„Ich habe mich in der Dartswelt oft ein wenig allein gefühlt“ – WDF-Schiedsrichter Lee Rodger über Inklusion, Sichtbarkeit und die Rainbow-Laces-Kampagne

PDC
durch Nic Gayer
Sonntag, 03 Mai 2026 um 14:30
Huw Ware
In der Dartswelt rückt das Thema Inklusion zunehmend stärker in den Fokus – nicht zuletzt durch Initiativen wie die Rainbow-Laces-Kampagne. In einer neuen Interviewreihe spricht Huw Ware, einer der bekanntesten Schiedsrichter der Professional Darts Corporation und zugleich LGBTQ+-Botschafter, mit Persönlichkeiten aus dem Sport, die ihre Erfahrungen teilen möchten. Im aktuellen Teil der Serie berichtet Lee Rodger, Schiedsrichter der World Darts Federation, offen über seinen persönlichen Weg und die Bedeutung von Sichtbarkeit im Darts.
Die Rainbow-Laces-Kampagne ist eine Initiative der Organisation Stonewall und verfolgt das Ziel, Akzeptanz und Inklusion der LGBTQ+-Community im Sport nachhaltig zu stärken. Seit 2018 unterstützt auch die Professional Darts Corporation diese Aktion – ein klares Signal dafür, dass sich der Dartsport als offenes Umfeld versteht, in dem jede und jeder willkommen sein soll.

Sichtbarkeit als Schlüssel zu mehr Akzeptanz im Darts

Für Rodger besitzt die Kampagne eine besonders persönliche Bedeutung. „Für mich ist das etwas sehr Wichtiges“, erklärt er. „Viele Menschen außerhalb meines direkten Freundeskreises wissen nicht, dass ich offen homosexuell bin.“ Lange Zeit sei er mit diesem Thema sehr zurückhaltend umgegangen. „Ich halte das ziemlich privat und spreche nicht oft darüber.“
Huw Ware engagiert sich als Schiedsrichter der PDC und LGBTQ+-Botschafter aktiv für mehr Sichtbarkeit und Inklusion im Dartsport
Huw Ware engagiert sich als Schiedsrichter der PDC und LGBTQ+-Botschafter aktiv für mehr Sichtbarkeit und Inklusion im Dartsport
Diese Zurückhaltung führt er auch auf seine Erfahrungen innerhalb des Sports zurück. „Ich komme aus einem Umfeld, in dem ich mich in der Dartswelt oft ein wenig allein gefühlt habe“, berichtet Rodger.
Gerade deshalb misst er Gesprächen wie diesem große Bedeutung bei. „Wenn ich darüber sprechen kann, hilft mir das bereits. Und wenn eine Person das sieht und denkt: ‚Dadurch fühle ich mich selbst auch besser‘, dann ist das schon genug.“
Nach seiner Einschätzung leisten Initiativen wie Rainbow Laces einen entscheidenden Beitrag dazu, genau dieses Gefühl von Gemeinschaft zu fördern. „Solche Initiativen sind so wichtig, um Menschen wie mir zu zeigen, dass sie nicht allein sind. Das ist für mich das Wichtigste.“ Für Rodger beginnt echte Akzeptanz mit Sichtbarkeit: „Du kannst du selbst sein und feststellen, dass es andere gibt, die genau dasselbe durchmachen. Du kannst du selbst sein und damit glücklich leben.“

„Out on the Oche“ als sicherer Hafen

Neben der Rainbow-Laces-Kampagne hebt Rodger besonders die Community „Out on the Oche“ hervor. Die Facebook-Gruppe mit fast 200 Mitgliedern bietet Dartsfans aus der LGBTQ+-Community einen geschützten und inklusiven Raum. Dort können sich Mitglieder austauschen und zudem an einer eigenen Online-Dartsliga teilnehmen.
Für Rodger ist diese Plattform von großer Bedeutung. „Ich habe über diese Gruppe Freundschaften geschlossen und Menschen kennengelernt“, erzählt er. „Es ist so eine Erleichterung, an einem Ort zu sein, an dem ich nicht unbewusst verberge, wer ich bin.“
Gerade dieses Gefühl von Verständnis und Wiedererkennung mache einen enormen Unterschied. „In so einer Umgebung zu sein, umgeben von Menschen, die verstehen, wie es sich anfühlt und was man erlebt, gibt enorm viel Ruhe. Darin liegt große Stärke.“
Aus Rodgers Sicht tragen Initiativen wie Rainbow Laces und Gemeinschaften wie „Out on the Oche“ gemeinsam zu einer spürbar positiven Entwicklung im Dartsport bei. „Mit Out on the Oche und der Rainbow-Laces-Kampagne können Menschen, gerade wie ich, wirklich sie selbst sein. Und hoffentlich gilt das für noch viel mehr Menschen. Sie wissen, dass es in der Dartswelt einen Ort gibt, an dem sie hingehören.“
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