Die ersten Monate der Dartsaison haben die Kräfteverhältnisse weitgehend sichtbar gemacht, doch für viele Spieler beginnt das eigentliche Geschäft erst noch. In der zweiten Hälfte des Jahres 2026 stehen die meisten großen TV-Turniere an, und genau dort können Karrieren und Positionen in der Weltrangliste in kurzer Zeit eine völlig neue Wendung nehmen.
Die absolute Weltspitze lassen wir in diesem Überblick weitgehend außen vor. Dahinter steht nämlich eine große Gruppe von Spielern bereit, die im Herbst für Überraschungen sorgen kann. Einige haben auf der Pro Tour bereits bewiesen, konstant zur Elite zu gehören, andere erleben eine Wiederauferstehung oder haben in ihrem ersten Jahr mit einer Tour Card sofort Eindruck gemacht. Das sind laut
Dartsnews.de zehn Spieler, die man in der zweiten Saisonhälfte besonders im Auge behalten sollte.
Wessel Nijman
Wenn es einen Spieler gibt, der auf Basis seiner Leistungen bei den Ranglistenturnieren reif für den großen TV-Durchbruch wirkt, dann ist es
Wessel Nijman. Niemand gewann in den ersten sieben Monaten des Jahres 2026 mehr Rankingtitel als der Niederländer.
Nijman sammelte nicht weniger als sechs Players Championship-Titel und gewann dazu zwei Euro Tour-Turniere. Diese beeindruckende Ausbeute hat ihn
auf den zweiten Platz der Year-to-Date Order of Merit gebracht.
Auch auf der regulären PDC Order of Merit geht es rasant voran. Nijman ist inzwischen
auf Rang dreizehn geklettert und kann im Herbst sogar sein Debüt in den Top 10 der Welt geben.
Der nächste Schritt muss bei den Majors erfolgen. Nijman wartet noch auf seinen großen Durchbruch bei einem wichtigen TV-Turnier, doch wenn er sein Floor-Niveau auch dort abrufen kann, scheint ein starkes Ergebnis nur eine Frage der Zeit. Zudem verteidigt er bei den kommenden TV-Turnieren relativ wenig Preisgeld, wodurch reichlich Raum für weiteren Aufstieg besteht.
Ein endgültiger Durchbruch von Wessel Nijman bei einem Major dürfte 2026 eigentlich nur eine Frage der Zeit sein
Ross Smith
Ross Smith weiß inzwischen, wie es sich anfühlt, aus dem Nichts ein Major zu gewinnen. 2022 überraschte er mit dem Triumph bei der European Championship und war anschließend eine Zeit lang Teil der weltweiten Top 16.
Nachdem das Preisgeld dieses Titels aus der Weltrangliste herausgefallen war, rutschte Smith zurück. Inzwischen hat „Smudger“ seinen Platz unter den besten Sechzehn jedoch wiedererobert.
Seine Ergebnisse in 2026 unterstreichen diese Wiederauferstehung. Smith gewann zwei Players Championship-Turniere und holte erstmals in seiner Karriere einen European Tour-Titel. In der Year-to-Date Order of Merit steht er damit stark auf Rang vier.
Seine Leistungen bescherten ihm zudem eine Einladung zu den World Series-Turnieren Down Under im August. Im Herbst wird Smith bei allen großen TV-Turnieren zu sehen sein. Weil er bei den Majors relativ wenig Preisgeld verteidigen muss, kann er dort erneut wichtige Schritte machen.
Kevin Doets
Kevin Doets macht nahezu jedes Jahr Fortschritte, und auch 2026 hat der Niederländer erneut große Schritte gesetzt. Vor allem auf der Pro Tour taucht sein Name immer häufiger in den entscheidenden Phasen auf.
Doets gewann in dieser Saison ein Players Championship-Turnier und erreichte zudem ein European Tour-Finale. In der Year-to-Date Order of Merit liegt er inzwischen auf Rang acht.
Auch im Fernsehen hat Doets bereits mehrfach gezeigt, dass er mit starken Gegnern mithalten kann. Beim World Matchplay war das Ergebnis unglücklich: Trotz eines 105er-Averages folgte das Aus in Runde eins.
Ein Viertelfinale bei einem PDC-Major fehlt noch in seiner Vita. Angesichts seines aktuellen Niveaus scheint er im Herbst jedoch mehrere Chancen zu bekommen, das zu ändern. Doets steht derzeit auf Rang dreißig der Weltrangliste, doch ein Vorstoß in Richtung Top 24 ist später in diesem Jahr durchaus möglich.
Rob Cross
Bei Rob Cross scheint allmählich wieder Ruhe eingekehrt zu sein. Der Ex-Weltmeister erlebte ein schwieriges Jahr 2025, in dem Probleme mit der britischen Steuerbehörde eine Rolle spielten und später 2026 auch seine Ehe zerbrach. Inzwischen haben sich die Ergebnisse deutlich verbessert.
Das zeigte sich vor allem auf den jüngsten European Tours. Cross erreichte zwei Halbfinals und ein Finale und fügte zudem einen Players Championship-Titel hinzu.
Ein Cross in Form bleibt für jeden Spieler aus der Weltspitze ein äußerst gefährlicher Gegner. Dennoch steht „Voltage“ aktuell nur auf Rang 23 der PDC Order of Merit. Sein 14. Platz in der Year-to-Date Order of Merit erzählt jedoch eine andere Geschichte über seine Leistungen in 2026.
Wenn Cross diese Linie im Herbst fortsetzen kann, rückt eine Rückkehr in die weltweite Top 16 schnell näher.
Cristo Reyes
Vielleicht eine der auffälligsten Geschichten des Jahres 2026 ist das Comeback von Cristo Reyes. Nach sechsjähriger Abwesenheit sicherte sich der Spanier erneut eine PDC Tour Card und erweckt bislang keineswegs den Eindruck, jahrelang außerhalb des Profizirkus gespielt zu haben.
Reyes qualifiziert sich regelmäßig für Euro Tour-Turniere und hat sich inzwischen auf Rang 73 der Weltrangliste vorgearbeitet. Damit liegt er hervorragend auf Kurs, nach seiner ersten Saison bereits zu den besten 64 Spielern der Welt zu gehören.
Auch die Teilnahme am World Grand Prix ist weiterhin möglich, was im ersten Jahr seiner neuen Tour-Card-Periode eine beachtliche Leistung wäre. Reyes wird auf jeden Fall beim European Championship und den Players Championship Finals zu sehen sein. Starke Auftritte bei den Majors könnten ihn sogar in Richtung der weltweiten Top 50 bringen.
Als wäre Cristo Reyes nie weg gewesen, zeigt der Spanier auf der PDC Tour wieder altbekannt starke Leistungen
Beau Greaves
Dass
Beau Greaves hervorragend gegen die Männer spielen kann, ist schon länger bekannt. In dieser Saison verfügt die dreifache Weltmeisterin bei den Frauen erstmals über eine PDC Tour Card, und auch unter den etablierten Tour-Card-Inhabern brauchte sie kaum Zeit, um ihr Niveau zu bestätigen.
Greaves gewann bereits ein Players Championship-Turnier und steht auf Platz sieben der Players Championship Order of Merit. Zudem hat sie sich für mehrere kommende Euro Tour-Turniere qualifiziert.
Im Herbst erhält Greaves mehrere Chancen, auch bei den Majors den nächsten Schritt zu machen. Sie wird auf jeden Fall am Grand Slam of Darts, den Players Championship Finals und der Darts-WM teilnehmen.
Bei einer PDC-Major hat sie noch nie die zweite Runde erreicht. In den vergangenen Jahren war sie diesem Ziel einige Male nahe. Mit der Erfahrung, die sie mittlerweile auf der Pro Tour gesammelt hat, ergeben sich in diesem Herbst drei neue Möglichkeiten, diese Marke doch noch zu knacken.
Cameron Menzies
Wenn Cameron Menzies auf der Bühne steht, passiert fast immer etwas. Der Schotte geriet bei der vergangenen WM negativ in die Schlagzeilen, nachdem er seinen Frust an einem Tischchen auf der Bühne ausgelassen hatte, meldete sich beim World Matchplay jedoch sportlich stark zurück.
Menzies schaltete Luke Humphries in der ersten Runde aus. Sein Turnier fand anschließend ein unschönes Ende. In seiner Zweitrundenpartie gegen Ross Smith wurde er
bei einer 2:1-Führung unwohl und musste das Match aufgeben.
Das ändert nichts daran, dass Menzies erneut eine starke Saison spielt. Er erreichte ein Halbfinale auf der Euro Tour und gewann ein Players Championship-Turnier.
Mit Platz 26 der Weltrangliste und Rang 27 der Year-to-Date Order of Merit sind seine Einstufungen recht ähnlich. Sein Niveau im Jahr 2026 liefert jedoch genügend Anlass, mit ihm bei den Majors im Herbst zu rechnen.
Gerwyn Price
Gerwyn Price ist eigentlich zu etabliert, um als klassische „One to Watch“ zu gelten. Dennoch verdient der Waliser einen Platz in dieser Übersicht, gerade weil er in den vergangenen Jahren nicht die Resultate erzielte, die man von einem ehemaligen Weltmeister erwarten darf.
Sein letzter individueller Ranking-Major datiert aus 2021. In 2026 gibt es jedoch deutliche Anzeichen, dass „The Iceman“ einer großen Trophäe wieder näherkommt.
Nach seinem enttäuschenden WM-Auftritt erreichte Price die Halbfinals sowohl bei den World Masters als auch bei der UK Open. Beim World Matchplay ging er sogar noch einen Schritt weiter und stand im Finale. Es war sein erstes Finale bei einem Ranking-Major seit Oktober 2023.
Price hat 2026 nicht besonders viele Turniere gespielt, doch wenn er antritt, sind die Resultate zumeist gut. Damit scheinen die Voraussetzungen gegeben, endlich wieder einen individuellen Major zu gewinnen. Die Chance ist nur groß, dass er dafür unterwegs an Vielstarter Luke Littler vorbei muss.
Gerwyn Price gewann 2021 zuletzt einen individuellen Ranking-Major
Kim Huybrechts
Zu Saisonbeginn sah die Lage von
Kim Huybrechts deutlich trüber aus. Der Belgier schien ernsthaft mit dem Verlust seiner Tour Card rechnen zu müssen, doch nach dem Start einer Zusammenarbeit mit der belgischen Dartslegende Erik Clarys zeigte der Trend nach oben.
Huybrechts ist in Sachen Form aktuell der beste belgische Darter. Auf der offiziellen Weltrangliste steht er zwar weiterhin nur auf Rang 52, doch seine 36. Position in der Year-to-Date Order of Merit zeigt, wie viel besser seine Leistungen in dieser Saison sind.
Die Chance ist groß, dass Huybrechts sich für das European Championship qualifiziert. Außerdem wird er ohnehin an den Players Championship Finals und der Darts-WM teilnehmen. Selbst der World Grand Prix
ist noch nicht vollständig außer Reichweite, auch wenn er dafür noch einen deutlichen Rückstand aufholen muss.
Das wichtigste Ziel liegt wohl weiter voraus. Mit einem starken Herbst kann sich Huybrechts in eine ausgezeichnete Ausgangsposition bringen, um 2027 erneut die Attacke auf die Top 32 der Welt zu starten.
Luke Woodhouse
Luke Woodhouse gehört zu den Spielern, die vielleicht weniger Aufmerksamkeit erhalten als manche Konkurrenten, aber nahezu jede Saison Fortschritte machen. 2026 hat der Engländer erneut einen wichtigen Schritt gesetzt.
Lange Zeit trug Woodhouse das wenig schmeichelhafte Etikett des höchstplatzierten Spielers der Weltrangliste ohne PDC-Titel. Damit hat er inzwischen überzeugend aufgeräumt. In dieser Saison gewann er sowohl ein Players Championship-Turnier als auch einen Euro Tour-Titel.
Woodhouse begann das Jahr als Nummer 21 der Welt und ist mittlerweile auf Platz 18 geklettert. Noch auffälliger ist seine Position in der Year-to-Date Order of Merit, auf der er Neunter ist.
Im Herbst wird Woodhouse bei allen großen TV-Turnieren zu sehen sein. Bei den Majors blieb sein endgültiger Durchbruch bislang aus, mit dem Halbfinale bei der European Championship 2024 als wichtigster Ausnahme.
Genau dort liegt seine nächste Herausforderung. Wenn Woodhouse seine starken Ergebnisse von der Pro Tour auch auf den großen TV-Bühnen bestätigen kann, könnte er in den letzten Monaten des Jahres 2026 ernsthaft an die weltweiten Top 16 anklopfen.
Welche Majors stehen noch an?
Die TV-Turniere folgen im Herbst in hohem Tempo aufeinander. Die nächste Major ist die World Series Finals in der AFAS Live in Amsterdam vom 17. bis 20. September. Nicht das prestigeträchtigste Turnier, zählt zudem nicht einmal für die Rangliste, aber es ist eine gute Möglichkeit, Selbstvertrauen für die anderen Majors zu tanken.
Der erste wirklich wichtige Termin ist der World Grand Prix in Leicester. Das berühmte Double-In-Double-Out-Turnier steht vom 28. September bis 4. Oktober auf dem Programm. Später im Monat folgt die European Championship in Dortmund. Vom 22. bis 25. Oktober wird Gian van Veen versuchen, dort seinen Titel zu verteidigen.
Ein weiteres ikonisches Turnier ist der Grand Slam of Darts, der in diesem Jahr ein Makeover erhalten hat. Dieses Event ist vom 14. bis 22. November terminiert. Mit 48 Spielern ist das Teilnehmerfeld größer als je zuvor. Sie werden auf sechzehn Dreiergruppen verteilt, in denen zunächst um den Einzug in die K.-o.-Phase gespielt wird. Danach geht der Kampf um die Eric Bristow Trophy im Ausscheidungsmodus weiter.
Das letzte Turnier vor der WM Darts sind traditionell die Players Championship Finals in Minehead. Die 64 besten Spieler der Players Championship-Saison dürfen hier vom 27. bis 29. November antreten. Danach beginnt die letzte Vorbereitung auf die WM Darts. Der Kampf um den Weltmeistertitel findet vom 11. Dezember bis 3. Januar im Alexandra Palace in London statt.
| Datum | Turnier | Ort |
| 17.–20. September | World Series Finals | AFAS Live, Amsterdam |
| 28. September – 4. Oktober | World Grand Prix | Mattioli Arena, Leicester |
| 22.–25. Oktober | European Championship | Westfalenhalle, Dortmund |
| 14.–22. November | Grand Slam of Darts | Aldersley Leisure Village, Wolverhampton |
| 27.–29. November | Players Championship Finals | Butlins Resort, Minehead |
| 11. Dezember – 3. Januar | WM Darts | Alexandra Palace, London |