„Den Ersten, der lacht, dem haue ich sofort aufs Kinn“ – Vincent van der Voort kann Jeffrey de Zwaans Gefühlslage nach der bitteren Niederlage bestens nachvollziehen
PDCVincent van der Voort kennt dieses Gefühl nur zu gut – und genau deshalb trifft ihn die Niederlage von Jeffrey de Zwaan besonders. Der Niederländer verspielte auf der Euro Tour eine komfortable 5:0-Führung und unterlag am Ende noch mit 5:6 gegen Dave Chisnall. Für Van der Voort zählt genau dieses Szenario zu den härtesten Momenten im Darts, weil er selbst einmal in exakt derselben Lage steckte.
Der erfahrene Profi spricht offen über die mentale Wucht eines solchen Einbruchs. „Das ist wirklich extrem bitter“, erklärt er im Podcast Darts Draait Door. Eine klare Führung, die plötzlich kippt, hinterlässt Spuren. „Du gehst von der Bühne und fühlst dich einfach schlecht. Das lässt sich kaum in Worte fassen.“
Wenn ein Spiel plötzlich kippt
Van der Voort erinnert sich noch genau an seine eigene schmerzhafte Erfahrung. Bei einem Euro-Tour-Event in Gibraltar führte er selbst mit 5:0, ehe er die Partie gegen Nathan Aspinall noch verlor. Für ihn sind das Spiele, die sich tief einprägen – und die man am liebsten nie wieder sehen würde. „Solche Matches schaust du dir kein zweites Mal an“, sagt er. „Ich habe jedenfalls kein Bedürfnis danach.“
Aus seiner Sicht beginnt der Knackpunkt im Kopf. Bei einer deutlichen Führung schleichen sich Gedanken ein, die gefährlich werden können. „Bei 5:0 denkst du, das Ding ist durch“, erklärt Van der Voort. „Dann wird es 5:1, und du bleibst ruhig. Aber bei 5:3 merkst du plötzlich: Jetzt muss ich liefern. Und ehe du dich versiehst, steht es 5:5.“ In diesem Moment verändert sich das gesamte Spielgefühl. Die Kontrolle ist weg, der Druck liegt plötzlich auf der anderen Seite – und genau das macht die Situation so schwierig.
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Auch bei De Zwaan erkannte er diesen Verlauf. Kleine Fehler summieren sich, das Timing geht verloren, und das Selbstvertrauen bröckelt Stück für Stück. Dabei muss der Gegner nicht einmal überragend spielen. „Dann läuft alles gegen dich“, sagt Van der Voort. Entscheidend sei in dieser Phase vor allem die eigene Haltung. „Du darfst dich nicht als Opfer sehen. Du musst wütend auf dich selbst sein. Du musst dir sagen: Das darf mir nicht passieren.“
Hinzu kommt ein weiterer Faktor, der solche Niederlagen besonders hart macht: die Öffentlichkeit. Auf großen Bühnen bleibt nichts verborgen. „Du fühlst dich wirklich blamiert, wenn du runtergehst“, erklärt er. „Jeder hat es gesehen, jeder redet darüber. Das macht es noch schlimmer.“
Wut als Antrieb statt Selbstmitleid
Van der Voort spricht auch offen über seine eigenen Emotionen nach einer solchen Niederlage. Direkt nach dem Match fällt es schwer, die Kontrolle zu behalten. „Ich bin damals in den Practice-Raum gegangen und dachte nur: Wenn jetzt einer lacht, gibt es Ärger“, erzählt er. Natürlich bleibt es bei Gedanken – doch sie zeigen, wie groß der Frust in diesem Moment ist.
Zum Glück konnte er die Situation schnell verlassen. Seine Sachen standen bereits bereit, der Weg führte direkt ins Hotelzimmer. Genau das sei in solchen Momenten entscheidend. „Du willst einfach nur weg. Raus aus der Halle, raus aus der Situation.“
Doch selbst danach verschwindet das Gefühl nicht sofort. Die Niederlage bleibt präsent – auch, weil sie jeder gesehen hat. „Im Practice-Raum, zu Hause vor dem Fernseher, überall“, sagt Van der Voort. Dazu kommen Nachrichten von außen, Fragen, Kommentare. „Die Leute wollen wissen, wie das passieren konnte. Das sind wirklich harte Momente.“
Trotzdem sieht er genau darin auch eine Chance. Für ihn liegt der Schlüssel darin, die Emotionen richtig zu nutzen. „Du musst dich darüber ärgern – richtig ärgern“, betont er. „Aber dann musst du daraus Energie ziehen. Du musst dir sagen: Das passiert mir kein zweites Mal.“ Selbstmitleid helfe in dieser Situation nicht weiter.
Dass sich der Frust auch anders entladen kann, gibt er offen zu. „Ich habe zu Hause schon mein Board von der Wand gerissen“, erzählt er. „Danach hing es schief – aber das gehört dazu.“ Für ihn ist klar: Emotionen müssen raus, sonst bleiben sie im Kopf.
Schwieriger Moment für De Zwaan
Für Jeffrey de Zwaan kommt diese Niederlage zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Er arbeitet noch immer daran, wieder konstant auf Topniveau zu spielen und sich auf der Euro Tour zu etablieren. „Er ist nicht jedes Mal automatisch dabei, er muss sich immer wieder qualifizieren“, erklärt Van der Voort.
Gerade deshalb hätte ihm ein Sieg gegen Chisnall enorm geholfen. Solche Matches bieten nicht nur Selbstvertrauen, sondern auch die Chance, sich mit weiteren Topspielern zu messen. „Das sind die Spiele, an denen du dich messen kannst“, sagt er.
Van der Voort sieht bei De Zwaan weiterhin großes Potenzial, macht aber auch deutlich, worauf es jetzt ankommt. „Er ist ein Spieler, der in seinen Rhythmus kommen muss“, erklärt er. „Bei ihm läuft es nicht einfach von allein.“ Der Schlüssel liege in harter Arbeit, viel Training und dem klaren Willen, sich zu verbessern.
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Theo StodiekRedakteur
Theo ist seit 2025 Teil der Redaktion von Dartsnews.de und berichtet dort über den professionellen Dartsport. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf der Erstellung von Liveblogs zu großen Turnieren und wichtigen Ereignissen, darunter die European Tour und die PDC World Darts Championship (WM). Dabei begleitet er das Geschehen in Echtzeit und ordnet Ergebnisse, Spielverläufe und Entwicklungen fortlaufend ein. Darüber hinaus schreibt er aktuelle Berichte und Hintergrundtexte rund um die internationale Darts-Szene.
Seine journalistische Laufbahn begann Theo als Praktikant und später als Werkstudent beim Online-Gaming-Magazin EarlyGame. Aktuell studiert er Ressortjournalismus an einer Hochschule. Theo arbeitet aus München und ist in seiner redaktionellen Arbeit eng mit Nicolas Gayer und Oliver Ried vernetzt. In seiner Berichterstattung legt er Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, klare Einordnung und die zeitnahe Aktualisierung von Inhalten, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.
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Aktuelle Kommentare
- Keiner der Spieler darf sich über Pfiffe oder nicht vorhandenen Respekt beschweren. Ich war Donnerstag, Freitag, Samstagabend und Sonntagnachmittag vor Ort. Es war immer ein sehr faires Publikum. Und wenn Littler und seine Mutter jetzt auch noch respektvoll mit anderen Spielern umgehen, sollte den Aussagen von Littler nichts im Wege stehen.
Grobi25-10-2026 - Sorry, Mensur, zu spät. Wer solche Aussagen in tiefer Emotionalität äußert, der meint diese ernst. Denn das rationale Denken funktioniert in solchen (positiven) Stressmomenten seltens. Und wenn die Wahrnehmung so eingeschränkt ist, dass ich als Profispieler nicht mitbekomme, dass mein Gegner Matchdarts hat, dann stimmt in der Wahrnehmung etwas nicht. Also sorry, Mensur. Entschuldigung nicht angenommen, zumindest von mir. Und was vom Inhalt seines Statement ist mit KI geschrieben? Steht ganz oben. NI wäre hier angebracht gewesen.
Grobi12-10-2026 - Weiß man ob es die rechte oder linke Hand ist? In jedem Fall extrem bitter….Robertuil09-10-2026
- Ricke Evans ist Stand jetzt für die WM qualifiziert. Quelle: Dartsrankings In der ProTour Rangliste werden die Personen rausgerechnet, die bereits qualifiziert sind. Das hat der Autor hier nicht berücksichtigt.FabianD24-09-2026
- Aspinall lag 1:3 hinten , nicht 1:4 🎯Pool1809419-09-2026
- Was ein toller Mensch er doch gewesen ist. Der deutsche Dartsport wäre ohne ihn lange nicht da, wo er heute wäre. Super Artikel 👍ArturBoruc24-08-2026
- Und wer ist jetzt für Amsterdam qualifiziert?Julian1122-08-2026
- Er hat keinen Bock auf Deutschland und findet es hier schrecklich, weil er (zwei-)mal bei einem oder zwei Turnieren von einigen "Dartfans" ausgepfiffen wurde. Das mochte er nicht und deswegen bleibt es Deutschland fern. Ausnahme war der World Cup, da siegte sein Patriotismus und der Ehrgeiz, einmal alles gewonnen zu haben. Er hat es auch mal selbst so geschrieben bzw gesagt, dass er Deutschland (gemeint sind wahrscheinlich Turniere in Deutschland) schrecklich findet.
Grobi18-08-2026 - Danke für den ausführlichen Bericht über Jamie. Generell finde ich es klasse das du dich "fast vergessenen Spielern" annimmst. Wäre grundsätzlich bei Dartnews ein interessantes Dauerthema.XJRLion18-08-2026
- „Littler findet Deutschland einfach ein schreckliches Land“Reißerische Überschrift, aber Gründe lieferst du leider keine. Klar kann man verstehen das einige Topspieler, wie kürzlich Gary Anderson, sagten das er "keinen Bock darauf habe" mehrere Std. am Flughafen zu stehen bis es aufgrund aller Kontrollen weitergeht. Doch erklär uns, gerade aufgrund deiner Überschrift, bitte warum Luke scheinbar grundsätzlich keinen Bock auf Deutschland hat.XJRLion18-08-2026









