ZEITREISE MIT: Jamie Lewis – 2018 im WM-Halbfinale, danach fast vollständig von der Darts-Bühne verschwunden

PDC
durch Nic Gayer
Montag, 17 August 2026 um 6:00
jamie lewis 1
In dieser Rubrik reisen wir regelmäßig in die Vergangenheit und blicken auf die Karriere eines bestimmten Dartspielers zurück. Heute steht der Waliser Jamie Lewis im Mittelpunkt. „Fireball“, wie sein Spitzname lautete, erlebte in seiner Darts-Karriere eine bemerkenswerte Entwicklung. Schon in jungen Jahren galt der Waliser als eines der größten Talente seiner Generation, stürmte auf spektakuläre Weise bis ins Halbfinale der PDC Darts WM und schien bereit für den endgültigen Durchbruch in die Weltspitze. Doch letztlich gelang es Lewis nicht, die hohen Erwartungen vollständig zu erfüllen. Seine Karriere war geprägt von beeindruckenden Siegen und tiefen Runs bei großen Turnieren, aber auch von einem deutlichen sportlichen Absturz und persönlichen Problemen.
Die ersten großen Erfolge feierte Lewis bereits in jungen Jahren. 2009 gewann er sowohl das World Masters der Junioren als auch den Nachwuchswettbewerb beim WDF World Cup. Damit machte er unmissverständlich deutlich, dass er zu den größten Talenten seiner Generation gehörte.
Ein Jahr später erreichte er die Runde der letzten 24 beim World Masters. Dort musste er sich Ted Hankey knapp mit 2:3 nach Sätzen geschlagen geben. 2011 folgte der nächste starke Auftritt beim WDF World Cup, bei dem Lewis bis ins Halbfinale vorstieß. Dort erwies sich Martin Adams beim 3:6 als zu stark.
Im Januar 2012 folgte schließlich der Wechsel auf den professionellen Circuit. Der damals 20-jährige Waliser erspielte sich am vierten Tag der Qualifying School eine PDC Tour Card. Damit erhielt er die Startberechtigung für die Players Championships, die UK Open Qualifiers und die Turniere der European Tour.
Noch im selben Jahr feierte Lewis sein Debüt bei den UK Open. Nach Siegen über Steve Farmer und Mark Stephenson endete sein Lauf schließlich gegen Pete Hudson.
Auch auf der European Tour sammelte Lewis seine ersten Erfahrungen. Er qualifizierte sich für das German Darts Masters in Stuttgart, musste sich dort jedoch bereits in der ersten Runde Richie Burnett mit 3:6 geschlagen geben. Gleichzeitig blieb er auf der Youth Tour aktiv, wo er 2012 zwei Turniersiege feiern konnte.

WM-Debüt endet mit einer Enttäuschung

Seine Leistungen brachten Lewis den vierten Platz in der Youth Tour Order of Merit ein. Da einige der vor ihm platzierten Spieler bereits für die Weltmeisterschaft qualifiziert waren, erhielt Lewis die Chance, bei der Darts WM 2013 an den Start zu gehen.
Sein Debüt endete allerdings bereits in der Vorrunde. Gegen Lourence Ilagan verspielte der Waliser eine 3:1-Führung und musste sich am Ende noch mit 3:4 geschlagen geben. Zu diesem Zeitpunkt belegte Lewis Rang 68 der Weltrangliste.
Ein Jahr später machte er einen wichtigen Schritt nach vorne. Bei einem UK Open Qualifier erreichte Lewis erstmals das Finale eines PDC-Pro-Tour-Turniers. Im Halbfinale sorgte er für eine faustdicke Überraschung, als er Michael van Gerwen mit 6:4 bezwang und dabei einen beeindruckenden Average von 108,07 Punkten spielte.
Im Finale konnte Lewis dieses Niveau jedoch nicht aufrechterhalten. Gegen Brendan Dolan musste er sich deutlich mit 1:6 geschlagen geben.
Jamie Lewis in Aktion.
Schon in jungen Jahren galt Jamie Lewis als eines der größten Talente im walisischen Darts. 2012 sicherte sich „Fireball“ seine PDC Tour Card und wagte den Schritt auf die Pro Tour.
Auch bei der Gibraltar Darts Trophy sorgte Lewis für großes Aufsehen. Nacheinander bezwang er Colin Osborne, Robert Thornton, Steve Brown, Kevin Painter und Adrian Lewis und erreichte damit erstmals das Finale eines PDC-Ranglistenturniers. Der Sieg über Adrian Lewis bescherte ihm zudem zum ersten Mal einen Startplatz beim World Matchplay. Im Finale traf er auf Phil Taylor, doch gegen den 16-maligen Weltmeister war an diesem Tag kein Kraut gewachsen. Taylor setzte sich souverän mit 6:1 durch.

Durchbruch in die Top-32

Beim World Matchplay musste sich Lewis anschließend bereits in der ersten Runde Kevin Painter geschlagen geben. Dennoch stellte das Jahr 2013 einen wichtigen Schritt in seiner Entwicklung dar. Seine Leistungen reichten aus, um den 32. Platz in der Pro Tour Order of Merit zu erreichen und sich damit für die Players Championship Finals zu qualifizieren. Dort traf er auf Michael van Gerwen und verlor mit 1:6.
2014 machte Lewis weitere Fortschritte. Er qualifizierte sich erneut für die Weltmeisterschaft und bekam es dort mit Raymond van Barneveld zu tun. Die Partie verlief für den Waliser jedoch enttäuschend. Lewis unterlag mit 0:3 und konnte lediglich drei seiner 14 Versuche auf die Doppelfelder verwerten. In der Weltrangliste hatte er dennoch einen deutlichen Sprung nach vorne gemacht und beendete das Jahr auf Rang 40.
Die Saison 2015 brachte erneut einige bemerkenswerte Momente mit sich. Bei der Weltmeisterschaft unterlag Lewis trotz eines starken Starts bereits in der ersten Runde James Wade. Später im Jahr erreichte er das Halbfinale der Gibraltar Darts Trophy, wo Michael van Gerwen beim 6:1 allerdings deutlich zu stark war. Zudem feierte Lewis sein Debüt beim World Cup of Darts für Wales. Gemeinsam mit Mark Webster musste er sich dort jedoch überraschend dem Team aus Hongkong geschlagen geben.
Beim World Matchplay feierte Lewis zunächst einen Sieg über Justin Pipe, ehe erneut van Gerwen seinen Weg kreuzte. Der Niederländer ließ dem Waliser beim 13:2 kaum eine Chance. Ein persönliches Highlight durfte Lewis im weiteren Saisonverlauf dennoch feiern: Er warf den ersten 9-Darter seiner PDC-Karriere.

Erstes Viertelfinale bei einem Major

Beim World Grand Prix bewies Lewis anschließend, dass er auch auf den großen Bühnen für starke Ergebnisse sorgen konnte. Zunächst überstand er zwei Matchdarts von William O'Connor, ehe ihm gegen Michael Smith nach einem 0:2-Satzrückstand ein beeindruckendes Comeback gelang. Damit erreichte Lewis erstmals das Viertelfinale eines Major-Turniers. Dort wartete erneut Michael van Gerwen – und wieder erwies sich der Niederländer als eine Nummer zu groß.
Die folgenden Jahre verliefen wechselhafter. Bei der WM 2016 unterlag Lewis Daryl Gurney, während er bei den UK Open nach einem starken Lauf von Stephen Bunting gestoppt wurde. Auch bei den Players Championships schaffte er es regelmäßig weit ins Turnier, auf seinen ersten PDC-Titel musste er jedoch weiterhin warten.
2017 gelang Lewis schließlich sein erster Sieg bei einer PDC-Weltmeisterschaft. Bei seiner fünften Teilnahme bezwang er zum Auftakt Mick McGowan, ehe Peter Wright seinen Lauf in der zweiten Runde beendete.

Halbfinale bei der WM 2018

Die Weltmeisterschaft 2018 sollte schließlich zum größten Höhepunkt in Lewis' Karriere werden. Zunächst war es ihm nicht gelungen, sich über die Order of Merit für das Turnier zu qualifizieren. Über den PDPA Qualifier sicherte er sich jedoch noch einen Startplatz für die Vorrunde. Was anschließend folgte, war ein sensationeller Lauf.
Lewis bezwang zunächst Kenny Neyens in der Vorrunde und setzte sich anschließend gegen Jonny Clayton durch. Danach sorgte er für eine der größten Überraschungen des gesamten Turniers, als er die damalige Nummer zwei der Welt, Peter Wright, aus dem Wettbewerb warf. Auch James Richardson und Darren Webster konnten den Waliser nicht stoppen. Gegen Webster feierte Lewis sogar einen deutlichen 4:0-Erfolg.
Damit schrieb „Fireball“ Geschichte: Als erster Spieler überhaupt, der das Turnier in der Vorrunde begonnen hatte, erreichte Lewis zunächst das Viertelfinale und anschließend sogar das Halbfinale einer PDC-Weltmeisterschaft.
Dort wartete allerdings Phil Taylor. Gegen die Darts-Legende konnte Lewis seinen märchenhaften Lauf nicht fortsetzen und musste sich mit 1:6 geschlagen geben. Dennoch hatte er sich mit seinen Auftritten im Alexandra Palace endgültig einen Namen gemacht. Seine sensationelle WM brachte ihm zudem einen gewaltigen Schub – sowohl in der öffentlichen Wahrnehmung als auch in der Weltrangliste.
Im März 2018 bestätigte Lewis seine starke Form mit dem Einzug ins Halbfinale bei Players Championship 3. Auf dem Weg dorthin bezwang er unter anderem Stephen Bunting, Danny Noppert und Joe Cullen. Gegen Adam Hunt gelang ihm zudem ein 9-Darter. Erst Gary Anderson konnte seinen Lauf schließlich stoppen.

Beginn einer schwierigen Phase

Danach begann jedoch eine schwierige Phase in Lewis' Karriere. 2019 erreichte er bei der Weltmeisterschaft erneut das Achtelfinale. Nach Siegen über Cody Harris und Daryl Gurney musste er sich dort Dave Chisnall deutlich mit 0:4 geschlagen geben. Bei den UK Open gewann Lewis zunächst ein umkämpftes Duell gegen Adrian Lewis, ehe Josh Payne ihn in der folgenden Runde aus dem Turnier warf. Auf der Pro Tour fiel sein Leistungsniveau jedoch deutlich ab. Über die gesamte Saison hinweg erspielte Lewis lediglich 7.000 Pfund Preisgeld.
2020 setzte sich der Abwärtstrend fort. Lewis verpasste die Weltmeisterschaft und rutschte bis auf Rang 57 der Weltrangliste ab. Zusätzlich wurde seine Saison von der Corona-Pandemie beeinflusst. Sportliche Erfolge blieben weitgehend aus, ehe Lewis im September bekannt gab, vorübergehend Abstand vom Dartsport nehmen zu wollen, um sich auf sein Privatleben zu konzentrieren.
Später im selben Jahr machte der Waliser öffentlich, dass er unter einer Angststörung litt. Trotz dieser Probleme versuchte er weiterhin, sich noch einmal für die Weltmeisterschaft zu qualifizieren. Über den PDPA UK Qualifier gelang ihm genau das. Lewis bezwang David Pallett, Alan Tabern und Robert Thornton und sicherte sich damit einen Startplatz bei der WM 2021.
Im Alexandra Palace stellte Lewis anschließend erneut seine enorme Widerstandsfähigkeit unter Beweis. In der ersten Runde geriet er gegen Luke Woodhouse zunächst mit 0:2 nach Sätzen in Rückstand, kämpfte sich jedoch zurück und gewann die Partie noch mit 3:2. In der zweiten Runde traf er auf den späteren Weltmeister Gerwyn Price. Lewis gewann den ersten und vierten Satz, doch im entscheidenden fünften Durchgang setzte sich schließlich Price durch.

Rückkehr zur WDF

Lewis verlor anschließend seine PDC Tour Card und entschied sich 2022 für die Rückkehr zur WDF, die nach dem Verschwinden der BDO deren Platz im internationalen Dartsport eingenommen hatte. Im selben Jahr gewann er die Antwerp Open.
Dieser Erfolg trug dazu bei, dass sich Lewis für die WDF-Weltmeisterschaft im Lakeside Country Club qualifizierte. Dort war allerdings bereits zum Auftakt Schluss: Gegen Jarno Bottenberg musste sich der Waliser mit 0:2 nach Sätzen geschlagen geben.
Seitdem ist Lewis nur noch selten bei internationalen Turnieren in Erscheinung getreten. Einen weiteren Anlauf unternahm „Fireball“ unter anderem bei einer Spielwoche der MODUS Super Series, dort allerdings ohne nennenswerten Erfolg.

WM-Ergebnisse von Jamie Lewis

JahrVerbandRundeGegnerErgebnis
2013PDCVorrundeLourence Ilagan3–4 (Legs)
2014PDCErste RundeRaymond van Barneveld0–3 (Sets)
2015PDCErste RundeJames Wade1–3
2016PDCErste RundeDaryl Gurney1–3
2017PDCZweite RundePeter Wright0–4
2018PDCHalbfinalePhil Taylor1–6
2019PDCVierte RundeDave Chisnall0–4
2021PDCZweite RundeGerwyn Price2–3
2023WDFErste RundeJarno Bottenberg0–2 (Sets)

Sehen wir Lewis noch einmal auf der Pro Tour?

Lewis ist noch immer erst 34 Jahre alt, sodass eine Rückkehr in die Dartswelt keineswegs ausgeschlossen ist. Sein Talent steht außer Frage – das hat der Waliser im Laufe seiner Karriere bereits mehrfach eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Entscheidend dürfte vielmehr sein, ob er selbst noch einmal bereit ist, diese Herausforderung anzunehmen.
Sollte Lewis tatsächlich nicht mehr auf die große Darts-Bühne zurückkehren, wird „Fireball“ dennoch als einer der herausragenden walisischen Spieler seiner Generation in Erinnerung bleiben. Sein sensationeller Halbfinaleinzug bei der PDC-Weltmeisterschaft 2018 bleibt dabei zweifellos der größte Moment seiner Karriere.
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