Die belgischen Dartsfans erlebten am Freitagabend in den Oktoberhallen von
Wieze einen Abend, der lange nachhallen wird. In einer elektrisierenden Atmosphäre lieferten
Andy Baetens und
Kim Huybrechts starke Auftritte ab und zogen beide in die zweite Runde der
Belgian Darts Open ein. Das Heimspiel verwandelte sich in ein Fest – getragen von Emotionen, aber auch von bemerkenswerter Fairness auf den Rängen.
Beide Belgier gingen dabei unterschiedliche Wege, doch das Ergebnis blieb identisch: zwei Siege, zwei begeisterte Spieler und ein Publikum, das jeden Moment aufsog.
Baetens ringt Cullen in dramatischem Duell nieder
Für Andy Baetens wurde der Abend zu einem echten Prüfstein. Der „Beast from The East“, nur wenige Minuten vom Spielort entfernt zuhause, traf mit Joe Cullen auf einen erfahrenen Gegner mit großer Bühne-Erfahrung. Die Ausgangslage war anspruchsvoll – und das zeigte sich von Beginn an.
Andy Baetens trifft in der zweiten Runde auf Stephen Bunting
Cullen erwischte den besseren Start und setzte sich früh mit 4:2 ab. Baetens musste reagieren, und genau das tat er. Mit wachsender Sicherheit im Scoring und mehr Selbstvertrauen fand er zurück ins Spiel. Die Partie kippte, das Publikum wurde wieder laut – und der Belgier nutzte den Schwung.
Er glich nicht nur aus, sondern übernahm sogar die Führung. Beim Stand von 5:4 bot sich ihm die große Chance, das Match mit einem 121-Finish zu beenden. Doch der entscheidende Wurf auf Bull verfehlte sein Ziel. „An diesem Moment knabberst du kurz“, erklärte Baetens später. „Du weißt, dass du da das Match zumachen kannst. Aber ich habe weitergekämpft.“
Cullen blieb im Spiel und erzwang ein Entscheidungsleg. Dort wiederholte sich die Situation: erneut 121 Punkte Rest, erneut der Versuch über Bull – und erneut kein Treffer. Baetens bewahrte die Ruhe, nutzte seine Chance auf die Doppel und sicherte sich schließlich den 6:5-Erfolg.
Das Niveau der Partie konnte sich sehen lassen. Cullen spielte einen Average um die 100-Punkte-Marke, Baetens hielt mit soliden 93,60 dagegen. Entscheidend war jedoch die mentale Stärke des Belgiers – und die Unterstützung von den Rängen. „Das Publikum stand hinter mir, und das gibt dir etwas Extra“, betonte er. „Gleichzeitig fand ich es stark, wie respektvoll sie auch meinem Gegner gegenüber geblieben sind.“
Für Baetens unterstreicht dieser Sieg seine Entwicklung. Nach dem Verlust der
PDC Tour Card orientierte er sich neu, spielte Turniere im WDF-Bereich sowie bei der MODUS Super Series und kämpfte sich über die Qualifikation zurück auf diese Bühne. Unter anderem setzte er sich dabei gegen Mario Vandenbogaerde durch. „Es ist mein drittes Mal hier, und es bleibt besonders“, sagte er. „So nah an Zuhause zu spielen, motiviert enorm.“
In der zweiten Runde wartet mit Stephen Bunting die nächste große Aufgabe.
Huybrechts überzeugt mit Kontrolle und Klasse
Kim Huybrechts setzte am späteren Abend ein weiteres Ausrufezeichen. Gegen den Deutschen Niko Springer präsentierte sich „The Hurricane“ in starker Form und ließ nur wenig Zweifel am Ausgang der Partie aufkommen.
Zwar verlief der Start ausgeglichen, doch Huybrechts übernahm zunehmend die Kontrolle. Nach einem zwischenzeitlichen Rückstand reagierte er sofort, holte sich das Break zurück und bestimmte von da an das Tempo des Spiels.
Mit einem weiteren Break zog er auf 5:3 davon und stellte die Weichen endgültig auf Sieg. Ein Highlight setzte er mit einem spektakulären 170-Finish, das die Halle zum Beben brachte und ihm die perfekte Ausgangslage für den Schlusspunkt verschaffte. Wenig später machte er über Doppel 4 alles klar: 6:3.
Sein Average von 101,76 unterstrich die starke Leistung eindrucksvoll. „Das ist fantastisch: zuhause gewinnen und dazu noch gut spielen“, sagte Huybrechts. „Es war ein intensives Match, aber ich hatte das Gefühl, die Kontrolle zu behalten.“
Auffällig blieb erneut sein Einsatz von Ohrstöpseln. Für Huybrechts ein wichtiger Faktor, um die Konzentration zu halten. „Du musst in deiner eigenen Blase bleiben“, erklärte er. „Die Stimmung ist großartig, aber wenn du dich davon zu sehr mitreißen lässt, verlierst du den Fokus.“
Atmosphäre und Fairness prägen den Abend
Neben den sportlichen Leistungen prägte vor allem die Stimmung den Abend in Wieze. Die Fans sorgten für lautstarke Unterstützung, ohne dabei die Grenze zur Unsportlichkeit zu überschreiten. Beide Belgier hoben diesen Punkt ausdrücklich hervor.
„Wir haben das respektvollste Publikum der Welt“, sagte Huybrechts. „Du bekommst Unterstützung, ohne dass der Gegner ausgepfiffen wird. Das macht einen großen Unterschied.“
Diese Balance verlieh dem Abend eine besondere Qualität. Die Spieler profitierten von der Energie der Halle, ohne dass negative Einflüsse das Geschehen bestimmten. Gerade in engen Momenten wurde deutlich, wie sehr Baetens und Huybrechts von dieser Unterstützung zehrten.
Schwierige Aufgaben in Runde zwei warten
Mit zwei belgischen Siegen richtet sich der Blick nun auf die nächste Runde. Andy Baetens trifft auf Stephen Bunting – ein Duell, das hohe Qualität verspricht und dem Belgier erneut alles abverlangen wird. Auch Kim Huybrechts steht gegen Josh Rock vor einer anspruchsvollen Aufgabe.
Beide Belgier gehen jedoch mit Selbstvertrauen in diese Begegnungen. Baetens hat gezeigt, dass er auch unter Druck bestehen kann, während Huybrechts aktuell ein stabiles und hohes Niveau erreicht.
Eines ist bereits jetzt klar: Wieze hat seinen Rhythmus gefunden. Die Fans stehen hinter ihren Spielern, die Spieler liefern ab – und die Belgian Darts Open haben genau die Geschichte bekommen, die ein Heimturnier braucht.