für einen Fehler.
Zumal Paulke die Stimmung bei den World Series of Darts Finals in Amsterdam nicht als außergewöhnlich unfair wahrnahm. „Ich fand das Publikum nicht unfair in Amsterdam, sie waren ganz normal laut“, sagte er.
Es habe auch Pfiffe gegen Littler gegeben. „So ist das halt als Nummer eins der Welt, dass du polarisierst als Bester.“ Für Paulke rechtfertigten diese Reaktionen Littlers wiederholte Auseinandersetzungen mit den Fans nicht.

Paulke erinnert an die Szene mit Noppert

Besonders Littlers Auftaktpartie gegen Danny Noppert blieb Paulke im Gedächtnis. Der Niederländer führte zwischenzeitlich mit 3:1, obwohl er nach Paulkes Einschätzung selbst nicht gut ins Spiel fand. Littler hatte dagegen von Beginn an Probleme auf den Doppeln.
Dann kam es zu einer Szene, die Paulke bemerkenswert fand: Noppert freute sich über eine Aufnahme und ballte in Littlers Nähe die Faust. Anschließend wollte er sich offenbar für die Geste entschuldigen. Littler ließ ihn nach Paulkes Beobachtung jedoch nicht an sich heran. „Da habe ich dann gedacht: Ey, was für ein Typ“, sagte Paulke über Littlers Reaktion. Er hatte den Eindruck, dass Noppert die Situation länger beschäftigte, während Littler sich zurück ins Spiel kämpfte und gewann.
Luke Littler & Danny Noppert (1)
Luke Littler bezwang bei den World Series of Darts Finals zwar noch Danny Noppert, scheiterte aber später an Jonny Clayton
Danach vermisste Paulke beim Engländer allerdings die gewohnte Energie. Littler habe in den folgenden Partien ungewöhnlich ruhig und wenig emotional gewirkt. „Das war nicht Luke Littler at his best“, sagte er. Der Streit mit dem Publikum war für Paulke deshalb auch mit Blick auf Littlers Konzentration ein Thema.
Hempel erinnerte in diesem Zusammenhang an Littlers späteres Spiel gegen Jonny Clayton. Als der Engländer gegen Ende der Partie mehrfach Doppel verpasste, wandte er sich erneut an die Zuschauer. Hempel fand es schwierig, ihnen dafür pauschal die Schuld zu geben. Zwar könne die Atmosphäre in der Halle lauter gewesen sein, als sie am Kommentatorenplatz ankam. Nach seiner Wahrnehmung waren die Reaktionen der Fans aber nicht ungewöhnlich heftig.

„Das Publikum ist immer noch Publikum“

Vor allem gegen die Erwartung, Zuschauer müssten sich bei jeder Aufnahme eines Spielers gleich verhalten, wehrte sich Hempel. „Das Publikum ist immer noch Publikum und will eine Party feiern, will den Abend genießen“, sagte er im Podcast. Dass niederländische Fans ihre Landsleute unterstützen, sei aus seiner Sicht selbstverständlich.
Hempel unterschied dabei zwischen einer lebhaften Atmosphäre und gezielten Störungen. Einzelne Pfiffe, Buhrufe oder hörbare Reaktionen bei Würfen auf Doppel könnten vorkommen. „Einzelne Pfiffe, die stören, richtig unfairer Mist, den wir schon erlebt haben – das klammer ich aus. Das gehört sich nicht“, stellte er klar. Das, was er in Amsterdam wahrgenommen habe, fiel für ihn jedoch überwiegend nicht darunter.
Deshalb hielt Hempel es für falsch, dass Littler sich immer wieder mit den Fans anlegte. „Das Beste ist, das Publikum verstummen zu lassen, definitiv. Aber leg dich doch nicht mit dem Publikum an“, sagte er. Die Zuschauer hätten Eintritt bezahlt und wollten den Abend erleben. Solange ihre Reaktionen im Rahmen blieben, müsse ein Spieler damit umgehen.
Paulke sah Littler ebenfalls nicht als einzigen Betroffenen. Auch Ross Smith wurde bei seiner Partie gegen Gian van Veen ausgebuht. Gerwyn Price und James Wade kennen ablehnende Reaktionen des Publikums ebenfalls. Gerade deshalb störte Paulke, dass Littler seine Erfahrungen in Amsterdam zum großen Thema machte.

Hempel spricht über eigene Erfahrung in Salzburg

Hempel berichtete von einem Spiel gegen Mensur Suljović in Salzburg. Schon beim Walk-on hätten ihn zahlreiche Zuschauer ausgepfiffen. „Das war wahnsinnig unangenehm, wenn da 1500 hinter dir pfeifen“, sagte er. Er habe sich trotzdem nicht beschwert, weil er wusste, dass viele Österreicher Suljović unterstützen wollten.
Für Hempel gehört es zum Beruf eines Dartprofis, auch unter solchen Bedingungen zu spielen. „Stell dich deiner Herausforderung“, forderte er. Littler sei zudem gut genug, um die Stimmung mit starken Darts zu drehen. Mit seinen 180ern und besonderen Momenten könne er die Zuschauer häufig ohnehin für sich gewinnen.
Paulke kritisierte auch Littlers Ankündigung, möglicherweise nicht mehr bei European-Tour-Turnieren in den Niederlanden und Deutschland anzutreten. Für Preisverleihungen reise der Engländer weiterhin in diese Länder, sagte Paulke im „Game On“-Podcast. Er fand es widersprüchlich, die Auszeichnungen anzunehmen, Turniere wegen der Reaktionen der Fans aber infrage zu stellen: „Ich kann mir doch nicht immer nur die Rosinen rauspicken.“
Bei aller Kritik wollte Paulke Littler nicht auf den Streit reduzieren. „Der ist für den Sport so gut“, sagte er. Der Engländer präge den Dartsport und spiele großartige Darts. Gerade deshalb seien die Konflikte für Paulke so ärgerlich: „Er hat das gar nicht nötig.“ Littler tue sich mit den öffentlichen Auseinandersetzungen keinen Gefallen.
Hinter der Diskussion steht eine außergewöhnliche sportliche Bilanz. Vor seinem Ausscheiden in Amsterdam hatte Littler 38 Spiele bei Major-Turnieren in Folge gewonnen. Paulke und Hempel bezweifeln seine Klasse nicht. Ihr Vorwurf richtet sich gegen die Art, wie er auf die Fans reagierte – und dagegen, dass er den Streit während des Turniers immer weiterführte.
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