ZEITREISE MIT: Phill Nixon – der Hausmann, der nach sensationeller Aufholjagd gegen Martin Adams fast Weltmeister wurde

BDO
durch Nic Gayer
Sonntag, 03 Mai 2026 um 15:30
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In dieser Rubrik blicken wir regelmäßig zurück auf prägende Persönlichkeiten aus der Darts-Vergangenheit. Heute richten wir den Fokus auf den Engländer Phill Nixon, der bei seinem WM-Debüt nur knapp davorstand, sensationell direkt den Weltmeistertitel zu gewinnen.

WM-Debüt im Alter von 50 Jahren

Phill Nixon wurde am 13. März 1956 im englischen Durham geboren. Viele Jahre lang gehörte er zu den stärksten Spielern der lokalen Ligen in England, auf internationaler Ebene trat er jedoch nur selten in Erscheinung. Seine besten Resultate waren lange Zeit ein Viertelfinale beim Winmau World Masters 2002 sowie ein Halbfinaleinzug bei den British Open 2004. Das änderte sich, als er sich für die BDO-Weltmeisterschaft 2007 qualifizieren konnte.
Der Weg zur Qualifikation verlief für Nixon allerdings alles andere als einfach. Zunächst musste er sich über regionale und nationale Qualifikationsturniere durchsetzen, um sich überhaupt die Teilnahme am internationalen Qualifikationsturnier für die Weltmeisterschaft zu sichern. Dort gelang ihm schließlich der entscheidende Schritt: Mit 50 Jahren durfte er sein Debüt bei einer Weltmeisterschaft feiern. Die Buchmacher räumten ihm im Vorfeld jedoch kaum Chancen ein und führten ihn mit einer Quote von 150:1 als möglichen Weltmeister. Gemeinsam mit dem Niederländer Albertino Essers hatte er damit die unwahrscheinlichste Siegquote aller Teilnehmer dieses Turniers.

Sensationeller Lauf

Das störte Nixon – auch bekannt unter den Spitznamen „Nixy“ und „The Ferryhill Flyer“ – jedoch nicht. Bereits in der ersten Runde sorgte er für eine große Überraschung, als er den an Position sieben gesetzten Darryl Fitton mit 3:1 besiegte. Dabei spielte Nixon einen Average von 92,43 – ein Wert, der zu den zehn besten Averages jener Weltmeisterschaft gehörte. In der nächsten Runde musste auch der an Position zehn gesetzte Martin Atkins eine 1:4-Niederlage hinnehmen. Im Viertelfinale stand Nixon dann kurz vor dem Aus, setzte sich am Ende jedoch noch mit 5:4 gegen den Schotten Paul Hanvidge durch.
Damit stand Nixon bei seiner ersten Weltmeisterschaft direkt im Halbfinale. Dort traf er auf den ebenfalls überraschend weit vorgedrungenen Niederländer Niels de Ruiter. In einer spannenden Begegnung behielt Nixon schließlich mit 6:4 die Oberhand und zog ins Finale ein, wo mit dem topgesetzten Martin Adams ein weiterer Spieler wartete, der – genau wie Nixon – seinen ersten Weltmeistertitel gewinnen wollte.

Legendäres Finale

Das Finale begann dramatisch für Nixon. Von den ersten sechs Sätzen konnte er keinen einzigen gewinnen, sodass er mit einem 0:6-Rückstand in die Pause ging und kaum noch Hoffnung auf den Weltmeistertitel bestand. Die Spannung schien dahin – doch es kam ganz anders. Adams vergab in den folgenden Sätzen vier Matchdarts, und Nixon nutzte seine Chance: Er verkürzte auf 1:6, dann auf 2:6 … und schließlich sogar auf 6:6. Das Publikum im Lakeside geriet völlig aus dem Häuschen.
Im entscheidenden Satz war es am Ende jedoch Adams, der sich als einen Tick zu stark erwies. Nixon durfte sich durch seinen Finaleinzug dennoch über ein Preisgeld von stattlichen 30.000 Pfund freuen.
Dank seiner starken Leistungen bei der Weltmeisterschaft durfte Nixon 2007 und 2008 auch am Grand Slam of Darts teilnehmen, bei dem damals die besten Spieler aus BDO und PDC aufeinandertrafen. Bei der Ausgabe 2007 schied Nixon jedoch in der Gruppenphase aus: Sowohl gegen James Wade als auch gegen Pat Orreal unterlag er jeweils knapp mit 4:5. Lediglich gegen Niels de Ruiter – in einer Neuauflage ihres WM-Halbfinales – konnte Nixon mit 5:0 gewinnen. Das reichte jedoch nicht für den Einzug in die K.-o.-Phase.
Auch 2008 kam Nixon nicht über die Gruppenphase hinaus. Nach einer klaren 0:5-Niederlage in seinem Auftaktspiel gegen Phil Taylor erwies sich auch Vincent van der Voort im zweiten Gruppenspiel mit 5:1 als zu stark. Nur gegen Andy Jenkins gelang Nixon ein 5:3-Erfolg.

Neuauflage des WM-Finales

Ein Jahr nach seinem Finaleinzug bei der Weltmeisterschaft war Nixon auch 2008 erneut bei der BDO-WM vertreten. Die Auslosung bescherte ihm ausgerechnet ein Wiedersehen mit Martin Adams – eine Neuauflage des Finals aus dem Vorjahr. Dieses Mal musste sich Nixon allerdings deutlich mit 0:3 geschlagen geben. Während der Partie fand er nie zu seinem gewohnten Rhythmus und blieb mit einem Average von lediglich 77,61 deutlich unter seinem normalen Niveau. Es sollte zugleich sein letzter Auftritt bei einer Weltmeisterschaft bleiben. In den folgenden Jahren trat Nixon wieder stärker im Hintergrund in Erscheinung – abgesehen von einem Viertelfinaleinzug beim Winmau World Masters 2012.

Alle Karriere-Erfolge in der Übersicht

OrganisationTurnierBestes ErgebnisJahr(e)
WDFWorld ChampionshipFinale2007
WDFWorld MastersViertelfinale2002, 2012
WDFWorld TrophyLetzte 562007
WDFInternational Darts LeagueVorrunde2007
WDFFinder MastersGruppenphase2007
PDCGrand SlamGruppenphase2007, 2008

Rückblick: Hausmann wird fast Weltmeister

Gern hätten wir gemeinsam mit Phill Nixon, fast zwanzig Jahre nach seinem beinahe errungenen Weltmeistertitel, auf seine Karriere zurückgeblickt – doch dazu sollte es leider nicht mehr kommen. Im Juni 2013 erhielt Nixon die erschütternde Diagnose Magen-, Leber- und Lungenkrebs. Am 9. August desselben Jahres verstarb er im Alter von 57 Jahren.
Nixon hinterließ seine Ehefrau Suzanne und acht Kinder. Besonders bemerkenswert an seiner Geschichte ist, dass er zum Zeitpunkt seiner ersten Weltmeisterschaftsteilnahme Hausmann war und Darts lediglich als Hobby betrieb. Erst nach seinem Finaleinzug entschied er sich, seine Karriere ernsthafter zu verfolgen – doch dazu sollte es nicht mehr kommen.
„Ich kannte ihn schon viele Jahre, bevor er 2007 im Lakeside seinen Durchbruch schaffte“, erklärte Martin Adams nach Nixons Tod. „Er war ein großartiger Dartspieler, ein starker Konkurrent und außerdem ein sehr angenehmer Mensch. Leider haben wir einen sehr guten Menschen in unserem Sport verloren – jemanden, der von allen respektiert und geschätzt wurde.“

Nixons Platz in der Darts-Geschichte

Mit lediglich zwei Weltmeisterschaftsteilnahmen würde man Phill Nixon auf den ersten Blick vielleicht nicht automatisch weit oben in der Darts-Geschichte einordnen. Dennoch hat seine Geschichte dafür gesorgt, dass selbst die heutige Generation noch Inspiration daraus schöpft. Ein Spieler, der über Jahre hinweg auf regionaler und nationaler Ebene aktiv war und erst in höherem Alter sein Debüt bei einer Weltmeisterschaft gab.
Vor allem die außergewöhnliche Geschichte jenes WM-Finales von 2007 wird jedoch immer wieder erzählt werden. Nixon war zwar nicht der erste Debütant, der ein WM-Finale erreichte, und er gewann den Titel letztlich auch nicht. Doch einen 0:6-Rückstand noch in ein 6:6 zu verwandeln – das hatte es zuvor noch nie in einem WM-Finale gegeben. Die Atmosphäre, die an diesem Abend im Lakeside Country Club herrschte, lässt sich kaum mit etwas anderem vergleichen.
Mit seiner Leistung zeigte Nixon zudem eindrucksvoll, dass man seine Träume niemals aufgeben sollte. Während in vielen anderen Sportarten oft Altersgrenzen für den Weg an die Spitze existieren, ist es im Dartsport durchaus möglich, auch in späteren Jahren noch nach den größten Erfolgen zu greifen.
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