Glen Durrant hält es für möglich, dass
Luke Littler seine Dartskarriere schon rund um seinen 30. Geburtstag beendet. Der Engländer ist erst 19 Jahre alt und ist dennoch bereits die unangefochtene Nummer eins der PDC. Der dreifache Lakeside-Champion fragt sich trotzdem, wie lange Littler die Motivation aufbringt, jahrelang hart zu trainieren und für die Turniere um die Welt zu reisen.
Littler hat sich schon in jungen Jahren eine beeindruckende Erfolgsbilanz erarbeitet. Mit 16 Jahren erreichte er bei der
Weltmeisterschaft das Finale und gelang damit der Durchbruch. Seitdem stieg „The Nuke" im Eiltempo zu einem der größten Namen im Dartsport auf. Er erreichte Platz eins der Weltrangliste, gewann zweimal die Sid Waddell Trophy und sammelte 14 PDC-Major-Titel. Genau dieser Erfolg kann laut Durrant jedoch zum Risiko für die Lebensdauer der Karriere werden. Der frühere Premier-League-Champion vermutet, dass Littler in etwa zehn Jahren an einen Punkt kommt, an dem er sich fragt, ob er wirklich noch alles dem Sport unterordnen will.
„Will ich wirklich noch zu einem Players Championship?"
Durrant bleibt bei seiner Einschätzung, die er nach eigener Aussage schon lange vertritt. „Ich habe immer gesagt: zehn Jahre. Vielleicht bis zu seinem dreißigsten. Und wahrscheinlich ist er in dem Alter genau auf seinem absoluten Zenit", sagt er bei OLBG. „Wenn du dann Erfahrung und dergleichen hinzufügst, denke ich wirklich, dass Darter zwischen dreißig und vierzig ihre besten Jahre erleben."
Littler hat im Alter von 19 Jahren bereits 14 PDC-Major-Titel gewonnen.
Daraus folgt für „Duzza" allerdings nicht, dass Littler danach noch viele Jahre auf diesem Niveau weitermacht. „Ich sehe ihn einfach nicht seine ganze Karriere voll ausschöpfen, vor allem wegen des Motivationsaspekts", erklärt Durrant. „Wenn du finanziell ausgesorgt hast und eine junge Familie hast, fragst du dich: Will ich wirklich noch jeden Tag trainieren müssen?"
Der Alltag eines Dartprofis besteht eben nicht nur aus den großen Bühnen. Er führt auch über die Euro Tour und die Players Championships, die Woche für Woche Kraft und Konzentration kosten. „Will ich wirklich noch auf die Euro Tour? Will ich wirklich noch zu einem Players Championship? Ich glaube, die TV-Turniere würde er immer vermissen, aber ich sehe ihn nicht sechzehn Weltmeistertitel gewinnen." Mit dieser Zahl spielt Durrant auf die Rekordmarke von Phil Taylor an.
Seinen Platz in den Geschichtsbüchern zweifelt der frühere Lakeside-Champion dennoch nicht an. Littler hat sich nach seiner Überzeugung schon jetzt einen Rang unter den ganz Großen verdient. „Wir werden den Rest unseres Lebens über Luke Littler in einem Atemzug mit Eric Bristow, Phil Taylor und Michael van Gerwen sprechen. Er ist eines der größten Talente seiner Generation. Der Junge, der mit sechzehn das WM-Finale erreichte."
Auch abseits des Boards beobachtet Durrant eine positive Entwicklung. „Ich finde, er wird erwachsen. Ich mag seine Interviews. Neulich habe ich mir noch ein Interview angesehen, als er mit sechzehn das WM-Finale erreichte. Meiner Meinung nach sagte er damals nur: ‚Ich kann kaum glauben, dass das alles passiert.' In dieser Hinsicht entwickelt er sich sehr gut. Aber wenn es um eine extrem lange Karriere geht? Das glaube ich nicht."
Littler ist längst mehr als ein bekannter Name der Dartswelt. Er trat in mehreren großen britischen TV-Formaten auf, was seinen außergewöhnlichen Status unterstreicht. „Wenn er morgen aufhören würde, wäre das ein enormer Verlust für den Sport. Littler fühlt sich irgendwie besonders an. Ich glaube eigentlich nicht, dass er nur noch ein Darter ist. Er ist ein Prominenter. Er ist einer der bekanntesten Menschen im Vereinigten Königreich. Es ist auch sehr schwierig, allgemein über Darts zu sprechen, wenn man über Littler redet, weil er einfach so anders ist als alle anderen."
„Siegen ist eine Droge"
Für eine längere Laufbahn spricht laut Durrant vor allem ein Gefühl: das Gewinnen. Geld treibt den jungen Engländer kaum noch an, große Titel können es dagegen weiterhin. „Siegen ist eine Droge. Wenn du mich fragst, ob er das Darts vermissen würde, glaube ich ja. Die Zeit, in der er sich um Geld sorgen muss, liegt wahrscheinlich schon hinter ihm. Er hat vermutlich jetzt schon genug verdient, um den Rest seines Lebens gut aufgestellt zu sein. Aber dieses Gefühl, wenn du eine Trophäe in die Höhe hältst, dieser Adrenalinkick – davon kannst du dich meiner Meinung nach kaum einfach verabschieden."
Dazu kommen Möglichkeiten, die weit über die Preisgelder am Board hinausreichen. „Wer weiß, was er alles hinter den Kulissen am Laufen hat, mit Sponsordeals und anderen Dingen, die er macht?", fragt Durrant.
Am Ende steht daher eine leicht widersprüchliche Schlussfolgerung. Durrant bezweifelt, dass Littler jahrzehntelang auf Topniveau spielt. Er erwartet aber auch nicht, dass der Engländer dem Sport komplett den Rücken kehrt. „Glaube ich, dass er aufhört? Nein, das glaube ich eigentlich nicht. Aber würde er enorm fehlen, wenn er es doch täte? Absolut. Er wäre nahezu unersetzlich."