„Nach 42 Jahren ändert man etwas und plötzlich funktioniert es“ – Wie neue Schuhe Raymond van Barneveld zur Darts-WM verhalfen
PDCRaymond van Barneveld hat es nach einer äußerst schwierigen Saison doch noch geschafft: Der fünfmalige Weltmeister wird auch in diesem Jahr bei der Darts WM im Alexandra Palace antreten. Bis zu den letzten Players-Championship-Turnieren musste der 59-jährige Niederländer aus Den Haag um seine Qualifikation zittern, ehe sein Startplatz endgültig feststand. Dass er rechtzeitig zu besserer Form fand, hatte allerdings nicht nur mit einem Wechsel seiner Darts zu tun. Auch ein neues Paar Schuhe spielte bei seiner überraschenden Leistungssteigerung eine bemerkenswerte Rolle.
Am Donnerstag machte van Barneveld in Leicester seine mittlerweile 34. WM-Teilnahme perfekt und stellte damit einen neuen Rekord auf. Bislang hatte er sich die Bestmarke mit Steve Beaton geteilt, der in seiner Karriere ebenfalls 33-mal bei einer Weltmeisterschaft angetreten war. Nun ist „Barney“ alleiniger Rekordhalter – und konnte nach monatelangem Kampf um seinen Startplatz endlich aufatmen.
„Der Druck war unmenschlich“ – van Barneveld spricht über seine Erlösung
Wie groß die Anspannung in den vergangenen Monaten gewesen war, machte der Niederländer nach seiner erfolgreichen Qualifikation deutlich. Lange Zeit hatte er ernsthaft befürchten müssen, das wichtigste Turnier des Darts-Jahres zu verpassen. „Die Anspannung fiel riesig ab, als es endlich geklappt hatte“, erklärte van Barneveld gegenüber NU.nl. „Der Druck war unmenschlich. Früher wusste ich schon im Februar oder März, dass ich bei der WM dabei bin. Jetzt musste es bei den letzten beiden Turnieren auf dem Floor klappen. Noch Anfang des Jahres dachte ich: Verdammt, gehöre ich hier eigentlich noch hin?“

Raymond van Barneveld hat sich mit neuen Darts und einem ungewöhnlichen Wechsel seines Schuhwerks aus der sportlichen Krise gekämpft. Nun steht der Niederländer vor seiner 34. Teilnahme an einer Darts-Weltmeisterschaft.
Kuriose Entdeckung in der Garage: Neue Nike-Schuhe verändern van Barnevelds Wurf
Weiterlesen
Eine unerwartete Erkenntnis während einer Trainingseinheit in seiner Garage könnte entscheidend dazu beigetragen haben, dass van Barneveld seine Form rechtzeitig wiederfand. Als er eines Tages mit weißen Nike Air Force 1 am Oche stand, bemerkte er plötzlich, dass seine Darts deutlich besser im Board landeten als zuvor.
„Normalerweise trage ich beim Darts immer diese ECCO-Schuhe“, berichtete der 59-Jährige. „Aber mit den weißen Nikes lief es gut. Ich stand etwas höher als mit den anderen Schuhen und traf alle möglichen Triple. Da dachte ich: Was ist denn jetzt los? Die Höhe des Schuhs kann also einen großen Unterschied machen.“
Von der ungewöhnlichen Entdeckung war van Barneveld derart verblüfft, dass er kurzerhand seine Freundin Julia hinzurief. Sie sollte sich mit eigenen Augen davon überzeugen, welchen Unterschied das neue Schuhwerk offenbar machte. „Ich sagte: ‚Das musst du dir mal anschauen.‘ Sie meinte auch: ‚Ja, das ist wirklich verrückt.‘ Weiße Turnschuhe unter einer schwarzen Hose sehen nicht gut aus. Deshalb bat ich Julia, dasselbe Modell in Schwarz zu suchen.“
Gesagt, getan: Bei den beiden abschließenden Players-Championship-Turnieren der Saison trat der Niederländer tatsächlich mit seinen neuen Schuhen an – und zeigte sich anschließend selbst erstaunt über die Wirkung dieser vergleichsweise kleinen Veränderung. „Ich habe jetzt zwei Tage darin gespielt, und man glaubt es kaum. Die Darts stecken anders im Board und die Treffer sitzen. Sag du es mir. Nach 42 Jahren ändert man etwas und plötzlich funktioniert es.“
„Eine absolute Blamage“ – van Barneveld blickt auf seinen katastrophalen Saisonstart zurück
Dass sich der fünffache Weltmeister überhaupt bis zum Saisonende um seine WM-Teilnahme sorgen musste, lag vor allem an seinen schwachen Ergebnissen in der ersten Jahreshälfte. Weil er auf eine Qualifikation über die Pro-Tour-Rangliste angewiesen war, entwickelte sich sein enttäuschender Saisonstart zu einer immer größeren Belastung.
„Bei den ersten 22 Floor-Turnieren bin ich 17-mal in der ersten Runde ausgeschieden. In so einem Moment fragt man sich: Was mache ich hier eigentlich? Das war eine absolute Blamage. Insgesamt war es ein schreckliches Jahr, in dem ich Preisgeld zusammenkratzen musste. Aber am Ende habe ich es geschafft“, schilderte van Barneveld die schwierigen Monate.
Um die sportliche Wende herbeizuführen, hatte der Routinier allerdings nicht nur sein Schuhwerk verändert. Bereits in den vergangenen Monaten war er auf schmalere Darts umgestiegen. Zudem verlegte er seinen Wohnsitz nach Milton Keynes, wodurch sich die Anreisewege zu den englischen Floor-Turnieren deutlich verkürzten.
Dennoch blieb es für den Niederländer eine enorme Herausforderung, konstant Siege einzufahren. Besonders frustrierend empfand er dabei, dass seine Gegner gegen ihn immer wieder über sich hinauszuwachsen schienen. „Es ist nach wie vor so, dass die Leute plötzlich Spiele gewinnen, sobald sie mein Gesicht sehen“, klagte van Barneveld. „Manchmal stehe ich hinter meinem Gegner, schaue zum Himmel und denke: Wie kann das denn schon wieder sein? Es kommt mir vor, als dürften sie gegen mich einen vierten Dart werfen.“
Hinzu kommen körperliche Belastungen, die den mittlerweile 59-Jährigen zunehmend beschäftigen. Neben seiner Diabetes-Erkrankung machen ihm insbesondere Schlafprobleme zu schaffen, die sich mit den frühen Turnierstarts nur schwer vereinbaren lassen. „Dann wachst du um 3 Uhr nachts auf und wälzt dich stundenlang im Bett. Am nächsten Tag musst du um 8 Uhr aufstehen, damit du um 10 Uhr in der Halle bist. Ich bin natürlich kein junger Kerl mehr. Das spürt man.“
Weiterlesen
WM-Qualifikation verändert die Zukunft: van Barneveld verschiebt seinen Rücktritt
Mit dem gesicherten WM-Ticket hat sich für van Barneveld nicht nur die aktuelle Saison zum Positiven gewendet. Auch seine Zukunft als Dartsprofi erscheint nun wieder in einem anderen Licht. Da der Niederländer für das kommende Jahr weiterhin über eine PDC Tour Card verfügt, möchte er seine Karriere fortsetzen. „Das gibt mir das Vertrauen, es nächstes Jahr noch einmal anzugehen“, erklärte er.
Dabei war ein baldiger Abschied vom professionellen Dartsport zwischenzeitlich durchaus ein ernsthaftes Thema gewesen. „Wenn ich es nicht geschafft hätte, hätte ich mich gefragt: Mache ich das noch weiter? Vielleicht hätte ich dann im April an meinem 60. Geburtstag aufgehört. Aber nächstes Jahr mache ich weiter, auch wenn ich bei Weitem nicht alles spielen werde.“
Bevor er seine Planungen für die kommende Saison konkretisiert, richtet sich der Blick jedoch zunächst auf die Weltmeisterschaft im Alexandra Palace. Dort musste van Barneveld bei den vergangenen beiden Ausgaben bittere Enttäuschungen hinnehmen. Sowohl gegen Nick Kenny als auch gegen den Schweizer Stefan Bellmont war für ihn jeweils bereits im ersten Match Endstation. Entsprechend zurückhaltend formuliert der fünffache Weltmeister seine Erwartungen an den nächsten Anlauf.
„Ich werde nicht behaupten, dass ich die WM gewinnen kann, denn das wäre unrealistisch. Man braucht auch eine gute Auslosung. Ich bin nicht gesetzt und könnte direkt auf Luke Littler treffen. Vor allem hoffe ich, dass ich spät ins Turnier einsteige. Sonst kann die WM auch wieder schnell vorbei sein. Zwischen Weihnachten und Neujahr ist eine Reise ins Disneyland Paris geplant. Wenn ich weit komme, müssen sie allerdings ohne mich dorthin fahren.“

Nic GayerRedakteur
Nic Gayer ist seit 2022 im Journalismus tätig und begann seine Laufbahn als freier Redakteur im Lokaljournalismus für eine Tageszeitung. Heute berichtet er für Dartsnews.de über den professionellen Dartsport und ordnet das aktuelle Geschehen ein – von großen Turnieren bis zu Entwicklungen abseits der Bühne.
Regelmäßig ist er bei Events vor Ort und begleitet rund 20 Turniere pro Jahr, wo er Interviews führt, unter anderem mit Luke Littler, Luke Humphries, Michael van Gerwen, Gerwyn Price sowie Martin Schindler, Gian van Veen und Josh Rock.
Zudem ist er eine der prägenden Stimmen im englischsprachigen Dartsnews Podcast und Co-Host des Sport-Podcasts Overtime Takes.
Nic arbeitet aus der Nähe von München und steht kurz vor dem Abschluss als Bachelor of Arts in Sportjournalismus.
In seiner Berichterstattung legt er großen Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, präzise Einordnung und aktualisiert Inhalte, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.
Klatscht 0Besucher 0
Gerade In
Beliebte Nachrichten
Aktuelle Kommentare
- Keiner der Spieler darf sich über Pfiffe oder nicht vorhandenen Respekt beschweren. Ich war Donnerstag, Freitag, Samstagabend und Sonntagnachmittag vor Ort. Es war immer ein sehr faires Publikum. Und wenn Littler und seine Mutter jetzt auch noch respektvoll mit anderen Spielern umgehen, sollte den Aussagen von Littler nichts im Wege stehen.
Grobi25-10-2026 - Sorry, Mensur, zu spät. Wer solche Aussagen in tiefer Emotionalität äußert, der meint diese ernst. Denn das rationale Denken funktioniert in solchen (positiven) Stressmomenten seltens. Und wenn die Wahrnehmung so eingeschränkt ist, dass ich als Profispieler nicht mitbekomme, dass mein Gegner Matchdarts hat, dann stimmt in der Wahrnehmung etwas nicht. Also sorry, Mensur. Entschuldigung nicht angenommen, zumindest von mir. Und was vom Inhalt seines Statement ist mit KI geschrieben? Steht ganz oben. NI wäre hier angebracht gewesen.
Grobi12-10-2026 - Weiß man ob es die rechte oder linke Hand ist? In jedem Fall extrem bitter….Robertuil09-10-2026
- Ricke Evans ist Stand jetzt für die WM qualifiziert. Quelle: Dartsrankings In der ProTour Rangliste werden die Personen rausgerechnet, die bereits qualifiziert sind. Das hat der Autor hier nicht berücksichtigt.FabianD24-09-2026
- Aspinall lag 1:3 hinten , nicht 1:4 🎯Pool1809419-09-2026
- Was ein toller Mensch er doch gewesen ist. Der deutsche Dartsport wäre ohne ihn lange nicht da, wo er heute wäre. Super Artikel 👍ArturBoruc24-08-2026
- Und wer ist jetzt für Amsterdam qualifiziert?Julian1122-08-2026
- Er hat keinen Bock auf Deutschland und findet es hier schrecklich, weil er (zwei-)mal bei einem oder zwei Turnieren von einigen "Dartfans" ausgepfiffen wurde. Das mochte er nicht und deswegen bleibt es Deutschland fern. Ausnahme war der World Cup, da siegte sein Patriotismus und der Ehrgeiz, einmal alles gewonnen zu haben. Er hat es auch mal selbst so geschrieben bzw gesagt, dass er Deutschland (gemeint sind wahrscheinlich Turniere in Deutschland) schrecklich findet.
Grobi18-08-2026 - Danke für den ausführlichen Bericht über Jamie. Generell finde ich es klasse das du dich "fast vergessenen Spielern" annimmst. Wäre grundsätzlich bei Dartnews ein interessantes Dauerthema.XJRLion18-08-2026
- „Littler findet Deutschland einfach ein schreckliches Land“Reißerische Überschrift, aber Gründe lieferst du leider keine. Klar kann man verstehen das einige Topspieler, wie kürzlich Gary Anderson, sagten das er "keinen Bock darauf habe" mehrere Std. am Flughafen zu stehen bis es aufgrund aller Kontrollen weitergeht. Doch erklär uns, gerade aufgrund deiner Überschrift, bitte warum Luke scheinbar grundsätzlich keinen Bock auf Deutschland hat.XJRLion18-08-2026








