Einst schrieb van Barneveld hier Darts-Geschichte – heute ist die BDO selbst Geschichte: Der dramatische Niedergang eines Weltverbands

BDO
durch Nic Gayer
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Fast ein halbes Jahrhundert lang zählte die British Darts Organisation (BDO) zu den prägendsten Institutionen des internationalen Dartsports. Was 1973 mit einer Initiative von Olly Croft begann, entwickelte sich zum wichtigsten Verband der damaligen Dartswelt und zum Ausrichter einer Weltmeisterschaft, bei der sich über Jahrzehnte die größten Stars der Szene miteinander maßen. Doch nach einer langen Phase des Niedergangs, geprägt von schwerwiegenden Managementfehlern und wirtschaftlichen Problemen, fand die Geschichte der BDO im Jahr 2020 ein endgültiges Ende. Der einst so mächtige Verband wurde aufgelöst.
Darts-Ikonen wie Eric Bristow, John Lowe, Raymond van Barneveld und Phil Taylor erlebten ihren Aufstieg in einer Ära, in der die BDO das Geschehen im internationalen Dartsport maßgeblich bestimmte. Doch hinter legendären Triumphen, unvergesslichen WM-Finals und sportlichen Sternstunden entwickelte sich eine Geschichte voller interner Machtkämpfe, folgenschwerer Fehlentscheidungen und eines zunehmend übermächtigen Konkurrenten. Mit der Gründung der Professional Darts Corporation (PDC) in den 1990er-Jahren begann eine Zeitenwende, die den Sport nachhaltig verändern sollte. Während sich die PDC zum wirtschaftlichen und medialen Zentrum des professionellen Darts entwickelte, büßte die BDO schrittweise ihre größten Zugpferde, wichtige Fernsehpartner und schließlich ihre finanzielle Grundlage ein. Im September 2020 fiel der endgültige Vorhang für einen Verband, der die Entwicklung des Dartsports 47 Jahre lang entscheidend mitgestaltet hatte. Unser niederländischer Kollege Bram Coenen zeichnet die bewegte Geschichte der BDO nach – von ihren glanzvollen Anfängen bis zum bitteren Ende.

Olly Croft legt den Grundstein für einen neuen Dartverband

Der Ursprung der British Darts Organisation reicht bis zum 7. Januar 1973 zurück. An diesem Tag rief der Engländer Olly Croft die BDO ins Leben und legte damit den Grundstein für eine neue Ära im britischen Dartsport. Croft sollte dem Verband beinahe vier Jahrzehnte lang vorstehen, zu seinem bekanntesten Gesicht werden und sich als einer der einflussreichsten Funktionäre in der Geschichte dieser Sportart etablieren.
Bis zur Gründung der BDO lag die Organisation des britischen Dartsports überwiegend in den Händen der National Darts Association of Great Britain (NDAGB). Croft verfolgte jedoch eine weiterreichende Vision: Er wollte die bestehenden Strukturen professionalisieren, regionale Organisationen enger miteinander verknüpfen und den zahlreichen Wettbewerben einen einheitlicheren Rahmen geben.
In den folgenden Jahren entwickelte sich die BDO zu einer landesweit bedeutenden Organisation, der schließlich 66 Counties angeschlossen waren. Dabei beschränkte sich ihre Arbeit keineswegs auf den Spitzensport. Vielmehr schuf und betreute der Verband Wettbewerbe für Amateure, Halbprofis und Nachwuchstalente gleichermaßen. Auf diese Weise etablierte sich die BDO als tragende Säule des britischen Dartsports und förderte dessen Entwicklung von der lokalen bis zur internationalen Ebene.
Auch bei der Vereinheitlichung der Spielbedingungen hinterließ Croft bleibende Spuren. Unter dem Dach der BDO wurden die Standardmaße des Dartboards sowie die Abwurfdistanz festgelegt, die bis heute im Dartsport Anwendung finden. Darüber hinaus gehörte die Organisation zu den Gründungsmitgliedern der World Darts Federation (WDF), die 1976 ins Leben gerufen wurde und eine internationale Zusammenarbeit der nationalen Dartverbände ermöglichen sollte.
Doch Crofts Ambitionen gingen weit über den Aufbau funktionierender Verbandsstrukturen und die Organisation regionaler Turniere hinaus. Er erkannte früh, welches Potenzial im Dartsport als Fernsehunterhaltung steckte, und wollte die Sportart einem deutlich größeren Publikum zugänglich machen.
Tatsächlich erlebte Darts im britischen Fernsehen während der 1970er-Jahre einen bemerkenswerten Aufschwung. Sowohl die BBC als auch ITV nahmen zunehmend Dartturniere in ihre Programme auf. Dadurch entwickelten sich die erfolgreichsten Spieler allmählich zu landesweit bekannten Persönlichkeiten. Gleichzeitig eröffneten größere Veranstaltungen neue wirtschaftliche Perspektiven: Höhere Preisgelder und die ersten bedeutenden Sponsorenverträge machten den Sport auch finanziell attraktiver.
Ein entscheidender Durchbruch gelang der BDO schließlich 1978 mit der Austragung der ersten World Professional Darts Championship. Erstmals verfügte der Dartsport damit über eine offizielle Weltmeisterschaft, bei der die führenden Spieler ihrer Generation um den prestigeträchtigsten Titel kämpften.
Innerhalb kurzer Zeit entwickelte sich die Weltmeisterschaft zum unumstrittenen Höhepunkt des Turnierkalenders. Sie wurde zum sportlichen und medialen Aushängeschild der BDO und trug maßgeblich dazu bei, Darts als ernst zu nehmenden Wettkampfsport zu etablieren.

Die Weltmeisterschaft wird zur Institution

Die Premiere der BDO-Weltmeisterschaft wurde 1978 im Heart of the Midlands Club in Nottingham ausgetragen. Als erster Weltmeister ging der Waliser Leighton Rees in die Geschichte ein, der sich im Finale mit 11:7 nach Legs gegen John Lowe durchsetzte. Für seinen Triumph erhielt Rees ein Preisgeld von 3.000 Pfund – eine für die damaligen Verhältnisse beachtliche Summe. Lowe musste sich als unterlegener Finalist mit einer Prämie begnügen, die nur etwas mehr als die Hälfte des Siegerpreisgeldes betrug.
In den folgenden Jahren wechselte die Weltmeisterschaft ihren Austragungsort und machte in Stoke-on-Trent Station. Dort begann insbesondere Eric Bristow, dem Turnier seinen Stempel aufzudrücken. Der Engländer sicherte sich an diesem Schauplatz seine ersten drei von insgesamt fünf Weltmeistertiteln und entwickelte sich zu einer der dominierenden Persönlichkeiten seiner Zeit.
Ein weiterer Meilenstein folgte 1986, als die BDO-Weltmeisterschaft erstmals im Lakeside Country Club in Frimley Green ausgetragen wurde. Die traditionsreiche Spielstätte sollte für mehr als drei Jahrzehnte zur festen Heimat des Turniers werden. Der Name Lakeside entwickelte sich in dieser Zeit zu einem Synonym für die BDO-Weltmeisterschaft und zu einem der bekanntesten Schauplätze der internationalen Darts-Geschichte.
Dank der langjährigen Unterstützung des Tabakkonzerns Embassy als Hauptsponsor wurde das Turnier über Jahrzehnte unter dem Namen Embassy World Professional Darts Championship ausgetragen. Die erfolgreiche Partnerschaft bestand bis einschließlich 2003, ehe ein Verbot von Tabakwerbung bei Sportveranstaltungen im Vereinigten Königreich die Zusammenarbeit beendete. Ab 2004 firmierte die Weltmeisterschaft deshalb unter dem Namen Lakeside World Professional Darts Championship.
Für Generationen von Dartsfans entwickelte sich die Weltmeisterschaft zu einem unverzichtbaren Bestandteil des Sportkalenders. Ihren besonderen Reiz verdankte sie nicht zuletzt der außergewöhnlichen Atmosphäre. Anders als bei vielen modernen Großveranstaltungen wurde das Turnier in einem vergleichsweise kleinen Saal ausgetragen, in dem die Zuschauer das Geschehen aus unmittelbarer Nähe verfolgen konnten. Diese Nähe zwischen Spielern und Publikum, verbunden mit der besonderen Dramatik der über mehrere Sätze ausgetragenen Begegnungen, verlieh der Weltmeisterschaft einen unverwechselbaren Charakter.
Der Lakeside Country Club wurde zu jenem Ort, an dem aus talentierten Dartspielern gefeierte Stars werden konnten. Zwar handelte es sich streng genommen lediglich um eine inoffizielle Weltmeisterschaft, da die BDO der World Darts Federation angehörte, die mit dem World Cup einen eigenen Wettbewerb veranstaltete. Doch innerhalb der Dartswelt herrschte weitgehend Einigkeit darüber, welchen Stellenwert das Turnier tatsächlich besaß: Die BDO-Weltmeisterschaft galt als die einzig wahre Weltmeisterschaft des Sports. Ihr Titel war die begehrteste Auszeichnung im professionellen Darts, und wer die Trophäe gewann, durfte sich für die folgenden zwölf Monate Weltmeister nennen.
Mit diesem prestigeträchtigen Wettbewerb trug die BDO entscheidend dazu bei, den Dartsport auf eine neue Stufe zu heben. Die Weltmeisterschaft bot den Spielern ein klares sportliches Ziel, auf das sie ihre Karriere ausrichten konnten. Gleichzeitig schuf sie für Fernsehsender und Sponsoren eine attraktive Plattform, die ihnen eine langfristige Verbindung mit dem wachsenden Sport ermöglichte.
Neben der Weltmeisterschaft etablierten sich auch die World Masters als eines der bedeutendsten Turniere im internationalen Darts. Der Wettbewerb wurde bereits 1974 erstmals ausgetragen und entwickelte sich über die Jahre zu einer weiteren prestigeträchtigen Veranstaltung. Gemeinsam mit der Weltmeisterschaft bildeten die World Masters das sportliche Fundament des BDO-Turnierkalenders.
In dieser Ära war die British Darts Organisation weit mehr als ein gewöhnlicher Verband, der lediglich Wettbewerbe organisierte und Spielpläne erstellte. Sie fungierte als maßgebliche Institution des internationalen Spitzendarts und bestimmte in erheblichem Umfang darüber, welche Spieler die Möglichkeit erhielten, sich auf den größten Bühnen des Sports zu präsentieren.
Doch ausgerechnet in einer Phase, in der die Popularität des Dartsports immer neue Höhen erreichte, zeichneten sich erste grundlegende Schwierigkeiten ab. Ein Konflikt begann sich zu entwickeln, der nicht nur die Vormachtstellung der BDO erschüttern, sondern die gesamte Zukunft des professionellen Dartsports nachhaltig verändern sollte.
Olly Croft im Krankenbett.
BDO-Gründer Olly Croft erhält am Krankenbett Besuch von Darts-Legende Andy Fordham und dessen Ehefrau. Croft prägte die Entwicklung des britischen Dartsports über mehrere Jahrzehnte maßgeblich.

Die Glanzzeit der BDO: Große Namen prägen eine ganze Darts-Generation

In den 1970er- und 1980er-Jahren erlebte der Dartsport einen bemerkenswerten Aufschwung und entwickelte sich zu einem festen Bestandteil der britischen Fernsehlandschaft. Die erfolgreichsten Spieler wurden einem immer größeren Publikum bekannt, während die Weltmeisterschaft mit ihren regelmäßig hochdramatischen Endspielen für Begeisterung sorgte. Darts war längst nicht mehr nur ein traditioneller Kneipensport, sondern hatte sich zu einem ernst zu nehmenden sportlichen Wettbewerb mit wachsender medialer Aufmerksamkeit entwickelt.
Vor allem Persönlichkeiten wie Eric Bristow, John Lowe und Jocky Wilson avancierten zu echten Ikonen. Sie verkörperten eine Generation von Spielern, die den Dartsport einem breiten Publikum näherbrachte und entscheidend dazu beitrug, ihn dauerhaft in der britischen Sportkultur zu verankern. Ihre sportlichen Erfolge und unverwechselbaren Charaktere machten sie zu Aushängeschildern einer Ära, die bis heute als eine der prägendsten in der Geschichte des Darts gilt.
Eine besonders herausragende Rolle spielte Eric Bristow, der unter seinem Spitznamen „The Crafty Cockney“ weltweite Bekanntheit erlangte. Mit seinen außergewöhnlichen Leistungen und seinem selbstbewussten, bisweilen provokanten Auftreten entwickelte sich der Engländer zu einem der größten Publikumsmagneten seiner Zeit. Nachdem er bereits drei Weltmeistertitel im West Midlands Club gefeiert hatte, fügte er seiner beeindruckenden Bilanz im Lakeside Country Club zwei weitere WM-Triumphe hinzu. Sein großer Rivale John Lowe bildete dazu in vielerlei Hinsicht den Gegenpol: Der Engländer überzeugte durch seine bemerkenswerte Ruhe am Oche, seine technische Präzision und seine außergewöhnlichen Fähigkeiten am Dartboard.
Doch nicht nur Bristow, Lowe und Wilson prägten diese erfolgreiche Epoche. Auch Bob Anderson und Dennis Priestley gehörten zu den bedeutenden Persönlichkeiten des Sports, ehe mit Phil Taylor ein Spieler die große Bühne betrat, der die Dartswelt über Jahrzehnte dominieren sollte. Seine ersten beiden Weltmeistertitel gewann „The Power“ noch unter dem Dach der BDO. Anschließend sicherte er sich bei der PDC weitere 14 WM-Trophäen und stieg mit insgesamt 16 Weltmeistertiteln zum unangefochtenen Rekordchampion auf.
Die stetig wachsende Popularität des Dartsports eröffnete der BDO zugleich neue wirtschaftliche Perspektiven. Größere Turniere, attraktive Sponsorenverträge und eine zunehmende Präsenz im Fernsehen sorgten dafür, dass sich der Sport immer stärker professionalisierte. Für die erfolgreichsten Spieler bedeutete diese Entwicklung einen entscheidenden Fortschritt: Dank steigender Preisgelder, regelmäßiger Fernsehauftritte und lukrativer Werbepartnerschaften wurde es zunehmend möglich, den Lebensunterhalt vollständig mit dem Dartsport zu bestreiten.
Phil Taylor in Aktion.
Phil Taylor gewann seine ersten beiden Weltmeistertitel unter dem Dach der BDO, bevor er mit 14 weiteren WM-Triumphen bei der PDC zum erfolgreichsten Dartspieler der Geschichte aufstieg.
Doch der wirtschaftliche Aufschwung des Dartsports stand auf einem zunehmend unsicheren Fundament. Gegen Ende der 1980er-Jahre verschwand die Sportart weitgehend aus den Programmen der großen britischen Fernsehsender. Während zuvor noch zahlreiche Turniere regelmäßig im Fernsehen übertragen worden waren, konzentrierte sich die Berichterstattung schließlich fast ausschließlich auf die Weltmeisterschaft.
Dieser Rückgang der medialen Aufmerksamkeit hatte gravierende Konsequenzen. Ohne regelmäßige Fernsehübertragungen verlor der Sport für potenzielle Sponsoren erheblich an Attraktivität. Gleichzeitig schwanden für die Spieler die Möglichkeiten, durch Preisgelder und Werbeverträge ein ausreichendes Einkommen zu erzielen und sich dauerhaft eine professionelle Karriere aufzubauen.
Für die BDO markierte diese Entwicklung einen entscheidenden Wendepunkt. Ausgerechnet jener Verband, der maßgeblich dazu beigetragen hatte, Darts zu einem populären Fernsehsport zu machen, war nicht in der Lage, die mediale Präsenz auf dem Niveau der erfolgreichen Vorjahre zu halten. Die einst vielversprechende Professionalisierung des Sports geriet zunehmend ins Stocken.
Unter den führenden Spielern machte sich deshalb immer größere Unzufriedenheit breit. Viele Profis warfen der Verbandsführung vor, nicht entschlossen genug auf die veränderten Rahmenbedingungen zu reagieren. Sie forderten zusätzliche Turniere, eine intensivere Suche nach Sponsoren und vor allem bessere wirtschaftliche Perspektiven, um ihren Sport langfristig auf professionellem Niveau ausüben zu können.
Die Spannungen zwischen den Spitzenspielern und der BDO-Führung verschärften sich zunehmend. Insbesondere die Haltung des langjährigen Verbandschefs Olly Croft gegenüber den Forderungen der Profis sorgte für wachsenden Unmut. Was zunächst als Auseinandersetzung über die sportliche und wirtschaftliche Zukunft des Darts begonnen hatte, entwickelte sich schließlich zu einem Konflikt, der in einer historischen Spaltung gipfeln sollte.

Die historische Spaltung: Wie aus einem Machtkampf die PDC entstand

Zu Beginn der 1990er-Jahre eskalierte der Konflikt zwischen der British Darts Organisation und einer Gruppe der bekanntesten Spieler des Sports. Die Profis waren mit den bestehenden Strukturen zunehmend unzufrieden und verlangten grundlegende Veränderungen. Im Mittelpunkt ihrer Forderungen standen mehr professionelle Turniere, eine stärkere Präsenz im Fernsehen und deutlich bessere finanzielle Rahmenbedingungen.
Im Januar 1992 zogen die unzufriedenen Spieler schließlich Konsequenzen und gründeten den World Darts Council (WDC). Insgesamt 16 Profis schlossen sich der neuen Organisation an, darunter nahezu sämtliche noch aktiven ehemaligen Weltmeister. Ihr Ziel war es, unabhängig von der BDO eigene Veranstaltungen auf die Beine zu stellen und das bislang weitgehend ungenutzte kommerzielle Potenzial des professionellen Dartsports konsequenter auszuschöpfen.
Mit der Gründung des WDC verfügten die abtrünnigen Spieler erstmals über eine ernsthafte Alternative zu den etablierten Strukturen der BDO. Doch anstatt eine einvernehmliche Lösung herbeizuführen, löste dieser Schritt einen erbitterten Machtkampf aus. Im Zentrum stand die grundlegende Frage, wer künftig die Kontrolle über den professionellen Dartsport ausüben würde.
Die BDO war keineswegs bereit, die Abspaltung ihrer prominentesten Spieler widerstandslos hinzunehmen. Im Januar 1993 erreichte die Auseinandersetzung schließlich ihren Höhepunkt. Die rebellierenden Profis kündigten an, bei der Weltmeisterschaft 1994 nur dann anzutreten, wenn diese unter der Verantwortung des WDC stattfinden würde. Die Reaktion der BDO fiel drastisch aus: Der Verband schloss die betreffenden Spieler von seinen Wettbewerben aus. Damit war die endgültige Trennung zwischen den beiden Lagern besiegelt.
Die Weltmeisterschaft 1993 ging somit als letzte Ausgabe in die Geschichte ein, bei der die gesamte damalige Weltspitze noch gemeinsam um den Titel kämpfte. John Lowe krönte sich in diesem Jahr zum dritten und letzten Mal zum Weltmeister, nachdem er Alan Warriner im Finale bezwungen hatte. Schon ein Jahr später bot sich den Dartsfans ein völlig neues Bild: Ab 1994 veranstalteten die BDO und der WDC jeweils ihre eigene Weltmeisterschaft. Der Sport hatte fortan zwei konkurrierende Titelkämpfe.
In den folgenden Jahren entwickelte sich der World Darts Council organisatorisch weiter und benannte sich schließlich in Professional Darts Corporation (PDC) um. Mit diesem Schritt ging auch eine klarere strategische Ausrichtung einher. Die Organisation erhob nicht länger den Anspruch, als übergeordneter Dachverband den gesamten Dartsport zu vertreten, sondern konzentrierte ihre Bemühungen gezielt auf die Förderung, Vermarktung und Weiterentwicklung des professionellen Spitzendarts.
Der erbitterte Konflikt zwischen den beiden Organisationen wurde auch vor Gericht ausgetragen und zog sich über mehrere Jahre hin. Letztlich musste die BDO akzeptieren, dass die Spieler selbst entscheiden durften, unter welchem Verband sie antreten wollten. Damit war die Position der PDC innerhalb der internationalen Dartswelt endgültig gefestigt. Die Auswirkungen dieser Entscheidung waren weitreichend: Von nun an existierten zwei eigenständige Weltmeisterschaften sowie zwei voneinander getrennte Turnierserien.
Für die Anhänger des Sports bedeutete diese Entwicklung einen tiefgreifenden Einschnitt. Erstmals waren die besten Dartspieler der Welt nicht mehr geschlossen bei denselben Veranstaltungen zu sehen. Stattdessen verteilten sich die großen Namen auf zwei konkurrierende Organisationen. Die BDO verlor damit ihre jahrzehntelange Alleinstellung als Ausrichter der maßgeblichen Weltmeisterschaft und musste sich fortan gegen einen ernst zu nehmenden Rivalen behaupten.
Rückblickend zählt die Spaltung zu den folgenreichsten Ereignissen in der Geschichte des professionellen Dartsports. Aus dem Aufstand einer Gruppe unzufriedener Spitzenspieler war eine neue Organisation hervorgegangen, die sich in den folgenden Jahrzehnten zum dominierenden Akteur entwickeln sollte. Die PDC schuf die Grundlage für eine wirtschaftliche und mediale Erfolgsgeschichte, während die BDO zunehmend ins Hintertreffen geriet und schließlich in nahezu allen kommerziell entscheidenden Bereichen von ihrem einstigen Herausforderer überholt wurde.
John Lowe in Aktion.
John Lowe gewann 1993 seinen dritten und letzten BDO-Weltmeistertitel. Es war die letzte Weltmeisterschaft vor der historischen Spaltung des Dartsports, aus der die heutige PDC hervorging.

Die PDC auf dem Vormarsch: Wie die BDO zunehmend ihre besten Spieler verlor

Nach der historischen Spaltung des Dartsports standen beide Organisationen vor der Herausforderung, ihre Zukunft unabhängig voneinander zu gestalten. Während die BDO zunächst an ihren etablierten Strukturen festhielt und weiterhin auf ihre traditionsreichen Turniere, das landesweite County-System und die Weltmeisterschaft im Lakeside Country Club setzte, verfolgte die neu gegründete Konkurrenz einen anderen Ansatz. Die PDC begann gezielt damit, eine umfangreichere und wirtschaftlich attraktivere Profitour aufzubauen.
In den folgenden Jahren erweiterte die PDC ihren Turnierkalender kontinuierlich und sicherte sich zunehmend lukrative Fernseh- und Sponsorenverträge. Diese Entwicklung ermöglichte es der Organisation, deutlich höhere Preisgelder auszuschütten und den professionellen Dartsport auf eine neue wirtschaftliche Grundlage zu stellen. Für Spieler, die ihren Lebensunterhalt vollständig mit Darts bestreiten wollten, eröffneten sich dadurch immer attraktivere Perspektiven.
Der Abstand zwischen den beiden konkurrierenden Verbänden wurde mit der Zeit immer deutlicher. Während die PDC sowohl sportlich als auch finanziell stetig an Bedeutung gewann, geriet die BDO zunehmend ins Hintertreffen. Für zahlreiche ambitionierte Profis stellte sich deshalb irgendwann kaum noch die Frage, welche Organisation die besseren Zukunftsaussichten bot. Wer sich regelmäßig mit der absoluten Weltspitze messen und gleichzeitig von den höchsten Preisgeldern profitieren wollte, entschied sich immer häufiger für einen Wechsel zur PDC.
Dennoch blieb die BDO zunächst ein wichtiger Bestandteil der internationalen Dartslandschaft. Insbesondere bei der Förderung und Entwicklung neuer Talente erfüllte der Traditionsverband weiterhin eine bedeutende Funktion. Nachwuchsspieler konnten sich bei nationalen und internationalen Wettbewerben beweisen, wertvolle Erfahrungen sammeln und durch gute Leistungen auf sich aufmerksam machen. Für viele spätere Weltklassespieler führte der Weg in den professionellen Spitzensport zunächst über die Turniere der BDO.
Gerade diese Rolle als Talentschmiede entwickelte sich allerdings zunehmend zu einem grundlegenden Problem. Die BDO bot aufstrebenden Spielern die Möglichkeit, sich sportlich weiterzuentwickeln und einen Namen zu machen, musste anschließend jedoch immer wieder mitansehen, wie ihre größten Stars zur finanziell überlegenen Konkurrenz abwanderten. Besonders deutlich zeigte sich diese Entwicklung am Beispiel von Raymond van Barneveld. Der Niederländer war über Jahre hinweg eines der bekanntesten Gesichter der BDO, gewann unter ihrem Dach vier Weltmeistertitel und leistete einen entscheidenden Beitrag dazu, den Dartsport in seiner Heimat zu einem Massenphänomen zu machen.
Im Jahr 2006 entschied sich Van Barneveld schließlich für einen Wechsel zur PDC. Ausschlaggebend war vor allem sein Wunsch, sich regelmäßig mit den stärksten Spielern der Welt zu messen – allen voran mit dem damaligen Dominator Phil Taylor. Für die PDC bedeutete die Verpflichtung des niederländischen Publikumslieblings einen enormen sportlichen und medialen Gewinn. Die BDO hingegen verlor nicht nur einen ihrer erfolgreichsten Spieler, sondern zugleich eines ihrer wichtigsten internationalen Aushängeschilder.
Der Abgang von Van Barneveld sollte jedoch keineswegs ein Einzelfall bleiben. Bereits 2007 folgten mit Michael van Gerwen, Jelle Klaasen und Vincent van der Voort weitere prominente Niederländer seinem Beispiel. Damit büßte die BDO innerhalb kurzer Zeit erneut mehrere herausragende Talente ein, die zu den vielversprechendsten Spielern des niederländischen Dartsports zählten.
Auch abseits der Niederlande setzte sich die Abwanderung namhafter Profis fort. Mit Gary Anderson, Mark Webster, Simon Whitlock und Robert Thornton entschieden sich im Laufe der Jahre weitere international erfolgreiche Spieler dafür, ihre Karriere unter dem Dach der PDC fortzusetzen. Jeder dieser Wechsel stärkte die sportliche Qualität der aufstrebenden Organisation und schwächte gleichzeitig die Konkurrenzfähigkeit der BDO.
Besonders schmerzhaft waren schließlich jene Abgänge, bei denen die BDO ihre amtierenden Weltmeister unmittelbar nach deren größten Erfolgen verlor. So wechselte Stephen Bunting 2014 zur PDC, nachdem er kurz zuvor noch den Weltmeistertitel im Lakeside Country Club gewonnen hatte. Fünf Jahre später folgte Glen Durrant diesem Beispiel. Der Engländer hatte die BDO-Weltmeisterschaft zwischen 2017 und 2019 dreimal in Folge für sich entschieden, ehe auch er 2019 den Schritt zur PDC wagte.
Der kontinuierliche Verlust etablierter Spitzenspieler und vielversprechender Talente blieb für die BDO nicht ohne Folgen. Mit jedem prominenten Abgang verlor das Teilnehmerfeld an sportlicher Qualität und internationaler Strahlkraft. Gleichzeitig wurde es für den Traditionsverband immer schwieriger, die Attraktivität seiner Turniere aufrechtzuerhalten und sich gegenüber der zunehmend dominierenden PDC zu behaupten.
Dennoch behielt die BDO für zahlreiche Dartspieler eine wichtige Funktion als Sprungbrett in den professionellen Spitzensport. Insbesondere Profis, die sich noch nicht bereit für den Wechsel zur PDC fühlten oder ihre Laufbahn bewusst auf einem anderen Weg vorantreiben wollten, fanden bei der BDO weiterhin attraktive Möglichkeiten, sich auf nationaler und internationaler Ebene zu beweisen.
Dass der Verband über Jahrzehnte hinweg eine bedeutende Rolle bei der Entdeckung und Förderung außergewöhnlicher Talente gespielt hatte, stand außer Frage. Das eigentliche Problem lag vielmehr darin, dass es der BDO immer seltener gelang, diese Spieler langfristig an sich zu binden. Ausgerechnet die größten sportlichen Erfolge ihrer Nachwuchsarbeit kamen dadurch zunehmend der Konkurrenz zugute.

Das Ende einer Ära: Olly Croft verliert nach fast 40 Jahren die Macht

Obwohl Olly Croft die British Darts Organisation seit ihrer Gründung geprägt hatte und über Jahrzehnte hinweg als unumstrittenes Gesicht des Verbands galt, wuchs auch innerhalb der eigenen Reihen die Unzufriedenheit mit seinem Führungsstil. Immer mehr Funktionäre stellten infrage, ob die bestehende Verbandsführung noch in der Lage war, die BDO erfolgreich durch die veränderte Dartslandschaft zu steuern.
Insbesondere in den Jahren nach der historischen Spaltung wurden die kritischen Stimmen zunehmend lauter. Während die PDC ihren Turnierkalender stetig ausbaute und neue wirtschaftliche Möglichkeiten erschloss, gelang es der BDO kaum, zusätzliche Fernsehturniere zu etablieren. Das erhoffte kommerzielle Wachstum blieb weitgehend aus, und der sportliche wie finanzielle Rückstand auf die Konkurrenz vergrößerte sich kontinuierlich.
Im Jahr 2011 erreichten die internen Spannungen schließlich ihren Höhepunkt. Bei der Generalversammlung der BDO kam es zu einem umfassenden Führungswechsel, bei dem nahezu sämtliche amtierenden Vorstandsmitglieder ihre Positionen verloren. Auch Croft musste seinen Posten räumen. Damit endete die jahrzehntelange Vorherrschaft jenes Mannes, der den Verband einst gegründet und seine Entwicklung über beinahe vier Jahrzehnte maßgeblich bestimmt hatte.
Crofts Ausscheiden bedeutete weit mehr als einen gewöhnlichen Wechsel an der Verbandsspitze. Es markierte das Ende einer ganzen Epoche des britischen Dartsports. Seit der Gründung der BDO im Jahr 1973 hatte der Engländer die Geschicke der Organisation gelenkt und entscheidend dazu beigetragen, Darts von einem überwiegend regional organisierten Wettbewerb zu einer landesweit populären und international beachteten Sportart zu entwickeln.
Sein sportpolitisches Vermächtnis blieb allerdings zwiespältig. Auf der einen Seite stand ein Funktionär, der mit der BDO eine einflussreiche Organisation aufgebaut, die Weltmeisterschaft etabliert und dem Dartsport zu einer bis dahin ungekannten Fernsehpräsenz verholfen hatte. Auf der anderen Seite warfen ihm Kritiker vor, zu lange an überholten Strukturen festgehalten und zu wenig Verständnis für die veränderten Anforderungen des professionellen Spitzensports gezeigt zu haben. Insbesondere seine mangelnde Kompromissbereitschaft gegenüber den Forderungen der führenden Spieler galt vielen als folgenschwerer Fehler.
Denn die Rahmenbedingungen hatten sich inzwischen grundlegend verändert. Die PDC setzte immer konsequenter auf professionelle Vermarktung, wirtschaftliches Wachstum und eine stetige Erweiterung ihres Turnierangebots. Die BDO hingegen kämpfte zunehmend darum, ihre einstige Bedeutung zu bewahren und mit der dynamischen Entwicklung ihres Konkurrenten Schritt zu halten.
Doch auch der personelle Umbruch an der Verbandsspitze brachte nicht die erhoffte Trendwende. Trotz der neuen Führung gelang es der BDO nicht, ihre strukturellen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten nachhaltig zu überwinden. Die Probleme bei der Gewinnung von Sponsoren, der Sicherung ausreichender Einnahmen und der Präsenz im Fernsehen bestanden weiterhin.
So beeindruckend die Geschichte der British Darts Organisation auch war, ihre jahrzehntelangen Verdienste konnten die wachsenden Herausforderungen der Gegenwart nicht aufwiegen. Die ruhmreiche Vergangenheit allein reichte längst nicht mehr aus, um dem Traditionsverband eine erfolgreiche Zukunft zu garantieren.

Der nächste schwere Rückschlag: Die BBC beendet ihre Zusammenarbeit mit der BDO

Ein weiterer einschneidender Moment in der Geschichte der BDO folgte 2016. Die BBC entschied, ihre langjährige Partnerschaft mit der BDO-Weltmeisterschaft nicht fortzusetzen. Damit ging nach 38 Jahren eine der traditionsreichsten Verbindungen zwischen dem britischen Fernsehen und dem Dartsport zu Ende. Stattdessen nahm der öffentlich-rechtliche Sender mit der neu geschaffenen Champions League of Darts ein Turnier der konkurrierenden PDC in sein Programm auf.
Für die BDO war diese Entscheidung ein besonders schwerer Schlag. Schließlich hatte die Weltmeisterschaft über Jahrzehnte hinweg zu den festen Größen im britischen Fernsehkalender gehört. Generationen von Zuschauern waren durch die Übertragungen der BBC mit dem Dartsport in Berührung gekommen. Für viele Fans waren die Bilder aus dem Lakeside Country Club untrennbar mit der Sportart verbunden, sodass der Verlust des traditionsreichen Fernsehpartners weit über die unmittelbaren wirtschaftlichen Folgen hinausging.
Zwar gelang es der BDO zunächst, alternative Übertragungspartner zu finden. Die Weltmeisterschaften 2017 und 2018 wurden von Channel 4 und BT Sport ausgestrahlt. Ab 2019 übernahmen schließlich Quest und Eurosport die Fernsehberichterstattung über das Turnier.
Damit blieb die BDO-Weltmeisterschaft zwar weiterhin im Fernsehen präsent, doch die enorme Reichweite und öffentliche Aufmerksamkeit, die ihr die BBC über Jahrzehnte verschafft hatte, ließ sich nicht in vergleichbarem Umfang ersetzen. Für den Verband wurde es dadurch noch schwieriger, neue Sponsoren zu gewinnen, bestehende Partnerschaften wirtschaftlich attraktiv zu gestalten und ein breites Publikum für seine Veranstaltungen zu begeistern.
Gleichzeitig setzte die PDC ihren beeindruckenden wirtschaftlichen Aufstieg fort. Dank ihrer immer stärkeren kommerziellen Position konnte sie bei ihrer Weltmeisterschaft kontinuierlich höhere Preisgelder ausschütten. Das steigende sportliche Niveau und die wachsende mediale Aufmerksamkeit machten ihre Veranstaltungen sowohl für Fernsehsender als auch für finanzkräftige Sponsoren zunehmend interessant.
Die gegensätzliche Entwicklung der beiden Organisationen trat damit immer deutlicher zutage. Während sich die PDC endgültig als führende Organisation des professionellen Dartsports etablierte und ihre Marktposition weiter ausbaute, konzentrierten sich die Bemühungen der BDO zunehmend darauf, überhaupt noch ihre bestehenden Turniere und wirtschaftlichen Grundlagen zu erhalten.
Die finanziellen Schwierigkeiten des Traditionsverbands ließen sich inzwischen kaum noch übersehen. Zwar genoss die Weltmeisterschaft im Lakeside Country Club weiterhin ein hohes Ansehen und verfügte über eine lange, prestigeträchtige Geschichte. Doch hinter den Kulissen fehlten der BDO zunehmend die finanziellen Reserven, um wirtschaftliche Rückschläge aufzufangen und den Fortbestand ihrer Veranstaltungen langfristig abzusichern.

Die fünf erfolgreichsten Spieler der BDO-Weltmeisterschaft

SpielerAnzahl der BDO-WeltmeistertitelJahre
Eric Bristow51980, 1981, 1984, 1985, 1986
Raymond van Barneveld41998, 1999, 2003, 2005
John Lowe31979, 1987, 1993
Martin Adams32007, 2010, 2011
Glen Durrant32017, 2018, 2019

Das Krisenjahr 2019: Organisatorisches Chaos und finanzielle Schwierigkeiten

Im Jahr 2019 spitzte sich die ohnehin angespannte Lage der British Darts Organisation weiter zu. Die Probleme des Traditionsverbands traten immer deutlicher zutage und erreichten bei den World Masters, einem der prestigeträchtigsten Turniere im BDO-Kalender, einen besonders besorgniserregenden Höhepunkt.
Vor allem kurzfristige Änderungen am Qualifikationsverfahren sorgten unter den teilnehmenden Spielern für erhebliche Verunsicherung. Offenbar waren einige Profis nicht ordnungsgemäß für den Wettbewerb registriert worden, während andere von den neu eingeführten Teilnahmebedingungen überhaupt nichts wussten. Auch bei der Auslosung kam es zu gravierenden Unregelmäßigkeiten. Die Organisation verlief derart chaotisch, dass sogar Namen in der Auslosung auftauchten, hinter denen keine tatsächlich teilnehmenden Spieler standen.
Die Vorfälle lösten massive Kritik an der Verbandsführung aus und zogen schließlich weitreichende Konsequenzen nach sich. Die World Darts Federation (WDF) reagierte auf die organisatorischen Missstände, indem sie die BDO zum assoziierten Mitglied herabstufte. Gleichzeitig kündigte der internationale Dachverband an, Wettbewerbe der BDO künftig nicht mehr offiziell anzuerkennen. Als Begründung führte die WDF unter anderem Verstöße gegen geltende Regularien sowie Veränderungen an der Auslosung während des laufenden Turniers an.
Für die BDO bedeutete diese Entscheidung einen weiteren schweren Rückschlag. Nachdem der Verband seine einstige Vormachtstellung im internationalen Spitzendarts bereits weitgehend an die PDC verloren hatte, geriet nun auch seine institutionelle Anerkennung zunehmend ins Wanken. Doch die Schwierigkeiten beschränkten sich längst nicht mehr auf organisatorische Fehlleistungen. Hinter den Kulissen verschärfte sich gleichzeitig eine wirtschaftliche Krise, die den Fortbestand des Verbands immer stärker bedrohte.
Die BDO kämpfte zunehmend damit, ausreichende Einnahmen zu erwirtschaften und ihre wichtigsten Veranstaltungen finanziell abzusichern. Besonders deutlich wurde dies bei den Vorbereitungen auf die Weltmeisterschaft 2020, für die es nicht gelang, einen neuen Hauptsponsor zu gewinnen. Hinzu kam ein Ticketverkauf, der erheblich hinter den Erwartungen zurückblieb. Die ausbleibenden Einnahmen setzten schließlich auch die Finanzierung der Preisgelder massiv unter Druck.
Zusätzliche Aufmerksamkeit erregte die Entscheidung, mit einer jahrzehntelangen Tradition zu brechen. Nach 33 Jahren verabschiedete sich die BDO-Weltmeisterschaft vom legendären Lakeside Country Club in Frimley Green und zog für die Ausgabe 2020 in die Indigo-Halle des Londoner O2-Komplexes um. Mit dem Standortwechsel verband die Verbandsführung die Hoffnung auf einen dringend benötigten Neuanfang. Doch weder die neue Spielstätte noch der Abschied von der traditionsreichen Lakeside-Bühne konnten die tief verwurzelten strukturellen und finanziellen Probleme der BDO beheben.

Wayne Warren wird zum letzten BDO-Weltmeister – ein historischer Triumph im Schatten des Niedergangs

Die BDO-Weltmeisterschaft 2020 sollte schließlich als letzte Ausgabe in die Geschichte des traditionsreichen Verbands eingehen. Bereits kurz vor dem Turnierbeginn wurde das ganze Ausmaß der wirtschaftlichen Krise deutlich. Der damalige BDO-Vorsitzende Des Jacklin musste bekannt geben, dass die ursprünglich vorgesehenen Preisgelder drastisch reduziert werden müssten. Hintergrund waren vor allem die erfolglose Suche nach einem neuen Hauptsponsor und der enttäuschende Ticketverkauf. Lediglich ein geringer Teil der verfügbaren Eintrittskarten hatte Abnehmer gefunden, sodass dem Verband wichtige Einnahmen fehlten.
Die kurzfristige Ankündigung löste unter den teilnehmenden Spielern erhebliche Verärgerung aus. Viele Profis hatten sich über Wochen und Monate intensiv auf den sportlichen Höhepunkt ihrer Saison vorbereitet, ohne letztlich Gewissheit darüber zu haben, welche finanziellen Prämien sie für ihre Leistungen erwarten konnten. Die fehlende Planungssicherheit und die drastischen Einschnitte sorgten für wachsende Unzufriedenheit mit der Verbandsführung.
Wie gravierend die finanziellen Schwierigkeiten inzwischen waren, zeigte sich besonders deutlich am Preisgeld des späteren Weltmeisters. Wayne Warren sicherte sich den Titel im Herreneinzel, erhielt für seinen größten sportlichen Erfolg jedoch lediglich 23.000 Pfund. Gegenüber der Siegprämie des Vorjahres bedeutete dies einen Rückgang von rund 77 Prozent. Der prestigeträchtige Weltmeistertitel hatte damit innerhalb von nur zwölf Monaten einen erheblichen Teil seines finanziellen Wertes verloren.
Noch deutlicher wurde das Ausmaß des Niedergangs im direkten Vergleich mit der konkurrierenden PDC. Während Warren für seinen Triumph bei der BDO-Weltmeisterschaft 23.000 Pfund erhielt, durfte sich Peter Wright als Sieger der PDC-Weltmeisterschaft 2020 über eine Prämie von 500.000 Pfund freuen. Diese enorme Diskrepanz machte unmissverständlich deutlich, wie weit sich die beiden Organisationen wirtschaftlich mittlerweile voneinander entfernt hatten.
Auch im Damenwettbewerb sorgten die drastischen Preisgeldkürzungen für erhebliche Kritik. Besonders prominent äußerte sich Fallon Sherrock, die erst wenige Wochen zuvor bei der PDC-Weltmeisterschaft 2019 mit zwei Siegen gegen männliche Konkurrenten Darts-Geschichte geschrieben hatte. Aus Protest gegen die reduzierten Prämien entschied sich die Engländerin, auf ihre Teilnahme an der BDO-Weltmeisterschaft zu verzichten. Ihr Rückzug wurde zu einem weiteren sichtbaren Zeichen für die wachsende Unzufriedenheit innerhalb der Spielerschaft.
Die Weltmeisterschaft 2020 stand somit nicht nur im Zeichen einer existenzbedrohenden finanziellen Krise, sondern auch eines zunehmenden Vertrauensverlusts in die Verantwortlichen der BDO. Trotz aller Schwierigkeiten wurde der Wettbewerb jedoch regulär zu Ende gespielt. Im Finale setzte sich Wayne Warren gegen seinen walisischen Landsmann Jim Williams durch und sicherte sich damit einen besonderen Platz in den Geschichtsbüchern: Er sollte als letzter Weltmeister im Herreneinzel unter dem Dach der British Darts Organisation in Erinnerung bleiben.
Für ein Turnier, das über Jahrzehnte hinweg zu den bedeutendsten und prestigeträchtigsten Veranstaltungen des internationalen Dartsports gezählt hatte, war dies ein ausgesprochen bitteres Ende. Warren hatte mit seinem WM-Triumph den größten Erfolg seiner Karriere gefeiert, doch die Organisation, die ihm diese Bühne geboten hatte, stand unmittelbar vor dem endgültigen Zusammenbruch. Während der Waliser seinen historischen Titelgewinn bejubeln durfte, zeichnete sich hinter den Kulissen bereits ab, dass die traditionsreiche BDO-Weltmeisterschaft keine Zukunft mehr haben würde.
Wayne Warren mit seinem WM-Titel.
Wayne Warren schrieb 2020 Darts-Geschichte: Der Waliser krönte sich zum letzten BDO-Weltmeister, erhielt für seinen Titelgewinn jedoch nur 23.000 Pfund Preisgeld.

Des Jacklin und das endgültige Aus: Nach 47 Jahren verschwindet die BDO

In der letzten Phase der British Darts Organisation rückte vor allem ein Mann in den Mittelpunkt: Des Jacklin. Der Ehemann der Dartspielerin Paula Jacklin war zum prägenden Gesicht des angeschlagenen Traditionsverbands geworden und sollte die BDO durch eine ihrer schwierigsten Phasen führen. Doch trotz aller Bemühungen erwiesen sich die wirtschaftlichen Probleme letztlich als zu gravierend, um den drohenden Zusammenbruch noch abzuwenden.
Im März 2020 kündigte Jacklin seinen Rücktritt von seinen Ämtern als Geschäftsführer, Vorsitzender und Direktor der BDO an. Bereits zuvor hatte er eindringlich vor den finanziellen Konsequenzen des enttäuschenden Ticketverkaufs und der fehlenden Sponsoreneinnahmen gewarnt. Die Einnahmeausfälle hatten den Verband zunehmend unter Druck gesetzt. Eine nachhaltige Verbesserung der wirtschaftlichen Situation gelang jedoch nicht, sodass die Zukunft der traditionsreichen Organisation immer ungewisser wurde.
Die Entwicklungen nahmen anschließend eine weitere überraschende Wendung. Nur einen Monat nach seinem angekündigten Rückzug stand Jacklin erneut an der Spitze der BDO. Doch auch seine Rückkehr konnte das endgültige Aus nicht mehr verhindern. Im September 2020 wurde die British Darts Organisation schließlich liquidiert. Damit endete nach 47 Jahren die Geschichte jenes Verbands, den Olly Croft am 7. Januar 1973 ins Leben gerufen hatte und der den professionellen Dartsport über Jahrzehnte hinweg entscheidend geprägt hatte.
Für eine Organisation, die einst als unangefochtenes Zentrum des internationalen Spitzendarts gegolten hatte, war es ein dramatischer Schlusspunkt. Der Niedergang war allerdings keineswegs über Nacht gekommen. Vielmehr hatten sich die Schwierigkeiten über viele Jahre hinweg aufgestaut: der schrittweise Verlust wichtiger Fernsehübertragungen, die kontinuierliche Abwanderung zahlreicher Spitzenspieler zur PDC, das ausbleibende kommerzielle Wachstum und schließlich die schwerwiegenden organisatorischen Versäumnisse der letzten Jahre. Zusammengenommen hatten diese Entwicklungen die wirtschaftliche und sportliche Grundlage der BDO immer weiter geschwächt.
Das Ende des Verbands bedeutete jedoch keineswegs das Ende des organisierten Dartsports in Großbritannien. Mit der United Kingdom Darts Association (UKDA) entstand eine Organisation, die eine wichtige Rolle bei der Fortführung des traditionellen County-Darts übernahm. Gleichzeitig setzte die World Darts Federation (WDF) ihre internationalen Wettbewerbe fort und etablierte zu einem späteren Zeitpunkt erneut eine eigene Weltmeisterschaft. Damit blieben wesentliche Bestandteile jener Strukturen erhalten, die über Jahrzehnte eng mit der BDO verbunden gewesen waren.
Die British Darts Organisation selbst aber gehörte endgültig der Vergangenheit an. Nach fast einem halben Jahrhundert war die Geschichte eines Verbands zu Ende gegangen, der den Dartsport einst groß gemacht hatte, am Ende jedoch nicht mehr mit dessen Entwicklung Schritt halten konnte.
Des Jacklin.
Des Jacklin war der letzte Vorsitzende der BDO. Trotz seines Versuchs, den finanziell angeschlagenen Traditionsverband zu retten, konnte er dessen endgültiges Aus im September 2020 nicht verhindern.

Ikonische Spiele: Diese WM-Duelle schrieben Darts-Geschichte

Die British Darts Organisation und insbesondere ihre traditionsreiche Weltmeisterschaft im Lakeside Country Club waren über Jahrzehnte hinweg Schauplatz unzähliger denkwürdiger Begegnungen. Dramatische Entscheidungen, überraschende Titelgewinne und sportliche Höchstleistungen sorgten für Momente, die bis heute fest im Gedächtnis vieler Dartsfans verankert sind. Aus der Vielzahl legendärer Partien eine Auswahl zu treffen, fällt entsprechend schwer. Drei Duelle stechen jedoch besonders hervor und verdienen einen Platz in der Geschichte der BDO.
Den Anfang macht das legendäre WM-Finale von 1992 zwischen Phil Taylor und Mike Gregory. Die beiden Engländer lieferten sich einen packenden Schlagabtausch, der von hohen Scores, starken Checkouts und einer kaum zu überbietenden Dramatik geprägt war. Erst im elften und entscheidenden Satz sollte die Entscheidung fallen, wobei auch dort ein Tiebreak notwendig wurde. Gregory stand mehrfach unmittelbar vor seinem ersten Weltmeistertitel, konnte seine Chancen jedoch nicht nutzen. Zunächst vergab er zwei Matchdarts auf Doppel 8, anschließend zwei weitere auf Tops und schließlich noch einmal zwei auf Doppel 10. Insgesamt ließ er damit sechs Möglichkeiten aus, das Finale für sich zu entscheiden. Gregory war somit der erste Spieler, der in einem WM-Endspiel Matchdarts auf ein Doppelfeld vergab und anschließend noch verlor. Erst 2018 wiederholte sich dieses Schicksal, als Mark McGeeney im Finale der BDO-Weltmeisterschaft gegen Glen Durrant ebenfalls entscheidende Chancen auf den Titel ungenutzt ließ.
Taylor bestrafte die vergebenen Möglichkeiten seines Landsmanns und erzwang schließlich ein Sudden-Death-Leg. In diesem alles entscheidenden Leg behielt „The Power“ die Nerven und setzte sich durch. Damit sicherte er sich seinen zweiten Weltmeistertitel. Gleichzeitig stellte Taylor mit einem Average von 97,58 Punkten einen bemerkenswerten Rekord auf: Kein Spieler sollte bei einem Finale der BDO-Weltmeisterschaft jemals einen höheren Drei-Dart-Average erzielen. Diese Bestmarke hatte bis zur letzten Austragung im Jahr 2020 Bestand.
Nicht weniger bemerkenswert war das WM-Finale von 2006, das ebenfalls einen festen Platz in der Geschichte des Turniers einnimmt. Erstmals und zugleich zum einzigen Mal standen sich bei einer BDO-Weltmeisterschaft zwei Niederländer im Endspiel gegenüber. Es blieb darüber hinaus das einzige rein niederländische Finale bei einer Darts-Weltmeisterschaft. Der viermalige Champion Raymond van Barneveld traf auf seinen erst 21 Jahre alten Landsmann Jelle Klaasen, der bei seinem Debüt im Lakeside Country Club sensationell bis ins Finale vorgedrungen war.
Die Favoritenrolle war vor der Partie eindeutig verteilt. Van Barneveld hatte die BDO-Weltmeisterschaft bereits viermal gewonnen und wollte mit seinem fünften Triumph endgültig zu den erfolgreichsten Spielern der Turniergeschichte aufschließen. Auch sein großes Idol Eric Bristow war anwesend, als „Barney“ nach einem weiteren WM-Titel griff. Doch der junge Herausforderer ließ sich von der Erfahrung und den Erfolgen seines Gegners nicht beeindrucken. Klaasen spielte mutig und unbekümmert auf, setzte den Favoriten immer wieder unter Druck und gewann das Finale schließlich mit 7:5 Sätzen. Während Van Barneveld eine bittere Niederlage hinnehmen musste, feierte sein Landsmann im Alter von gerade einmal 21 Jahren den größten Erfolg seiner noch jungen Karriere.
Mit seinem überraschenden Triumph schrieb Klaasen niederländische Darts-Geschichte. Nach Van Barneveld war er erst der zweite Spieler aus den Niederlanden, der sich zum BDO-Weltmeister krönen konnte. Im Jahr 2012 sollte mit Christian Kist ein weiterer Niederländer folgen, der Tony O'Shea im Finale ebenfalls mit 7:5 Sätzen besiegte. Für Van Barneveld wiederum markierte die Niederlage gegen Klaasen einen historischen Wendepunkt. Das Endspiel von 2006 war sein letzter Auftritt bei einer BDO-Weltmeisterschaft. Wenig später wechselte der Publikumsliebling zur PDC, wo er seine erfolgreiche Karriere fortsetzte und später einen weiteren Weltmeistertitel gewann.
Nur ein Jahr später erlebten die Zuschauer im Lakeside Country Club ein weiteres denkwürdiges Finale, das als eines der dramatischsten Duelle in die Geschichte der BDO-Weltmeisterschaft eingehen sollte. 2007 standen sich Martin Adams und Phil Nixon gegenüber. Lange Zeit deutete alles auf einen souveränen Triumph von Adams hin, der zuvor bereits WM-Endspiele gegen Raymond van Barneveld verloren hatte. „Wolfie“ dominierte die Partie zunächst nach Belieben und erspielte sich eine scheinbar uneinholbare 6:0-Führung nach Sätzen. Im Lakeside Country Club rechnete zu diesem Zeitpunkt kaum noch jemand mit einer Wende. Die Vorbereitungen für die Siegerehrung schienen bereits beginnen zu können.
Doch Phil Nixon hatte sich noch längst nicht aufgegeben. Der Engländer startete eine schier unglaubliche Aufholjagd und kämpfte sich Satz für Satz zurück in die Begegnung. Aus dem 0:6 wurde zunächst ein 1:6, dann ein 2:6, 3:6, 4:6 und schließlich ein 5:6. Als Nixon tatsächlich auch den zwölften Satz für sich entschied, war die Sensation perfekt: Plötzlich stand es 6:6. Das Publikum im Lakeside Country Club erlebte fassungslos mit, wie ein längst entschieden geglaubtes WM-Finale innerhalb kürzester Zeit zu einem völlig offenen Krimi wurde.
Im alles entscheidenden 13. Satz bewies Adams jedoch seine Nervenstärke. Trotz des zwischenzeitlich vollständig verspielten Vorsprungs fand der Engländer rechtzeitig zu seinem Spiel zurück, setzte sich schließlich durch und krönte sich erstmals zum BDO-Weltmeister. Für „Wolfie“ war es ein emotionaler Triumph nach zuvor verpassten Titelchancen – und zugleich der Beginn einer bemerkenswerten Erfolgsgeschichte. In den Jahren 2010 und 2011 gewann Adams zwei weitere Weltmeistertitel und festigte damit endgültig seinen Platz unter den größten Spielern der BDO-Geschichte.

Ein Vermächtnis, das weiterlebt: Warum die BDO den Dartsport für immer geprägt hat

Die Geschichte der British Darts Organisation allein auf ihren dramatischen Niedergang zu reduzieren, würde ihrer Bedeutung für den Sport nicht gerecht werden. Fast ein halbes Jahrhundert lang prägte der Verband die Entwicklung des Darts maßgeblich und schuf Strukturen, ohne die der heutige professionelle Dartsport in dieser Form kaum vorstellbar wäre.
Die BDO veranstaltete die erste professionelle Darts-Weltmeisterschaft, leistete einen entscheidenden Beitrag zur Vereinheitlichung der Spielregeln und bot mehreren Generationen von Spielern eine Bühne, auf der sie sich mit den Besten messen konnten. Damit schuf sie wichtige Voraussetzungen für die zunehmende Professionalisierung und internationale Popularität des Sports.
Ohne die BDO würde die Dartswelt heute zweifellos anders aussehen. Zahlreiche Legenden, die den Sport über Jahrzehnte hinweg geprägt haben, feierten ihre ersten großen Erfolge unter dem Dach des Traditionsverbands. Viele von ihnen wurden bei BDO-Turnieren zu internationalen Stars, ehe sie ihre Karriere später bei der PDC fortsetzten.
Gleichzeitig verdeutlicht der Niedergang der Organisation, welche Folgen es haben kann, wenn ein Sportverband auf grundlegende Veränderungen seines Umfelds nicht rechtzeitig reagiert. Die PDC erkannte früh, dass der professionelle Dartsport nur mit einem umfangreicheren Turnierangebot, höheren Preisgeldern und einer stärkeren kommerziellen Vermarktung nachhaltig wachsen konnte. Der BDO gelang es hingegen nicht, auf diese Entwicklung eine überzeugende Antwort zu finden.
Der entscheidende Wendepunkt war die historische Spaltung zu Beginn der 1990er-Jahre. Mit der Gründung des World Darts Council, aus dem später die PDC hervorging, entstand erstmals ein ernsthafter Konkurrent. Von diesem Zeitpunkt an musste sich die BDO gegen eine Organisation behaupten, die zunehmend finanzkräftige Sponsoren gewann, ihre Fernsehpräsenz ausbaute und immer attraktivere Bedingungen für die besten Spieler der Welt schuf.
Die kontinuierliche Abwanderung prominenter Profis verschärfte die Situation zusätzlich. Mit jedem verlorenen Star wurde es schwieriger, die sportliche Qualität und internationale Anziehungskraft der eigenen Turniere aufrechtzuerhalten. Als schließlich auch die BBC ihre jahrzehntelange Zusammenarbeit beendete und die finanziellen Schwierigkeiten immer größer wurden, geriet die Zukunft des Verbands zunehmend in Gefahr.
Die letzte BDO-Weltmeisterschaft im Jahr 2020 wurde schließlich zum tragischen Sinnbild dieses Niedergangs. Während sich Wayne Warren mit seinem Titelgewinn einen Lebenstraum erfüllte, fiel seine Siegprämie erheblich geringer aus als die seiner Vorgänger. Hinter den Kulissen stand die Organisation, die über Jahrzehnte hinweg für unzählige sportliche Höhepunkte gesorgt hatte, bereits unmittelbar vor dem endgültigen Zusammenbruch.
Die British Darts Organisation existiert heute nicht mehr, doch ihre Spuren sind im Dartsport weiterhin allgegenwärtig. Die traditionsreiche Geschichte der Weltmeisterschaft, die unvergesslichen Momente im Lakeside Country Club und die außergewöhnlichen Karrieren zahlreicher Champions bleiben untrennbar mit dem Namen BDO verbunden.
Was 1973 als Initiative von Olly Croft begann, entwickelte sich zu einer der bedeutendsten Institutionen der Darts-Geschichte. Zwar gelang es der BDO am Ende nicht, sich den veränderten Anforderungen des modernen Profisports anzupassen und ihre eigene Zukunft zu sichern. Doch ihr Vermächtnis reicht weit über das Ende des Verbands hinaus: Die BDO schuf einen wesentlichen Teil jenes Fundaments, auf dem der professionelle Dartsport bis heute aufbaut.
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