„Die Hoffnung ruht sicher nicht allein auf meinen Schultern, es kommt immer mehr Talent nach“ - Mike De Decker sieht der Zukunft des belgischen Darts positiv entgegen

PDC
Samstag, 07 März 2026 um 8:30
Mike De Decker (1)
Für Mike De Decker scheint die Saison endlich die richtige Wendung zu nehmen. Der belgische Darter erlebte nach seinem großen Durchbruch eine schwierige Phase, in der er mit seinem Material und seinem Gefühl auf der Bühne haderte. Doch ein scheinbar kleines Detail – eine andere Shaft-Länge – hat seiner Aussage nach einen riesigen Unterschied gemacht.
Nach seinem 10:8-Sieg gegen Adam Lipscombe in der vierten Runde der UK Open sprach De Decker offen über sein zurückgewonnenes Selbstvertrauen, die Suche nach dem richtigen Set-up und seine Ambitionen, wieder um die großen Titel mitzuspielen.

Eine unerwartete Entdeckung in Polen

Die Wende begann eigentlich zufällig bei einem Turnier in Polen. Dort bemerkte De Decker, dass er aus Versehen mit einem anderen Set-up spielte als üblich. „Es ist eigentlich eine lustige Geschichte“, erzählt der 30-jährige Belgier. „Ich war vor zwei Wochen in Polen. Am Freitag spielte ich mit einem etwas längeren Shaft, aber meine Flights waren fast kaputt. Also nahm ich sie ab und warf sie weg.”
Einen Tag später merkte er, dass etwas an seinen Darts anders war. „Als ich die Shafts herausnahm, sah ich, dass sie kürzer waren als normal. Ich schaute auf die Verpackung und tatsächlich: Normalerweise spiele ich mit L-Style-Shafts in 190, aber diese waren 130.”
Normalerweise würde ein Spieler sofort zu seinem vertrauten Material zurückkehren, doch De Decker hatte keine Alternative dabei. „Ich hatte keine anderen dabei, also dachte ich: gut, dann spiele ich eben damit.”
Zu seiner eigenen Überraschung fühlte es sich sofort besser an. „Auch wenn ich dieses Match verlor, spielte ich dennoch einen Average von 100. Und zum ersten Mal seit einem Jahr fühlte ich mich wieder wohl mit meinen Darts.”

Zurück zum alten Gefühl

Diese unerwartete Entdeckung überzeugte De Decker, das Set-up vorerst beizubehalten. „Nach Polen reiste ich direkt weiter nach Leicester zu den nächsten Players Championships. Ich dachte: Lass ich das hier einfach ein paar Wochen so.”
Das erwies sich als gute Entscheidung. „Plötzlich fühlte ich mich deutlich wohler als im vergangenen Jahr. Das sah man auch bei den Players Championships. Ich spielte dreimal in Folge einen Average um die 100.”
Auch in seinem jüngsten Match bestätigte er dieses Niveau. „In achtzehn Legs einen Average von 95 oder 96 zu spielen, ist einfach gut. Hoffentlich kann ich das halten und dieses Jahr wieder eine starke Serie hinlegen.”

Das schwierige Jahr nach dem Durchbruch

De Decker schaffte seinen endgültigen Durchbruch, als er überraschend den World Grand Prix gewann. Dieser Titel ließ die Erwartungen sprunghaft ansteigen – sowohl von außen als auch bei ihm selbst. „Wenn du einmal ein Major gewinnst, denkst du automatisch, dass du jedes Major gewinnen kannst“, erklärt er.
Danach stellte sich jedoch heraus, dass es schwieriger als gedacht ist, dieses Niveau konstant zu halten. Obwohl er noch starke Auftritte zeigte, etwa beim Grand Slam of Darts, ging das Gefühl danach verloren. „Nach der WM lief es schlechter und dann wechselte ich auch noch zu Mission Darts.”
Dieser Materialwechsel erwies sich am Ende als größere Umstellung als erwartet. „Ich habe acht oder neun Jahre mit demselben Dart-Set bei meinem vorherigen Sponsor gespielt. Wenn du dann plötzlich komplett auf etwas Neues umsteigst, dauert es einfach länger, sich daran zu gewöhnen.”
Laut De Decker spielte dieser Übergang eine große Rolle in seinem Formtief. „Mission hat mir zwar gut geholfen, ein Set zu finden, das zu mir passt, aber es brauchte einfach Zeit.”
Mike De Decker in Aktion
Mike De Decker trifft in den letzten 32 der UK Open auf Rob Cross

Von „Ich werde gewinnen“ zu „Ich hoffe zu gewinnen“

Den Unterschied spürte er vor allem mental. „2024 ging ich in jedes Spiel mit dem Gedanken: Ich werde das gewinnen. Letztes Jahr war es eher: Ich hoffe, dass ich gewinne.”
Das mag klein wirken, macht auf Topniveau laut De Decker aber einen enormen Unterschied. Der jüngste Sieg gab ihm daher einen kräftigen Schub. „Es war ein sehr spannendes Match. Mein Gegner spielte gut und ich musste wirklich kämpfen. Aber ich habe es über die Ziellinie gebracht, und das gibt Vertrauen.”
In der entscheidenden Phase blieb er cool. „Es stand 9:8 und ich gewann mein Leg mit einem 81er Finish. Natürlich bist du dann noch nervös, aber mittlerweile gehe ich besser damit um.”

Premier League Darts als große Motivation

Ein weiteres Thema war die Premier League Darts. Trotz seines Major-Titels wurde De Decker damals nicht für die prestigeträchtige Liga nominiert. „Nach 2024 wurde ich nicht für die Premier League Darts ausgewählt. Zu dem Zeitpunkt fand ich ehrlich gesagt, dass ich es verdient hatte.”
Inzwischen sieht er das differenzierter. „Wenn man schaut, wie mein 2025 letztlich verlaufen ist, war es vielleicht sogar gut, dass ich nicht dabei war.”
Es bleibt jedoch ein Ziel. „Natürlich möchte ich dort irgendwann spielen. Hoffentlich kann ich wieder eine gute Serie hinlegen und zeigen, was ich kann. Vielleicht bin ich nächstes Jahr dabei.”

Kein Druck, die Hoffnung des belgischen Darts zu tragen

Mit Spielern wie Dimitri Van den Bergh und Kim Huybrechts zählt Belgien seit Jahren zu den stärkeren Dartsnationen außerhalb des Vereinigten Königreichs. Dennoch wurde De Decker in den vergangenen Jahren bisweilen als neue belgische Hoffnung gesehen. Selbst verspürt er diesen Druck inzwischen nicht mehr. „Vor ein paar Jahren habe ich das schon gefühlt. Auch letztes Jahr noch ein wenig. Aber jetzt nicht mehr.”
Seiner Meinung nach steht das belgische Darts derzeit besser da denn je. „Zu Zeiten von Kim und Ronny Huybrechts waren es eigentlich nur die beiden. Danach hattest du Kim und Dimitri.”
Nun ist die Breite seiner Ansicht nach größer. „Jetzt hast du Dimitri, Kim und mich, und dazu kommen noch Spieler wie Mario Vandenbogaerde und Stefaan Henderyck.
Auch im Nachwuchs sieht er Potenzial. „Da kommen wirklich Talente nach. Das ist nur gut für den Sport.”

Realistische Ziele für das Turnier

Obwohl De Decker derzeit klar in besserer Form ist, bleibt er bei großen Aussagen über seine Chancen im Turnier vorsichtig. Historisch liegt ihm dieser Wettbewerb nämlich nicht immer. „Das ist nie wirklich mein bestes Turnier gewesen“, gibt er ehrlich zu.
Deshalb hält er sein Ziel schlicht. „Ich nehme es Match für Match. Das ist eigentlich das Einzige, was man tun kann.”
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