In dieser Rubrik blicken wir regelmäßig auf einen Dartspieler aus der Vergangenheit zurück. Heute ist der Engländer Mark Hylton an der Reihe. Er tauschte seinen Beruf als Flugbegleiter zeitweise gegen eine Karriere als professioneller Dartspieler ein.
Hylton wurde 1966 in London geboren und war viele Jahre auf Amateurebene aktiv, ehe er 1997 erstmals auf sich aufmerksam machte. Bei den British Classic erreichte er das Achtelfinale, wo er schließlich an Phil Taylor scheiterte.
Vom Flugbegleiter zum Darts-Profi
Anschließend dauerte es bis 2007, ehe Hylton erstmals auf der großen TV-Bühne zu sehen war. Bei den UK Open besiegte er in der ersten Runde Ray Carver, ehe er in Runde zwei seinem Landsmann Mark Robinson unterlag.
Viele Jahre arbeitete Hylton als Flugbegleiter, doch 2010 entschied er sich, sich vollständig seiner Darts-Karriere zu widmen. Zwar verpasste er in diesem Jahr die Qualifikation für die UK Open, später erreichte er jedoch das Finale eines Pro-Tour-Turniers in Australien. Dort musste er sich schließlich Dennis Priestley geschlagen geben.
Noch im selben Jahr qualifizierte sich Hylton über das ITV-Wildcard-Qualifikationsturnier für den Grand Slam of Darts. In einem Teilnehmerfeld mit mehr als 250 Spielern sicherte er sich eines von vier begehrten Tickets. Bei seinem Debüt auf der TV-Bühne wurde er einer schweren Gruppe mit Gary Anderson, Mark Webster und Wayne Jones zugelost. Trotz drei Niederlagen sammelte er wertvolle Erfahrungen gegen etablierte Größen des Sports.
Noch im selben Jahr folgte der nächste Meilenstein. Dank starker Leistungen auf der Players Championship Tour qualifizierte sich Hylton für die PDC Darts WM. Dort sorgte er direkt für mehrere Überraschungen. In der ersten Runde besiegte er den ehemaligen Weltmeister Steve Beaton mit 3:2 in Sätzen. Anschließend setzte er sich auch gegen den an Position neun gesetzten Colin Lloyd mit 4:2 durch und erreichte damit das Achtelfinale. Seine beeindruckende Serie endete schließlich gegen Mark Webster, doch seine Auftritte sorgten in der Dartswelt für großes Aufsehen. Als Anerkennung erhielt Hylton den PDC Best Newcomer Award 2010.
Auch das Jahr 2011 begann hervorragend. Bei verschiedenen offenen Turnieren bewies Hylton, dass seine Leistungen im Fernsehen kein Zufall gewesen waren. Bei den Double16.com Cotgrave & Newark Opens gelang ihm ein 9-Darter. Nur sechs Tage später wiederholte er dieses Kunststück bei einem offenen Turnier im Red Lion in Erdington und unterstrich damit seine starke Form.
Seine guten Leistungen setzte Hylton auch bei den großen PDC-Turnieren fort. Bei den UK Open feierte er überzeugende Siege gegen Brian Woods, Geoff Whitworth, Andy Jenkins, Andrew Gilding und Peter Wright. Diese Erfolgsserie brachte ihn bis in sein erstes Viertelfinale bei einem TV-Turnier, wo schließlich Denis Ovens zu stark war.
Auch auf der Pro Tour blieb Hylton erfolgreich. In Barnsley erreichte er erneut das Halbfinale, nachdem er unter anderem Steve Beaton, Denis Ovens, Ronnie Baxter und Michael van Gerwen ausgeschaltet hatte. Erst Dave Chisnall beendete seinen starken Lauf. Dank dieser Leistungen qualifizierte sich Hylton für das World Matchplay, wo er direkt in der ersten Runde auf Phil Taylor traf. Trotz einer starken Vorstellung musste er sich dem späteren Champion mit 8:10 geschlagen geben.
Später im Jahr qualifizierte sich Hylton außerdem für den World Grand Prix. Obwohl er mit einer Grippe zu kämpfen hatte, erreichte er erneut das Viertelfinale. Siege gegen Mark Walsh und den an Nummer fünf gesetzten Simon Whitlock bescherten ihm ein Duell mit Richie Burnett. Dieses verlor er zwar mit 1:4, zeigte aber erneut, dass er mit der Weltspitze mithalten konnte.
Nach seiner vielversprechenden Saison ging es jedoch langsam bergab. Bei der Weltmeisterschaft 2012 schied Hylton bereits in der ersten Runde gegen Vincent van der Voort aus. Auch auf der Pro Tour blieben die großen Ergebnisse aus. Zwar erreichte er noch einige Viertelfinals, schaffte jedoch die Qualifikation für die nächste Weltmeisterschaft nicht mehr.
In den folgenden Jahren setzte sich der Abwärtstrend fort. 2013 verpasste Hylton sogar die Qualifikation für die UK Open und sammelte während der gesamten Saison lediglich 2.400 Pfund Preisgeld. Dadurch stürzte er in der Weltrangliste von Platz 37 auf Rang 85 ab und verlor seine PDC Tour Card.
Über die Q-School versuchte Hylton anschließend, seinen Profistatus zurückzuerobern, blieb dabei jedoch erfolglos. Als Associate Member spielte er weiterhin Qualifikationsturniere und auf der Challenge Tour. Zwar erreichte er dort noch einige Viertelfinals und ein Halbfinale, an seine besten Leistungen konnte er jedoch nie wieder anknüpfen.
Nach einigen weiteren Jahren auf der Challenge Tour beendete Hylton 2017 schließlich seine Karriere innerhalb der PDC. Damit ging eine Laufbahn zu Ende, die vor allem wegen seines spektakulären Durchbruchs in den Jahren 2010 und 2011 in Erinnerung bleiben wird. Innerhalb kurzer Zeit entwickelte sich Hylton zu einem der vielversprechendsten Neuzugänge der Tour. Auch wenn er dieses Potenzial letztlich nicht vollständig ausschöpfen konnte, bleiben seine überraschenden WM-Siege, mehrere 9-Darter und starke Auftritte bei den großen TV-Turnieren ein fester Bestandteil seines Vermächtnisses im Dartsport.
WM-Ergebnisse von Mark Hylton
Jahr
Ergebnis
Gegner
Resultat
2011
Dritte Runde
Mark Webster
Niederlage (1–4)
2012
Erste Runde
Vincent van der Voort
Niederlage (2–3)
Kurze Karriere, aber bemerkenswerte Geschichte
In einer Rangliste der besten Dartspieler aller Zeiten würde Hylton sicherlich keinen Spitzenplatz einnehmen. Trotzdem gehört seine Geschichte zu jenen, die den Sport – und insbesondere die Dartswelt – so faszinierend machen. Sie zeigt vor allem, dass es nie zu spät ist, den Traum vom Profidasein zu verfolgen.
Hylton war bereits fast Mitte 40, als er seinen Beruf in der Luftfahrt aufgab, um den Schritt zum Profi zu wagen. Mit zwei Viertelfinals bei PDC-Majors bewies er zudem sein großes Talent. Seine Lebensgeschichte schaffte es damals mehrfach in die Medien. Doch seine Karriere als Profi war letztlich nur von kurzer Dauer. So schnell Hylton den Durchbruch schaffte, so schnell verschwand er auch wieder aus dem Rampenlicht.
Nach dem Lockdown infolge der Corona-Pandemie kehrte Hylton noch einmal ans Oche zurück. Er gewann erneut lokale Open-Turniere und sicherte sich im Herbst 2021 einen Titel der MAD-Tour. Seinen letzten Auftritt hatte „Mile High“ in der Qualifikation zur ersten World Seniors Darts Championship, wo er den Sprung ins Hauptfeld allerdings verpasste.
Sohn macht Karriere als Comedian
Hylton ist nicht nur als ehemaliger Profi-Dartspieler bekannt, sondern auch als Vater des Stand-up-Comedians Alex Hylton. Dieser gewann 2020 den renommierten Preis für die beste Show beim Leicester Comedy Festival, einem der größten Comedy-Festivals Großbritanniens.
Nic Gayer ist seit 2022 im Journalismus tätig und begann seine Laufbahn als freier Redakteur im Lokaljournalismus für eine Tageszeitung. Heute berichtet er für Dartsnews.de über den professionellen Dartsport und ordnet das aktuelle Geschehen ein – von großen Turnieren bis zu Entwicklungen abseits der Bühne.
Regelmäßig ist er bei Events vor Ort und begleitet rund 20 Turniere pro Jahr, wo er Interviews führt, unter anderem mit Luke Littler, Luke Humphries, Michael van Gerwen, Gerwyn Price sowie Martin Schindler, Gian van Veen und Josh Rock.
Zudem ist er eine der prägenden Stimmen im englischsprachigen Dartsnews Podcast und Co-Host des Sport-Podcasts Overtime Takes.
Nic arbeitet aus der Nähe von München und steht kurz vor dem Abschluss als Bachelor of Arts in Sportjournalismus.
In seiner Berichterstattung legt er großen Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, präzise Einordnung und aktualisiert Inhalte, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.