Michael van Gerwen hat seinen ersten offiziellen Auftritt nach der Darts WM erfolgreich gemeistert – doch zufrieden sah er danach nicht aus. Der dreifache Weltmeister gewann bei den
Bahrain Darts Masters 2026 mit 6:4 gegen den philippinischen Qualifikanten
Alexis Toylo und sicherte sich damit den Einzug ins Viertelfinale. Doch wer dachte, van Gerwen würde den Jahresauftakt locker abhaken, irrte. Der 36-Jährige sprach offen über denmühsamen Rhythmus im Match, den Druck zu Beginn der neuen Saison – und seine Abneigung gegen das ständige Gerede über Rankings und Preisgelder.
Wie so oft wirkte „Mighty Mike“ dabei kämpferisch, direkt und unzufrieden mit sich selbst. Sein Auftritt bei den
Bahrain Darts Masters zeigte erneut, dass van Gerwen in jeder Hinsicht Maßstäbe setzt – als einer, der Anspruch und Ehrlichkeit über alles stellt.
Kampf mit dem Rhythmus
Van Gerwen begann solide, doch der Niederländer tat sich schwer, Tempo und Timing zu finden. Sein Gegner Toylo ließ sich reichlich Zeit vor dem Wurf – ein Stil, der van Gerwen sichtlich nervte. „Er braucht manchmal 25 Darts, bevor er überhaupt loslässt“,
sagte der Niederländer nach dem Spiel. „Aber das ist sein Stil, damit muss ich umgehen.“
Michael van Gerwen trifft im Viertelfinale auf Stephen Bunting
Leicht fiel ihm das nicht. „Du musst cool bleiben“, erklärte van Gerwen. „Es war ein schweres Match, aber Toylo ist kein Amateur. Er hat die Asian Tour gewonnen, da reden wir von einem richtig guten Spieler.“ Anzeichen von Frust wollte van Gerwen nicht gelten lassen, auch wenn seine Gesichtszüge anderes andeuteten. „Frustriert? Nein, niemand wird frustriert“, sagte er knapp – und fügte mit Blick auf die Entwicklung des Sports hinzu: „Die neue Generation spielt viel schneller. Kaum jemand steht heute noch ewig am Oche. Das macht es schwer, wenn du selbst dein Tempo beibehalten willst.“
Der Dreifach-Weltmeister kämpfte sich dennoch erfolgreich durch und zog mit einem ordentlichen, aber nicht überragenden Auftritt in die nächste Runde ein. Ein Sieg? Ja. Ein Statement? Noch nicht ganz.
Vorbereitung mit Hindernissen
Schon vor Turnierbeginn hatte van Gerwen betont, wie wichtig die
Bahrain Darts Masters für ihn sind. „Das ist Vorbereitung – aber eine, die zählt“, sagte er. „Die World Masters sind das erste richtig bedeutende Turnier des Jahres. Dafür musst du bereit sein.“
Der Kalender des Niederländers ist eng getaktet. Nach Bahrain geht’s weiter nach Saudi-Arabien, dann folgen die Masters, ehe Anfang Februar die Premier League startet. Van Gerwen weiß, dass jede Phase zählt: „Es kommt viel Wichtiges. Ich freue mich darauf, aber du darfst nichts schleifen lassen.“
Doch seine Vorbereitung verlief nicht ideal. Kurz nach dem WM-Aus war der 36-Jährige krank, eine Woche fiel komplett aus. „Diese Woche war einfach weg“, gab er offen zu. „Aber danach lief das Training gut. Ich konnte mich richtig vorbereiten. So ist das im Sport – du musst adaptieren.“
Den geplanten Urlaub in der Karibik ließ er dieses Jahr sausen. „Eigentlich sitze ich um diese Zeit irgendwo am Strand“, sagte er mit einem kurzen Lächeln. „Aber das hier ist wichtiger. Ich will auf meinem Niveau bleiben, dafür musst du investieren.“
Rangliste? „Das interessiert mich ehrlich gesagt nicht“
Ein heikles Thema begleitet van Gerwen in dieser Saison dennoch: Zum ersten Mal seit Jahren ist er nicht mehr die niederländische Nummer eins. Gian van Veen hat ihn im Ranking überholt – eine Zäsur, die viele Schlagzeilen machte. Van Gerwen selbst reagierte gelassen: „Das interessiert mich ehrlich gesagt nicht. Gian hat ein großartiges Jahr gespielt. Er hat sich das verdient.“
Trotzdem nutzte van Gerwen die Gelegenheit, um erneut das Weltranglistensystem zu kritisieren. „Ich sage seit Jahren, dass die WM zu stark gewichtet ist“, wetterte er. „Und jetzt, mit einer Million Preisgeld, ist es noch schlimmer geworden.“
Im Hintergrund laufe laut van Gerwen bereits die Diskussion über mögliche Reformen. „Ich weiß, dass die PDC daran arbeitet“, sagte er. „Sie wissen, dass sich etwas ändern muss.“ Über Geld wollte er aber nicht weiter reden. „Viele denken nur an Summen – wer was verdient. Das war nie mein Antrieb. Du musst einfach abliefern, Punkt.“
„Welche Herausforderung?“ – Van Gerwen und sein Selbstverständnis
Der wohl markanteste Moment des Abends kam, als van Gerwen auf die „Herausforderung“ der neuen Saison angesprochen wurde. Er grinste spöttisch. „Welche Herausforderung?“, fragte er den Reporter zurück. „Ich sehe keine.“
Auf die Nachfrage reagierte er noch bestimmter: „Wenn du meine Qualitäten hast, ist nichts eine Herausforderung. Das weißt du.“ Dieser Satz war mehr als nur Selbstbewusstsein – er war eine Kampfansage. Van Gerwen sieht sich weiterhin als Benchmark des Sports, nicht als Jäger, sondern als Gejagten, der sich niemals versteckt.
Diese Haltung prägt seine Karriere seit Jahren. Selbstzweifel? Fehlanzeige. Realismus? Ja – aber immer gepaart mit dem Glauben, besser sein zu können als jeder andere. „Das ist mein Antrieb“, sagte er einmal. „Wenn du dich zufrieden gibst, hast du schon verloren.“
Dauerbelastung im Rampenlicht
Nach all den Jahren unter dem Scheinwerferlicht ist van Gerwen längst daran gewöhnt, dass jedes Wort und jeder Dart analysiert wird. Der öffentliche Druck scheint ihn kaum zu stören. „Ich habe in meinem Leben zu viel erreicht, um nicht im Rampenlicht zu stehen“, sagte er. „Aber das interessiert mich nicht. Ich setze mich selbst unter Druck.“
Dieser Druck sei seine größte Triebfeder. „Das bin ich“, erklärte er. „Andere Meinungen spielen keine Rolle. Ich muss bereit sein für das nächste Match, für den nächsten Gegner.“
Als das Gespräch auf Luke Humphries kam, den ehemaligen Weltmeister, reagierte van Gerwen gewohnt kantig. „Luke spielt erst ein paar Jahre Premier League“, sagte er. „Vergleiche uns nicht. Ich habe viel mehr erlebt, gewonnen, durchgestanden.“
Doch dann zeigte er eine seltene, fast nachdenkliche Seite. „Du musst immer weitermachen“, meinte er. „Weiter kämpfen, weiter fordern. Ohne diesen inneren Kampf wirst du nie der Spieler, der du sein willst. Und ehrlich – ich liebe das.“
Schritt für Schritt Richtung Premier League
Bevor die
Premier League Darts im Februar startet, stehen noch wichtige Prüfungen bevor. Van Gerwen will die Zeit nutzen, um Form und Selbstvertrauen zurückzugewinnen. „Die Premier League ist wichtig, aber sie beginnt erst“, sagte er. „Zuerst kommen Bahrain, Riad, das Masters. Diese Turniere zählen genauso.“
Er wehrte sich gegen vorschnelle Fokussierung. „Es wäre respektlos gegenüber den anderen Events, jetzt schon nur an die Premier League zu denken“, betonte er. „Wenn sie nicht wichtig wären, wären die Besten der Welt nicht hier.“
Über die Zusammensetzung des Premier League-Feldes wollte er nicht spekulieren. „Das liegt nicht an mir“, meinte er schlicht. „Die PDC entscheidet, wer reinrutscht. Ich konzentriere mich auf mein Spiel – und darauf, wieder zu dominieren.“
Van Gerwen sprach es nicht aus, aber seine Körpersprache verriet genug: Bahrain war nur der Anfang. Der Hunger, der ihn einst zur absoluten Weltspitze brachte, ist noch da.