In dieser Rubrik blicken wir regelmäßig auf die Karrieren legendärer Dartspieler zurück. Heute steht der Engländer Alan Warriner-Little im Mittelpunkt.
Warriner-Little wurde am 24. März 1962 im englischen Lancaster geboren. Während viele Profis schon in jungen Jahren unzählige Stunden am Board verbringen, lokale Turniere bestreiten und früh vom großen Durchbruch träumen, verlief sein Weg in den Dartsport ganz anders. Bevor er sich zu einem der prägenden Spieler der frühen Profi-Ära entwickelte, arbeitete Warriner-Little als psychiatrischer Krankenpfleger und trat als Kandidat in einer beliebten britischen Fernsehshow auf.
1987 war Warriner-Little in der bekannten ITV-Spielshow Bullseye zu sehen, in der die Teilnehmer ihr Allgemeinwissen mit ihren Fähigkeiten am Dartboard kombinieren mussten. Ein Jahr später erhielt er erneut die Gelegenheit, sein Können im Fernsehen unter Beweis zu stellen. Diesmal wurde er eingeladen, um für einen guten Zweck zu spielen – und erzielte dabei 257 Punkte.
Rückblickend erwiesen sich diese TV-Auftritte als Vorbote einer weit größeren Karriere. Nur wenig später sollte sich Warriner-Little endgültig in der Weltspitze etablieren und zu den besten Dartspielern seiner Generation gehören.
Acht vergebene Matchdarts gegen Jocky Wilson
Sein Debüt bei der BDO-Weltmeisterschaft gab Warriner-Little im Jahr 1989. Dort hinterließ er direkt einen starken Eindruck und bezwang seinen Landsmann Arnie Bunn in der ersten Runde souverän mit 3:0. Doch seine erste WM-Teilnahme endete zugleich mit einer der bittersten Niederlagen seiner Karriere. Im Achtelfinale wartete Jocky Wilson, der damals zur absoluten Weltelite zählte.
Die Partie musste im Sudden-Death-Leg entschieden werden. Warriner-Little erspielte sich gleich acht Matchdarts, um den Einzug in die nächste Runde perfekt zu machen, ließ jedoch jede einzelne Chance ungenutzt. Wilson nutzte seine Gelegenheit, drehte die Partie und zog weiter. Der Schotte gewann anschließend das gesamte Turnier und sicherte sich zum zweiten Mal den Weltmeistertitel.
So schmerzhaft diese Niederlage auch war – die Weltmeisterschaft 1989 markierte erst den Beginn von Warriner-Littles Aufstieg. 1991 und 1992 erreichte er jeweils das Viertelfinale und machte damit immer deutlicher auf sich aufmerksam.
Der endgültige Durchbruch gelang ihm 1993. Er zog erstmals ins Finale der BDO-Weltmeisterschaft ein und traf dort auf Darts-Legende John Lowe. Der Engländer erwies sich jedoch als zu stark und gewann das Endspiel mit 6:3.
Trotz der Finalniederlage war das Turnier die endgültige Bestätigung von Warriner-Littles Klasse. Seine konstant starken Leistungen brachten ihn sogar an die Spitze der Weltrangliste.
Alan Warriner-Little gehörte in den frühen 1990er-Jahren zur Weltspitze und erreichte 1993 das Finale der BDO-Weltmeisterschaft.
Teil der Revolution
Kurz nach dem WM-Finale 1993 veränderte sich die Dartswelt grundlegend. Eine Gruppe von Spitzenspielern entschied sich, die British Darts Organisation (BDO) zu verlassen. Warriner-Little schloss sich dieser Abspaltung an und wurde damit Teil jener Bewegung, aus der später die Professional Darts Corporation (PDC) hervorging.
In den folgenden Jahren gehörte Warriner-Little regelmäßig zum Teilnehmerfeld der größten Turniere. Vor allem bei Weltmeisterschaften überzeugte er durch bemerkenswerte Konstanz. Insgesamt siebenmal erreichte er das Viertelfinale – 1994, 1996, 1997, 2000, 2001, 2004 und 2006.
Zudem stand er zweimal im Halbfinale – 1999 und erneut 2003. Ein weiterer Finaleinzug bei einer Weltmeisterschaft blieb ihm zwar verwehrt, doch seine konstant starken Leistungen machten ihn zu einem der angesehensten Spieler seiner Generation.
Auch abseits der Weltmeisterschaft feierte Warriner-Little große Erfolge. Zweimal erreichte er das Finale des World Matchplay – 1997 und 2000 –, musste sich jedoch beide Male geschlagen geben. Hinzu kam 1998 der Finaleinzug beim World Masters, das er ebenfalls als Runner-up beendete.
Den größten Triumph seiner Laufbahn feierte Alan Warriner-Little schließlich im Oktober 2001. Mit dem Gewinn des World Grand Prix sicherte er sich einen der bedeutendsten Titel seiner Karriere.
Bei diesem Turnier bewies er nicht nur seine große Erfahrung, sondern auch seine außergewöhnliche Scoring-Stärke. In der ersten Runde gegen Andy Jenkins gewann Warriner-Little souverän mit 2:0 Sätzen und spielte dabei einen Average von 106,45 Punkten. Damit stellte er damals den höchsten siegreichen Drei-Dart-Average auf, der jemals im Double-in-Format des World Grand Prix erzielt worden war.
Drei Jahre später bot sich Warriner-Little erneut die Chance auf den Titel beim World Grand Prix. 2004 erreichte er ein weiteres Mal das Finale, musste sich diesmal jedoch mit dem zweiten Platz zufriedengeben.
Seine Karriere war damit von einer außergewöhnlichen Mischung aus großen Erfolgen und knapp verpassten Höhepunkten geprägt. Er gewann einen der prestigeträchtigsten Titel im Dartsport, stand in mehreren Major-Endspielen und gehörte über viele Jahre zur Weltspitze. Gleichzeitig blieb ihm der ganz große Durchbruch bei einigen weiteren bedeutenden Turnieren trotz zahlreicher Chancen verwehrt.
Vom Spieler zur prägenden Stimme des Dartsports
Auch wenn Alan Warriner-Little längst nicht mehr als Profi auf den größten Bühnen aktiv ist, spielt er in der Dartswelt weiterhin eine wichtige Rolle. Er tritt nach wie vor bei Exhibition-Turnieren auf und war viele Jahre als TV-Experte für ITV tätig, wo er seine Erfahrung und sein Fachwissen einem breiten Publikum vermittelte. Ende vergangenen Jahres entschied sich der Sender jedoch, die Zusammenarbeit mit Warriner-Little nicht zu verlängern.
Darüber hinaus war er über einen längeren Zeitraum Vorsitzender der Professional Darts Players Association (PDPA), der Spielergewerkschaft, die die Interessen der Profidartspieler vertritt.
Damit hat Warriner-Little einen bemerkenswerten Weg zurückgelegt. Aus dem psychiatrischen Krankenpfleger, der in den 1980er-Jahren erstmals im Fernsehen vor einem Dartboard stand, wurde ein WM-Finalist, Weltranglistenerster und Sieger des World Grand Prix. Später machte er sich zudem als Interessenvertreter der Spieler und als vertraute Stimme im Fernsehen einen Namen.
Seine Karriere erzählt deshalb weit mehr als nur die Geschichte eines erfolgreichen Dartspielers. Sie steht zugleich für die Entwicklung des modernen Dartsports. Von den letzten großen Jahren der BDO über die Abspaltung der Spitzenspieler bis hin zum Aufstieg der PDC – Alan Warriner-Little war bei all diesen entscheidenden Kapiteln mittendrin.
WM-Ergebnisse von Alan Warriner-Little
Jahr
Verband
Runde
Gegner
Ergebnis
1989
BDO
Zweite Runde
Jocky Wilson
2–3
1990
BDO
Erste Runde
Mike Gregory
0–3
1991
BDO
Viertelfinale
Bob Anderson
3–4
1992
BDO
Viertelfinale
Kevin Kenny
0–4
1993
BDO
Finale
John Lowe
3–6
1994
PDC
Viertelfinale
Steve Brown
3–4
1995
PDC
Gruppenphase
Dennis Smith
Zweiter in Gruppe 4
1996
PDC
Viertelfinale
Dennis Priestley
1–4
1997
PDC
Viertelfinale
Eric Bristow
3–5
1998
PDC
Gruppenphase
—
Letzter in Gruppe 8
1999
PDC
Halbfinale
Phil Taylor
3–5
2000
PDC
Viertelfinale
Phil Taylor
0–5
2001
PDC
Viertelfinale
John Part
1–4
2002
PDC
Zweite Runde
Colin Lloyd
4–6
2003
PDC
Halbfinale
Phil Taylor
1–6
2004
PDC
Viertelfinale
Phil Taylor
1–5
2005
PDC
Dritte Runde
Paul Williams
1–4
2006
PDC
Viertelfinale
Wayne Mardle
0–5
2007
PDC
Erste Runde
Alan Tabern
0–3
2008
PDC
Zweite Runde
Peter Manley
1–4
Kurzes Comeback
2022 wagte Alan Warriner-Little noch einmal ein kurzes Comeback auf der großen Bühne. Bei der World Seniors Darts Championship war jedoch bereits in der ersten Runde Endstation. Der Engländer unterlag dem US-Amerikaner Larry Butler klar mit 0:3 und blieb dabei unter einem Average von 60 Punkten.
Es sollte sein letzter Auftritt auf der World Seniors Darts Tour bleiben. Nach dieser Niederlage bestritt Warriner-Little kein weiteres Turnier der Seniorenserie.
2022 kehrte Alan Warriner-Little noch einmal auf die große Bühne zurück – bei der World Seniors Darts Championship endete sein Comeback jedoch bereits in der ersten Runde.
Alan Warriner-Littles Platz in der Darts-Geschichte
Auch wenn Alan Warriner-Little kein außergewöhnlich erfolgreicher Titelsammler war und seine Karriere „nur“ einen Major-Titel hervorbrachte, zählt er zweifellos zu den besten Spielern seiner Generation. Zeitweise führte er die Weltrangliste an und gehörte bei nahezu jedem großen Turnier zum erweiterten Favoritenkreis. Regelmäßig erreichte er die entscheidenden Turnierphasen und etablierte sich über viele Jahre als feste Größe im Weltklasse-Darts.
Darüber hinaus spielte Warriner-Little – wie bereits erwähnt – eine bedeutende Rolle bei der Gründung der PDC. Die Abspaltung von der BDO leitete eine Revolution im Dartsport ein, von der Spieler bis heute profitieren. Auch nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn blieb er dem Sport eng verbunden – zunächst als TV-Experte, später als Vorsitzender der Spielergewerkschaft PDPA. Bis heute gilt Alan Warriner-Little als eine der angesehensten Persönlichkeiten des Dartsports.
Zum Abschluss lohnt sich noch ein Blick auf Alan Warriner-Littles Spitznamen. Zu Beginn seiner Karriere war der Engländer zwar häufig als „Wozza“ bekannt, doch schon bald setzte sich der Beiname „The Iceman“ durch. Heute verbinden die meisten Dartsfans diesen Spitznamen mit Gerwyn Price – tatsächlich war jedoch Warriner-Little der erste Spieler, der mit „The Iceman“ auf seinem Trikot antrat.
Und woher stammt eigentlich sein Doppelname? Alan Warriner heiratete 2005 Brenda Little und ergänzte seinen eigenen Nachnamen anschließend um den ihrer Familie. Seitdem tritt er unter dem Namen Alan Warriner-Little auf.
Nic Gayer ist seit 2022 im Journalismus tätig und begann seine Laufbahn als freier Redakteur im Lokaljournalismus für eine Tageszeitung. Heute berichtet er für Dartsnews.de über den professionellen Dartsport und ordnet das aktuelle Geschehen ein – von großen Turnieren bis zu Entwicklungen abseits der Bühne.
Regelmäßig ist er bei Events vor Ort und begleitet rund 20 Turniere pro Jahr, wo er Interviews führt, unter anderem mit Luke Littler, Luke Humphries, Michael van Gerwen, Gerwyn Price sowie Martin Schindler, Gian van Veen und Josh Rock.
Zudem ist er eine der prägenden Stimmen im englischsprachigen Dartsnews Podcast und Co-Host des Sport-Podcasts Overtime Takes.
Nic arbeitet aus der Nähe von München und steht kurz vor dem Abschluss als Bachelor of Arts in Sportjournalismus.
In seiner Berichterstattung legt er großen Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, präzise Einordnung und aktualisiert Inhalte, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.