„Wenn seine Mutter noch da wäre, wäre sie so stolz auf ihn“ – James Wade mit emotionalen Worten nach erstem Euro-Tour-Titel seit zehn Jahren

PDC
durch Nic Gayer
Montag, 14 September 2026 um 9:00
James Wade (2)
Zehn Jahre musste James Wade auf diesen Moment warten. Am Sonntagabend krönte sich „The Machine“ in Antwerpen zum Champion der Flanders Darts Trophy und beendete damit eine bemerkenswerte Durststrecke auf der European Tour. Im Finale setzte sich der 43-Jährige mit 8:4 gegen Ross Smith durch und feierte seinen ersten Titel auf der europäischen Bühne seit 2016.
Für Wade war der Triumph weit mehr als nur ein weiterer Pokal in seiner umfangreichen Sammlung. Seit seinem Erfolg beim European Darts Matchplay 2016 hatte der Engländer keinen Titel mehr auf der European Tour gewonnen. In der Antwerp Expo durchbrach der Weltranglistensiebte nun die lange Flaute – und sicherte sich gleichzeitig bereits seinen dritten PDC-Titel der laufenden Saison.

Wade krönt starken Auftritt in Antwerpen

Im Endspiel der Flanders Darts Trophy überzeugte Wade auch spielerisch. Mit einem Average von 99,10 Punkten und einer Doppelquote von 60 Prozent setzte er sich gegen Smith durch, der selbst eine hervorragende Saison spielt und 2026 bereits zwei Titel auf der European Tour gewonnen hatte. In Antwerpen sollte für „Smudger“ der dritte folgen, doch Wade machte ihm mit seinem 8:4-Erfolg einen Strich durch die Rechnung.
James Wade posiert stolz mit seiner Trophäe.
James Wade triumphierte bei der Flanders Darts Trophy in Antwerpen und feierte damit seinen ersten European-Tour-Titel seit zehn Jahren.
Bereits auf dem Weg ins Finale hatte „The Machine“ seine starke Verfassung unter Beweis gestellt. Im Viertelfinale ließ Wade Danny Noppert beim 6:0 überhaupt keine Chance, anschließend bezwang er Damon Heta im Halbfinale mit 7:4. Im Endspiel setzte er seinen Lauf schließlich gegen Smith fort.
Nach seinem Triumph rückte für Wade allerdings schnell sein unterlegener Gegner in den Mittelpunkt. Der 43-Jährige kennt Smith bereits seit dessen jungen Jahren und würdigte nicht nur dessen sportliche Entwicklung, sondern erinnerte auch an Smiths im vergangenen Jahr verstorbene Mutter.
„Ich habe Smudger spielen sehen, seit er ein junger Mann war. Wenn seine Mutter noch da wäre, wäre sie so stolz auf ihn“, sagte Wade. „Sie hat mir immer gesagt, wie großartig er einmal sein würde. Ich dachte immer, da spricht einfach eine weitere Frau über einen durchschnittlichen Menschen.“
Doch Smith habe die damaligen Erwartungen längst übertroffen. „Er ist weit über das hinausgegangen, was seine Mutter von ihm erwartet hat. Er ist weit über das hinausgegangen, was ich von ihm erwartet habe.“
Wade richtete anschließend weitere anerkennende Worte an seinen Finalgegner, dessen Sohn ebenfalls vor Ort war. „Er sollte sich verbeugen. Er hat seinen Sohn hier. Was für ein Privileg, die Bühne mit einem Mann wie ihm zu teilen.“
Auch charakterlich zollte Wade seinem Landsmann großen Respekt. „Ich hatte meinen kleinen Moment auf der European Tour. Ich bin glücklich damit. Smudger wird immer Smudger bleiben. Er ist stur. Er ist großartig. Zum Glück gibt es nicht viele Spieler wie ihn.“

„Es könnte wieder zehn Jahre dauern“

Trotz seines ersten European-Tour-Titels seit einem Jahrzehnt verfiel Wade anschließend keineswegs in Euphorie. Mit Blick auf die entscheidende Phase der Saison und den noch in diesem Monat anstehenden World Grand Prix wollte der erfahrene Engländer seinen jüngsten Erfolg nicht überbewerten.
„Ich habe heute genug getan und werde meinen kleinen Moment des Ruhms auf der Bühne genießen. Es könnte wieder zehn Jahre dauern“, erklärte Wade. „Aber ich bin glücklich, heute gewonnen zu haben.“
Gleichzeitig blickte „The Machine“ auf seine lange Verbindung mit der European Tour zurück, die er seit ihren Anfängen begleitet. Mit einem Augenzwinkern bemerkte Wade zunächst: „Wisst ihr, was die Ironie ist? Ich wurde noch nie zu einer Gala eingeladen. Ich weiß nicht, ob sie genug bezahlen können.“
Anschließend wurde der Engländer wieder ernst. „Ich hatte das Glück, von Anfang an bei der European Tour dabei zu sein. Ich fühle mich sehr geschmeichelt und geehrt, Teil dieser Tour zu sein.“
Wades Erfolg in Antwerpen unterstreicht einmal mehr, dass der 43-Jährige auch nach seiner langen Karriere weiterhin in der Lage ist, große Titel zu gewinnen. Während eine neue Generation um Spieler wie Luke Littler und Luke Humphries den Dartsport prägt, behauptet sich „The Machine“ weiterhin in der Weltspitze – auch wenn seine Leistungen nach eigener Aussage nicht jede Woche auf demselben Niveau liegen.

„Dann würde ich sie alle in Stücke schlagen“

„Ich bin James Wade. In manchen Wochen läuft es gut, manchmal läuft es schlecht. So ist es bei mir“, erklärte er. „Wenn es immer gut laufen würde, würde ich sie alle in Stücke schlagen. Wir können nicht immer bestimmen, wie wir uns fühlen und wie wir sind.“
Bemerkenswert war schließlich, dass die große Wertschätzung keineswegs einseitig war. Auch Smith fand nach seiner Finalniederlage ausschließlich lobende Worte für den neuen Champion und räumte ein, im Verlauf des Turniertages zuvor durchaus von Fehlern seiner Gegner profitiert zu haben.
„Ich hatte heute Glück. Die Spieler haben mich davonkommen lassen. Wadey ist eben Wadey, er lässt dich nicht davonkommen“, sagte Smith. „Ich bewundere ihn. Ich beobachte sein Spiel. Ich habe gesehen, wie er im Practice Room ein Finish ausgemacht hat, und ich würde eher Geld darauf setzen, dass er es trifft, als dass er es verfehlt.“
Für Smith stand deshalb außer Frage, dass Wade den Titel verdient hatte. „Das meine ich ernst. Er ist absolute Klasse und hat den Sieg vollkommen verdient. Er arbeitet hart und ist jeden Tag da. Er ist ein Kämpfer.“
Seine Bewunderung für Wade gehe sogar so weit, dass sie ihm im direkten Duell womöglich nicht immer helfe. „Ich bewundere den Kerl zu sehr, wenn ich gegen ihn spiele. Er ist ein absoluter Diamant.“
Nach zehn Jahren des Wartens hat James Wade damit wieder einen Titel auf der European Tour in den Händen. Die Flanders Darts Trophy in Antwerpen markiert einen weiteren besonderen Erfolg in der langen Karriere von „The Machine“ – und einen Triumph, den Wade selbst als seinen „kleinen Moment des Ruhms“ genießen will.
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