Die erste Ausgabe von „Beat
Luke Littler“ auf Netflix hat in der Dartswelt für einige Reaktionen gesorgt.
Fallon Sherrock sicherte sich den Hauptpreis von 501.000 Pfund, indem sie Luke Littler in einem Leg bezwang. Der frühere Profidartspieler Matthew Edgar blickte auf seinem YouTube-Kanal
Edgar TV ausführlich auf das Event zurück. Die Produktion und die Möglichkeiten für die Zukunft begeistern ihn, doch an Sherrocks Präsentation und dem Format der Sendung übt er auch Kritik.
Edgar beginnt seine Analyse mit Lob für die Veranstalter. Besonders die Gestaltung der Halle beeindruckte den Engländer. Die LED-Rückwand, die er zuvor bei Turnieren in Rumänien und Las Vegas erlebt hatte, sieht er als mögliche Entwicklung für die Zukunft des Sports.
„Ich fand die Produktion fantastisch. Ich bin schon lange ein Fan dieser LED-Rückwände und glaube, dass sie vielleicht die Zukunft sind und die traditionellen Hintergründe ablösen. Es fühlte sich anders an als ein normales Dartturnier. Es wirkte besonders und sah auch besonders aus. Wenn man zum ersten Mal Darts geschaut hat, dachte man wahrscheinlich: Wow, das ist wirklich Weltklasse.“
Vor allem der Moment, in dem Pearse Mackle die Chance bekam, den Hauptpreis mit einem Treffer ins Bullseye zu gewinnen, blieb Edgar in Erinnerung. Während Mackle sich auf seinen entscheidenden Wurf vorbereitete, sorgten die visuellen Effekte für zusätzliche Spannung.
„Das ganze Board schien sich zu drehen. Man hörte all die Geräusche, spürte den Druck bei diesem Bullseye und sah gleichzeitig den Hintergrund. Das muss ziemlich überwältigend gewesen sein.“
Auch die Einmärsche der Teilnehmer gefielen ihm, obwohl er manche davon für ziemlich übertrieben hielt. Dass die Spieler auf dem Weg zur Bühne vorgestellt wurden, war seiner Meinung nach eine kluge Entscheidung. So erfuhren die Zuschauer mehr über die Teilnehmer, ohne dass die Sendung unnötig in die Länge gezogen wurde.
Edgar sieht Potenzial für eine neue Netflix-Serie
Trotzdem hätte Edgar gern mehr vom Auswahlverfahren gesehen. Er glaubt, dass Netflix daraus sogar eine eigene Serie machen könnte. „Wenn man Sendungen wie X Factor oder Britain’s Got Talent schaut, machen gerade die Menschen, die es am Ende nicht schaffen, einen Teil des Reizes aus. Es gibt wahrscheinlich großartige Geschichten von Leuten, die sich für diese Show beworben haben, von denen wir aber nie etwas erfahren haben.“
Eine Miniserie mit vier bis sechs Folgen vor dem Live-Event wäre seiner Ansicht nach eine interessante Ergänzung. So könnten die Zuschauer die Kandidaten bereits kennenlernen.
Außerdem erwartet er, dass es nicht bei dieser einen Ausgabe bleiben wird. Die offiziellen Zuschauerzahlen kennt er zwar noch nicht, doch in den sozialen Medien sieht er, wie viel Aufmerksamkeit die Sendung erhalten hat. „Ich weiß nicht, wie viele Menschen auf Netflix zugeschaut haben, aber ich sehe, was gerade in den sozialen Medien passiert. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir so etwas wiedersehen werden.“
Edgar denkt dabei unter anderem an eine Darts-Version des Royal Rumble, bei der sich die Spieler in hohem Tempo abwechseln. Auch ein direktes Duell zwischen Luke Littler und dem 15-jährigen Mitchell Lawrie, der letztlich nicht antrat, dürfte auf großes Interesse stoßen.
„Es gibt derzeit ein großes Publikum, das Mitchell Lawrie gegen Luke Littler spielen sehen möchte. Das muss vielleicht nicht einmal auf Netflix stattfinden, sondern könnte einfach auf YouTube laufen. Dass es zu diesem Duell nicht kam, war für mich eine der Enttäuschungen des Abends.“
Kritik an der Darstellung von Fallon Sherrock
Edgars größter Kritikpunkt betrifft jedoch
Fallon Sherrock. Dabei geht es weniger um ihre Teilnahme als vielmehr darum, wie Netflix sie dargestellt hat. Sherrock erfüllte die Teilnahmebedingungen, da sie keine PDC Tour Card besitzt. Edgar findet jedoch, dass ihre große Erfahrung auf höchstem Niveau zu wenig hervorgehoben wurde.
„Persönlich fand ich das nicht gut. Dabei geht es um Authentizität. Sie steht vor ihrer siebten PDC-Weltmeisterschaft. Zählt man ihre BDO-Jahre dazu, hat sie ungefähr 13 Weltmeisterschaften gespielt. Sie ist schon sehr lange Profidartspielerin, wird aber als Friseurin vorgestellt.“
Besonders die Betonung ihres Berufs und ihres Wohnorts störte ihn. „Selbst am Ende hieß es, eine Friseurin aus Milton Keynes habe es geschafft. Nein, sie hat 13 Weltmeisterschaften gespielt.“
Edgar betont, dass er Sherrock ihre Teilnahme und ihren Sieg gönnt. Sein Einwand richtet sich ausschließlich gegen die Darstellung ihrer Vergangenheit. „Durfte sie teilnehmen? Ja. Erfüllte sie die Regeln? Ja. Habe ich damit ein Problem? Nein. Was mich stört, ist, dass man so tut, als wäre sie nicht die Person, die sie tatsächlich ist. Das ist mein Problem.“
Der frühere Profi findet außerdem bemerkenswert, dass Sherrock so viel Kritik entgegenschlägt, obwohl sie bei der Publikumsabstimmung 75 Prozent der Stimmen erhielt. Edgar hält es für gut möglich, dass die negativen Reaktionen in den sozialen Medien deshalb ein verzerrtes Bild der öffentlichen Meinung vermitteln.
Das Format sorgte für Langeweile
Neben der Diskussion um Sherrock kritisierte Edgar auch die Reihenfolge, in der die Teilnehmer antraten. Die Kandidaten waren anhand ihrer Spielstärke auf vier Gruppen verteilt. Seiner Meinung nach nahm der Wechsel zwischen starken und schwächeren Spielern der Sendung jedoch immer wieder die Spannung.
„Nach ein paar Stunden wurde mir ein wenig langweilig. Man arbeitete sich von Gruppe vier bis zu Gruppe eins vor, mit immer besseren Spielern. Und dann ging es wieder zurück zu Gruppe vier. Da dachte ich: Jetzt wird Littler wieder ein paar Spieler mühelos besiegen.“
Er hätte es lieber gesehen, wenn die Gegner im Lauf des Abends immer stärker geworden wären und die größten Herausforderer zum Schluss angetreten wären. „Den Zuschauern hatte man im Grunde schon gesagt, dass die Spieler aus der niedrigsten Gruppe nicht gut genug waren. Anschließend musste man wieder 20 Minuten warten, bis ein ernst zu nehmender Herausforderer auf der Bühne stand.“
Trotz dieser Kritikpunkte fällt Edgars Urteil überwiegend positiv aus. Die Netflix-Produktion sieht er als wichtigen Schritt, um Darts einem breiteren Publikum näherzubringen. „Seit der Zeit von Bullseye haben wir nicht mehr erlebt, dass Unterhaltung so erfolgreich mit unserem Sport zusammengebracht wurde. Alle, die daran beteiligt waren, verdienen großen Applaus.“
Für eine mögliche zweite Ausgabe müsste seiner Meinung nach daher nicht viel verändert werden. „Ich glaube, das könnte der Anfang von etwas Besonderem sein. Mit ein paar kleinen Anpassungen haben sie hier wirklich einen Gewinner.“