Nathan Aspinall hat einen ungewöhnlichen Einblick in seine Matchvorbereitung gegeben. Der Engländer, den Fans als „The Asp“ kennen, setzt unmittelbar vor seinen Auftritten auf mentale Selbstmotivation. Statt sich mit wilden Gesten oder körperlicher Härte in Stimmung zu bringen, spricht er sich vor dem Spiegel selbst Mut zu.
Der zweifache Major-Sieger erklärte, dass ihm diese Methode dabei hilft, vom ersten Dart an voll konzentriert zu sein. Gerade im modernen Darts sieht Aspinall darin einen entscheidenden Vorteil. Die Matches seien oft extrem kurz, weshalb Spieler sofort auf Betriebstemperatur kommen müssten.
Aspinall setzt vor Matches auf Adrenalin und Fokus
Im „Double Tops Podcast“ sprach die aktuelle Nummer 14 der Weltrangliste ausführlich über seine Routinen vor einem Spiel. Nach seinem Triumph beim German Darts Grand Prix in diesem Jahr sieht Aspinall vor allem die mentale Stärke als wichtigen Faktor für seine starken Leistungen.
Nathan Aspinall ist derzeit die Nummer 14 der Welt
„Es ist im Grunde eine Motivationsrede an mich selbst im Spiegel“, erklärte Aspinall. „Ich versuche, mich richtig hochzufahren.
Ich brauche dieses Adrenalin vor dem Gang auf die Bühne. Wenn ich mich flach fühle, bringt das Spielen nichts.“
Dabei grenzt sich der Engländer bewusst von extremeren Methoden ab. Als Beispiel nannte er Boxer Daniel Dubois, dessen Trainer ihm während eines Kampfes sogar ins Gesicht schlug, um zusätzliche Energie freizusetzen. Aspinall nimmt es deutlich ruhiger an.
„Nein, ich schlage mich nicht selbst“, sagte er lachend. „Ich rede einfach mit mir. Dann sage ich: ‚Komm schon, Nath, noch zehn Minuten.‘ Im heutigen Darts dauern manche Matches nur 15 Minuten. Du kannst stundenlang trainieren, aber auf der Bühne entscheidet oft ein kurzer Moment.“
Kurz vor dem Match erinnert sich Aspinall außerdem bewusst daran, worum es sportlich und finanziell geht. Auch das steigert nach eigener Aussage seinen Fokus. „Manchmal schaue ich in den Spiegel und sage: ‚Komm schon, Nath, zwanzigtausend Pfund.‘ Das gibt mir einen Extraschub“, verriet der Engländer. Nach Siegen belohnt er sich sogar selbst mit positiven Worten.
„Darts ist längst keine Kneipensportart mehr“
Neben seiner persönlichen Vorbereitung sprach Aspinall auch über die rasante Entwicklung des Sports. Der Engländer ist überzeugt, dass das alte Klischee vom Darts als reiner Kneipensport längst nicht mehr zur Realität passt.
Vor rund 15 Jahren trainierte Aspinall noch in einfachen Pub-Umgebungen. Heute sieht er eine völlig andere Infrastruktur. Immer mehr Nachwuchsspieler trainieren inzwischen in professionellen Akademien mit festen Coaches und strukturierten Trainingsplänen.
Aspinall betreibt selbst eine Darts-Akademie in Stockport und erlebt dort den Boom hautnah. Vor allem Jugendliche interessieren sich immer stärker für den Sport. Die Nachfrage sei inzwischen so groß, dass die Akademie an ihre Grenzen stößt.
„Wir haben eine Warteliste mit ungefähr 40 Kindern“, berichtete Aspinall. „Nicht wegen fehlendem Interesse, sondern weil uns die Trainer fehlen.“
Auch andere Projekte wachsen rasant. Aspinall verwies unter anderem auf die Akademie von Luke Littler in St. Helens. Nach seiner Einschätzung entwickelt sich Darts organisatorisch immer stärker in Richtung Fußball.
Sorge um junge Spieler in sozialen Medien
Trotz des Booms sieht Aspinall auch Risiken für die neue Generation. Besonders soziale Medien bereiten ihm Sorgen. Junge Talente würden dort immer häufiger mit negativer Kritik und persönlichen Angriffen konfrontiert.
„Social Media kann ein schrecklicher Ort sein“, sagte Aspinall. Deshalb brauche der Nachwuchs früh Unterstützung im Umgang mit öffentlichem Druck und Online-Kommentaren. Im Fußball gebe es dafür längst professionelle Betreuung – und genau diese Entwicklung erwartet Aspinall inzwischen auch im Dartsport.