ZEITREISE MIT: Corey Cadby – das Megatalent, dem die Dartswelt zu Füßen zu liegen schien

PDC
durch Nic Gayer
Mittwoch, 12 August 2026 um 17:50
Corey Cadby Brisbane 2
In dieser Rubrik reisen wir regelmäßig in die Vergangenheit und blicken auf die Karriere eines bestimmten Dartspielers zurück. Heute steht der Australier Corey Cadby im Mittelpunkt.
Cadby wurde am 18. März 1995 in Tasmanien geboren und machte 2016 erstmals nachhaltig in der australischen Darts-Szene auf sich aufmerksam. Nachdem er nach Melbourne gezogen war, begann er, an Turnieren der Darts Players Australia-Tour teilzunehmen – und das mit sofortigem Erfolg. In seiner ersten Saison auf dem DPA Australian Grand Prix Circuit gewann Cadby gleich sieben Turniere. Damit beendete er die Rangliste auf dem ersten Platz und sicherte sich die Teilnahme an der PDC-Weltmeisterschaft 2017.
Noch bevor er sein Debüt bei der Weltmeisterschaft feierte, hatte Cadby bereits eindrucksvoll bewiesen, dass er sich vor den großen Namen des Sports nicht verstecken musste. Im August 2016 absolvierte der damals 21-Jährige beim Sydney Masters seinen ersten Auftritt vor TV-Kameras. Sein Gegner war niemand Geringeres als Phil Taylor, der 16-malige Weltmeister und erfolgreichste Spieler in der Geschichte des Dartsports. Cadby verlor die Partie zwar mit 3:6, doch die Erfahrung sollte sich schon kurze Zeit später als äußerst wertvoll erweisen.
Nur eine Woche später erhielt er erneut die Gelegenheit, sich mit Taylor zu messen. Beim Perth Masters standen sich beide ein weiteres Mal gegenüber – doch diesmal sorgte Cadby tatsächlich für die große Überraschung. Der Australier spielte herausragend und bezwang Taylor deutlich mit 6:2. Ein Average von 103,58 Punkten machte den Erfolg noch beeindruckender. Cadby zeigte damit, dass er nicht nur ein großes Talent für die Zukunft war, sondern bereits zu diesem Zeitpunkt den größten Spieler aller Zeiten schlagen konnte.
Sein Abenteuer in Perth endete anschließend im Viertelfinale gegen Peter Wright. Cadby unterlag deutlich mit 2:10, doch auch diese Partie erzählte eine bemerkenswerte Geschichte. Sowohl Cadby als auch Wright spielten einen Average von 109 Punkten. Für einen jungen Spieler, der gerade erst seinen Durchbruch gefeiert hatte, waren derartige Zahlen ein eindrucksvoller Beleg für sein enormes Potenzial.

Junioren-Weltmeister 2016

Später im selben Jahr folgte einer der bis dahin größten Momente seiner noch jungen Karriere. Cadby qualifizierte sich für das Finale der PDC World Youth Championship. Im Halbfinale setzte er sich gegen Dimitri Van den Bergh durch, ehe in Minehead das Endspiel gegen Berry van Peer auf dem Programm stand.
Cadby ließ sich auch auf dieser Bühne nicht aus der Ruhe bringen und gewann das Finale souverän mit 6:2. Damit krönte sich der Australier zum Junioren-Weltmeister.
Der Titel bestätigte, was immer mehr Experten bereits erkannt hatten: Australien verfügte mit Cadby über ein außergewöhnliches Talent. Er verband seine natürlichen Fähigkeiten mit einem aggressiven Spielstil und besaß die nötige Scoring-Power, um seine Gegner enorm unter Druck zu setzen. Entsprechend groß war die Aufmerksamkeit vor seinem Debüt bei der Weltmeisterschaft 2017.
Bei dieser WM musste Cadby zunächst in der Vorrunde antreten. Dort traf er auf den Chinesen Sun Qiang. Der Australier setzte sich mit 2:0 durch und spielte dabei einen Average von 102,48 Punkten. Zu diesem Zeitpunkt war das ein Rekord für eine Vorrundenpartie bei der Darts WM. Damit sicherte er sich ein Duell mit Joe Cullen.
Auch gegen Cullen wusste Cadby zu überzeugen. Er gewann den ersten Satz und schien damit den Grundstein für die nächste große Überraschung gelegt zu haben. Doch Cullen drehte die Partie und setzte sich letztlich mit 3:1 durch. Obwohl Cadby das Turnier damit frühzeitig verlassen musste, war sein Auftritt alles andere als enttäuschend. In seinen beiden Partien gelangen ihm gleich sechs High Finishes von 100 oder mehr Punkten.
Corey Cadby jubelt.
Corey Cadby galt früh als eines der größten Talente im internationalen Darts. 2016 krönte sich der Australier zum Junioren-Weltmeister und sorgte wenig später auch bei seinem WM-Debüt für Aufsehen.

PDC Tour Card erobert

Der nächste Schritt folgte 2018. Bei der Q-School gelang es Cadby gleich am ersten Turniertag, seine PDC Tour Card zu gewinnen. Im Halbfinale des entsprechenden Turniers setzte er sich mit 5:2 gegen Callan Rydz durch und sicherte sich damit seinen Platz auf dem professionellen Circuit.
Dass Cadby seine Tour Card keineswegs nur nutzen wollte, um Erfahrungen zu sammeln, wurde bereits wenige Wochen später deutlich. Beim fünften UK Open Qualifier feierte er seinen ersten PDC-Titel. Cadby erreichte das Finale und traf dort auf den amtierenden Weltmeister Rob Cross. Der Engländer gehörte zu diesem Zeitpunkt zu den gefürchtetsten Spielern der Welt, doch Cadby trat erneut ohne jegliche Angst auf. Mit einem Average von 108,77 Punkten bezwang er den Weltmeister und sicherte sich seinen ersten PDC-Titel.
Für viele Beobachter schien damit der Weg in die absolute Weltspitze vorgezeichnet. Ein junger Australier, der Phil Taylor geschlagen hatte, Junioren-Weltmeister geworden war, sich eine PDC Tour Card erspielt und anschließend auch noch einen UK Open Qualifier gegen den amtierenden Weltmeister gewonnen hatte – die Geschichte schien sich fast von selbst zu schreiben.

Finale bei den UK Open

Cadby sorgte in jenem Jahr noch für weiteres Aufsehen. Bei einer besonderen Ausgabe der UK Open – aufgrund eines Schneesturms fand das Turnier ohne Zuschauer statt – erreichte der Australier sogar das Finale. Zum ersten Major-Titel seiner Karriere sollte es allerdings nicht reichen: Im Endspiel erwies sich Gary Anderson mit 11:7 als zu stark.
2019 gab Cadby bei den Czech Darts Open sein Debüt auf der PDC European Tour. Dort bezwang er zunächst Wessel Nijman und anschließend Michael Smith, ehe Mervyn King seinen Lauf beendete. Es war ein weiterer Beleg für Cadbys außergewöhnliche Qualitäten. Gleichzeitig wurde jedoch immer deutlicher, dass es ihm schwerfiel, seine Karriere auf dem internationalen Circuit dauerhaft und kontinuierlich voranzutreiben.

Probleme abseits des Dartsports

Vor allem die Reisen nach Großbritannien entwickelten sich zu einem Problem. Cadby, der auch wegen Auseinandersetzungen immer wieder für Schlagzeilen sorgte und in seiner Heimat mehrfach mit der Polizei in Kontakt kam, hatte Schwierigkeiten, rechtzeitig zu den Pro-Tour-Turnieren nach England zu gelangen. Dadurch wurde es für ihn zunehmend unmöglich, regelmäßig am vollständigen PDC-Tourkalender teilzunehmen.
Anfang 2020 traf Cadby deshalb eine bemerkenswerte Entscheidung. Obwohl er zu diesem Zeitpunkt noch zu den Top-64 der Weltrangliste gehörte, gab er seine PDC Tour Card freiwillig zurück. Damit endete vorerst eine Phase, in der sich der einstige Hoffnungsträger zu einem Spieler entwickelt hatte, der tatsächlich PDC-Titel gewinnen konnte.
Corey Cadby posiert mit dem Jugend-WM-Pokal.
Einer der größten Erfolge seiner jungen Karriere: 2016 krönte sich Corey Cadby zum PDC-Junioren-Weltmeister und unterstrich damit sein enormes Potenzial.

Comeback im Jahr 2023

Für Cadby bedeutete dies jedoch keineswegs den endgültigen Abschied vom Dartsport. 2023 versuchte er, seine Karriere noch einmal neu aufzubauen. Bei der Q-School kehrte der Australier mit dem Ziel zurück, sich erneut eine Tour Card zu sichern. Bereits am zweiten Spieltag gelang ihm genau das. Im Finale bezwang er Karel Sedláček und spielte dabei einen beeindruckenden Average von 101 Punkten.
Es war wieder eine jener Leistungen, die Erinnerungen an den jungen Cadby weckten, der einst Phil Taylor und Rob Cross bezwungen hatte. Für einen Moment schien es, als würde der Australier tatsächlich ein weiteres Comeback starten.
Doch auch diese Rückkehr verlief anders als erhofft. Obwohl Cadby seine Tour Card gewonnen hatte, bestritt er 2023 kein einziges PDC-Turnier. Der Grund: Cadby erhielt kein Visum für die Einreise nach Großbritannien. 2024 entzog ihm die PDC schließlich seine Tour Card.
Später wurde bekannt, dass noch weitere Probleme hinzugekommen waren. 2025 wurde Cadby wegen eines schweren Wohnungseinbruchs schuldig gesprochen, der sich im Dezember 2022 ereignet hatte. Für seine Beteiligung an der Tat wurde der australische Dartspieler zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt.

Eine Karriere geprägt von verpassten Chancen und einem turbulenten Privatleben

Damit wurde einer Karriere ein weiteres Kapitel hinzugefügt, die vor allem von verpassten Chancen und turbulenten Skandalen geprägt ist. Gerade dieser Gegensatz macht Cadbys Geschichte so außergewöhnlich. Er war keineswegs ein Spieler, dem es an herausragenden Leistungen mangelte. Im Gegenteil: Wenn Cadby auf der Bühne stand und seine besten Darts abrufen konnte, war er in der Lage, sich mit den größten Namen seiner Generation zu messen.
Sein Sieg über Phil Taylor in Perth war dafür eines der ersten Beispiele. Der Junioren-Weltmeistertitel bewies, dass er auch unter großem Druck erfolgreich sein konnte. Sein Average von 102,48 Punkten bei der WM 2017 zeigte, dass er sein Niveau auch auf der größten Bühne abrufen konnte. Und der Sieg über Rob Cross im Jahr 2018 war vielleicht der deutlichste Beleg dafür, dass Cadby für eine Zukunft in der absoluten Weltspitze bereit schien.
Doch eine professionelle Darts-Karriere besteht nicht allein aus Talent und starken Leistungen. Kontinuität, ein stabiles Privatleben, eine professionelle Vorbereitung, die notwendigen Reisen und die regelmäßige Teilnahme an Turnieren sind mindestens genauso wichtig. Gerade in diesen Bereichen wurde Cadbys Karriere immer wieder von Problemen ausgebremst.
So blieb der Australier letztlich einer jener Spieler, bei denen die Frage zurückbleibt, wie weit sie unter anderen Umständen hätten kommen können. Cadby besaß das Talent, die Scoring-Power und das Selbstvertrauen, um die größten Namen zu schlagen. Zudem hatte er bereits in jungen Jahren bewiesen, dass er Finals gewinnen konnte.

WM-Ergebnisse von Corey Cadby

VerbandJahrRundeGegnerErgebnis
PDC2017Erste RundeJoe Cullen1-3

Die Zukunft?

Werden wir Cadby jemals wieder auf höchstem Niveau erleben? Aus heutiger Sicht erscheinen die Chancen darauf eher gering. Noch immer ist er vergleichsweise jung, was zweifellos für ihn spricht. Angesichts seiner strafrechtlichen Vergangenheit dürfte es jedoch schwierig werden, künftig ein Visum für Reisen nach Europa zu erhalten.
Kürzlich erklärte Cadby selbst offen, dass Drogenkonsum bei den von ihm begangenen Straftaten eine große Rolle gespielt habe. Auch er selbst rechnet inzwischen offenbar nicht mehr mit einer Rückkehr auf die Pro Tour. Sein außergewöhnliches Talent bleibt jedoch unbestritten – und so bleibt zumindest die Frage offen, ob sich für ihn irgendwann doch noch einmal eine neue Chance ergeben wird.
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