DISKUSSION | Flanders Darts Trophy: Premier-League-Rufe für James Wade, Gabriel Clemens überzeugt und Belgien enttäuscht

PDC
Montag, 14 September 2026 um 15:30
James Wade (2)
Die Flanders Darts Trophy hat mit James Wade den jüngsten European Tour-Sieger hervorgebracht. Er bezwang Ross Smith mit 8:4 und feierte damit den zweiten Titel in Serie. Mit Blick auf die Major-Phase mehren sich bereits die Spekulationen um das nächste Premier League Darts-Aufgebot, in dem Wade und Smith beide gute Karten für die Ausgabe 2027 haben.
„The Machine“ gewann seinen ersten Titel auf der European Tour seit über einem Jahrzehnt. Eine bemerkenswert lange Durststrecke endete damit für einen der Großen dieser Kategorie. Er wehrte „Smudger“ ab, der in seinem vierten European Tour-Finale in den letzten neun Turnieren stand, aber den dritten Titel verpasste.
Diese Analyse beleuchtet, wie gut Wades Chancen, neben anderen Kandidaten, auf ein Premier-League-Comeback stehen. Zudem geht es um die Form von Gian van Veen, Damon Heta und Beau Greaves, während das belgische Darts nach einem durchschnittlichen Auftritt auf heimischem Boden kritisch betrachtet wird.

Ergebnisse im Überblick - Flanders Darts Trophy

Achtelfinale 

Spieler 1ErgebnisSpieler 2
Gian van Veen6–5Kevin Doets
Chris Dobey6–5Ryan Searle
Ryan Joyce6–5Jermaine Wattimena
Ross Smith6–5Gerwyn Price
James Wade6–5Rob Cross
Danny Noppert6–4Wessel Nijman
Damon Heta6–3Luke Woodhouse
Nathan Aspinall6–4Stephen Bunting

Viertelfinale

Spieler 1ErgebnisSpieler 2
Gian van Veen6–3Chris Dobey
Ross Smith6–5Ryan Joyce
James Wade6–0Danny Noppert
Damon Heta6–5Nathan Aspinall

Halbfinale

Spieler 1ErgebnisSpieler 2
Ross Smith7–6Gian van Veen
James Wade7–4Damon Heta

Finale

Spieler 1ErgebnisSpieler 2
James Wade8–4Ross Smith

Wades Titel-Heldentaten befeuern die neuesten Premier-League-Rufe

Nicolas Gayer, Redakteur bei DartsNews.DE, hat Wades herausragende Form der letzten Wochen hervorgehoben und legt mit einer mutigen Premier League Darts-Prognose nach.
Erleben wir den zweiten Frühling eines der größten Dartspieler aller Zeiten? Ich denke ja. James Wade hat endlich eine der großen Anomalien im Darts beendet und nach über zehn Jahren wieder einen European Tour-Pokal in die Höhe gestemmt. Und während eine Durststrecke endet, baut Wade parallel eine bemerkenswerte Siegesserie auf: Seine letzten beiden Auftritte auf einer PDC-Bühne endeten jeweils mit einem Titel — gestern in Antwerpen und vor wenigen Wochen in Wollongong.
Auch wenn es eigentlich zu früh für solche Vorhersagen ist, lege ich mich fest: James Wade kehrt 2027 nach fünf Jahren in die Premier League zurück. Schon sein Status als Nummer sechs der Welt macht ein Übergehen äußerst schwer. Dazu kommt eine neue Dynamik um die englische Legende. Wade zeigt sich offener und aktiver in den sozialen Medien, gewährt seltene Einblicke in sein Leben auf Tour und abseits der Bühne. Der oft stoische Wade wirkt in jüngsten Interviews und Medienauftritten verändert.
James Wade hält die Flanders Darts Trophy und lächelt
Könnte James Wade 2027 für eine Rückkehr in die Premier League Darts infrage kommen?
Mir blieb besonders ein Sky Sports-Beitrag beim World Matchplay im Kopf, in dem Wade auf seine vielen großen Blackpool-Momente zurückblickte. „The Machine“ wirkte fast ein wenig bewegt, ja emotional. Auch das Siegerinterview gestern passte ins Bild, als er warme Worte über seinen Finalgegner Ross Smith und Gespräche mit dessen verstorbener Mutter teilte. 2026 erleben wir eine neue Version von James Wade. Und diese Version gehört für mich in die Premier League.
Neben dem späteren Champion haben mich zwei weitere Spieler an diesem Wochenende besonders überzeugt. Phasenweise wirkte Gian van Veen in Antwerpen deutlich näher an seinem Topniveau. Im Interview erklärte der Niederländer, er habe seinen Stand am Oche angepasst. Jeder, der Darts spielt, kennt die Feinheit des Wurfs. Kleinste Veränderungen können riesige Wirkung entfalten, oft schleichen sie sich unbewusst in den Ablauf ein. Nach van Veens gesundheitlichen Problemen zu Jahresbeginn wäre es kaum überraschend, wenn Ähnliches bei ihm passiert wäre. Vielleicht hat die Nummer drei der Welt nun ein entscheidendes Puzzleteil gefunden, um in den entscheidenden Saisonmonaten sein bestes Spiel wiederzufinden.
Zum Schluss möchte ich auch den „German Giant“ Gabriel Clemens hervorheben. Erst bei seinem zweiten European-Tour-Auftritt der Saison lieferte der Deutsche eine beeindruckende Vorstellung ab und spielte insbesondere im Duell mit Gian van Veen phasenweise Weltklasse-Darts. Es ist eine ereignisreiche Saison für Clemens, die schwer einzuordnen bleibt: Auf starke Höhen folgen immer wieder frustrierende Rückschläge. Der „German Giant“ startete hervorragend ins Jahr, holte seinen ersten PDC-Titel überhaupt und glänzte mit hohen Averages und 9-Dartern. Gleichzeitig folgt, sobald es wirkt, als baue Clemens Schwung auf, oft prompt eine schwächere Leistung. Erschwerend kommt hinzu, dass er sich in diesem Jahr nur einmal für die European Tour qualifizieren konnte und ein weiteres Mal als Nachrücker dabei war – ohne Zweifel eines der größten Probleme seiner Kampagne. Spannend wird sein, ob der Deutsche in den kommenden Wochen auf seinen starken Auftritt in Antwerpen aufbauen kann.

Smith und Nijman sorgen für „Kopfschmerzen bei der Premier-League-Auswahl“

Samuel Gill, Head Editor von DartsNews.com, ergänzt weitere Namen im Rennen um einen Platz in der Premier League Darts.
Die European Tour hatte erneut das Problem, dass viele Topspieler gar nicht erst anreisten. Das spielte jedoch einmal mehr einem gewissen James Wade in die Karten, der prompt wieder auf Tour gewann – ironischerweise bei einem seiner ersten Auftritte nach der Pause nach Australien und Neuseeland.
Sein einziges realistisches Problem: Die großen Namen wie Luke Littler holen weiterhin die Majors, sodass sein Name wohl vorerst nicht auf einem Major-Pokal stehen wird. Wenn es aber einen nächsten Anwärter gibt, könnte es durchaus er sein.
Ein Wort auch zu Ross Smith, der für mich zusammen mit Wade und vielleicht auch Wessel Nijman bei der Premier-League-Nominierung Kopfschmerzen bereiten könnte. Dass „Smudger“ weiterhin auf der großen Bühne liefert, ist ein dickes Plus. Und trotz des klaren 0:6 muss auch Danny Noppert gelobt werden. Er war für mich zuletzt wohl der formstärkste Niederländer neben Van Veen, der weiter Tritt fasst.
Ross Smith jubelt mit geballter Faust
Ross Smith verpasste diesmal seinen dritten European-Tour-Titel
Vor einer intensiven Saisonphase bekommen wir Spieler, die realistische Außenseiterchancen bei Majors haben könnten, falls Luke Littler patzt. Spannende Zeiten.

„Verdient belgischer Darts zwei European-Tour-Events?“

Lucas Michael, Editor bei DartsNews.com, reagiert auf jüngste Gerüchte rund um die Flanders Darts Trophy und stellt Fragen zum aktuellen Zustand des belgischen Darts.
Es gibt Spekulationen über die unsichere Zukunft der Flanders Darts Trophy. Die European-Tour-Events in Belgien könnten halbiert werden. Ehrlich gesagt wäre das in der jetzigen Phase vielleicht nicht die schlechteste Entscheidung.
Zum einen ist Antwerpen nun Gastgeber eines Premier League Darts-Abends, was die Auswirkungen für die lokalen Fans abmildert, da sie weiterhin Weltklasse-Darts sehen können. Dazu kommt die Belgian Darts Open, es gibt also noch reichlich Action für die Anhänger.
Bestätigungen stehen natürlich aus, doch verdient belgischer Darts zwei European-Tour-Events? Mike De Decker verpasste zwei Jahre nach seinem World-Grand-Prix-Triumph die Qualifikation für das Event, Dimitri Van den Bergh ist nur noch ein Schatten seiner selbst und könnte eher früher als später von der PDC Tour verschwinden. Kim Huybrechts hatte die Chance, die Halle zu elektrisieren, vergab aber sechs Matchdarts und verpasste dadurch den World Grand Prix – folglich wird in Leicester kein Belgier dabei sein.
Belgischer Darts floriert nicht, vielmehr befindet er sich in einer Abwärtsspirale mit potenziell großen Folgen. Dennoch ist Belgien deutlich eher ein European-Tour-Standort als Frankreich. Ein neues Land auf der European Tour wäre großartig, aber Spanien, Skandinavien oder auch Irland wären wohl naheliegender.
Mike De Decker und Dimitri Van den Bergh geben sich die Faust.
Ohne Mike De Decker oder Dimitri Van den Bergh bei der Flanders Darts Trophy steht belgischer Darts auf wackeligen Beinen
Mit Blick auf das vergangene Wochenende wirkt es so, als finde James Wade wieder zu seiner Bestform. Für Premier-League-Diskussionen ist es aus meiner Sicht noch zu früh, aber nach seiner umstrittenen Nichtberücksichtigung 2026 muss er im Rennen sein.
Damals ging der Platz an Stephen Bunting, der womöglich nicht einmal bei der European Championship dabei ist. „The Bullet“ erreichte in dieser European-Tour-Saison lediglich ein Viertelfinale – und das weit zurück in Polen –, liegt aber vorerst noch in den provisorischen Qualiplätzen für Dortmund. Da bald viel Preisgeld zu verteidigen ist, muss sich bei Bunting etwas ändern, will er zur Elite zählen.
Beau Greaves hat ihr drittes European-Tour-Event in Serie gespielt und nur einen Sieg geholt. Das mag etwas enttäuschen, bis man sieht, gegen wen sie ranmusste: Rob Cross, Daryl Gurney, Luke Humphries und Damon Heta. Ihre Zeit wird kommen, aber diese steile Lernkurve wird sie besser machen.

Letzte Chance für die World-Grand-Prix-Qualifikation bleibt hinter den Erwartungen zurück

Mats Leering, Redakteur bei DartsNieuws.com war enttäuscht, dass es im Rennen um den World Grand Prix weniger Drama gab, obwohl die Flanders Darts Trophy die letzte Chance für Herausforderer war, sich für das Major zu qualifizieren.
Endlich war wieder James Wade an der Reihe, auf der European Tour zu glänzen. Nach einem Jahrzehnt ohne Titel holte sich „The Machine“ wieder eine Trophäe und stemmte die Flanders Darts Trophy. Besonders beeindruckend waren seine Auftritte gegen Rob Cross und Danny Noppert. Wade spielte einen 101er Average gegen Cross und behielt im Entscheidungsleg die Nerven, um den Ex-Weltmeister zu bezwingen, bevor er in der nächsten Runde sogar noch deutlicher wurde und Noppert zu Null abfertigte.
Auch der Lauf von Damon Heta war äußerst stark. Der Australier hatte gewiss keinen leichten Turnierweg, setzte sich jedoch gegen Beau Greaves, Michael van Gerwen und Nathan Aspinall durch – alle drei Siege kamen im Entscheidungsleg zustande. Am Ende erwies sich Wade jedoch als eine Nummer zu groß für Heta.
Das Ringen um die letzten Plätze beim World Grand Prix geriet dagegen leider weit weniger dramatisch. Joe Cullen und Cristo Reyes schieden beide in ihren Auftaktmatches aus und hatten keine Chance mehr, ihre Position zu verbessern. Cullen reichte es letztlich dennoch zum finalen Ticket, da auch die unmittelbar hinter ihm platzierten Spieler früh scheiterten.
Das dramatischste Match des Wochenendes war zweifellos das Duell zwischen Sebastian Bialecki und Kim Huybrechts, in dem die beiden faktisch um einen einzelnen World-Grand-Prix-Startplatz spielten. Der polnische Youngster steuerte scheinbar mühelos auf einen klaren Sieg zu, ehe Huybrechts zurück auf 5:5 kämpfte und sich Matchchancen erarbeitete.
Was folgte, war pures Drama. Huybrechts vergab sechs Matchdarts, ließ die Gelegenheit entgleiten und legte sie letztlich Bialecki in die Hände. Für mich war das das Spiel des Wochenendes. Es hatte vielleicht wenig Einfluss auf den Ausgang der Flanders Darts Trophy selbst, aber in Sachen Spannung, Bedeutung und purem Nervenkitzel kam nichts anderes heran.
Kim Huybrechts mit den Händen am Kopf
Kim Huybrechts hat seit 2022 nicht mehr beim World Grand Prix gespielt, und sechs verpasste Matchdarts kosteten ihn die Chance auf eine Rückkehr nach Leicester

Wade „in Form“ zum richtigen Zeitpunkt

Pieter Verbeek, Redakteur bei DartsNieuws.com sieht nach Wades jüngstem Titelgewinn ein klares Ausrufezeichen und hebt zugleich van Veens positives Wochenende hervor.
Nach einem Players Championship-Titel und seiner ersten World-Series-Trophäe hat James Wade nun erstmals seit zehn Jahren auch wieder einen European-Tour-Titel hinzugefügt. „The Machine“ sendet das deutliche Signal, dass er pünktlich zur entscheidenden Phase der Saison in Form kommt – eine Periode, in der für Wade viel zu holen ist.
Der Linkshänder steht aktuell auf Rang sechs der Weltrangliste und hat vergleichsweise wenig Preisgeld zu verteidigen. Einige starke Ergebnisse könnten ihn klar in Richtung Rückkehr in die Top Vier der Welt und in Richtung Premier League Darts bringen.
Auch Gian van Veen überzeugte in Antwerpen. „GVV The Giant“ hatte zuletzt hier und da starke Auftritte, doch die echte Konstanz fehlte. Das änderte sich bei der Flanders Darts Trophy, wo er nach Siegen über Gabriel Clemens, Kevin Doets und Chris Dobey das Halbfinale erreichte.
Allerdings verpasste van Veen die Belohnung, als er in seinem Halbfinale gegen Ross Smith zwei Matchdarts ausließ. Smith stand in dieser Saison bereits zum vierten Mal in einem European-Tour-Finale. Trägt er diese European-Tour-Form in die Majors, kann der Engländer in den kommenden Monaten auch in der Weltrangliste deutlich zulegen.
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