Adam Sevada hat seinen Namen endgültig als neue Nummer eins Nordamerikas gefestigt. Der 40-jährige Amerikaner krönte sich im Madison Square Garden Theater zum Sieger des North American Darts Championship und sicherte sich damit die Teilnahme am Grand Slam of Darts sowie an der Darts-WM. Nach dem Finale überwog beim frischgebackenen Champion vor allem ungläubiges Staunen.
„Es gibt eigentlich keine Worte, um zu beschreiben, wie ich mich fühle“, sagte Sevada kurz nach seinem überzeugenden Turniersieg bei Online Darts. „Ich bin wirklich sprachlos. Darauf arbeite ich seit drei Jahren hin, und endlich hat es geklappt. Es wird wahrscheinlich erst später am Abend so richtig bei mir ankommen.“
Sevada war der überragende Spieler des Turniers in New York. Nach einem Auftaktmatch mit einem Average von über 102 setzte er diese Linie im Halbfinale und im Finale fort, in dem er Jim Long mit 6-1 besiegte. Selbst beschäftigte er sich jedoch kaum mit Statistiken.
„Nach meinem ersten Spiel wusste ich nicht einmal, wie hoch mein Average war. Ich schaue da eigentlich nie drauf. Der Sieg ist das Einzige, was zählt. Dieser 102er-Average fühlte sich natürlich großartig an, aber wichtiger war, dass sich einfach alles gut angefühlt hat.“
Auch in seinem zweiten Match blieb dieses Vertrauen vorhanden. „Vielleicht habe ich nicht ganz so gut gespielt wie in meinem ersten Spiel, aber ich hatte das Gefühl, dass ich nicht verlieren würde, wenn ich dieses Niveau halte.“
Kritik endlich vom Tisch
Auf der CDC Tour zeigte Sevada in den vergangenen Jahren bereits regelmäßig, wozu er imstande ist. Dennoch lautete die Kritik oft, er könne sein Niveau nicht auf die große Bühne übertragen. In New York bewies er das Gegenteil.
„Ich versuche überhaupt niemandem etwas zu beweisen, außer mir selbst“, stellte der Amerikaner resolut klar.
„Ehrlich gesagt ist mir egal, was andere sagen. Die Medien schreiben ohnehin, was sie wollen. Es ist kein Geheimnis, dass ich auf dem Floor meist besser spiele als auf der Bühne, aber heute ist es mir endlich gelungen, dieses Niveau auch auf der Bühne zu zeigen. Das fühlt sich großartig an.“
Laut Sevada wusste er schon früh am Tag, dass es sein Turnier werden könnte. Dieses Gefühl entstand bereits nach seinem ersten Wurf der Auftaktpartie.
„Lustigerweise sagte jemand hinterher genau dasselbe, was ich selbst dachte. Ich begann mit 140 und dachte sofort: Das habe ich im Griff.“
Er betonte, dass das nichts mit Arroganz zu tun hatte.
„Nicht, weil ich überheblich war, sondern einfach, weil sich alles gut angefühlt hat. Manchmal hat man Tage, an denen alles wie von selbst läuft. Es fließt einfach. Ich weiß nicht genau, woran das liegt, aber solange dieses Gefühl bleibt, ist es fantastisch.“
Adam Sevada krönte sich erstmals zum Sieger der North American Darts Championship
Enttäuschung vom Vortag schnell abgehakt
Am Tag zuvor erlebte Sevada hingegen einen enttäuschenden Abend bei den US Darts Masters. Er gab selbst zu, nach dem Match ziemlich frustriert über sein Spiel gewesen zu sein. „Ja, das hat auf jeden Fall zusätzlich motiviert“, räumte er ein. „Gestern war einfach furchtbar. Aber ich möchte eigentlich nicht mehr groß darüber reden. Das ist vorbei. Heute war ein neuer Tag.“
Laut Sevada lag der eigentliche Fokus ohnehin auf dem North American Darts Championship. „Natürlich willst du jedes Match gewinnen, aber für uns Nordamerikaner ist gerade dieses Turnier das wichtigste.“
Das zeigte sich auch in der Vorbereitung. Auf die Frage, ob er nach seinem schwächeren Auftritt am Vortag etwas geändert habe, blieb die Antwort schlicht. „Nein, überhaupt nichts. So ist Darts nun mal. An einem Tag spielst du 77 im Average, am nächsten vielleicht fünfzehn Punkte höher. Ich habe exakt dasselbe gemacht wie am Tag zuvor. Das ist Darts.“
Mit seinem Triumph sicherte sich Sevada direkt die Teilnahme am Grand Slam of Darts und an der Darts-WM. Dadurch muss er sich über die CDC-Rangliste keine Gedanken mehr um die Qualifikation machen.
„Das bringt unglaublich viel Ruhe“, gab er zu. „Vorher dachte ich, ich müsse um jeden Preis die Nummer eins der CDC bleiben. Jetzt ist dieser Druck weg, und das fühlt sich herrlich an.“
Seine erste Reaktion sorgte noch für Heiterkeit. „Ich werde keine CDC-Turniere mehr spielen. Ich bleibe schön zu Hause und gehe arbeiten“, witzelte er, bevor er lachend zugab, dass er das wohl doch noch einmal überdenken werde.
Nach all der Anspannung freut sich Sevada vor allem auf einen entspannten Tag in New York. „Ich werde morgen einfach Tourist sein. Ein gutes Steak essen, ausschlafen und entspannen. Danach schauen wir weiter.“
Dass ausgerechnet der Madison Square Garden die Bühne für seinen bislang größten Erfolg war, macht die Leistung besonders. „Allein im Madison Square Garden zu spielen, ist unglaublich. Man denkt sofort an Mike Tyson, Muhammad Ali, die New York Knicks ... So viel Sportgeschichte wurde hier geschrieben.“
Er lachte, als Tyson zur Sprache kam. „Nein, ich werde keine Ohren abbeißen.“ Danach wurde er wieder ernst. „Als Zuschauer im Madison Square Garden zu sein, ist schon besonders, aber hier selbst spielen und gewinnen zu dürfen ... das ist wirklich unglaublich.“
Während des Finals fiel auf, dass gelegentlich ein leichter Nebel auf der Bühne hing. Sevada bemerkte es ebenfalls, ließ sich davon aber nicht ablenken. „Es wurde tatsächlich etwas diesig, und manchmal sah man das Board etwas schlechter.“
Großen Einfluss hatte das nicht. „Du kannst es ohnehin nicht ändern. Du fragst während eines Matches ja nicht, ob sie die Luft anders absaugen können. Es war etwas verwaschen, aber damit musst du einfach umgehen.“
Auch pfeifende Zuschauer brachten ihn nicht aus der Ruhe. „Das stört mich ehrlich gesagt mehr als der Nebel, aber am Ende musst du einfach weiterwerfen.“
Oliver Ried ist seit Ende 2024 Redakteur bei Dartsnews.de. Er berichtet dort über den professionellen Dartsport und erstellt regelmäßig Liveblogs zu den wichtigsten Turnieren und Ereignissen, darunter die PDC World Darts Championship, die Premier League Darts und das World Matchplay. Ergänzend veröffentlicht er Berichte, Einordnungen und Hintergrundtexte zum Geschehen auf der PDC-Tour. Seit Anfang 2025 schreibt er zudem für Radsportaktuell.de über den professionellen Radsport.
Oliver ist in Würzburg stationiert. Neben seiner redaktionellen Arbeit ist er selbst aktiver Dartspieler und bringt dadurch zusätzliche Praxisnähe in seine Berichterstattung ein. Er studiert Grundschullehramt und legt bei seinen Artikeln Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, klare Einordnung und verlässliche Informationen. Inhalte aktualisiert er, sobald neue, gesicherte Details vorliegen.