Luke Woodhouse hat bei der
European Darts Championship in Dortmund für eine Überraschung gesorgt und den Traum von der Titelverteidigung für Gian van Veen beendet. Der Engländer setzte sich am Samstagabend im Achtelfinale mit 10:6 gegen den Weltranglistenzweiten durch und steht damit erneut im Viertelfinale eines großen TV-Turniers. In der anschließenden Pressekonferenz sprach Woodhouse unter anderem
gegenüber Dartsnews.de (YouTube) nicht nur über seinen Erfolg, sondern auch über seine veränderte mentale Einstellung und die wertvollen Lektionen, die er von erfahrenen Spielern wie James Wade gelernt hat.
Mit seiner eigenen Leistung zeigte sich Woodhouse zufrieden, ohne den Sieg über den Titelverteidiger überbewerten zu wollen. Der Engländer räumte offen ein, dass Van Veen nicht an sein gewohntes Niveau herangekommen war und ihn über weite Strecken kaum unter Druck setzen konnte. Umso wichtiger sei es gewesen, die Schwächephase seines Gegners konsequent auszunutzen und in den entscheidenden Momenten zur Stelle zu sein.
Woodhouse nutzt Van Veens Schwächen eiskalt aus: „Lass ihn nicht zurückkommen“
„Es ist fantastisch, im Viertelfinale zu stehen. Ich denke, dass ich ziemlich konstant gespielt habe. Aber ‚solide‘ ist wahrscheinlich die treffendste Beschreibung für meine Leistung“, erklärte Woodhouse. „Gian hat heute nicht sein gewohntes Niveau erreicht. Aber wenn Spieler wie ich gegen die Nummer zwei der Welt antreten und dieser nicht gut spielt, dann muss man das ausnutzen. Man muss dafür sorgen, dass er nicht wieder in die Partie zurückfindet.“
Luke Woodhouse sorgt bei der Darts-EM in Dortmund für eine Überraschung: Mit einem 10:6-Erfolg gegen Titelverteidiger Gian van Veen zieht der Engländer ins Viertelfinale ein.
Genau diese Herangehensweise habe sein Denken während der gesamten Begegnung bestimmt. Woodhouse wollte seinem niederländischen Kontrahenten unter keinen Umständen die Gelegenheit geben, neues Selbstvertrauen zu schöpfen und das Match noch einmal spannend zu machen.
„Ich habe die ganze Zeit nur daran gedacht: Lass ihn bloß nicht zurück ins Spiel kommen. Gib ihm keinen Grund, wieder an sich zu glauben. Genau das habe ich versucht umzusetzen. Und jetzt im Viertelfinale zu stehen, ist einfach großartig.“
„Meine Emotionen standen mir früher oft im Weg“ – Woodhouse erklärt seinen Wandel
Neben dem sportlichen Ergebnis fiel vor allem die bemerkenswerte Gelassenheit des Engländers auf. Während Woodhouse in der Vergangenheit nach verpassten Doppeln oder schwachen Aufnahmen durchaus mit sichtbarer Frustration reagiert hatte, bewahrte er gegen Van Veen auch in schwierigen Situationen die Ruhe. Diese Entwicklung ist nach eigener Aussage kein Zufall, sondern das Ergebnis einer intensiven Auseinandersetzung mit seiner mentalen Herangehensweise. Besonders die Gespräche mit seiner Frau und seinem Manager hätten dabei eine wichtige Rolle gespielt.
„Ich spreche mit meinem Manager und meiner Frau ständig darüber. Dieser Teil meines Spiels ist für mich inzwischen unglaublich wichtig geworden“, erklärte Woodhouse. „Das Talent und die Fähigkeit, gutes Darts zu spielen, hatte ich schon immer. Aber manchmal haben mir meine Emotionen und meine Reaktionen auf verfehlte Darts enorm im Weg gestanden. Dadurch habe ich mich selbst nie in eine wirklich gute Ausgangsposition gebracht.“
Mittlerweile spürt der Engländer, dass sich seine Arbeit auch auf der Bühne bemerkbar macht. „Zum Glück funktioniert das im Moment wirklich gut. Ich hoffe, dass ich diesen Weg weitergehen kann.“
Sein Ziel sei es, sich weder von positiven noch von negativen Momenten zu stark beeinflussen zu lassen. Selbst wenn ein Gegner ein hohes Finish auspackt und ihm damit eine aussichtsreiche Gelegenheit zum Leggewinn nimmt, möchte Woodhouse künftig gelassen bleiben, anstatt sich von seiner Enttäuschung aus dem Konzept bringen zu lassen.
„Ich habe gelernt, emotional möglichst neutral zu bleiben. Wenn es gut läuft, darf man nicht zu euphorisch werden. Gleichzeitig darf man sich von Rückschlägen nicht zu weit herunterziehen lassen. Das ist manchmal wirklich schwierig, besonders wenn der Gegner ein hohes Finish checkt, während man selbst schon auf einem Doppel wartet. Aber man muss das akzeptieren und einfach weitermachen.“
„Meine Frau findet mich unglaublich langweilig“ – Woodhouse bleibt auf dem Boden
Während Woodhouse früher gelegentlich Schwierigkeiten hatte, seine Frustration zu kontrollieren, sei übertriebene Euphorie nach erfolgreichen Momenten ohnehin nie ein großes Thema für ihn gewesen. Im Interview gewährte der Engländer einen amüsanten Einblick in seine Persönlichkeit und verriet, dass seine ausgeglichene Art zu Hause offenbar nicht immer auf uneingeschränkte Begeisterung stößt.
„Meine Frau findet mich unglaublich langweilig“, sagte Woodhouse lachend. „Ich bin niemand, der sich besonders schnell mitreißen lässt. Ich bin ziemlich realistisch und versuche, mich über nichts allzu sehr zu freuen.“
Diese Einstellung möchte er auch nach seinem Achtelfinalerfolg beibehalten. Obwohl er mit Van Veen den amtierenden Europameister aus dem Turnier geworfen hat, sieht Woodhouse keinen Anlass, den Sieg überschwänglich zu feiern. Schließlich sei ihm bewusst, dass sein Gegner an diesem Abend deutlich hinter seinen Möglichkeiten zurückgeblieben war.
„Ich werde jetzt nicht völlig ausflippen, nur weil ich Gian geschlagen habe. Ich weiß, dass er heute Abend nicht seine beste Leistung gezeigt hat. Aber ich habe meine Chancen genutzt und ihn besiegt. Morgen wartet schon das nächste Spiel auf mich, und darauf konzentrieren wir uns jetzt.“
James Wade als Vorbild: „Man kann nicht jedes Leg kontrollieren“
Einen wichtigen Anteil an seiner mentalen Entwicklung schreibt Woodhouse auch den Erfahrungen zu, die er durch die Beobachtung anderer Spitzenspieler gesammelt hat. Besonders James Wade habe ihn mit seiner pragmatischen Herangehensweise geprägt. Der erfahrene Engländer gilt seit Jahren als Meister darin, Partien auch ohne herausragende Averages zu seinen Gunsten zu entscheiden und sich von einzelnen Rückschlägen nicht aus der Ruhe bringen zu lassen.
„Ich versuche, mir immer etwas vor Augen zu halten, das James Wade häufig sagt: Man kann nicht jedes Leg kontrollieren. Wenn ein Leg verloren ist, dann ist es eben verloren. Danach beginnt man das nächste Leg einfach wieder bei null.“
Diese Denkweise habe ihm auch im Duell mit Van Veen geholfen. Sobald der Niederländer ein Leg klar dominierte, verschwendete Woodhouse keine Energie mehr darauf, den Rückstand in dieser Aufnahmefolge unbedingt noch aufholen zu wollen. Stattdessen richtete er seine volle Aufmerksamkeit auf die nächste Gelegenheit, um seinem Gegner keine längere Erfolgsserie zu ermöglichen.
„Wenn Gian ein Leg komplett unter Kontrolle hatte, habe ich einfach gedacht: Okay, dann eben das nächste Leg. Ich wollte unbedingt verhindern, dass er wieder zum Ausgleich kommt. Dieser Gedanke war die ganze Zeit in meinem Kopf. Das 129er-Finish war beispielsweise ein unglaublich wichtiger Moment für mich.“
Für Woodhouse steht außer Frage, dass die Beobachtung erfolgreicher Konkurrenten ein entscheidender Bestandteil der eigenen Weiterentwicklung ist. Wer sich nicht mit den Methoden und Denkweisen der besten Spieler auseinandersetze, lasse wertvolle Möglichkeiten ungenutzt.
„Das sind einige der besten Spieler, die dieser Sport jemals hervorgebracht hat. Wenn man ihnen nicht zuschaut und versucht, etwas von ihnen zu lernen, ist man meiner Meinung nach ziemlich dumm. Ich bin mittlerweile seit acht oder neun Jahren auf der Tour unterwegs und habe selbst schon einiges an Erfahrung gesammelt. Trotzdem lerne ich ständig dazu. Ich beobachte, wie andere Spieler sich vorbereiten und wie sie an ihre Matches herangehen. Davon versuche ich so viel wie möglich für mich mitzunehmen.“
Keine Rituale, kein Aberglaube: Woodhouse setzt auf einen freien Kopf
Dass Woodhouse inzwischen über die nötige Erfahrung für die entscheidenden Phasen großer Turniere verfügt, hat er bereits mehrfach unter Beweis gestellt. Vor zwei Jahren erreichte der Engländer bei der European Darts Championship sogar das Halbfinale. Auch auf der European Tour sammelte er in dieser Saison wertvolle Erfahrungen, erreichte mehrfach den Finaltag und krönte seine Leistungen mit einem Turniersieg.
Gerade diese Erfahrungen könnten sich nun im weiteren Verlauf des Turniers in Dortmund als wertvoll erweisen. Schließlich weiß Woodhouse, welche körperlichen und mentalen Anforderungen die langen Finaltage auf der European Tour mit sich bringen. Dennoch möchte er sich vor dem Viertelfinale nicht mit unnötigen Gedanken belasten oder seine gewohnte Vorbereitung verändern.
„Ich hoffe natürlich, dass mir diese Erfahrungen helfen werden. Die Sonntage auf der European Tour sind immer sehr lange Tage. Hoffentlich kommt mir das morgen zugute. Aber ich versuche, nicht zu viel darüber nachzudenken.“
Auf feste Abläufe oder abergläubische Rituale verzichtet der Engländer dabei ganz bewusst. Anders als viele seiner Konkurrenten benötigt Woodhouse vor wichtigen Partien keine bestimmten Gewohnheiten, um sich in die richtige Verfassung zu bringen. Im Gegenteil: Solche Routinen könnten seiner Meinung nach sogar zusätzlichen Druck erzeugen.
„Ich habe überhaupt keine feste Routine. Und abergläubisch bin ich auch nicht. Wirklich überhaupt nicht“, betonte Woodhouse. „Ich glaube, dass man sich damit das Leben nur unnötig schwer macht. Wenn man über längere Zeit immer dieselbe Routine befolgt und es dann bei ein paar Turnieren nicht läuft, fängt man plötzlich an, genau diese Routine infrage zu stellen. Deshalb habe ich gar nicht erst damit angefangen.“