In dieser Rubrik blicken wir regelmäßig auf die Karriere eines Dartspielers zurück. Heute steht John Part im Mittelpunkt. Der am 29. Juni 1966 in Toronto geborene Kanadier wurde dreimal Weltmeister. Als erster Spieler außerhalb Großbritanniens gewann er eine Darts WM. Mit seinen Titeln bei der BDO 1994 und der PDC 2003 sowie 2008 gehört Part zu einem exklusiven Kreis dreifacher Weltmeister.
„Darth Maple“ spielte außerdem eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des Dartsports in Nordamerika. Seine Erfolge brachten ihm 2017 einen Platz in der PDC Hall of Fame ein. Parallel zu seiner Spielerkarriere etablierte sich Part als Kommentator und Dartsexperte.
Seine Geschichte begann allerdings mit einem einfachen Weihnachtsgeschenk.
Vom Weihnachtsgeschenk zu den ersten Erfolgen
1987 schenkten Parts Eltern ihrem Sohn zu Weihnachten eine Dartscheibe. Damals lief Darts in Kanada kaum im Fernsehen. Durch Aufzeichnungen der BDO Darts WM und der Winmau World Masters lernte der junge Kanadier dennoch die größten Spieler seiner Zeit kennen.
Besonders Bob Anderson beeindruckte ihn. Die Weltmeister, die Part im Fernsehen beobachtete, dienten ihm als Vorbilder. Anschließend entwickelte er sein eigenes Spiel auf dem nordamerikanischen Circuit.
1989 begann Part, Wettkämpfe in Pubs zu bestreiten. Zwei Jahre später feierte er bei den Syracuse Open seinen ersten bedeutenden Turniersieg. Im selben Jahr wurde er Profi. Schnell entwickelte er sich zu einem der besten Spieler Kanadas und vertrat sein Land bei internationalen WDF-Turnieren.
1993 gelang ihm der nächste wichtige Erfolg. Gemeinsam mit Carl Mercer gewann Part den Doppelwettbewerb beim WDF World Cup. Damit bewies er, dass er auch auf internationaler Bühne mithalten konnte.
Ein Jahr später sollte er die Dartswelt endgültig auf den Kopf stellen.
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Als sich Part für die BDO Darts WM 1994 qualifizierte, kannte ihn außerhalb Nordamerikas kaum jemand. Zudem war es die erste BDO Darts WM nach der Spaltung des Dartsports. Deshalb standen mehrere neue Gesichter im Teilnehmerfeld.
Part eröffnete das Turnier mit einer großen Überraschung. In der ersten Runde schlug er den an Position zwei gesetzten Ronnie Baxter ohne Satzverlust. Anschließend folgten Siege gegen Paul Lim, Steve McCollum und Ronnie Sharp. Auf seinem Weg ins Finale gab Part lediglich einen Satz ab.
Im Endspiel wartete Bobby George, einer der beliebtesten und erfahrensten Spieler seiner Generation. Doch auch George konnte den Kanadier nicht stoppen. Part gewann das Finale deutlich mit 6:0 in Sätzen und krönte sich bei seinem Debüt zum Weltmeister. Damit wurde er zum ersten WM-Sieger außerhalb Großbritanniens.
Auch statistisch war seine Leistung außergewöhnlich. Während des gesamten Turniers verlor Part nur einen einzigen Satz. Zuvor hatte das lediglich Eric Bristow bei der BDO Darts WM 1984 geschafft. Später sollten auch Phil Taylor und erneut Part selbst dieses Kunststück vollbringen.
Damals schien alles auf den Beginn einer langen Dominanz hinzudeuten. Doch die folgenden Jahre verliefen anders.
Schwierige Jahre nach dem ersten WM-Titel
Nach seinem Weltmeistertitel konnte Part zunächst nicht dauerhaft an diesen Erfolg anknüpfen. Auf dem nordamerikanischen Circuit gewann er weiterhin Turniere. 1995 sicherte er sich sowohl den Titel bei den Canadian Open als auch bei den kanadischen Meisterschaften.
In Großbritannien fiel es ihm deutlich schwerer, seinen WM-Triumph zu bestätigen. Bei der BDO Darts WM 1995 gewann er nur ein Spiel. In der zweiten Runde schied er gegen Paul Williams aus.
Ein Jahr später besiegte Part zwar denselben Gegner. Wieder verpasste er jedoch das Viertelfinale und blieb weit von einem weiteren Weltmeistertitel entfernt.
Im Juni 1997 entschied sich Part, die BDO zu verlassen und zur PDC zu wechseln. Doch auch dort blieb der große Durchbruch zunächst aus. Beim World Matchplay 1997 verlor er gegen Drew O’Neill. Auch bei seinen anschließenden Teilnahmen an der PDC Darts WM schied er früh aus.
Um die Jahrtausendwende deutete sich eine Rückkehr zu alter Stärke an. 2000 gewann Part die Eastbourne Open und erreichte beim World Grand Prix das Viertelfinale.
Die PDC Darts WM 2001 markierte einen entscheidenden Wendepunkt. Part erreichte das Halbfinale und bezwang dort Rod Harrington mit 6:5. Damit stand er erstmals im Finale einer PDC Darts WM.
Dort wartete Phil Taylor. „The Power“ dominierte den Sport und hatte die vergangenen sechs Weltmeisterschaften gewonnen. Im Finale zeigte Taylor erneut, warum er das Maß aller Dinge war. Mit einem Average von 107,46 gewann er deutlich mit 7:0. Part blieb chancenlos, doch die Niederlage schien ihn zusätzlich anzutreiben.
In den folgenden Jahren entwickelte sich zwischen beiden eine Rivalität. Beim World Matchplay 2001 setzte sich erneut Taylor gegen Part durch. Ein Jahr später folgte ein weiterer klarer Erfolg: Im Viertelfinale der Darts WM gewann Taylor mit 6:0.
Part kam seinem großen Rivalen dennoch immer näher. Im Finale des World Matchplay 2002 bot sich ihm eine hervorragende Gelegenheit, Taylor zu schlagen. Der Kanadier führte mit 16:15. Doch Taylor gewann die letzten drei Legs und sicherte sich den Titel mit 18:16.
Auch das Finale des World Grand Prix 2002 ging an Taylor. Part hatte inzwischen mehrere schmerzhafte Niederlagen gegen den besten Spieler der Welt erlebt. Trotzdem glaubte er weiterhin daran, ihn besiegen zu können.
John Part holte in seiner Karriere drei Weltmeistertitel
2003: Die historische Revanche
Die Antwort folgte bei der PDC Darts WM 2003. Wieder galt Taylor als klarer Favorit. Er hatte acht Weltmeistertitel in Folge gewonnen und seit 44 WM-Spielen nicht mehr verloren. Außerdem hatte Part alle fünf bisherigen TV-Duelle gegen Taylor verloren.
Dennoch kämpfte sich der Kanadier erneut ins Finale. Dort erwischte er einen ausgezeichneten Start und checkte im ersten Leg 121 Punkte über das Bullseye. Anschließend setzte er sich auf 3:0 und später auf 4:1 in Sätzen ab.
Taylor fand zurück ins Spiel und drehte die Partie zu einer 5:4-Führung. Part bewahrte jedoch die Ruhe und gewann die nächsten beiden Sätze. Danach glich Taylor erneut aus. Ein Entscheidungssatz musste den Weltmeister bestimmen.
Im letzten Satz gelang Part ein Break gegen Taylor. Anschließend behielt er die Nerven und verwandelte seinen ersten Matchdart. John Part war zum zweiten Mal Weltmeister.
Dieser Sieg schrieb Geschichte. Part beendete Taylors Serie von acht aufeinanderfolgenden Weltmeistertiteln. Zugleich wurde er der erste PDC-Weltmeister außerhalb Großbritanniens und übernahm die Spitze der Weltrangliste.
Das Finale gilt bis heute als eines der größten Spiele in der Geschichte des Dartsports.
Jahre voller Chancen und Enttäuschungen
Auch nach seinem zweiten Weltmeistertitel konnte Part seine absolute Topform nicht dauerhaft halten. Er gewann unter anderem das UK Open Southwest Regional Final, die Windy City Open und zwei Vauxhall Opens. Große TV-Titel blieben jedoch selten.
2003 erreichte er erneut das Finale des World Grand Prix. Dort erwies sich Taylor abermals als zu stark.
Auch 2004 musste Part eine Enttäuschung hinnehmen. Als amtierender Weltmeister verlor er in der dritten Runde der Darts WM gegen Debütant Mark Dudbridge. Später gewann er allerdings die Canadian Open, die kanadischen Meisterschaften und den Golden Harvest North American Cup.
Eine seiner stärksten Leistungen zeigte Part beim World Matchplay 2004. Zunächst schlug er Colin Monk mit 10:0. Anschließend setzte er sich in einem spannenden Duell gegen Bob Anderson durch. Im Viertelfinale besiegte er Andy Jenkins.
Im Halbfinale traf er erneut auf Taylor. Nach einem schwachen Start verlor Part deutlich mit 8:17.
2005 blieb Part erneut ohne Titel. Dennoch brachte die Saison einige denkwürdige Begegnungen hervor. Bei den UK Open verlor er knapp mit 10:11 gegen Taylor, obwohl er zuvor bereits mit 10:6 geführt hatte.
Beim World Matchplay gelang ihm die Revanche. Part besiegte Taylor mit 16:11 und beendete dessen Serie von 27 aufeinanderfolgenden Siegen bei diesem Turnier. Anschließend erreichte er das Finale. Dort musste er sich allerdings Colin Lloyd geschlagen geben.
2006 fand Part erneut zu alter Stärke. Er gewann die Las Vegas Desert Classic und holte damit seinen ersten großen PDC-Titel seit 2003. Im Finale bezwang er Raymond van Barneveld mit 6:3.
Auch 2007 zeigte der Kanadier regelmäßig starke Leistungen. Bei den US Open, dem World Grand Prix und der Las Vegas Desert Classic erreichte er jeweils das Halbfinale.
Bei der Darts WM 2008 ging Part als Nummer elf der Setzliste an den Start. Zu den größten Favoriten zählte er im Vorfeld nicht. Dennoch spielte er sich überzeugend ins Finale. Unter anderem besiegte er Mensur Suljovic und James Wade. Im Halbfinale setzte er sich gegen Kevin Painter durch.
Im Endspiel wartete der 21-jährige Qualifikant Kirk Shepherd. Part erspielte sich eine 4:0-Führung und ließ seinen jungen Gegner anschließend nicht mehr entscheidend herankommen. Mit einem 7:2-Erfolg krönte er sich zum dritten Mal zum Weltmeister.
Damit wurde Part zum ersten Spieler, der an drei unterschiedlichen Austragungsorten einen Weltmeistertitel gewann: im Lakeside, in der Circus Tavern und im Alexandra Palace.
Außerdem war er erst der fünfte Spieler mit mindestens drei Weltmeistertiteln. Zuvor hatten nur Phil Taylor, Eric Bristow, Raymond van Barneveld und John Lowe diese Marke erreicht.
Der Rückgang seiner Leistungen und das Ende seiner erfolgreichsten Jahre
Nach seinem dritten Weltmeistertitel folgte erneut eine schwierige Phase. 2008 gewann Part noch das Gibraltar Players Championship. Anschließend ließen seine Leistungen jedoch deutlich nach.
Bei der Darts WM 2009 verlor er überraschend mit 0:3 gegen den US-Amerikaner Bill Davis. Ein Jahr später schied er gegen Kirk Shepherd aus. Diesen hatte er zwei Jahre zuvor noch im WM-Finale besiegt.
Trotzdem setzte Part weiterhin einzelne Ausrufezeichen. 2010 gewann er das PDC North American Darts Championship. 2011 sicherte er sich Players-Championship-Titel in Derby und Österreich.
Beim World Matchplay 2011 warf Part gegen Mark Webster außerdem seinen ersten TV-Neun-Darter. Zwar verlor er die Begegnung letztlich. Mit dem perfekten Leg ergänzte er seine Karriere dennoch um einen weiteren besonderen Moment.
2012 erreichte Part erneut das Viertelfinale der Darts WM. Dort verlor er gegen James Wade im Entscheidungsleg. Rückblickend bezeichnete Part das Duell als „das größte Spiel, das ich jemals verloren habe“.
2013 gelang ihm mit dem Sieg bei den UK Masters noch einmal ein bemerkenswerter Erfolg. Es blieb sein letzter PDC-Ranglistentitel. Nach 22 aufeinanderfolgenden WM-Teilnahmen verpasste Part schließlich die Qualifikation für die Darts WM 2016.
John Part ist mittlerweile erfahrener Experte bei Sky Sports in England
Hall of Fame und eine zweite Karriere
2017 nahm die PDC Part in ihre Hall of Fame auf. Er war das 14. Mitglied und der erste Spieler außerhalb Großbritanniens, dem diese Ehre zuteilwurde.
Auch danach blieb Part auf verschiedenen Circuits aktiv. In Nordamerika trat er auf dem Championship Darts Circuit an und erreichte dort zuletzt sogar noch einmal ein Finale. Ab 2022 spielte er zudem auf der World Seniors Darts Tour. Größere Erfolge blieben dort allerdings aus. Bei der Senioren Darts WM erreichte er dreimal die zweite Runde.
Mehrfach versuchte Part außerdem, über die Q-School erneut eine PDC Tour Card zu gewinnen. Diese Versuche blieben jedoch erfolglos.
Parallel zum Spielen entwickelte sich Part zu einem angesehenen Kommentator. Bereits 1995 fragte ihn die BBC an, ob er die BDO Darts WM kommentieren wolle. Bis 2007 arbeitete er für den Sender, später auch für ESPN. Seit 2013 gehört er fest zum Kommentatorenteam von Sky Sports. So erhielt seine Karriere ein zweites Kapitel.
John Parts Ergebnisse bei der Darts WM
Jahr
Organisation
Runde
Ergebnis
1994
BDO
Sieger
6:0 gegen Bobby George
1995
BDO
Zweite Runde
2:3 gegen Paul Williams
1996
BDO
Zweite Runde
0:3 gegen Steve Beaton
1997
BDO
Zweite Runde
1:3 gegen Roger Carter
1998
PDC
Gruppenphase
3:1 gegen Paul Lim, 2:3 gegen Peter Evison
1999
PDC
Erste Runde
0:3 gegen Alan Warriner-Little
2000
PDC
Zweite Runde
0:3 gegen Dennis Smith
2001
PDC
Finalist
0:7 gegen Phil Taylor
2002
PDC
Viertelfinale
0:6 gegen Phil Taylor
2003
PDC
Sieger
7:6 gegen Phil Taylor
2004
PDC
Dritte Runde
3:4 gegen Mark Dudbridge
2005
PDC
Vierte Runde
2:4 gegen Mark Dudbridge
2006
PDC
Dritte Runde
2:4 gegen Wayne Mardle
2007
PDC
Zweite Runde
2:4 gegen Chris Mason
2008
PDC
Sieger
7:2 gegen Kirk Shepherd
2009
PDC
Erste Runde
0:3 gegen Bill Davis
2010
PDC
Zweite Runde
1:4 gegen Kirk Shepherd
2011
PDC
Erste Runde
0:3 gegen Per Laursen
2012
PDC
Viertelfinale
4:5 gegen James Wade
2013
PDC
Zweite Runde
1:4 gegen Terry Jenkins
2014
PDC
Zweite Runde
0:4 gegen Wes Newton
2015
PDC
Erste Runde
2:3 gegen Keegan Brown
2022
WSDT
Zweite Runde
1:3 gegen John Walton
2023
WSDT
Zweite Runde
2:3 gegen Darryl Fitton
2024
WSDT
Erste Runde
0:3 gegen Richie Howson
2025
WSDT
Zweite Runde
2:3 gegen Ross Montgomery
Ein fester Platz in der Dartsgeschichte
John Part ist weit mehr als der erste kanadische Weltmeister. Er leistete Pionierarbeit für den nordamerikanischen Dartsport. Seine Karriere bewies, dass auch ein Spieler außerhalb Europas die absolute Weltspitze erreichen konnte.
Seine drei Weltmeistertitel prägten unterschiedliche Epochen. 1994 überraschte er die BDO-Welt. 2003 beendete er Phil Taylors historische Dominanz. 2008 schrieb er erneut Geschichte, als er zum ersten Weltmeister an drei verschiedenen Austragungsorten wurde.
Von der Dartscheibe als Weihnachtsgeschenk 1987 bis zur Aufnahme in die PDC Hall of Fame führte Part ein außergewöhnlicher Weg. Seine Karriere vereinte große Triumphe, lange schwierige Phasen und beeindruckende Comebacks. „Darth Maple“ zählt damit zweifellos zu den bedeutendsten Spielern, die der Dartsport hervorgebracht hat.
Oliver Ried ist seit Ende 2024 Redakteur bei Dartsnews.de. Er berichtet dort über den professionellen Dartsport und erstellt regelmäßig Liveblogs zu den wichtigsten Turnieren und Ereignissen, darunter die PDC World Darts Championship, die Premier League Darts und das World Matchplay. Ergänzend veröffentlicht er Berichte, Einordnungen und Hintergrundtexte zum Geschehen auf der PDC-Tour. Seit Anfang 2025 schreibt er zudem für Radsportaktuell.de über den professionellen Radsport.
Oliver ist in Würzburg stationiert. Neben seiner redaktionellen Arbeit ist er selbst aktiver Dartspieler und bringt dadurch zusätzliche Praxisnähe in seine Berichterstattung ein. Er studiert Grundschullehramt und legt bei seinen Artikeln Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, klare Einordnung und verlässliche Informationen. Inhalte aktualisiert er, sobald neue, gesicherte Details vorliegen.