Corey Cadby packt aus: „Ich war auf Koks“ – Ex-Supertalent spricht über Haftstrafen, Drogen und sein Darts-Comeback

PDC
durch Nic Gayer
Mittwoch, 01 Juli 2026 um 16:00
corey cadby
Jahrelang galt Corey Cadby als eines der größten Talente, die der Dartsport je hervorgebracht hat. Der Australier bezwang bereits in jungen Jahren zahlreiche Topstars, wurde Junioren-Weltmeister und erreichte das Finale der UK Open. Für viele war er ein künftiger Weltmeister. Statt einer glanzvollen Karriere folgte jedoch der tiefe Absturz. Nun spricht der 31-Jährige in einem bemerkenswert offenen Interview über seine Fehler, seine Gefängnisaufenthalte und die Hoffnung auf einen Neuanfang.
Den endgültigen Durchbruch schaffte Cadby im Jahr 2016. In seiner Debütsaison auf der DPA Tour gewann er sieben Turniere und qualifizierte sich für die Weltmeisterschaft. Für großes Aufsehen sorgte er zudem mit seinem Sensationssieg über Phil Taylor bei den Perth Darts Masters. Es folgte der Titel bei der Junioren-WM, ehe er 2018 das Finale der UK Open erreichte, das er gegen Gary Anderson verlor. Sein Spitzname „The King“ schien damals Programm zu sein – doch der große Durchbruch auf der Weltbühne blieb aus.

Nach Haftstrafe: Cadby spricht offen über seinen Absturz

Als Cadby sich bei der Q-School 2023 erneut eine Tour Card sicherte, schien der Neustart zum Greifen nah. Doch auf der PDC-Tour ließ sich der Australier anschließend nie blicken. Der Grund dafür war schwerwiegend.
Corey Cadby posiert mit dem Pokal.
Corey Cadby spricht nach seiner Haft offen über die schwersten Fehler seines Lebens und hofft auf einen Neuanfang – sportlich und privat.
„Mir geht es gut“, sagte Cadby im Gespräch mit Bang on Target. „Ich bin im Januar dieses Jahres aus dem Gefängnis entlassen worden. Ich bin zurück nach Davenport in Tasmanien gezogen und lebe nun wieder mit meiner Frau und meiner Tochter zusammen.“
Der Australier schildert auch offen, weshalb er hinter Gittern landete. „Ich habe acht Monate gesessen, weil ich ohne Maske in einen Hungry Jack’s hineingegangen bin und nach dem Tresor gefragt habe.“ Hungry Jack’s ist die australische Burger-King-Kette.
Dabei macht Cadby keinen Hehl daraus, dass Drogen eine entscheidende Rolle bei seinen Fehlentscheidungen spielten. „Ich war auf Koks und weiß eigentlich nicht genau, warum ich es getan habe.“
Besonders bitter: Der Vorfall ereignete sich nur kurze Zeit, nachdem er sich bei der Q-School im deutschen Kalkar eindrucksvoll seine Tour Card zurückgeholt hatte. Rückblickend sieht er den entscheidenden Fehler. „Rückblickend hätte ich sofort mit Paul zurück nach England fliegen sollen. Hätte ich das getan, wäre das wahrscheinlich nie passiert.“
Stattdessen kehrte er nach Australien zurück. „Ich landete wieder bei meinen alten Freunden und ehe ich mich versah, überfiel ich einen Burgerladen.“

Kuriose Geschichte um geliehene Schuhe bei der Q-School

Neben den ernsten Themen erinnerte sich Cadby im Interview auch an eine amüsante Begebenheit aus seiner Zeit bei der Q-School in Deutschland.
„Weißt du noch, dass du die Schuhe mitgenommen hast?“, fragte er seinen Gesprächspartner.
Am Abend vor Turnierbeginn stellte Cadby fest, dass er keine passenden schwarzen Schuhe für den Wettbewerb dabeihatte. Da sämtliche Geschäfte bereits geschlossen waren, entdeckte sein Betreuer vor einem Hotelzimmer ein Paar schwarze Schuhe.
Cadby probierte sie an – sie passten perfekt. Am folgenden Tag gewann er tatsächlich seine Tour Card. Nach dem Turnier signierte er die Schuhe mit einem goldenen Stift.

Zweite Haftstrafe nach Angriff

Doch damit war Cadbys juristische Vergangenheit noch nicht beendet. Später musste er erneut ins Gefängnis – diesmal nach einem Vorfall, bei dem er nach eigener Aussage seiner Tante helfen wollte.
„Meine Tante wurde von ihrem Partner schlecht behandelt. Nicht körperlich, aber psychisch. Sie durfte das Haus nicht verlassen und hatte mit niemandem Kontakt.“
Gemeinsam mit einigen Freunden beschloss Cadby einzugreifen. „Ich trat die Tür ein und begann, ihn zu schlagen. Einer der anderen schlug ihn anschließend mit einer Stange.“
Als die Polizei eintraf, weigerte sich der Australier, die Namen seiner Begleiter preiszugeben. „Dadurch landete alles auf meinem Tisch. Ich wurde wegen Hausfriedensbruchs und Körperverletzung verurteilt.“
Für diese Tat erhielt Cadby eine Freiheitsstrafe von 28 Monaten. „Zu dem Zeitpunkt war ich high auf Ice.“ Mit „Ice“ meint der Australier die Droge Crystal Meth.

Rückkehr auf die PDC-Tour bleibt fraglich

Inzwischen versucht Cadby, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Kurz nach seiner Entlassung griff er erneut zu den Darts.
„Kurz nachdem ich freikam, spielte ich mit meinem Bruder ein Doppelturnier. Das haben wir gewonnen. Ich spielte eigentlich ziemlich gut und warf im Schnitt um die 93.“
Nach eigener Einschätzung verfügt er weiterhin über die spielerische Qualität, um auf hohem Niveau mitzuhalten. Dennoch weiß Cadby, dass eine Rückkehr auf die PDC-Tour äußerst unwahrscheinlich ist. Seine Tour Card wurde ihm bereits entzogen, nachdem er sie während seiner zweiten Tour-Card-Phase kaum genutzt hatte.
„Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass ich noch ein Visum bekomme“, sagte er. Mit einem Augenzwinkern ergänzte er: „Vielleicht kann ich nach England rudern.“

Familie steht jetzt an erster Stelle

Auch wenn seine sportliche Zukunft ungewiss ist, hat Cadby heute klare Prioritäten. Nach eigenen Angaben lebt er inzwischen clean, führt ein ruhiges Leben und widmet sich vor allem seiner Familie.
Zum Abschluss des Interviews teilte der ehemalige Junioren-Weltmeister noch eine erfreuliche Nachricht: „Meine Frau ist schwanger.“
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