„Den Ersten, der lacht, dem haue ich sofort aufs Kinn“ – Vincent van der Voort kann Jeffrey de Zwaans Gefühlslage nach der bitteren Niederlage bestens nachvollziehen

PDC
Freitag, 20 März 2026 um 14:30
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Vincent van der Voort kennt dieses Gefühl nur zu gut – und genau deshalb trifft ihn die Niederlage von Jeffrey de Zwaan besonders. Der Niederländer verspielte auf der Euro Tour eine komfortable 5:0-Führung und unterlag am Ende noch mit 5:6 gegen Dave Chisnall. Für Van der Voort zählt genau dieses Szenario zu den härtesten Momenten im Darts, weil er selbst einmal in exakt derselben Lage steckte.
Der erfahrene Profi spricht offen über die mentale Wucht eines solchen Einbruchs. „Das ist wirklich extrem bitter“, erklärt er im Podcast Darts Draait Door. Eine klare Führung, die plötzlich kippt, hinterlässt Spuren. „Du gehst von der Bühne und fühlst dich einfach schlecht. Das lässt sich kaum in Worte fassen.“

Wenn ein Spiel plötzlich kippt

Van der Voort erinnert sich noch genau an seine eigene schmerzhafte Erfahrung. Bei einem Euro-Tour-Event in Gibraltar führte er selbst mit 5:0, ehe er die Partie gegen Nathan Aspinall noch verlor. Für ihn sind das Spiele, die sich tief einprägen – und die man am liebsten nie wieder sehen würde. „Solche Matches schaust du dir kein zweites Mal an“, sagt er. „Ich habe jedenfalls kein Bedürfnis danach.“
Aus seiner Sicht beginnt der Knackpunkt im Kopf. Bei einer deutlichen Führung schleichen sich Gedanken ein, die gefährlich werden können. „Bei 5:0 denkst du, das Ding ist durch“, erklärt Van der Voort. „Dann wird es 5:1, und du bleibst ruhig. Aber bei 5:3 merkst du plötzlich: Jetzt muss ich liefern. Und ehe du dich versiehst, steht es 5:5.“ In diesem Moment verändert sich das gesamte Spielgefühl. Die Kontrolle ist weg, der Druck liegt plötzlich auf der anderen Seite – und genau das macht die Situation so schwierig.
Auch bei De Zwaan erkannte er diesen Verlauf. Kleine Fehler summieren sich, das Timing geht verloren, und das Selbstvertrauen bröckelt Stück für Stück. Dabei muss der Gegner nicht einmal überragend spielen. „Dann läuft alles gegen dich“, sagt Van der Voort. Entscheidend sei in dieser Phase vor allem die eigene Haltung. „Du darfst dich nicht als Opfer sehen. Du musst wütend auf dich selbst sein. Du musst dir sagen: Das darf mir nicht passieren.“
Hinzu kommt ein weiterer Faktor, der solche Niederlagen besonders hart macht: die Öffentlichkeit. Auf großen Bühnen bleibt nichts verborgen. „Du fühlst dich wirklich blamiert, wenn du runtergehst“, erklärt er. „Jeder hat es gesehen, jeder redet darüber. Das macht es noch schlimmer.“

Wut als Antrieb statt Selbstmitleid

Van der Voort spricht auch offen über seine eigenen Emotionen nach einer solchen Niederlage. Direkt nach dem Match fällt es schwer, die Kontrolle zu behalten. „Ich bin damals in den Practice-Raum gegangen und dachte nur: Wenn jetzt einer lacht, gibt es Ärger“, erzählt er. Natürlich bleibt es bei Gedanken – doch sie zeigen, wie groß der Frust in diesem Moment ist.
Zum Glück konnte er die Situation schnell verlassen. Seine Sachen standen bereits bereit, der Weg führte direkt ins Hotelzimmer. Genau das sei in solchen Momenten entscheidend. „Du willst einfach nur weg. Raus aus der Halle, raus aus der Situation.“
Doch selbst danach verschwindet das Gefühl nicht sofort. Die Niederlage bleibt präsent – auch, weil sie jeder gesehen hat. „Im Practice-Raum, zu Hause vor dem Fernseher, überall“, sagt Van der Voort. Dazu kommen Nachrichten von außen, Fragen, Kommentare. „Die Leute wollen wissen, wie das passieren konnte. Das sind wirklich harte Momente.“
Trotzdem sieht er genau darin auch eine Chance. Für ihn liegt der Schlüssel darin, die Emotionen richtig zu nutzen. „Du musst dich darüber ärgern – richtig ärgern“, betont er. „Aber dann musst du daraus Energie ziehen. Du musst dir sagen: Das passiert mir kein zweites Mal.“ Selbstmitleid helfe in dieser Situation nicht weiter.
Dass sich der Frust auch anders entladen kann, gibt er offen zu. „Ich habe zu Hause schon mein Board von der Wand gerissen“, erzählt er. „Danach hing es schief – aber das gehört dazu.“ Für ihn ist klar: Emotionen müssen raus, sonst bleiben sie im Kopf.

Schwieriger Moment für De Zwaan

Für Jeffrey de Zwaan kommt diese Niederlage zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Er arbeitet noch immer daran, wieder konstant auf Topniveau zu spielen und sich auf der Euro Tour zu etablieren. „Er ist nicht jedes Mal automatisch dabei, er muss sich immer wieder qualifizieren“, erklärt Van der Voort.
Gerade deshalb hätte ihm ein Sieg gegen Chisnall enorm geholfen. Solche Matches bieten nicht nur Selbstvertrauen, sondern auch die Chance, sich mit weiteren Topspielern zu messen. „Das sind die Spiele, an denen du dich messen kannst“, sagt er.
Van der Voort sieht bei De Zwaan weiterhin großes Potenzial, macht aber auch deutlich, worauf es jetzt ankommt. „Er ist ein Spieler, der in seinen Rhythmus kommen muss“, erklärt er. „Bei ihm läuft es nicht einfach von allein.“ Der Schlüssel liege in harter Arbeit, viel Training und dem klaren Willen, sich zu verbessern.
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