Der internationale Siegeszug des Dartsports hat in den vergangenen Jahren noch einmal erheblich an Fahrt aufgenommen. Während die Sportart in Europa längst regelmäßig die Arenen füllt und sich auch in Australien wachsender Beliebtheit erfreut, nimmt die PDC zunehmend den US-Markt ins Visier. Ein neuer Medienvertrag mit ESPN könnte dabei zum entscheidenden Faktor werden. Kommentator
Dan Dawson sieht darin einen wichtigen Schritt, um Darts auch jenseits des Atlantiks nachhaltig zu etablieren.
Bereits beim vergangenen World Matchplay konnten Fans in den Vereinigten Staaten das komplette Turnier über ESPN+ verfolgen, während das Finale zusätzlich live auf ESPN2 ausgestrahlt wurde. Für Dawson steckt hinter der neuen Partnerschaft jedoch weit mehr als lediglich ein weiterer TV-Vertrag.
ESPN gibt Darts die Bühne, die es verdient
Der erfahrene Kommentator betrachtet die Zusammenarbeit mit ESPN als wegweisende Entwicklung für das weitere Wachstum des Sports in Nordamerika. Die PDC habe in den vergangenen Jahren vor allem die notwendigen Voraussetzungen geschaffen, um Darts international voranzubringen. Anschließend brauche es jedoch starke Medienpartner, die die Geschichten des Sports einem möglichst großen Publikum vermitteln.
Darts-Kommentator Dan Dawson sieht in der Zusammenarbeit mit ESPN eine große Chance für den Dartsport und ist vom langfristigen Durchbruch in den USA überzeugt.
„Die PDC kann nur die richtigen Rahmenbedingungen schaffen. Sie sorgt für einen professionellen Circuit, investiert in Spieler und baut ein Umfeld, in dem besondere Geschichten entstehen können. Anschließend muss man das optimal nutzen“, erklärte Dawson im Gespräch mit
Awful Announcing.Eine vergleichbare Schlüsselrolle habe Sky Sports über viele Jahre in Großbritannien eingenommen. Darts wurde früher nicht selten als gemütlicher Kneipensport belächelt. Der britische Sportsender entschied sich jedoch dazu, die Sportart mit derselben Professionalität zu präsentieren wie Fußball, Golf oder die Formel 1.
„Sky hat Darts immer ernst genommen. Sie behandelten es als echte Spitzensportart und nicht als netten Lückenfüller. Wenn man eine Sportart mit Respekt behandelt, nehmen die Menschen sie automatisch auch ernster.“
Einen ähnlichen Effekt könnte die Partnerschaft mit ESPN nach Dawsons Einschätzung nun in den USA entfalten. „Dadurch können viel mehr Menschen entdecken, was Darts wirklich ist. Natürlich ist es ein großes Fest für die Fans auf den Rängen, aber gleichzeitig sehen sie auch die Geschichten ganz normaler Menschen, die durch diesen Sport ihr Leben komplett verändern.“
Die Zahlen zeigen: Darts gewinnt auch in Amerika an Boden
Obwohl die Vereinigten Staaten traditionell als schwieriges Terrain für internationale Sportarten gelten, erkennt Dawson deutliche Anzeichen dafür, dass sich Darts dort langsam, aber kontinuierlich etabliert.
Die Zahl der US-Zuschauer bei PDC-Turnieren sei in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Gleichzeitig wachse das Interesse in den sozialen Medien rasant, während auch die Veranstaltungen vor Ort immer mehr Besucher anziehen.
Als Beispiel führt Dawson die jüngsten World-Series-Events in New York an. „Der Unterschied zur ersten Reise in den Madison Square Garden ist enorm. Das war wirklich ein himmelweiter Unterschied. Auch im Vergleich zu früheren US Darts Masters in Las Vegas sieht man, wie stark das Interesse inzwischen gewachsen ist.“
Luke Humphries triumphierte beim jüngsten US Darts Masters in New York und setzte sich in einem dramatischen Finale mit 8:7 gegen Luke Littler durch.
Dass der amerikanische Markt dennoch alles andere als ein Selbstläufer ist, weiß auch Dawson. „Es bleibt ein unglaublich harter Markt, den es zu erobern gilt. Es gibt gewaltige Konkurrenz durch andere Sportarten. Aber es fühlt sich so an, als ob Darts langsam immer mehr Boden gutmacht.“
Eine wichtige Rolle bei dieser Entwicklung schreibt der Kommentator
Luke Littler zu. Der amtierende Weltmeister hat mit seinen Leistungen weltweit neue Zuschauer für Darts begeistert und damit auch bei amerikanischen Sportfans Neugier auf die Sportart geweckt.
Für Dawson liegt deshalb auf der Hand, was der nächste große Schritt für den US-Dartsport sein muss: ein amerikanischer Spieler, der tatsächlich um die bedeutendsten Titel der Welt kämpfen kann.
Die PDC investiert bereits seit geraumer Zeit in die Entwicklung des Sports in Nordamerika, unter anderem über die CDC Tour. Das übergeordnete Ziel ist eindeutig. „Sie wollen einen eigenen Champion hervorbringen, der es mit der absoluten Weltspitze aufnehmen kann. Das ist die perfekte Geschichte für US-Fans.“
Zwar unterstützen inzwischen zahlreiche amerikanische Anhänger Luke Littler und andere europäische Topstars, doch ein erfolgreicher Spieler aus dem eigenen Land wäre nach Dawsons Einschätzung von unschätzbarem Wert. „Am Ende wollen die Menschen ihre eigenen Helden siegen sehen. Das gilt in jeder Sportart.“
In den vergangenen Jahren seien deshalb viel Zeit, Geld und Energie in die Talententwicklung in Nordamerika geflossen. Dawson ist entsprechend überzeugt, dass der große Durchbruch lediglich eine Frage der Zeit ist. „Es kann morgen passieren, nächstes Jahr oder vielleicht etwas später. Aber ich glaube fest daran, dass es passieren wird. Für mich ist es nicht die Frage, ob ein US-Topspieler kommt, sondern wann.“
Hinzu kommt ein Faktor, der Darts von vielen anderen Sportarten unterscheidet: Der Weg an die Spitze kann vergleichsweise schnell gelingen. „Wenn jemand echtes Talent hat, sich voll reinhängt und bereit ist, alles zu geben, muss der Weg an die Spitze gar nicht so lang sein.“
Luke Littler schreibt die Geschichtsbücher erneut um
Der größte Publikumsmagnet des Sports bleibt derweil Luke Littler. Der 19-jährige Engländer spielt eine Saison, deren Dimensionen nach Einschätzung Dawsons kaum mit früheren Leistungen vergleichbar sind.
Mit dem WM-Titel und dem Triumph beim World Matchplay hat Littler unter anderem erneut Dartsgeschichte geschrieben. Vor allem seine Vorstellung in Blackpool beeindruckte Dawson nachhaltig. „Über ein komplettes World Matchplay-Turnier war das vielleicht die beste Leistung, die wir je gesehen haben.“
Dass derartige Zahlen und Leistungen über Jahre hinweg zum Normalzustand werden, erwartet der Kommentator dennoch nicht. „Ich denke, das war außergewöhnlich. Wenn er dieses Niveau dauerhaft hält, wird das für den Rest der Weltspitze beängstigend.“
Unbesiegbar macht das Littler aus Dawsons Sicht allerdings nicht. Der junge Engländer stand in den vergangenen zwölf Monaten mehrfach unmittelbar vor dem Aus und musste in mehreren großen Spielen sogar Matchdarts seines Gegners überstehen. „Es gab genug Partien, die er ebenso hätte verlieren können. Das gehört zum Spitzensport.“
Ist ein dominanter Weltstar gut für Darts?
Eine Frage beschäftigt Dawson bereits seit Jahren: Ist es für die Entwicklung des Dartsports tatsächlich von Vorteil, wenn ein einzelner Spieler die Konkurrenz über einen längeren Zeitraum dominiert? Mit Phil Taylor erlebte er eine Ära, in der ein Spieler beinahe alles gewann. Später folgte Michael van Gerwen mit einer ähnlich dominanten Phase. Nun deutet vieles darauf hin, dass Luke Littler diese Rolle übernehmen könnte.
Eine eindeutige Antwort gibt es für Dawson darauf nicht. Einerseits schätzt er gerade die Breite an der Spitze und die Tatsache, dass zahlreiche unterschiedliche Spieler große Titel gewinnen können. „Ich fand jene Phase großartig, in der allerlei unerwartete Namen Majors gewannen. Spieler wie Andrew Gilding, Chris Dobey und Ross Smith nutzten ihre Chance. Das machte es enorm unvorhersehbar.“
Gleichzeitig weiß Dawson, dass der durchschnittliche Sportzuschauer einen anderen Blick auf Darts hat als ein eingefleischter Fan. „Ich liebe Darts sowieso. Ich schaue immer. Aber für Millionen andere Menschen ist das anders.“
Gerade ein überragender Superstar könne deshalb dafür sorgen, dass auch Menschen einschalten, die Darts ansonsten nicht regelmäßig verfolgen. „Das sah man früher bei Phil Taylor und Michael van Gerwen. Jetzt passiert dasselbe mit Luke Littler. Die Leute sagen: ‚Er spielt heute Abend, lass uns schauen. Vielleicht passiert etwas, das wir noch nie gesehen haben.‘“
Für Dawson ist genau dieser Reiz ein entscheidender Faktor für eine Sportart mit globalen Ambitionen. „Vielleicht wirft er drei 9-Darter an einem Abend. Vielleicht zwei hintereinander. Vielleicht spielt er einen Average, den niemand für möglich gehalten hat. Man weiß es einfach nicht.“
Diese Unberechenbarkeit in Verbindung mit Littlers außergewöhnlichem Talent macht den Engländer nach Ansicht des Kommentators zu einem einzigartigen Zuschauermagneten. „Littler ist schlichtweg Box Office. Ein Spieler, der Menschen eigens vor den Fernseher holt, ist am Ende unglaublich wertvoll für den Sport.“