Josh Rock erreichte am Freitagabend souverän die zweite Runde der European Championship. Der Nordire war in Dortmund mit 6:1 deutlich zu stark für Chris Dobey und überzeugte mit einem Average von 100,74. Nach dem Spiel erzählte Rock unter anderem gegenüber Dartsnews.de, dass er in den vergangenen Monaten eine schwierige Phase durchlebt hatte, in der ihm die Freude am Darts weitgehend abhandengekommen war. Inzwischen ist dieses Gefühl vollständig zurück. Eine mehrwöchige Pause und mehr Zeit mit seiner Familie spielten dabei eine wichtige Rolle.
Der Sieg gegen Dobey war für Rock gleich aus mehreren Gründen besonders. Obwohl der Nordire in den vergangenen Jahren auf der European Tour regelmäßig gute Leistungen gezeigt hatte, wollte es bei der Darts-EM einfach nicht klappen.
Bei seinem Turnierdebüt gewann er noch gegen Nathan Aspinall, danach folgten jedoch ausschließlich Niederlagen. Am Freitagabend änderte sich das endlich. „Es ist einfach eine Erleichterung, hier endlich wieder einmal zu gewinnen“, sagte Rock nach dem Spiel. „Jedes Jahr gibst du auf der European Tour alles, um dich für dieses Turnier zu qualifizieren. Mein erstes Jahr hier war auch mein erster TV-Auftritt. Damals spielte ich gegen Nathan Aspinall und gewann. Danach hatte ich hier aber kein Match mehr gewonnen.“
Diese enttäuschende Serie ging ihm vor dem Duell mit Dobey durchaus durch den Kopf. „Jedes Jahr hatte ich eine gute Saison, aber dann verlor ich hier in der ersten Runde. Irgendwo in meinem Hinterkopf dachte ich also: Wach endlich auf, du weißt, was du tun musst.“ Diesmal konnte Rock seine gute Form auch auf die Bühne in Dortmund mitnehmen. „Ich wollte dort ein gutes Match zeigen, und das ist mir gelungen. Deshalb bin ich mit meinem Auftritt sehr zufrieden.“
„Bei Chris Dobey dachte ich sofort: Nicht schon wieder“
Rock begann sein Match gegen Dobey nicht ganz so, wie er es sich erhofft hatte. Im ersten Leg ließ er Chancen auf die Doppelfelder aus und befürchtete kurz, dass sich frühere Duelle wiederholen könnten. „Nach dem ersten Leg, als ich zwei Darts auf Doppel verfehlte, dachte ich sofort: Déjà-vu, nicht schon wieder.“
Aus Erfahrung weiß der Nordire, dass Dobey gegen ihn oft besonders stark auftritt. „Zum Glück spielte Chris heute nicht sein bestes Match, denn immer wenn er gegen mich spielt, ist er gut“, scherzte Rock.
Trotz der vergebenen Chancen zu Beginn fand Rock schnell zurück ins Spiel. Mit starken Scores und besseren Checkouts übernahm er vollständig die Kontrolle. „Ich musste mich einfach durchkämpfen. Das habe ich getan. Mein Scoring kam in Schwung und meine Finishes klappten. Dann ist alles wieder in Ordnung.“
Rock setzte sich schließlich souverän mit 6:1 durch. Damit beendete er nicht nur seine Negativserie bei der Darts-EM, sondern bestätigte auch, dass sich sein Spiel in die richtige Richtung entwickelt.
Der bemerkenswerteste Teil der Pressekonferenz drehte sich nicht um den Sieg gegen Dobey, sondern um die schwierige Phase, die Rock in den vergangenen Monaten durchlebt hatte.
Der Nordire erzählte, dass ihm sein Sport nach dem World Matchplay immer weniger Freude bereitet hatte. „Wie ich schon vor anderthalb Monaten erzählt habe, hatte ich keinen Spaß mehr daran“, gab Rock zu.
Inzwischen hat sich seine Lage völlig verändert. „Jetzt bin ich wieder richtig in das Spiel verliebt. Ich trainiere viel mehr, als ich es in den vergangenen anderthalb bis zwei Jahren wahrscheinlich getan habe, wenn ich ehrlich bin.“
Laut Rock wirkt sich diese neue Motivation deutlich auf seine Leistungen aus. „Ich habe einfach wieder angefangen, Darts zu lieben, und bin hier, um zu gewinnen.“ Auf die Frage, was genau dafür gesorgt habe, dass die Freude zurückkehrte, wusste er keine Antwort. „Das ist eine Frage, die ich nicht beantworten kann. Ich weiß es nicht.“
Rock glaubt, dass solche Phasen zum Leben eines professionellen Dartspielers dazugehören. „Als Profi durchläufst du in diesem Sport verschiedene Phasen. Nach dem World Matchplay hatte ich, glaube ich, keinen Spaß mehr daran.“
Danach beschloss er, dem Darts eine Zeit lang den Rücken zu kehren. „Aus irgendeinem Grund machte ich dann eine längere Pause von etwa zweieinhalb bis drei Wochen. Und plötzlich begann es mir wieder richtig Spaß zu machen.“
Rock vermutet, dass die Pause ihm vor allem mental gutgetan hat. Das Leben als professioneller Dartspieler bringt viele Reisen mit sich. Deshalb ist er regelmäßig lange von zu Hause weg, während seine Frau und die beiden kleinen Kinder auf ihn warten. „Vielleicht hat mir die Pause einfach geholfen, den Kopf wieder freizubekommen“, sagte Rock. „Man hat seine Familie und alles, was dazugehört. Wir Dartspieler sind ständig unterwegs.“
Der Nordire betonte, dass er sein Familienleben nicht aus den Augen verlieren möchte. „Ich habe zu Hause zwei kleine Kinder und eine Frau, denen ich ebenfalls fehle, wenn ich unterwegs bin.“
Deshalb versucht Rock, so viel Zeit wie möglich mit ihnen zu verbringen, wenn es sein Spielplan zulässt. „Ich möchte so viel wie möglich für sie da sein, denn sie sind wichtiger als Darts.“
Rock räumte außerdem ein, selbst für die Phase verantwortlich gewesen zu sein, in der seine Motivation nachließ. „Wahrscheinlich bin ich selbst schuld daran, dass ich irgendwann den Anschluss verloren habe. Aber wie gesagt: Es hat mir keinen Spaß mehr gemacht.“ Für ihn zählt vor allem, dass sich die Situation inzwischen geändert hat. „Jetzt macht es mir wieder großen Spaß. Das ist das Wichtigste.“
ROCK ROUTS DOBEY!
Josh Rock rounds off Friday's action with a 6-1 drubbing of Chris Dobey to set up a fascinating tie against Jonny Clayton! 🍿
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„Mein Selbstvertrauen ist keinen Moment verschwunden“
Obwohl Rock eine schwierige Phase durchlebte, betonte er, dass sein Selbstvertrauen nie wirklich verloren gegangen sei. Der Nordire habe in dieser Saison auf mehreren großen Bühnen gezeigt, dass er weiterhin hervorragend Darts spielen könne. „Eigentlich habe ich das ganze Jahr über auf der großen Bühne gut gespielt, abgesehen von der Premier League“, sagte Rock. „Bei den Majors habe ich gut gespielt. Mein Niveau ist da und wird immer da sein. Es hängt nur davon ab, welcher Josh Rock an dem Abend auf die Bühne kommt.“
Auch sein Aus beim World Grand Prix in Leicester wertet er nicht als schlechte Leistung. „Ich habe in Leicester gut gespielt. Es war sogar mein bisher bester Auftritt im Double-In-Double-Out-Format.“
Laut Rock gab vor allem die starke Leistung seines Gegners den Ausschlag. „Niels Zonneveld hat gut gespielt, und das war der Unterschied in diesem Match.“ Sein Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten habe darunter nicht gelitten. „Überhaupt nicht. Keinen Moment“, antwortete Rock auf die Frage, ob die enttäuschenden Ergebnisse sein Selbstvertrauen beeinflusst hätten.
In solchen Phasen komme es vor allem auf mentale Stärke an, sagte er. „Es hängt davon ab, wie stark deine Mentalität ist. Sie bestimmt, wo du stehst. Ich habe eine starke Mentalität, das weiß ich.“
„Die Premier League war die schönste Erfahrung meines Lebens“
Rock wurde auch nach seinen Erfahrungen in der Premier League Darts gefragt, an der er in dieser Saison teilnahm. Das prestigeträchtige Turnier kann für Debütanten eine große Belastung sein. 17 Wochen lang reisen die besten Darts-Spieler der Welt durch große Arenen und treten jeden Donnerstagabend vor Tausenden Zuschauern an.
Sportlich blieb Rock nicht immer das gewünschte Ergebnis, doch auf seine Teilnahme blickt er ausschließlich positiv zurück. „Die Premier League war die schönste Erfahrung meines Lebens. Absolut“, sagte er begeistert. „Wenn ich die Chance bekäme, wäre ich sofort wieder dabei. Es war die großartigste Erfahrung, die ich je gemacht habe.“
Für Rock ging damit ein Kindheitstraum in Erfüllung. „Als ich klein war, habe ich jeden Donnerstagabend Spielern wie Michael van Gerwen, Gary Anderson, Phil Taylor und Raymond van Barneveld zugesehen.“
Dann selbst Teil desselben Turniers zu sein, bedeutete ihm sehr viel. „Selbst dazuzugehören, war ein großes Privileg. Ich würde es ohne Zweifel wieder tun.“
Nicht einmal die enttäuschenden Ergebnisse konnten dieses Gefühl trüben. „Es ist mir egal, wie die Matches gelaufen sind. Es war ein Privileg.“
Rock sieht seine Teilnahme an der Premier League außerdem als wertvolle Erfahrung für den weiteren Verlauf seiner Karriere. Für den Nordiren gebe es kaum eine bessere Vorbereitung auf große TV-Turniere. „Es ist das beste Training, das man bekommen kann. Wahrscheinlich das beste Bühnentraining überhaupt.“
Besonders hob er hervor, dass die Spieler über einen langen Zeitraum jede Woche unter großem Druck antreten müssen. „Man steht mindestens 16 Wochen lang dort, und wenn man den Finalabend erreicht, sogar 17 Wochen. Man spielt ständig vor riesigen Menschenmengen.“
Rock glaubt, dass ihm diese Erfahrung in dieser Saison auch außerhalb der Premier League geholfen hat. „Es ist das beste Training, das man bekommen kann. Ich denke, das hat mir dieses Jahr ebenfalls geholfen.“
Mit seinem überzeugenden Sieg gegen Dobey hat Rock in Dortmund jedenfalls den nächsten Schritt gemacht. Der Nordire zeigte, dass er seine Scoringstärke wieder mit starken Finishes verbinden kann.
Vielleicht wichtiger als die Zahlen ist für Rock jedoch, dass er wieder mit Freude an der Oche steht. Nach einer Phase, in der es ihm schwerfiel, sich selbst zu motivieren, blickt er wieder voller Begeisterung auf die kommenden Matches. „Ich habe mich wieder in den Sport verliebt“, fasste er seine aktuelle Stimmung zusammen. „Und ich bin hier, um zu gewinnen.“
Oliver Ried ist seit Ende 2024 Redakteur bei Dartsnews.de. Er berichtet dort über den professionellen Dartsport und erstellt regelmäßig Liveblogs zu den wichtigsten Turnieren und Ereignissen, darunter die PDC World Darts Championship, die Premier League Darts und das World Matchplay. Ergänzend veröffentlicht er Berichte, Einordnungen und Hintergrundtexte zum Geschehen auf der PDC-Tour. Seit Anfang 2025 schreibt er zudem für Radsportaktuell.de über den professionellen Radsport.
Oliver ist in Würzburg stationiert. Neben seiner redaktionellen Arbeit ist er selbst aktiver Dartspieler und bringt dadurch zusätzliche Praxisnähe in seine Berichterstattung ein. Er studiert Grundschullehramt und legt bei seinen Artikeln Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, klare Einordnung und verlässliche Informationen. Inhalte aktualisiert er, sobald neue, gesicherte Details vorliegen.