Mitchell Lawrie hat mit dem Triumph bei den Denmark Open ein klares Zeichen gesetzt. Der erst 15 Jahre alte Schotte sicherte sich nicht nur den bislang größten Titel seiner Karriere im Herrenbereich, sondern löste gleichzeitig erneut das Ticket für die Weltmeisterschaft im legendären Lakeside Country Club. Nach der bitteren Finalniederlage gegen Jimmy van Schie im Vorjahr verfolgt der junge Schotte nun ein großes Ziel: den Lakeside-Titel endlich selbst in die Höhe zu stemmen.
Der als „Wee Sox“ bekannte Teenager denkt allerdings längst weiter. Lawrie plant den nächsten Schritt Richtung Profi-Darts und möchte nach Lakeside den Sprung zur PDC schaffen. Ab dem kommenden Jahr darf der 2010 geborene Spieler offiziell an der Q School teilnehmen. Dort will er sich eine Tour Card sichern und sich mit Namen wie Luke Littler, Luke Humphries und Gian van Veen messen. Besonders reizt ihn dabei die Aussicht, eines Tages gemeinsam mit seinem
Idol Gary Anderson auf den großen Bühnen zu stehen.
Lakeside bleibt Lawries wichtigste Mission
Trotz aller Zukunftspläne richtet sich der volle Fokus zunächst auf Lakeside. Die Niederlage im Endspiel gegen van Schie hat Lawrie bis heute nicht vergessen. Damals führte der Schotte bereits mit 3:0, ehe das Match nach der Pause kippte.
Im
„Love the Darts" Podcast sprach Lawrie offen über die vergangenen Monate. Nach einer kurzen Pause vom Darts habe er wieder mehr Zeit auf dem Golfplatz verbracht. Der Erfolg in Dänemark habe ihm nun zusätzliche Sicherheit gegeben.
Besonders begeistert zeigte sich der Youngster von den Bedingungen bei den Denmark Open. Für ihn gehörte das Turnier organisatorisch zu den besten WDF-Events, die er bislang erlebt habe. Auch die Atmosphäre und die gesamte Veranstaltung hätten ihn beeindruckt. Mit dem Titel und der erfolgreichen Qualifikation sei das wichtigste Ziel des Wochenendes erreicht gewesen.
Der Sieg hatte für Lawrie allerdings noch eine tiefere Bedeutung. Zwar stand er im WDF-Ranking ohnehin hervorragend da, dennoch wollte er seine Lakeside-Teilnahme unbedingt über einen großen Titel absichern. Nach Erfolgen bei mehreren Jugendturnieren fehlte ihm bislang noch ein bedeutender Triumph im Herrenbereich.
Nun fühlt sich der Schotte deutlich entspannter. Die Qualifikation ist geschafft, der Druck vor den letzten Monaten des Jahres deutlich geringer geworden. Gleichzeitig bleibt die Motivation riesig. Lawrie will nicht nur den Jugendtitel verteidigen, sondern auch den Herrentitel gewinnen, bevor er endgültig Richtung PDC aufbricht.
Die Erinnerungen an das verlorene Finale treiben ihn zusätzlich an. Besonders die Erfahrung seines Gegners habe damals den Unterschied gemacht. Lawrie erkannte im Nachhinein, wie wichtig Routine auf der großen Bühne ist. Genau diese Erfahrung will er nun nutzen, um beim nächsten Anlauf stärker zurückzukehren.
Verpasste Las-Vegas-Reise trifft Lawrie hart
Ein unerwarteter Rückschlag traf Lawrie bei den Planungen für die kommenden Monate. Die Verlegung der World Masters nach Las Vegas machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Der junge Schotte hatte bereits lange zuvor einen Familienurlaub mit Freunden organisiert. Die Termine überschnitten sich schließlich.
Für Lawrie war das besonders bitter, weil die World Masters ursprünglich eines seiner wichtigsten Saisonziele gewesen waren. Dennoch überwog am Ende die Vernunft. Gemeinsam mit seinem Umfeld analysierte er seine starke Position im „Road to Lakeside“-Ranking und stellte fest, dass die Reise sportlich nicht zwingend notwendig ist.
Dadurch kann sich Lawrie nun gezielt auf Lakeside vorbereiten und gleichzeitig etwas Kraft sammeln. Die Prioritäten sind für ihn ohnehin klar verteilt. Alles richtet sich auf die Weltmeisterschaft zum Jahresende aus. Erst danach soll die nächste Q School folgen.
Dabei bleibt der Teenager bemerkenswert gelassen. Selbst falls es mit der Tour Card nicht sofort klappt, sieht er darin keinen Weltuntergang. Lawrie weiß, dass ihm aufgrund seines Alters noch viele Möglichkeiten offenstehen. Im Zweifel würde er erneut zur WDF zurückkehren und einen weiteren Anlauf starten.
Schritt für Schritt Richtung Profi-Darts
Große Ankündigungen oder unrealistische Ziele vermeidet Lawrie bewusst. Stattdessen verfolgt er einen klaren Entwicklungsplan. Schritt für Schritt möchte er sich an die Weltspitze heranarbeiten.
Aktuell liegt er in der Advanced Tour auf Platz eins. Sollte er die Saison in den Top Vier abschließen, würde er eine Einladung zu den PDC World Masters erhalten. Für Lawrie wäre das die erste große Bühne im Profi-Bereich.
Der Schotte reizt besonders die Vorstellung, sich dort erstmals mit den besten Spielern der Welt zu messen. Danach stehen weitere Meilensteine auf seiner Liste: der Lakeside-Titel bei den Herren, die erfolgreiche Titelverteidigung im Jugendbereich sowie der Gewinn der Tour Card.
Anschließend möchte Lawrie möglichst schnell auf der ProTour Fuß fassen. Wohin ihn dieser Weg führt, könne aktuell niemand vorhersagen. Klar ist allerdings, dass der junge Schotte enormes Vertrauen in seine eigenen Fähigkeiten besitzt.
Lawrie wird wegen des ähnlichen Altersprofils oft mit Littler verglichen.
Nicht Littler, ich bin Mitchell Lawrie
Weil Lawrie ähnlich jung erfolgreich wurde, tauchen Vergleiche mit Luke Littler regelmäßig auf. Der Schotte begegnet diesen Diskussionen jedoch sehr ruhig. Er respektiert Littlers außergewöhnliche Karriere, möchte aber ausdrücklich seinen eigenen Weg gehen.
Für Lawrie steht fest, dass niemand den Aufstieg Littlers einfach kopieren kann. Der Engländer habe bereits jetzt Außergewöhnliches erreicht. Trotzdem setzt sich der Schotte ambitionierte Ziele. Sollte er bis zu seinem 18. Geburtstag die Hälfte von Littlers Erfolgen schaffen, wäre er bereits glücklich.
Im Mittelpunkt steht für ihn zunächst ausschließlich die Tour Card. Erst wenn dieser Schritt gelingt, richtet sich der Blick auf größere Ziele innerhalb der PDC. Lawrie will dort nicht lediglich teilnehmen oder das Teilnehmerfeld ergänzen. Sein Anspruch ist deutlich höher.
Besonders offen sprach der Teenager auch über seine persönliche Motivation abseits des Sports. Am liebsten würde er irgendwann nicht mehr mit seinem Großvater arbeiten müssen. Der Traum vom Leben als Profi-Dartspieler treibt ihn deshalb zusätzlich an.
Gleichzeitig zeigt sich Lawrie realistisch genug, um mögliche Rückschläge einzuordnen. Sollte er seine Tour Card nach zwei Jahren verlieren, würde er wahrscheinlich einen Neustart bei der WDF wagen. Trotzdem glaubt er fest daran, sich langfristig bei der PDC etablieren zu können.
Nach seinem Erfolg in Dänemark wirkt Mitchell Lawrie jedenfalls bereit für den nächsten großen Schritt. Lakeside soll nun zur Bühne seiner Revanche werden – und möglicherweise zum Startpunkt einer vielversprechenden Profi-Karriere.