„Herzprobleme waren für mich ein echter Weckruf“ – ‚Wiedergeborener‘ Cameron Menzies startet mit neuem Lebensstil durch

PDC
Samstag, 21 März 2026 um 12:00
Cameron Menzies (2)
Cameron Menzies hat bei den Belgian Darts Open ein klares Ausrufezeichen gesetzt. Der 36-jährige Schotte dominierte sein Erstrundenmatch gegen Sietse Lap und setzte sich souverän mit 6:1 durch. Mit diesem überzeugenden Auftakt sicherte er sich das Duell mit dem an Position 13 gesetzten Ross Smith – und sendete gleichzeitig ein Signal an die Konkurrenz.
Doch der Sieg auf der Bühne in Wieze erzählt nur einen Teil der Geschichte. Nach dem Match zeigte sich Menzies vor den Medien spürbar erleichtert. Der Erfolg bedeutete ihm viel, doch noch wichtiger sind die Fortschritte, die er abseits des Boards gemacht hat. In den vergangenen Monaten arbeitete er intensiv an sich selbst – körperlich wie mental – und sprach offen über seinen Weg zurück in die Spur.

Gesundheitsprobleme als Wendepunkt

„Wie es mir geht? Im Leben deutlich besser, Kumpel“, erklärte Menzies ehrlich und ohne Umschweife. „Ich beschäftige mich viel mit mir selbst, gehe regelmäßig ins Fitnessstudio und versuche, mein Leben Stück für Stück besser in den Griff zu bekommen.“
Cameron Menzies in Aktion
Cameron Menzies trifft in der zweiten Runde auf Ross Smith
Diese Einsicht kam nicht zufällig. Der Auslöser lag in ernsthaften gesundheitlichen Problemen, mit denen Menzies lange still zu kämpfen hatte. „Ich habe ein Problem mit meinem Herzen. Ich habe hohen Blutdruck und leide unter einem unregelmäßigen Herzschlag“, erklärte er offen. „Das kommt bei vielen vor, aber in meiner Familie gibt es Herzprobleme – daher nehme ich das sehr ernst.“
Die Konsequenzen daraus waren tiefgreifend. Der Schotte änderte seine Ernährung, begann regelmäßig zu trainieren und verlor massiv an Gewicht. „Ich wog einmal über 135 Kilo. Jetzt bin ich bei etwa 80 Kilo. Dieser Unterschied hat mein Leben verändert – körperlich und mental. Ich fühle mich fitter, wacher und einfach besser.“

Hypnotherapie als neuer mentaler Schlüssel

Neben der körperlichen Veränderung entdeckte Menzies auch mentale Unterstützung für sich – in Form von Hypnotherapie. „Ich habe damit angefangen, und es hilft enorm“, sagte er. „Am Anfang wusste ich nicht genau, was mich erwartet, aber es ist unglaublich, wie sehr mir das Leben dadurch leichter fällt.“
Der Ansatz dieser Therapie beeindruckte ihn besonders. „Wenn Dinge kompliziert werden, lerne ich, sie in kleinere Teile zu zerlegen. Statt eines großen Problems hast du dann mehrere kleine Schritte – und plötzlich ist alles machbar.“
Die Sitzungen dauern laut Menzies meist eine Stunde. „Wir sprechen kurz, dann setze ich Kopfhörer auf und höre eine Art Soundtrack, während ich angeleitet werde. Das soll dein Unterbewusstsein erreichen – und genau das funktioniert.“
Der Schotte sieht darin längst keinen Tabubruch mehr, sondern eine neue Form professioneller Vorbereitung. „Es gibt viele Spieler, die mentale Hilfe nutzen, auch wenn sie nicht darüber sprechen. In anderen Sportarten ist das ganz normal – warum also nicht im Darts?“

Unterstützung durch die PDPA

Menzies bekommt dabei Unterstützung von der Professional Darts Players Association (PDPA), die ihm ein achtwöchiges Programm mit einem erfahrenen Therapeuten vermittelte. „Ich bin jetzt in der siebten Woche, und es gefällt mir so gut, dass wir wahrscheinlich weitermachen. Ich bin noch nie aus einer Sitzung mit einem schlechten Gefühl gekommen.“
Der Therapeut arbeitet laut Menzies auch mit Athleten aus anderen Spitzensportarten. Für ihn ein Beweis, wie weit das Mentaltraining im modernen Dartsport bereits fortgeschritten ist. „Darts ist längst kein Kneipenspiel mehr. Das ist Hochleistungssport – und wer mental nicht stabil ist, hat es schwer.“

Zwischen Ehrgeiz und Selbstzweifel

Trotz seines Auftaktsieges wollte Menzies seine Leistung nicht überbewerten. „Ich war nervös, das war kein überragendes Match. Aber ich nehme den Sieg natürlich mit“, sagte er mit einem Schmunzeln.
Die Nervosität hat Gründe: Der Jahresstart verlief alles andere als optimal. „Ich hatte keinen großartigen Beginn. Letzte Woche habe ich ein Spiel verloren, das ich selbst hergeschenkt habe. Das ärgert mich – solche Dinge bleiben hängen.“
Im Training laufe es hingegen hervorragend, erzählt der Schotte. „Da spiele ich wirklich stark, aber im Match will ich manchmal zu viel. Wenn du anfängst zu forcieren, blockierst du dich selbst. Das ist der Punkt, an dem du mental dagegenhalten musst.“

Darts unter Hochdruck

Menzies fordert, dass die öffentliche Wahrnehmung des Sports die Realität endlich widerspiegelt. „Wir sind keine Pubspieler mehr“, stellte er klar. „Darts ist eine der meistgesehenen Sportarten der Welt. Der Druck ist enorm – und wenn du nicht damit umgehen kannst, kann es dich schnell herunterziehen.“
Genau deshalb sei mentale Unterstützung durch Organisationen wie die PDPA unverzichtbar. „Sie haben wirklich gute Arbeit geleistet. Ich kann nicht für alle sprechen, aber für mich haben sie etwas Großes bewirkt. Sie haben mir die Chance gegeben, an mir zu arbeiten – das schätze ich sehr.“
Gerade in schwierigen Phasen, so Menzies, könne ein Gespräch helfen, den Kopf wieder frei zu bekommen. „Manchmal brauchst du nur jemanden, der zuhört. Das verändert viel mehr, als man denkt.“

Zuversicht trotz offener Baustellen

Auch wenn er weiß, dass die Arbeit an Körper und Geist noch lange nicht abgeschlossen ist, klingen seine Worte so optimistisch wie selten zuvor. „Ich fühle mich einfach besser – und das ist am Ende das Wichtigste. Wenn du dich wohlfühlst, kommt der Rest von selbst.“
Auf der Bühne in Wieze hat Cameron Menzies diesen neuen inneren Frieden schon angedeutet. Der Sieg über Sietse Lap war dabei mehr als ein sportlicher Erfolg – es war ein Symbol für ein neues Kapitel. Eines, in dem der Schotte gelernt hat, dass Stärke manchmal dort beginnt, wo man sich selbst am meisten hinterfragt.
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